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Wie geht das eigentlich: Pessimismus fasten?

Eine gute Woche hat die diesjährige Fastenzeit nun schon auf dem Buckel, und wie jedes Jahr habe ich mein Fastenziel – 40 Tage lang keinen Alkohol zu trinken – schon gebrochen. Puh. Für jemanden, der den Tag gerne mit einem (oder zwei) Gläschen Wein beendet, ist das auch ein hehres Unterfangen, aber das soll es ja auch sein. 

Pessimismus liegt mir nicht.

Einmal habe ich also schon „gesündigt“, aber ich wäre nicht der Mensch, der ich bin, würde ich nicht einfach neu ansetzen und einen zweiten Versuch wagen. Damit bin ich auch schon beim Thema: Ich bin die Zuversicht in Person, optimistisch bis zum Abwinken, das Glas ist hier immer halbvoll (auch wenn Selters drin ist und kein Sekt). Nein, das ist kein Getue. Ich bin wirklich so. 

Susanne Ackstaller trägt einen Tüllrock am Strand.

Und trotzdem. Trotzdem musste ich beim diesjährigen Fastenmotto der evangelischen Kirche „7 Wochen ohne Pessimismus“ erstmal schlucken. Wie sollte man in dieser Welt, in der alles außer Fugen geraten scheint, noch optimistisch bleiben? Darf man das überhaupt? Selbst mir, der Optimistin par excellence, war bei dem Gedanken, Pessimismus „zu fasten“ und zuversichtlich zu bleiben, fast unwohl. Es schien mir irgendwie geradezu unpassend. Tatsächlich ist es auch einfacher, sich der allgemeinen Weltuntergangsstimmung hinzugeben, als mit Hoffnung nach vorne zu blicken. Und woher sollte man diese Hoffnung auch nehmen, wo doch alles überall so verfahren wirkt? 

Aber ist es denn wirklich so? So schwarz? So verfahren? So hoffnungslos?

Die Aufforderung, Pessimismus zu fasten, hat mir einen Schubs gegeben: nicht mehr nur die schlechten Nachrichten zu konsumieren, sondern um mich zu blicken. Zumindest in meinem Umfeld sind heute mehr Menschen sozial engagiert als früher, achten mehr auf die Umwelt, essen weniger Fleisch, kümmern sich um Tierwohl (und nicht nur um das eigene Haustier) und schützen die Natur. Sie sind achtsamer geworden mit der Welt. Ob sich das gesamtgesellschaftlich statistisch belegen lässt, kann ich nicht sagen – was „Big Data“ aber tatsächlich belegt ist zum Beispiel:

  • Die Kindersterblichkeit nimmt weltweit ab, die Lebenserwartung steigt überall auf der Welt.
  • Die Schulbildung hat sich in den letzten Jahrzenten erheblich verbessert, ebenso ist die Alphabetisierung gestiegen.
  • Es gibt heute deutlich mehr demokratisch regierte Länder als nach dem 2. Weltkrieg.
  • Die Anzahl der Kriegstoten hat sich in den meisten Regionen in den letzten Jahrzehnten deutlich verringert.
  • Extreme Armut ist signifikant zurückgegangen. 
  • Der weltweite Impfstatus hat sich in den letzten Jahren nochmals verbessert.

(Quelle: www.ourworldindata.org; DIE ZEIT vom 17. Februar 2020)

Fazit:

Ja, es gibt immer noch genug zu tun. Aber die Welt ist besser, als wir denken. Und – vor allem! – als wir es tagtäglich in der Zeitung lesen.

Für mich persönlich heißt das auch: nicht verzagen und mich nicht von der schier unendlichen Flut an schlechten Nachrichten erdrücken und auch schwächen lassen. Das Gute in der Welt nicht übersehen. Die Hoffnung nicht aufgeben, sondern sich mutig für eine bessere Zukunft weltweit einsetzen. Und vor allem: Den Glauben an das Gute nicht verlieren!

