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„Den Mutigen gehört die Welt.“ Warum ich diesen Spruch mag.

Vor ein paar Monaten, noch vor der Pandemie, habe ich mich bei einem Glossen- und Kolumnenworkshop mit dem ZEIT-Kolumnisten Harald Martenstein angemeldet. Dann war monatelang unsicher, ob das Seminar überhaupt stattfinden kann. Tatsächlich hatte ich schon fast darauf vergessen – bis gestern das Programm eintrudelte. Verbunden mit der Bitte, eine Glosse zu verfassen und vorab per Mail zu senden – damit Herr Martenstein sie analysieren und man das Werk während des Workshops besprechen könne. WHAT?

Meine ersten Gedanken (nachdem ich vor Schreck überhaupt wieder einen fassen konnte): Ich melde mich wieder ab! Da gehe ich nicht hin. Das kann nur eine Katastrophe werden!

Das konnte nur eine Katastrophe werden!

Ich sah mich dort sitzen, im Kreis halb so alter SZ-, ZEIT- und Spiegel-JournalistInnen, die alle eine renommierte Journalistenschule besucht hatten. Und alle begnadet talentiert waren, natürlich. Ihre Glossen waren witzig, pointiert, geschliffen. Perfekt. 

Und dazwischen ich. Die ältliche, dicke Bloggerin ohne journalistische Ausbildung, die zwei- oder dreimal in der Woche im Internet ihre Meinung kundtut. Ja, stimmt schon – fiel mir dann doch noch ein –, ich hatte es mit meinen Texten zu einer regelmäßigen Kolumne für die WELT und schon häufiger in Frauenzeitschriften geschafft. Aber das, das war reiner Zufall plus eine gehörige Portion Glück. Mehr nicht. 

Solche Situationen habe ich in meinem Leben schon häufiger erlebt. Situationen, in denen ich plötzlich aus meiner Komfortzone, in der ich es mir recht gemütlich gemacht hatte, heraus und mich – nervös und ängstlich, mindestens! – beweisen und Neuem stellen musste. Immer fühlten sich die Situation zu groß an, nicht selten sogar viel zu groß: die Lifestyle-Kolumnen für die WELT zum Beispiel, die ich von 2012 bis 2017 monatlich schrieb (und die jeden Monat wieder eine Herausforderung waren). Die ersten Mode-Shootings mitten auf der Straße – was war mir das peinlich, was habe ich anfangs gelitten. Die TV-Werbespots für Navabi, bei denen ich mitgewirkt habe. Die Anfrage vom Knesebeck-Verlag für das Buch, an dem ich gerade schreibe. Oder auch kürzlich die Shootings für eine Werbekampagne, die bis in den Spätherbst in großen Print-Medien zu sehen ist.  

Immer hatte ich zuerst Angst. Und immer habe ich mich trotzdem getraut und mich ins Unbekannte hinausgewagt. 

„Den Mutigen gehört die Welt!“ – ich mag diesen Spruch. Dabei müssen wir nicht wie Kolumbus oder andere Eroberer um die halbe Welt segeln und dabei Leib und Leben riskieren. Wir müssen uns nur ab und zu trauen und auf Neues einlassen. Das kann auch mal was Kleines sein: Ein Shooting in einer Tiefgarage zum Bespiel, wohlwissend, dass Blitz und Neonlicht nicht unbedingt schmeicheln. (Und dann ist das Ergebnis zwar anders, aber doch ganz spannend geworden, finde ich!)

Es ist doch so: Wer sich nie bewegt, der bleibt stehen. Und wer sich nie traut, wer nie die Tür zu Neuem öffnet und die eigenen Grenzen überwindet, der weiß gar nicht, was er alles kann. Und verpasst etwas – vielleicht sogar das Beste. Hätte ich in meinem Leben nichts von dem gemacht, was mir erstmal Angst eingejagt hat, wäre es zumindest so gewesen! 

Herr Martenstein wird demnächst also von mir Post bekommen. Was kann schon passieren – außer einem Verriss vor anderen Workshop-Teilnehmern. Und selbst daraus werde ich bestimmt etwas lernen. Und sei es nur Contenance und Haltung zu bewahren. 

Vielleicht magst auch du ab und an deine Komfortzone verlassen. Etwas anderes ausprobieren, etwas Neues wagen. Ich kann dir versprechen: Das fühlt sich richtig gut an. Natürlich kann ein Projekt misslingen. Und ja, vielleicht blamiert man sich bis auf die Knochen. Aber zumindest ich würde lieber scheitern, als etwas gar nicht erst versucht oder ausprobiert zu haben.

