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Der Duft von Lavendel – und warum ich lieber nach vorne blicke als zurück

Als ich vor einigen Tagen mein Büro aufräumte, fiel mir ein kleiner Pappkarton in die Hände, der sich unter größeren Paketen und allerlei Krimskrams versteckt hatte. Fast hätte ich ihn gleich zum Papiermüll gelegt, aber dann bemerkte ich den Duft, der dem kleinen Päckchen entströmte. Lavendel.

Ich öffnete den Karton. Darin war die letzte der Lavendelseifen, die ich aus Venasque mitgebracht und an die Cat Sitterinnen verschenkt hatte, die unsere zwei Stubentigerinnen während unserer Provence-Reise gefüttert und gestreichelt hatten. Ich schloss die Augen und schon war ich wieder zurück in Südfrankreich … an diesem magischen Ort, an dem wir eine viel zu kurze Woche verbracht hatten. Für einen Augenblick stand ich wieder auf dem Lavendelfeld vor der Abbaye Notre-Dame de Sénanque, wo die Fotos für diesen Beitrag entstanden sind. Es war sehr früh morgens gewesen, und kühl. Tau lag auf den Lavendelblüten. Wir waren allein, erst als wir alle Fotos im Kasten hatten, kamen Touristen. Hinter uns und der Abtei ging langsam die Sonne auf … 

Eine seltsame Sehnsucht machte sich in mir breit – nach vergangenen Tagen. Seltsam deshalb, weil ich dieses nostalgische Gefühl eigentlich gar nicht so kenne. Und auch nicht mag. Tatsächlich wundere ich mich immer ein wenig über die Menschen, die sich zurücksehnen:  in Zeiten, in denen sie selbst jünger und die Welt (vermeintlich) eine bessere war. 

Ich bin da anders. Für mich ist die Jetztzeit immer die schönste Zeit (selbst in politisch wilden Zeiten, wie aktuell). Und noch mehr ist es die Zukunft! Ich freue mich jeden Tag auf das Morgen – und bin gespannt darauf. Das mag ein bisschen übertrieben klingen, aber für mich ist jeder neue Tag  ein Geschenk, und die Zukunft ein bisschen Weihnachten, an dem ich jeden Tag Geschenke auspacken darf. 

Aber hier hat es mich dann doch gepackt. Erinnerungen zogen an mir vorbei – Bilder von flirrender Hitze und kühlen Getränken, von wilder Natur und verwinkelten Städtchen. Von ruhigen Momenten und konzentrierten Shootings. Ich dachte an azurblauen Himmel, kurvige Straßen, alte Eichen, und an die ewig zirpenden Zirkaden. Ich seufzte. Wie schön das alles gewesen war. Viel Erlebtes ist auch hier im Blog gelandet.  Überhaupt ist Texterella über die Jahre zu einer Art Tagebuch geworden, obwohl es ursprünglich nicht als solches gedacht war. 

Wie nostalgisch dürfen wir sein? Wie viel Vergangenheit tut uns gut? 

Nun bin ich keine Psychologin, aber ich bin überzeugt: Zu viel Vergangenheit tut uns nicht gut. Im Rückblick verklärt sich doch vieles und erscheint einem schöner und begehrenswerter als es tatsächlich war. (Manche Parteien nutzen das und schüren mit gezielten Nostalgiekampagnen ganz bewusst Unzufriedenheit in der Gesellschaft. Als wäre das Leben vor zwanzig oder dreißig Jahren besser und sicherer gewesen – dabei beweisen Statistiken nicht selten das Gegenteil.)

