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Donnerstag, 08. Februar 2018 um 06:00 Uhr

Herzensthema: Ich will unsere Kurven feiern!

Für diesen Text muss ich ein bisschen ausholen. Denn es war nicht immer so, dass ich mich und meinen Körper mochte. Und auch heute gibt es noch oft genug Momente, in denen ich mich um ein paar Kilo und Kleidergrößen dünner wünsche – das sind vor allem die Augenblicke, wenn ich mich in einem On- oder Offline-Store in DAS Kleid verliebe, nur um einen Atemzug später festzustellen, dass es nur bis Größe 42 verfügbar ist. Dann wünsche ich mir tatsächlich eine Größe-38-Figur, und zwar sofort.

Aber die allermeiste Zeit mag ich mich. Aber ich weiß auch, dass es sehr viel Frauen gibt, die unter ihren Pfunden leiden. Die sich unattraktiv finden und sich am liebsten unter einem Tarnmantel verstecken. Und die meinen, dass Kleidung ab Größe 44 nur einen einzigen Zweck hat: „vorteilhaft“ zu sein, sprich: uns schlanker aussehen zu lassen.

Ich sehe das anders.

Für mich muss Kleidung Spaß und gute Laune, ja, vielleicht sogar glücklich machen. Und sie muss meine Persönlichkeit ausdrücken, und die ist weder dünn noch dick – sie ist einfach „ich“. Ich will mich nicht reduzieren lassen auf Kleidergrößen, und schon gar nicht, will ich mir von irgendwelchen Zentimetern vorschreiben lassen, wie ich meine Persönlichkeit modisch ausdrücken soll. Ich will Kleidung tragen, die ich gut finde und in der ich mich wohlfühle. Selbst wenn das ein pinker Samtanzug ist, bei dem irgendwelche Stilexperten sicherlich die Hände überm Kopf zusammenschlagen und mir zum klassisch dunkelblauen Wollblazer raten würden. Weil Samt aufträgt und Dunkelblau schlank macht.

Mir doch egal.

Ich trage diesen Anzug, weil ich pinken Samt liebe. Und ihn mir nicht verbieten will, bloß weil ich keine Größe 38 trage.

Ich wünsche mir, dass wir Frauen uns von der Vorstellung lösen, dass Kleidung uns grundsätzlich schlanker und „vorteilhafter“ aussehen lassen muss. Ich wünsche mir außerdem, dass wir Mode für uns vielmehr als Spielwiese entdecken, in der alles erlaubt ist, was uns Spaß macht. Und dass wir Frauen, die diese Spielwiese bereits für sich entdeckt haben, nicht dafür kritisieren – bloß weil ihr Stil nicht unserem eigenen Geschmack entspricht, oder den althergebrachten Vorstellungen, was runde Frauen zu tragen haben.

Ich will Plussize-Frauen Mut machen, und Lust auf diese Spielwiese.

Ich will, dass wir uns modische Freiheit erlauben. Und nicht darauf schielen, welcher Schnitt, welcher Stoff, welche Farbe uns zwei Kilos wegmogeln. Und ich danke der Zeitschrift DONNA für die Einladung über dieses Herzensthema – denn das ist es! – in der aktuellen Ausgabe (3/2018) zu schreiben und für den Raum, den sie mir mit zwei Doppelseiten dafür gegeben hat. Es war mir eine besondere Freude!

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Donnerstag, 08. Februar 2018 um 06:00 Uhr