Wie geht es dir damit? Traust du dich manchmal? Oder bist du eher zaghaft und vorsichtig?

***

Fotos: Martina Klein

***

Look:

Jeans: Studio Untold (ähnlich*)

Shirt: Saint James (ähnlich*)

Schuhe: Gestutz

Armreif: Privat

Sonnenbrille: Prada

*Affiliatelinks: D.h.: Wenn du über die gekennzeichneten Links einkaufst, bekomme ich eine kleine Provision. Und damit lade ich Herrn Martenstein zu einem Kaffee ein. Vielleicht. ;-)

***

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21455 19 Texterella persönlich., 50+ Lifestyle 31.08.2020   texterella persönlich, texterella mag mode, mut, komfortzone, inspiration

19 Kommentare

  • Kristina
    am Freitag, 04. September 2020 um 01:57 Uhr

    Du bist eine tolle Frau :)

    LG

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  • Kristina
    am Freitag, 04. September 2020 um 01:55 Uhr

    Du bist eine tolle Frau :)

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Gudrun Herold
    am Dienstag, 01. September 2020 um 21:27 Uhr

    Martenstein, ich liebe ihn. Es ist das erste, was ich am Donnerstag im Zeit Magazin lese. Laut vorlese, damit alle im Raum was davon haben.  Schön, dass du dich für den Workshop entschieden hast. Vielleicht dürfen wir an deinem Ergebnis teilhaben? Ich bin mir schon sicher, es wird mir gefallen.
    Ganz liebe Grüße

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    • Susi
      am Samstag, 05. September 2020 um 20:28 Uhr

      Liebe Gudrun, nun, ich hoffe schon, dass sich der Workshop auch auf das Blog auswirkt. :-) Ob ich hier konkrete Ergebnisse zeigen werde, das weiß ich noch nicht.  Ich finde Martenstein übrigens nicht mehr so gut, wie er früher war. Wie siehst du das?

      Liebe Grüße und bleib gesund!

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  • Erika
    am Dienstag, 01. September 2020 um 16:06 Uhr

    Hallo Susanne,

    Deinen Mut finde ich beeindruckend und ich wünsche Dir viel Glück für Deine Glosse.

    Für mich sind Deine Beiträge immer unterhaltsam, informativ, schön geschrieben und oft witzig - das sind doch beste Voraussetzungen!

    Also nur Mut, alles Andere ergibt sich von alleine…..

    Liebe Grüße
    Erika

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  • Alice
    am Dienstag, 01. September 2020 um 10:34 Uhr

    Dein Text heute ist für mich genau zur richtigen Zeit gekommen. Überlege gerade mich beruflich neu zu orientieren und stehe vor der Anmeldung zum Fernstudium. 
    Du hast mich gerade sehr darin bestärkt das durchzuziehen
    Vielen Dank

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  • Karen von KAREN ON TOUR
    am Dienstag, 01. September 2020 um 09:43 Uhr

    Liebe Susanne,

    allein die tollen Bilder dieser schönen und selbstbewussten Frau, die du bist, inspirieren mich dazu, Neues zu wagen und mir zuzutrauen.
    Und dann noch der Text! Da können sich viele hinter verstecken, das schafft nicht jede.
    Auf die Glosse bin ich sehr gespannt. Und ich schließe mich an: du rockst das ganze Seminar, da bin ich sicher.

    LG
    Karen

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  • Stephanie Gottschalk
    am Dienstag, 01. September 2020 um 09:09 Uhr

    Liebe texterella
    Hätte ich mich vor einigen Jahren nicht getraut meine Komfortzone zu verlassen und mutig innerhalb einer Sekunde entschieden hätte business Englisch zu beherrschen, wäre ich beruflich nicht da wo ich jetzt bin . Grad wir frauen neigen dazu immer alles perfekt zu können bevor wir was neues wagen. Ich konnte etwas Englisch aber wollte den Job.
    Ich habe einfach gemacht und es ist aufgegangen .Fazit.. mutiges neues wagen selbst wenn es schief geht ..
    LG Stephanie

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  • Natàlia
    am Dienstag, 01. September 2020 um 09:08 Uhr

    Liebe Susanne,
    wie erfrischend ehrlich Du Deine Selbstzweifel beschreibst, und ja, ich kenne das auch, und wenn ich mich traue, stelle ich fest, dass es nie so schlimm wird, wie in meiner Phantasie und ich irgendwas mitnehme aus der Situation. Wie sagte hier eine Frau: Mut tut gut! Stimmt genau! Wir sollten öfters Mutausbrüche haben und uns mehr trauen! Männer haben da weniger Zweifel, das könnten wir von ihnen lernen! Ich freu mich, von Dir zu lesen, wie das Seminar war! Liebe Grüße aus Köln,

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  • Cleo
    am Montag, 31. August 2020 um 08:14 Uhr

    Ganz meiner Meinung!!!
    Cleo

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  • Ines
    am Sonntag, 30. August 2020 um 22:19 Uhr

    Ganz genau, Mut tut gut. Meine Geschichte dazu gibt es demnächst als Buch.