In die Vergangenheit können wir ohnehin nicht zurück. Und ich zumindest will das auch gar nicht. Die Vorstellung, wieder 20 oder 30 zu sein und in den achtziger oder neunziger Jahren zu leben … nein, das reizt mich gar nicht. Viel lieber will ich Zukunft gestalten, Pläne umsetzen, Träume wahrmachen. Eine Freundin im ähnlichen Alter meinte kürzlich zu mir, sie habe jetzt das „Projekt 20plus“ ausgerufen, in dem sie sich ganz bewusst damit auseinandersetzt, wie sie in den nächsten 20 Jahren leben will und wie ihr Leben mit 80 aussehen soll. Das finde ich ein ziemlich geniales Vorhaben und überlege konkret, wie ich die nächsten Jahrzehnte nutzen, wie ich leben will. Wie soll es beruflich für mich weitergehen (selbst wenn das Rentenalter langsam herannaht … ich bin ja selbstständig!)? Was will ich noch sehen, noch erleben auf dieser Welt? Welche Prioritäten will ich setzen? Und wie kann ich es schaffen, möglichst lang gesund und ja, attraktiv zu bleiben? Und wie bzw. wo will ich in hohem Alter leben? Fragen über Fragen … Für vieles habe ich noch keine Antworten.

Die Vergangenheit ist wie sie ist – unveränderbar auf alle Zeit. Aber bei der Zukunft, da haben wir (nicht alles, aber doch) einiges in der Hand. Wir müssen es aber anpacken. Reiseerinnerungen dürfen natürlich sein, aber ich will lieber mehr Morgen als Gestern in meinem Leben haben. Und die Fotoreise 2027 planen … 

Wie denkst du über dieses Thema?

Look:

Kleid: Bonprix (eines dieser Kleider, die immer funktionieren. Ich habe es in diesem Sommer rauf und runter getragen. Es gibt das Kleid auch in der Farbe Orange.)

Goldene Flipflops: Bonprix 

Sonnenhut: Lanvin (Vintage)

Mehr Mode gibt es wie immer hier. Ein paar spezielle Ostseelooks habe ich euch hier zusammengestellt.

***

Fotos: Martina Klein, vor der Abbaye Notre-Dame de Sénanque

 

 

 

Und sonst so?

→ Am 9. Oktober 2026 findet wieder unser Foto-Workshop „Unfotogen? Gibt’s nicht!“ statt. Das Besondere an diesem Termin: Das Shooting findet bei mir daheim statt, in meinem Privathaus in Kirchdorf an der Amper. Weil unser Haus großzügig und hell ist, und alles deutlich unkomplizierter als bei gemieteten Räumlichkeiten. Und sicher auch persönlicher! Wer Lust hat, dabei zu sein, schreibt mir eine kurze Mail, dann schicke ich dir (ganz unverbindlich) mehr Informationen. 

→ Nächsten Sonntag wird es höchstwahrscheinlich keinen Blogpost geben – da urlaube ich nämlich an der See. („Höchstwahrscheinlich“ deshalb, denn man weiß nie, ob mich nicht vielleicht doch die Sehnsucht packt.)

→ Wer ebenfalls Lust auf die Ostsee hat, dem möchte ich die Ferienwohnung empfehlen, die mein Mann und ich vor einigen Jahren gekauft haben (und jetzt vermieten): in der alten Seefahrtsschule in Wustrow. Nein, sie befindet sich in keinem schnuckeligen Reetdachhaus, sondern in einer sehr schönen, gepflegten, denkmalgeschützten Anlage. Unsere Wohnung ist eine der schönsten überhaupt (finde ich zumindest! ;-))) und das Meer ist nur fünf Minuten zu Fuß entfernt. Hier findet ihr mehr Informationen. (Die Ostsee ist übrigens ganzjährig schön, nicht nur im Sommer ...)

→ Ab 18. September bin ich übrigens wieder auf Lesetour. Meine erste Herbstlesung findet (bei freiem Eintritt!) in der Stadtgalerie Altötting statt. Alle Lesungen findest du hier.

74 0 Texterella persönlich., 50+ Lifestyle 23.08.2026   provence, texterella auf reisen, texterella persönlich, texterella unterwegs

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