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the Curvy Column

Schönheit in der Krise.

Es ist irgendwann in dieser seltsamen Corona-Zeit, in der alles verschwimmt. Auf jeden Fall ist es die Zeit, in der sich meine Frisur langsam aufzulösen beginnt und in eine Art ausgefransten Mopp übergeht. Das Pony zu lang, der Nacken wirft Locken, dafür ist das Resthaar platt wie eine Flunder. Von anderen Frauen höre ich ähnliches: Die einen beklagen ihren herausgewachsenen Haaransatz und googlen nach Färbeanleitungen, die andere greifen mutig selbst zur Schere – für was gibt es schließlich Youtube. Wieder anderen haben der Ästhetik völlig abgeschworen, hängen im Pyjama und mit ungewaschenen Haaren vor Netflix rum. 

 

Auf Instagram versuche ich mich an einem Scherz: Ich erwäge die Bestellung einer Perücke. Die einen finden das Posting lustig, die anderen sind pikiert. Wie ich denn in der momentanen Situation an so etwas Nebensächliches wie meine Frisur denken könnte! Wo draußen doch die Welt untergeht!

Jetzt fühle ich mich schlecht, weil ich schöne Haare will – trotz Krise und Weltuntergang. Weil ich immer noch adrett aussehen möchte, mich täglich schminke und den Haarmopp verzweifelt mit viel Festiger in Form biege. Weil ich mich mit fröhlichen Sommerkleidern, Badeanzügen, Sandaletten und Basttaschen, die nach Urlaub aussehen, beschäftige, obwohl ein ausgeleierter Jogginganzug aktuell völlig reicht. „Kümmere dich mal um die wichtigen Dinge!“ raunzt mich eine Facebook-„Freundin“ an, als ich dort einen Beitrag aus meinem Modeblog hochlade. Verschreckt klicke ich auf „Löschen“.

Dabei ist durchaus beides möglich: Sich um die wichtigen Dinge des Lebens zu kümmern (was immer noch in erster Linie bedeutet: Abstand wahren, Hände waschen und keine Verschwörungstheorien glauben) und mit einer guten Portion schöner Dinge dem Leben ein bisschen Normalität und Leichtigkeit geben. Davon, dass wir einen dunklen Haaransatz und verzottelte Frisuren tragen, werden die großen Probleme nicht kleiner. Davon, dass wir uns alles Schöne im Leben verkneifen, auch nicht. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte: Das kleine Glück der schönen Dinge tut uns gut und lässt uns mit einem Lächeln in die Welt hinaussehen. Damit ist zurzeit schon viel gewonnen. Denn nur, wenn es uns selber gut geht, können wir auch anderen, die vielleicht Hilfe brauchen, gut tun. Nicht zuletzt macht Lebensfreude stark, auch das Immunsystem. Von daher sei uns die Beschäftigung mit den vermeintlich irrelevanten, schönen Dingen gestattet. So irrelevant sind sie nämlich gar nicht. Ein bisschen Make-up, roter Lippenstift und ein schickes Outfit werden die Welt nicht retten, aber für gute Laune sorgen sie auf jeden Fall. Und damit kommen wir allesamt besser durch die Krise. 

***

Diese Kolumne habe ich für die Sommerausgabe von the Curvy Magazine geschrieben, die seit gestern am Kiosk erhältlich ist. Reinschauen lohnt sich! Vor allem, weil the Curvy Magazine in meinen Augen eine Zeitschrift für alle Frauen ist, nicht nur für Plussize. Und sie bietet wirklich tolle Themen und schöne Mode. Was du noch wissen solltest: the Curvy Magazine wird von einem sehr kleinen Team gestemmt und von einem kleinen unabhängigen Verlag produziert. Wenn du das Magazin kaufst oder abonnierst, unterstützt du mit schlappen 5 Euro ein tolles Herzblut-Nischenprojekt, von denen es in unserer Medienlandschaft immer weniger gibt. Auch sie kämpfen in Corona-Zeiten ums Überleben! Und weil ich das immer wieder gefragt werde: Hier kannst du schauen, wo es the Curvy Magazine in deiner Nähe zu kaufen gibt.