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  • Sieglinde Graf
    am Sonntag, 30. August 2020 um 20:09 Uhr

    Na klar bekommt Herr Martenstein eine Glosse von Dir. Solch eine barocke Person - in- und auswändig- wie Du, die fehlt doch auf jeden Fall in solch einem Seminar. 
    Herr Martenstein wird glücklich sein, Dich dabei zu haben.
    Du bringst das gute Leben rein und eine Menge Erfahrung damit. Mut ist da - fast - nicht mehr notwendig.
    Bin gespannt, was Du uns später erzählst.
    Viel Vergnügen bei diesem besonderen Seminar wünscht Dir,
    Sieglinde

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  • Edith Götschhofer
    am Sonntag, 30. August 2020 um 14:55 Uhr

    Zuerst einmal ein Kompliment, deine Jeans ist mega Klasse!
    Du siehst echt scharf aus damit.
    Ich verstehe ich dich sehr gut, so ein Erlebnis hatte ich auch in diesem Jahr.
    Genau das war auch meine Motivation als ich dieses Jahr vom ORF Fernsehen die Einladung bekam bei einer Talkshow mitzumachen.
    Große Aufregung zuvor, aber während der Sendung total gelassen und entspannt und genau so kam es auch in der Sendung dann herüber.
    Darauf bin ich ziemlich stolz vor so vielen Zuschauern mal einen Talk zu machen war schon genial.
    Liebe Grüße Edith

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  • Bianca
    am Sonntag, 30. August 2020 um 13:15 Uhr

    Ich finde es sehr anrührend, wie du die Selbstzweifel und die damit verbundene selbstverkleinernde innere Stimme beschreibst. “Die ältliche, dicke Bloggerin” sagt das mit Selbstzweifeln behaftete innere Kind. Die wunderschöne, kluge, eloquente, stilbewusste Bloggerin sagt sicherlich nicht nur eine Außenstehende.
    Auch Harald Martenstein und andere “Schwergewichte” werden innere Kinder und Selbstzweifel haben, auch wenn sie es vielleicht nicht offen zugeben würden (Harald würde das wahrscheinlich sogar tun). Zeig’s ihnen, liebe Susanne, wenn eine das kann, dann du!
    Vielleicht lesen wir ja irgendwann Näheres den Verlauf dieses Termins hier auf deinen Blog, das würde mich sehr freuen.

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  • Nicole
    am Sonntag, 30. August 2020 um 10:51 Uhr

    Liebe Susi,
    Valérie spricht mir mit ihrem Kommentar aus dem Herzen. Ich möchte soviel, aber immer klopfen Zweifel und manchmal auch Angst bei mir an. Ich habe es schon einmal gesagt: Ich finde es beeindruckend, was du schaffst (Und ganz tief drinnen möchte ich sowas auch (können)). Aber ja: Man muss seine Komfortzone verlassen, man muss sich bewegen. Und ein bisschen Angst darf sein, hinfallen auch.
    Das ist das Leben. Denn die Erfahrung lehrt: Immer gewinnen ist leicht. was man aus den kleinen Misserfolgen mitnimmt, das formt den Menschen.
    Du rockst das!! Und schreib nie wieder ältliche, dicke Bloggerin- das ist weder richtig noch sehen wir dich so! Aber schön, dass du nicht abhebst ;)
    Schönen Sonntag und liebe Grüße
    Nicole

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  • Valérie von Life40up!
    am Sonntag, 30. August 2020 um 10:08 Uhr

    Ohne Mut keine Veränderung. So einfach ist das! Wer immer nur dasselbe tut, muss sich nicht wundern, wenn sich nichts verändert. Daher bin ich klar für MUT. Das ist oft nicht einfach, aber entweder es funktioniert, oder man kann sich sagen, dass man es immerhin versucht hat. Beides ist befriedigender, als aus Angst in einer Situation gefangen zu sein, die einem. nicht gefällt.

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