Texterella liebt Mode.
Zu dick, zu alt, zu rot? Mir doch egal!
„Entsetzlich – dieser Rock bei Größe 46“.
Das war die Bemerkung einer Followerin zu einem Video auf Instagram, auf dem ich den roten Ballonrock trug. Ich schluckte. Obwohl ich schon sehr viele Jahre im Social-Media-Business bin – an unfreundliche oder gar gemeine Kommentare werde ich mich nie gewöhnen. Natürlich legte meine innere Kritikerin sofort los: Hatte die Frau womöglich recht? Sah ich in diesem Rock entsetzlich aus? Bis eben hatte ich mich noch über das Video gefreut, auf dem ich lachend in den Sonnenschein blinzelte und zwischen Sand und Wellen mein Gleichgewicht suchte. Nun war die Freude weg, und ich fragte mich, ob all die anderen (freundlichen) Reaktionen womöglich nur aus Nettigkeit geschrieben worden waren (und die Damen in Wirklichkeit mit den Augen rollten und ebenfalls „entsetzlich“ dachten.)
Plötzlich war ich unsicher: Vielleicht war ich für diesen Rock ja tatsächlich zu dick (und womöglich auch zu alt).

Meine Fassung habe ich allerdings recht schnell wiedergewonnen (und auch meine innere Kritikerin in die Schranken gewiesen). Gedanken habe ich mir über den „Vorfall“ trotzdem gemacht. Und mich gefragt:
Warum schreiben Frauen solche Kommentare?
Die Reaktion auf diese Frage ist meistens: „Naja, wenn du dich öffentlich machst, dann musst du mit Kritik rechnen.“ Im ersten Moment möchte man dazu nicken – aber stimmt das Argument? Nicht jedes Foto, nicht jedes Video auf Social Media ist eine Einladung zur Meinungsäußerung. Zudem gibt es zwischen Kritik und einem rüde hingerotzten Kommentar einen großen Unterschied. Der Ton macht bekanntlich die Musik.
Warum sind wir Frauen so überkritisch – mit uns selbst ebenso wie mit anderen?
Ja – warum? Bei Männern beobachte ich dieses Verhalten eher selten. Die finden sich toll, in jedem Alter und mit jeder Figur. Und wir Frauen? Warum dürfen auch wir nicht einfach sein, wie wir sind? Mit unseren Hüften, zu großen/zu kleinen/hängenden Brüsten, unserem Bauchspeck? Warum stellen wir uns ständig auf den Prüfstand? Warum messen wir uns selbst und andere Frauen immer noch an dem schlanken und faltenlosen Schönheitsideal, mit dem wir sozialisiert wurden – und das wir doch schon längst überwunden haben könnten.



Lasst uns doch einfach ein wenig großzügiger sein – mit uns selbst und mit anderen. Und die Energie, die dadurch freigesetzt wird, sinnvoller nutzen. Zum Beispiel, indem wir uns gegenseitig unterstützen, anstatt uns runterzuputzen, und uns bestärken, statt uns klein zu machen. Es mag pathetisch klingen, stimmt aber: Frauensolidarität macht die Welt zu einem besseren Ort.
Warum ist „vorteilhaft“ das Maß aller Dinge?
Wie oft habe ich schon den Satz gehört: „Das ist aber überhaupt nicht vorteilhaft?“ So what? Warum ist Kleidung nur schön, wenn sie uns schlank(er) macht? Warum dürfen wir nicht einfach anziehen, worauf wir Lust haben und wonach uns die Laune steht – rote Ballonröcke in Größe 44/46 zum Beispiel. Und woher kommt überhaupt der Anspruch, dass persönlicher Stil immer allen gefallen muss? Denn das muss er nicht. Gefallen muss er nur einer einzigen Person: uns selbst.



Versteht mich nicht falsch:
Ich bin keinesfalls gegen Kritik. Überhaupt nicht! Auch hier auf Texterella gefällt nicht jeder Leserin alles, was ich schreibe, und nicht jedes Kleidungsstück, das ich zeige. Und das ist völlig okay! Mehr noch: Eure Meinung interessiert mich sehr, auch wenn sie nicht immer meiner eigenen entspricht.
Aber ein „So dick wie du bist siehst du in diesem Rock einfach entsetzlich aus!“ ist keine Kritik, sondern gehässig und gemein. Und damit bin ich wieder am Ausgangspunkt meiner Überlegungen: Warum schreiben wir Frauen uns das gegenseitig in die Kommentarspalten?
Ich habe noch keine Antwort auf diese Fragen gefunden. Hast du eine?
Die Fotos hat meine Tochter Eva am Strand von Ahrenshoop gemacht. DANKE, Eva, für die schönen Fotos! Anders als sonst sind diese Fotos komplett unbearbeitet und wurden quasi direkt von meinem iPhone ins Blog hochgeladen – mitsamt der Besenreiser, die Martina bei anderen Fotos entfernt.
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Look:
Der Ballonrock stammt von STUDIO AMARAN Creative, einer Upcycling-Design-Brand aus dem Westerwald. Jedes Kleidungsstück wird aus alten Stoffen gefertigt und ist ein Unikat. Noch nachhaltiger geht’s wirklich nicht! Hinter STUDIO AMARAN Creative steht Modedesignerin Sinah Schlemmer, die ich über ihr Buch „Amaran – Lebenstexturen // Textures of Life“ kennengelernt habe. Darin erzählt sie die Geschichten hinter den Kleidungsstücken, die sie entwirft und näht. Sehr spannend! Live kann man Sinah und ihre Mode übrigens gerade in ihrem Pop-up-Store in (57627) Hachenburg am Alten Markt 8 erleben.
Weiße Bluse: Katharina Hovman
Ohrringe: Studio Ena (exakt meine Ohrringe gibt es allerdings nicht mehr ...)
Lippenstift: Ruby Red von Loni Baur (mit dem Code Texterella15 bekommst du 15 Prozent Rabatt.

Und sonst so?
→ Am 9. Oktober findet unser Foto-Workshop „Unfotogen? Gibt’s nicht!“ erstmalig (und vielleicht einmalig) in meinem Zuhause in Kirchdorf an der Amper (etwas nördlich von München) statt. Und das Beste: Wir haben für dich noch einen Platz frei! Wenn du also nicht nur einen tollen Tag unter Frauen, sondern Martina und mich auch etwas privater erleben willst, dann melde dich bei mir. Wer mehr Informationen braucht: Schreibe mir gerne eine Mail, dann schicke ich dir alles, was du wissen musst! Ich freue mich!
→ Am 18. September lese ich in Altötting beim Fest der Sinne in der Stadtgalerie. Der Eintritt ist frei. Und am 2. Oktober bin zu Gast bei den Kultur Häppli in Karlstadt am Main. Weitere Lesungen findest du hier.
→ Apropos Lesen: Falls jemand den Beitrag rund um das Thema Darmgesundheit noch nicht gelesen hat (Urlaub, keine Zeit, Beitrag verpasst … es gibt tausend Gründe), der kann das jederzeit nachholen: Bitte hier entlang! (Angabe zur Transparenz: Bei dem Beitrag handelt es sich um eine Werbekooperation. Lesenswert ist der Text aber trotzdem – sonst hätte ich ihn ja nicht geschrieben! ;-))
→ Mehr Mode gibt es hier (mit den ersten Looks für den Herbst ...). Und – hurra! – ich habe auch endlich meine Lieblingsstücke wieder aufgefüllt.








