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Oh, là, là, die Glamour Grannys kommen!

Wer hätte gedacht, dass ich meine Oma einmal geradezu beneiden würde. Die durfte einfach älter werden – mit allem, was dazugehört. Mit ihren Falten, grauen Strähnen, Besenreisern an den Beinen. Niemand interessierte sich dafür, wie straff ihr Körper unter der Kittelschürze war. Vermutlich nicht mal sie selbst. Sie trug einen Dutt, irgendwann dann eine Blumenkohldauerwelle und wenn sie sich ein neues Kleidungsstück kaufte, dann war’s eher dezent. Eine Perlenkette, ja, die wäre okay gewesen. Die besaß sie aber nicht, nur einen Ring mit einem winzigen Diamanten … Auffälligen Schmuck? Gott bewahre, bloß nicht. Nicht in ihrem Alter.

Und heute? Schlichtes Älterwerden mit dünner werdendem Haar, Winkeärmchen und Hängebrüsten? Mit 60 einfach wie … 60 aussehen? Nein, das geht gar nicht. Zumal es geradezu chic geworden ist mit dem Alter hausieren zu gehen, zumindest auf Social Media. „Ich bin 55!“, „Ich bin 57!, „Ich bin kürzlich 60 geworden!“ – als wäre Altern eine Art Wettwewerb! Aber Obacht: Sehen darf man die 55 oder 60 natürlich nicht. Niemand interessiert sich für realistisch alternde Körper! Besagte Silver-Influencerinnen zeigen ihre gestählten Bodys im engen, tief ausgeschnittenen Shirt und tänzeln im Minirock auf gertenschlanken Beinen und Highheels über die Straße. Das sieht zweifellos beeindruckend aus und ist zudem höchst lukrativ.

Wer in jüngeren Jahren dachte, man könne sich irgendwann zurücklehnen, das Älterwerden einfach genießen und alle Fünfe gerade sein lassen – der hat sich leider ziemlich geirrt. Jünger aussehen ist heute ein Fulltime-Job, ein teurer obendrein. Fitness, Nahrungsergänzungsmittel, Haare färben, regelmäßige Besuche beim Beauty-Doc … das Jungbleiben muss man sich erstmal leisten können. Und die Zeit dafür haben! Von der notwendigen Selbstdisziplin will ich gar nicht reden: Mehrmals in der Woche ins Gym, morgens den Tag mit einem Eisbad beginnen und natürlich immer schön brav intervallfasten … 

Erfreulicherweise habe ich jetzt einen neuen Trend am Horizont erspäht, der mir weit sympathischer ist: Frauen, die tatsächlich alt aussehen – und trotzdem richtig stylisch. „Glamorous grandmas are stepping into the spotlight as style icons, digital powerhouses, and beauty’s newest muses“, so das Fachmagazin „BeautyMatter“. Die Glamour-Omis kombinieren Alterserscheinungen wie selbstverständlich zum extravaganten Look und sehen damit einfach großartig aus! Statement-Brillen, rote Lippen, silberne Bobs, an den Ohren riesige Klunker – und über der Schulter die ererbte Leo-Stola. Falten sind plötzlich kein Makel mehr, sondern ein Stilmittel. Ein Accessoire! Ja, so geht cooles Älterwerden! Ich könnte glatt neidisch werden, weil ich mit meinen 60 immer noch naturbrünette Haare und eher wenige Falten habe.

Wobei, wenn ich es recht überlege, ganz so neu ist das alles gar nicht. Bereits 2011 habe ich über das Blog „Advanced Style“, aus dem später ein Buch entstand, hier auf Texterella geschrieben. Diese Hommage an alte Damen mit Stil und Grandezza fand ich schon damals, mit Mitte 40, ziemlich cool. Bleibt zu hoffen, dass 15 Jahre später tatsächlich eine Bewegung entsteht, die uns Frauen ab 60, 70 und 80 gerecht wird.

Ich pfeife auf jeden Fall aufs Sixpack und bin wild entschlossen, mit 80 und noch älter meinen Texterella-Stil mit einer großen Portion Glamour zu tragen!

Wie sieht’s mit dir aus?

Illustration: Ulrike Haseloff

Und sonst so?

→ habe ich in der letzten Woche den chicsten pinken Nadelstreifenanzug überhaupt entdeckt. :-) Er tröstet mich sogar über das nicht enden wollende Winterwetter hinweg (in der letzten Woche fielen hier tatsächlich noch mal 20 Zentimeter Schnee!). Hier kannst du den Look in Bewegung sehen (zusammen mit zwei anderen Outfits). Wer nun genauso verliebt ist wie ich: Hier geht es zum Blazer und hier zur Hose (oje, leider teilweise schon vergriffen – wird aber nachgeliefert). Die anderen beiden Looks aus dem Video findest du hier.)

