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Dienstag, 01. August 2017 um 06:00 Uhr

Texterella allein zuhause. Wie ich vier Tage mit meinem Biorhythmus kuschelte.

Hinter mir liegen vier seltsame Tage. Die ganze Familie war ausgeflogen: der Mann mit den Söhnen nach Hamburg, Töchterlein mit brasilianischen Freunden nach Amsterdam. Und Muttern saß daheim und hütete die Katzen.

Nein, ich muss euch nicht leid tun! Ich bin ja auch oft genug alleine unterwegs. Und jetzt war ich eben einmal diejenige, die daheim blieb. Fair genug! Ehrlich gesagt hatte ich mich sogar darauf gefreut: Vier Tage nur ich – und das Buch. Keine Unterbrechungen, keine Kocherei, kein Mamataxi. Kein Latein abfragen, wenn ich doch eigentlich viel lieber am Schreibtisch bleiben wollte.


Was der Biorhythmus mit uns macht. Produktiv sein in einer fremdbestimmten Arbeitswelt.

Der erste Tag fühlte sich sehr seltsam an. So leise. Geradezu gespenstisch. Kein Türknallen, keine laute Musik. Kein Kinderlachen, kein Kinderstreiten. Niemand hatte Hunger. Selbst ich vergas das Mittagessen, bis mir der Magen knurrte. Die Katzen schlichen irritiert durchs Haus, als fragten sie „Wo sind denn alle?“, und verbrachten die Nacht bei mir im Schlafzimmer. Alle beide. Das kommt sonst nie vor.

Nach anderthalb Tagen hatte ich mich daran gewöhnt: Ich musste nichts und konnte alles. Und vor allen Dingen: Arbeiten, wann ich wollte! Da waren nur mein Biorhythmus und ich. Und wir verstanden uns prächtig: Ich konnte erst gegen 11 Uhr losschreiben und musste nicht nach 1,5 Stunden schon wieder unterbrechen, um das Mittagessen zu kochen, weil um 13.30 Uhr eine Horde hungriger Teenager vor der Tür stand. Ich konnte das Mittagessen einfach ausfallen lassen, wenn ich im „Flow“ war. Wow. Was für ein Gefühl der Freiheit!

Wie ich mit meinem Biorhythmus kuschelte. Produktiv sein in einer fremdbestimmten Arbeitswelt.

Was ich in den letzten Tagen am eigenen Körper und Geist erlebt habe, ist nichts Neues. Unsere Arbeitstage entsprechen nicht unserer Leistungskurve, das ist wissenschaftlich erwiesen. Zumindest nicht für jeden Menschen. Sicher gibt es solche, die bereits um 8 Uhr zur Höchstform auflaufen – Glück gehabt! Alle anderen hingegen dürfen sich ein ganzes Arbeitsleben mit unpassenden Arbeitszeiten abmühen. Im Grunde ist es so, als müssten wir uns alle in Größe-38-Kostümchen zwingen, völlig egal, ob wir Größe 34 oder 44 tragen. Dass das nicht funktionieren kann, ist eigentlich logisch.

Du bist doch Freelancer, werden einige jetzt sagen, du kannst deine Arbeitszeit doch einteilen. Ja, stimmt. Theoretisch. Eigentlich hätte ich gute Chancen, meinen Arbeitstag auf meinen persönlichen Rhythmus abzustimmen. Tatsächlich bin ich aber eingebunden in den fremdbestimmten Alltag anderer. Das mag sich ändern, wenn die Kinder aus dem Haus sind – aber ganz ehrlich: Darauf will ich in Sachen Produktivität weder warten noch mich freuen! Ich will es jetzt schon hinkriegen. Irgendwie. Wie auch immer.

Morgen hat das selbstbestimmte Leben wieder ein Ende.

Morgen sind dann alle wieder daheim. Das ruhige und selbstbestimmte Leben hat dann ein Ende. Dafür klingen dann Lachen durchs Haus und laute Musik. Darauf freue ich mich von Herzen. Auch wenn mein Biorhythmus wieder jammert. Egal.

Immerhin: Ich bin in den vier Tagen gut vorangekommen, habe ein weiteres Kapitel fast fertig. Und die Lektorin mag mein erstes Kapitel! Hey, das sind gute Gründe, sich wacker zu halten. Auch wenn sich die Leistungskurve erst kurz vor Mittag einschaltet. Und dann kochen muss.

Tja, wäre dies ein anderer Blog, hätte ich jetzt natürlich die Lösung für dich. Und mich. Bin ich aber nicht, habe ich aber nicht. Aber vielleicht hast du ja Tipps, wie man in einer fremdgesteuerten Welt seinen Rhythmus findet? Das wäre fein!

(PSchen: Das Streifenshirt von Mads Nørgaard hat zauberhafte Volants und vereint damit zwei meiner aktuellen Lieblingstrends. Ja, es ist ausverkauft, aber mit der Erinnerungsmail habe ich immer noch alles gekriegt. So schnell gebe ich nämlich nicht auf! Bei Volants und Streifen schon mal gar nicht!)