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Vielleicht magst du mein Blog abonnieren, dann verpasst du keinen Beitrag mehr! Geht ganz schnell: Mail-Adresse eintragen, absenden und – ganz wichtig!! – den Link in der Bestätigungsmail, die dir im Anschluss zugestellt wird, anklicken. Manchmal versteckt sich diese Mail im Spamfilter. Aber ohne Verifizierung, keine Texterella-Mail! :-) Dass ich mit deiner Adresse keinen Unfug betreibe, du dich auch jederzeit wieder abmelden kannst und dass dieser Service natürlich absolut kostenlos ist, muss ich sicher nicht extra dazusagen. Ich freue mich auf dich!

3834 11 the Curvy Column, 50+ Lifestyle, Column 17.06.2020   the curvy magazine, the curvy column, plussize, kolumne

11 Kommentare

  • Meike
    am Samstag, 18. Juli 2020 um 09:38 Uhr

    Hallo ihr Lieben,

    ja Corona fordert uns alle schon ganz schön viel ab. Ich bin auch riesenfroh, wenn diese Zeit vorüber ist. Aber wir werden uns wohl noch gedulden müssen. Mittlerweile kann man ja wieder zum Frisör gehen und die meisten Geschäfte haben offen. Allerdings alles mit Sicherheitsmake. Ich denke das ist das kleinere Übel. Hoffentlich ist es bald wieder alles normal.

    Habt einen schönen Tag
    Meike

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  • Nicole
    am Montag, 22. Juni 2020 um 10:06 Uhr

    Liebe Susi,
    ich verstehe nicht, warum man sich aufgeben soll. Verschwindet das Virus daher schneller? Nö.
    Deshalb schließe ich mich allen Vorschreiberinnen an:
    An sich und sein Aussehen zu denken, es sich schön zu machen, hilft, Dinge leichter zu nehmen, weil man sich selber gut fühlt.
    Deshalb verlierst du ja nicht das restliche Leben aus dem Blick.
    Also: alles fein!
    Hab eine schöne Woche
    Nicole

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  • Ursula
    am Freitag, 19. Juni 2020 um 20:13 Uhr

    Genau so ist es.  Das drumherum tut doch fürs Gemüt und so gut.
    Eine Tante von mir die hatte nie viel Geld, viele Kinder, etc. eben in den 60ern 70ern und 80ern aber sie ging immer zum Friseur (ich seh sie heute noch vor mir) hatte Lippenstift und immer sauber und ordentlich gekleidet. Sicher sie hatte die Markenware oder das tolle Kleid, aber Sie lief nie rum wie…....
    LG
    Ursula
    PS: Ach ja deine wunderschöne Bluse vom Mädelsflohmarkt ist heute angekommen.

     

     

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  • Andrea
    am Freitag, 19. Juni 2020 um 07:58 Uhr

    Ich werde nie verstehen, was falsch daran sein kann, sich um sein Aussehen zu kümmern, wenn man nicht rausgehen kann. Wie du schon sagst, die Krise wird nicht besser, wenn ich ungepflegt herumlaufen. Im Gegenteil: mich würde es eher deprimieren. Mit der Folge, dass ich mich hängen lasse. Und damit kommt man meiner Ansicht nach am schlechtesten aus einer Krise. Mir war es sogar wichtig, frische Blumen auf dem Tisch zu haben, als ich zu Hause war. Aus dem Supermarkt, alles andere war ja geschlossen. Ökologisch nicht sinnvoll aber für mein Gemüt eine wichtige Sache. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht lebt es sich immer besser. Auch, wenn die Welt aus den Fugen ist.
    Schöne Grüße
    Andrea

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  • Tina von Tinaspinkfriday
    am Donnerstag, 18. Juni 2020 um 12:41 Uhr

