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Donnerstag, 28. September 2017 um 06:00 Uhr

Ich bin #87Prozent.

Ich weiß nicht, wie es dir ergeht, aber mir steckt der Wahlausgang immer noch in den Knochen. Sicher, das Ergebnis war nicht überraschend, aber … die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, und so war es auch bei mir. Wobei: Ein bisschen überraschend war es dann doch, dass die Partei, deren Namen ich nicht nenne, um ihr keine Bühne zu bieten, mancherorts und sogar in einem ganzen Bundesland stärkste Kraft wurde. Oder sagen wir besser: Es ist schockierend! Im Freundes- und Kolleginnenkreis haben wir intensiv darüber diskutiert, was Menschen dazu treibt, ihre Stimme(n) einer rechtsextremen Partei zugeben – die sich ja noch dazu die Kürzung von Sozialleistungen ins Wahlprogramm geschrieben hat. Menschen „am Rande der Gesellschaft” werden also nicht profitieren, im Gegenteil. Ob ihnen das beim Urnengang bewusst war? Ich kann es kaum glauben.


Ich bin #87Prozent.

Und dann sind da ja noch die Protestwähler, die satt in ihren Doppelhäusern sitzen und einen Mitteklassewagen in der Garage stehen haben. Denen fehlt eigentlich nichts, trotzdem sind sie offenbar unzufrieden mit der Welt. Und vermutlich noch viel mehr mit sich selbst. Dieses „Jetzt zeigen wir es denen in Berlin mal!“ Denkzettel-Konzept scheint fast ein wenig pubertär – leider zum Schaden einer ganzen Nation. Und dann ist da noch der Neid auf das Bisschen das jene kriegen, die vorher alles verloren haben. Beschämend, ja. (Alles nur meine persönliche Sicht der Dinge, keine statistische Erhebung.)

Aber es nützt nichts, DieParteiderenNamenichnichtnenne ist gewählt. Demokratisch gewählt, was die Sache geradezu pervertiert (und 1933 ja auch schon so war). Bleibt nur zu hoffen, dass sie sich bald selbst zerlegt, diese Partei. Ein Anfang ist ja schon gemacht.

Immerhin: 87 Prozent haben gegen Hass, Hetze, Diskriminierung und Fremdenhass gestimmt. Das ist gut und macht in aller Verzagtheit auch Hoffnung. Vielleicht ist die Wahl ja doch ein Weckruf – in Sachen Demokratie und für mehr Engagement jedes Einzelnen! Das wäre toll und gäbe den 13 Prozent dann doch einen Sinn.

Hier noch ein paar interessante Links:

Dieser kurze Artikel aus der Süddeutschen hat mich sehr schockiert. Er schildert die Sicht von zwei Münchner Juden auf das Wahlergebnis. Und hier die Stimme einer Frau mit einem äußerlich nicht deutschem Kind.

Wie sich DieParteiderenNameichnichtnenne im Bundestag verhalten dürfte, darüber berichtet die ZEIT und greift dabei auf das Agieren besagter Partei in den Landtagen zurück. Und: Wer sind diese 93 neuen Bundestagsabgeordneten überhaupt?

Warum ist die DieParteiderenNameichnichtnenne in manchen Regionen so besonders stark? Zwei Beispiele: Ostsachsens und Niederbayern. Die ZEIT fragt außerdem ganz offen nach Gründen die Wahlentscheidung – und bekam fast 600 Antworten. Und hier sind noch die Ergebnisse eines Angstforschers.

Last but not least: Die Rede von Bundespräsident Steinmeier zum Wahlausgang. Zu dieser ist meines Erachtens nichts hinzuzufügen. Ich bin dankbar für seine Zuversicht. Und noch ein Artikel, der Mut macht: „Vielleicht gar nicht so schlecht.”

Und sonst? Weitermachen. Dagegen sein und dagegenreden. Aufrecht sein, nicht rechts. Sich weiterhin für Menschen einsetzen, die unsere Hilfe brauchen, woher sie auch sind und welche Hautfarbe auch immer sie haben. Sich nicht einfangen lassen von irgendwelchen Rattenfängern. Stark bleiben und demokratisch. Sich für Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität einsetzen. Bitte.

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Ich diskutiere gerne mit euch, andere Meinungen sind natürlich erlaubt und willkommen. Beleidigende und hetzerische Kommentare lösche ich aber.


Donnerstag, 28. September 2017 um 06:00 Uhr