Wer nicht mehr nur Katastophenmeldungen, sondern mehr gute Nachrichten lesen will, für den habe ich folgende Links:

→ www.nur-positive-nachrichten.de

→ www.gute-nachrichten.com.de

→ Daily good news (ein Podcast auf Deutsch)

→ Spiegel: Früher war alles schlechter.

Ebenfalls lesenswert: das Buch Factfullness* von Hans Rosling.

Wie geht es dir mit diesem Thema? Verrätst du es mir?

PS: Wenn du jetzt gleich etwas tun willst gegen den Pessismismus und für mehr Zuversicht in der Welt, dann möchte ich dir die Münchner Zeltschule ans Herz legen. Die Zeltschule baut nicht nur Schulen für Flüchtlingskindern in den libanesischen Flüchtlingslagern, sondern unterstützt auch deren Mütter. Viele von ihnen sind Witwen, und haben bisher keine Fähigkeiten erlernt, die es ihnen ermöglichen würden, sich und ihre Familien finanziell durchzubringen. Die Zeltschule befähigt und ermutigt sie in speziellen Women‘s Workshops, selbstbestimmt und selbstständig für ihre Familien zu sorgen. Finde ich eine tolle Sache, die ich von Herzen gerne auch finanziell unterstützt habe – gerade auch angesichts des Weltfrauentags am Sonntag. Eine Spendenmöglichkeit findest du hier.

Foto: Martina Klein, MKpictures, Feldafing

Look:

Tüllrock: Etsy* (Die Röcke werden auf Wunsch gefertig, lass dich also nicht einer fehlenden Größe oder Farbe irritieren, sonder frage einfach an.)

Bluse: Ralph Lauren*

Sneakers: Converse*

*Affiliate-Links. D.h. wenn du über diesen Link einkaufst, bekomme ich eine kleine Provision. 

***

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2797 9 Texterella persönlich., 50+ Lifestyle 05.03.2020   weltgeschehen, tüllrück, texterella persönlich, plussize mode, pessimismus, gesellschaft, fasten

9 Kommentare

  • Tina von Tinaspinkfriday
    am Donnerstag, 05. März 2020 um 14:30 Uhr

    Liebe Susi,
    danke für diesen Post. Manchmal hat man als Optimist heutzutage schlechte Karten. Alles scheint schlecht zu sein und wenn ich mal einwerfe was für ein Glück und Privileg es ist heute in dieser Zeit zu leben, in der so viele Hilfsmittel zur Verfügung stehen. In allen Bereichen. Denn früher war eben nicht alles besser.
    Pessimismus fasten…. ich wünschte das täten gaaanz Viele. :)
    Liebe Grüße Tina

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  • Kerstin
    am Donnerstag, 05. März 2020 um 13:50 Uhr

    Liebe Susi,
    das ist eine wunderbare Idee! Da faste ich gleich mit ... und die Arbeit der Zeltschule finde ich auch großartig!
    Wieder einmal ein toller Post!
    Grüße, Kerstin

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  • Monika
    am Donnerstag, 05. März 2020 um 11:49 Uhr

    Ich habe eine Frage zu deinem Tüllrock und ich hoffe ich darf sie hier stellen ??? Bei Etsy gibt es den nur bis Kleidergröße 44??? Wie hast du das gemacht??? Danke vorab!
    Liebe Grüße Moni

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Susi
      am Donnerstag, 05. März 2020 um 13:04 Uhr

      Liebe Monika,

      wie ich oben schrieb: Die Röcke werden auf Wunsch gefertig, lass dich also nicht einer fehlenden Größe oder Farbe irritieren, sondern frage einfach an.

      Liebe Grüße!