→ Weitere Modeinspirationen findest du auf meinem LTK-Account und hier bei meinen Lieblingsstücken

→ Es gibt immer noch ein paar Plätze in unserem Fotoworkshop in Schongau (das von München übrigens gut und schnell mit dem Auto und der Bahn zu erreichen ist): Hier kannst du dich für den 11. April 2026 anmelden und hier für den 12. April. Mehr Informationen zum Workshop gibt es hier. Wer zu unserem unverbindlichen Workshop-Newsletter angemeldet werden will, meldet sich bei mir per Mail.

→ Nicht vergessen: März ist bei mir der große Lesemonat! :-) Ich komme nach Syke, Kassel und nach Löhne. Hier findest du Hinweise zur Anmeldung

1592 6 Frisch kolumnisiert., 50+ Lifestyle, Column 22.02.2026   frisch kolumnisiert, glamgrannys, grannystyle, kolumne, texterella persönlich

6 Kommentare

Michaela
am Sonntag, 22. Februar 2026 um 08:24 Uhr

Ich möchte auch lieber eine Glamour Oma sein und mein Geld für schöne Dinge und Erlebnisse anstatt für Botox und Nahrungsmittel auszugeben. Jeder wie er mag und wie es ihm guttut, aber mein Vorbild in Sachen älter werden ist meine Oma. Die war damals schon eine Glamouroma. Hat sich ihr weißes Haar nie gefärbt, aber immer schön frisiert. Trug gerne riesige Sonnenbrillen und auffällige Mäntel. Hatte nur ein Gesichtsöl im Kosmetikschrank, aber auffälligen Schmuck um Hals und Finger. Sie hatte nicht viel Geld, wusste aber immer, wie man aus wenig ganz viel Stil macht und hat sich einfach selbst einige außergewöhnliche Stücke aus tollen Stoffen genäht. Ich hab jetzt noch eine wunderschöne selbstgenähte Tunika von ihr im Schrank. So, das Loblied auf meine Oma musste jetzt raus :). Danke für deinen Text, der mich so wunderbar an die erinnert hat und dann noch einen schönen Sonntag und alles Liebe
Michaela

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Marion
am Sonntag, 22. Februar 2026 um 09:15 Uhr

Das Geld fürs Gym -aber ein gutes mit Trainern- muss sein. Aber nicht wegen des Sixpacks oder solchher Dinge. Es geht um Lebensqualität.
Ich (65) möchte auch mit 80 noch alltags- und hobbytauglich beweglich und fit sein. In meinem Fall habe ich nur dort die Möglichkeit, Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Sturzprävention zu trainieren. Dafür dürfen aber meine Haare graumeliert sein. (Mein Friseur ist immer begeistert.)

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Monika
am Sonntag, 22. Februar 2026 um 10:33 Uhr
Das gleiche Ziel habe ich auch. Zuerst ist mir das Training schwer gefallen; inzwischen habe ich Spaß daran.

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Judith Putzer
am Sonntag, 22. Februar 2026 um 13:43 Uhr

Ich finde es so traurig
Dass ich solche Frauen in meiner Familie nicht kenne ...
Doch wartet, da gibt es die von mir sehr geliebte Frau G in Madrid, die wiederum mich mehr geliebt hat, als meine Mutter und Großmutter zusammen. Long time ago.
Ich wünschte, ich könnte ihre Stimme hieren:  ... Kindheit, das schaffen Sie doch mit links….
Ich war 21.. Ich habe “es” nicht geschafft, aber dann doch, u d dann wieder nicht…

Und so bin ich wieder hier, 57, in den Augen meiner Mutter gekleidet wie ein arbeitsloser Bursch, und jeden Morgen
Todtraurig.

Naja, ich wollte Eure Sorgen gerne haben, und Ihr meine.

Verbindlichen Grüße aus Salzburg/Wien

J

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Ria Schatzschneider
am Sonntag, 22. Februar 2026 um 14:31 Uhr

Wunderbarer Text zum heutigen Sonntag. Der Titel „Glamour Oma“ passt für mich perfekt. Dankeschön

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Sieglinde
am Sonntag, 22. Februar 2026 um 14:33 Uhr

Glamour Granny werde ich wohl nie mehr sein, aber eine Oma mit heute fast 75, die einen feinen, femininen Onlineshop seit 18 Jahren hat und weiß, was sie will, das wohl. Ich wünsche mir, dass meine Enkelinnen starke Frauen werden und wohlwollend an ihre Oma denken, wenn ich mal nicht mehr bin.
Meine Oma war mir ein Vorbild, sie war eine selbstständige Unternehmerin bis sie gestorben ist. Aber auch da: wenig Glamour.
Also, vielleicht werde ich den Glamour noch ein bisschen pushen. Und hier könnten mir dann meine Enkelinnen Vorbild sein, denn da gibts einiges an BlingBling…
In diesem Sinn, Vieles ist möglich!
Herzlich,
Sieglinde

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