    Ich schliesse mich meinen Vorrednerinnen und Dir völlig an.  Ich freue mich auch wenn ich gepflegte Menschen auf der Strasse sehe oder in der Praxis. Ich bin froh über die vielen Lockerungen und gehe mit meiner Tochter am Samstag zum Friseur.  Und am Sonntag gehr es in ein schickes Restaurant in den Weinbergen. Das erste Mal seit Februar ein anderes Wochenende.
    Für mich wird es Zeit für Normalität. Ich freue mich wir haben seit 9 Wochen keinen positiven Abstrich mehr gesehen! :)
    Liebe Grüße Tina

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  • Martina
    am Donnerstag, 18. Juni 2020 um 12:05 Uhr

    Es ist spannend zu lesen, wie wir alle unsere eigenen Konzepte haben, was wir beim Arbeiten zuhause an Schönheit und Schick so brauchen. Vielleicht gibt es zu wenig schicke Morgenmäntel, vielleicht ist da ein großer Bedarf an schönen Jogginghosen? ;-) Ich habe in der Übergangszeit wärmere Kleider für mich entdeckt, die man zuhause ohne Strümpfe tragen kann - was bei meinen Jobs vor Ort nicht ginge. Kleider kann man noch fixer als die Jogginghose anziehen: Unterwäsche an und rein ins Kleid: ein Teil, weniger Aufwand geht nicht. Freiheit plus Schönheit! ;-)

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  • Martina Schmid
    am Donnerstag, 18. Juni 2020 um 10:16 Uhr

    Liebe Susanne
    Vollkommen richtig. Vor allem in Zeiten wie diesen sollte man auf sich achten, auch auf das eigene Äußere. Ein Gespräch mit einem Kunden im Bademantel vom Homeoffice aus? Geht gar nicht. Das hat auch alles mit Selbstachtung und mit Wertschätzung des eigenen Tuns zu tun.
    Und die Laune wird auf jeden Fall besser durch ein bisschen Farbe im Leben.
    Viele Grüße Martina

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  • Karen von KAREN ON TOUR
    am Donnerstag, 18. Juni 2020 um 10:06 Uhr

    Liebe Susanne,

    dem schließe ich mich an.
    Ich gehe auch erst an meinen Schreibtisch, wenn ich mich geschminkt und gut angezogen habe. Das ist einfach ein Lebensgefühl.

    Liebe Grüße

    Karen

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  • Karen von KAREN ON TOUR
    am Donnerstag, 18. Juni 2020 um 09:49 Uhr

    Liebe Susanne,

    vielen Dank für diesen schönen Artikel.
    In der Tat ist ja wohl keinem gedient, wenn wir uns in der Krise gehenlassen. Sehr wohl aber hilft es zumindest unserem Selbstwertgefühl.
    Für mich ist eine gewisse Struktur im Tagesablauf gerade jetzt wichtig, dazu gehört, dass ich mich jeden Tag schminke und ordentlich oder auch chic anziehe. Ich fühle mich erst dann bereit, mich an den Schreibtisch zu setzen.

    Liebe Grüße
    Karen

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  • Beate
    am Donnerstag, 18. Juni 2020 um 09:47 Uhr

    Du hast vollkommen recht und auch im Homeoffice muss ich nicht im Jogginganzug sitzen. Das bin ich mir wert und das überträgt sich unbewusst auf die Gespräche, das Verhalten etc. will heißen, wenn ich mich gut fühle geht’s meiner Umwelt auch gut

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  • Romy Britten
    am Donnerstag, 18. Juni 2020 um 09:29 Uhr

    Liebe Susanne,

    Du hast es auf den Punkt gebracht!
    Dem kann ich nichts hinzufügen. Unter dem Motto:
    DO MORE WHAT YOU LOVE, lebt es sich entspannter.
    WEITERMACHEN
    Ich freue mich über deine nächsten Botschaften und Perspektiven.

    Liebe Grüße
    ROMY.

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