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Sieglinde Graf
    am Donnerstag, 05. März 2020 um 11:03 Uhr

    Pessimismus fasten finde ich großartige Idee. Und das nicht nur 7 Wochen.
    Das hat ja nichts mit Naivität zu tun oder Vogel-Strauß. Es ist ein Credo für das Leben und seine immer wieder vielfältigen und überraschenden Entwicklungen. Ich habe es oft genug erlebt.
    Luthers Ausspruch, (der vielleicht gar nicht von ihm ist - aber wollten wir nicht Pessimimus fasten? )- gilt auch für mich:
    “Und wenn morgen die Welt unterginge, würde ich noch heute ein Apfelbäumchen pflanzen.”
    Und wenn das viele tun, kann man den Lauf der Welt vielleicht sogar verändern. Wer weiß?
    Danke für die feinen Links und die Möglichkeit zu spenden bei der Zeltschule. Das sind ja auch alles Apfelbäumchen…
    Schöne Grüße von Sieglinde

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  • Stephanie
    am Donnerstag, 05. März 2020 um 10:55 Uhr

    Liebe Susanne,
    ich bin eine große Freundin der Zuversicht und versuche, eine entsprechende Haltung tagtäglich zu leben und weiterzugeben. Der Journalist und Autor Ulrich Schnabel definiert Zuversicht so: “Zuversicht heißt (…) nicht, illusionäre Hoffnungen zu hegen, sondern einen Blick für den Ernst der Lage zu behalten; zugleich heißt Zuversicht aber auch, sich nicht lähmen zu lassen, sondern die Spielräume zu nutzen, die sich auftun (…)”. Dieses aktive Nutzen von Spielräumen gibt mir das Gefühl der Selbstwirksamkeit, und das ist für mich persönlich das beste Rezept gegen Pessimismus. Es erlaubt, Sorgen und Ängste zuzulassen, ohne dass sie einen überwältigen, und es erlaubt, das Gute und Schöne zu sehen. Vor allem aber motiviert mich diese Sichtweise dazu, aktiv zu bleiben oder zu werden, um im Rahmen meiner Möglichkeiten Veränderungen zum Guten zu bewirken. Da geht oft mehr, als man zunächst so denkt.
    Herzlichst!
    Stephanie

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  • Martina
    am Donnerstag, 05. März 2020 um 08:58 Uhr

    Liebe Susanne,

    Du weißt ja, ich bin auch eher auf der hellen Seite ... da gefällt es mir einfach besser. Ich finde es schrecklich, wenn Menschen Pessimismus verbreiten und alles immer schwarz sehen. Die aktuelle Corona-Debatte macht bei diesem Spiel aber gerade wieder die Rolle der Medien sehr, sehr deutlich. Damit wäre ein guter Weg zum Pessimismus-Fasten für mich Medienabstinenz (oder einer Deiner grandiosen Links). Wie wäre es, wenn Heute und Tagesschau jeden Abend mit einer positiven Nachricht beschließen? Ach, es gibt so viele Möglichkeiten, das Gute und das Schöne zu sehen, aber ich fürchte, viele Menschen fühlen sich auf der dunklen Seite einfach wohler (ist das jetzt pessimistisch?).

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  • Maria
    am Donnerstag, 05. März 2020 um 08:38 Uhr

    Guten Morgen,
    ja, das ist nicht einfach, zuversichtlich zu bleiben, wenn schlechte Nachrichten im Minutentakt eingehen, die Angst vor Covid-19 plötzlich ganz konkret wird, etc. Aber mir, als aktive evangelische Christin, hilft es tatsächlich, daß ich meine Angst und Sorge abgeben darf, sei es auch nur spirituell.
    LG maria

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  • Claudia Braunstein
    am Donnerstag, 05. März 2020 um 08:33 Uhr

    Liebe Susi, ich habe tatsächlich manchmal ein schlechtes Gewissen, weil auch ich zu den Antipessimisten zähle. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen die halbe Welt in Panikattacken verfällt, weil ein Virus für Verwirrung sorgt, werde ich wegen meiner positiven Grundstimmung schräg angeschaut. Ich habe zwei sehr große Lebenskrisen hinter mir und bin mir sicher, dass ich die ohne Optimismus nicht bewältigen hätte können. Liebe Grüße, Claudia

    Auf diesen Kommentar antworten

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