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„Das Leben ist völlig überbewertet“, sagte der Hauptdarsteller gestern in meiner aktuellen amerikanischen Lieblingsserie – kurz bevor er erschossen wurde.

Was er meinte, war das Leben neben der Arbeit. Freizeit, Hobbies, Nichtstun und all so was. Und auch wenn ich nicht das Leben eines Workaholics in Chicago lebe und keinen Bourbon zum Mittagessen trinke. Auch wenn mein Leben ganz anders und die Geschichte fiktional ist – der Satz blieb hängen.

Das Leben ist völlig überbewertet?! Ich sehe das anders. Komplett anders.

Sonnenaufgang im Ampertal

Jeder Tag ist ein neuer Tag. (Fotos: Susanne Ackstaller)


Ich glaube im Gegenteil, dass wir das Leben – das wirkliche Leben, nicht den Alltag, nicht die Arbeit, nicht die Verpflichtungen – völlig unterbewerten. Oder sagen wir: Nicht wirklich schätzen. Und vor allem: viel zu wenig nutzen. Wir stehen auf, setzen uns an den Schreibtisch, fahren unsere Kinder von A nach B. Wir kochen, essen, putzen, kaufen ein. Zwischendrin einer kleiner Wochenendausflug, ein- oder zweimal im Jahr geht’s in den Urlaub. Und schon ist wieder ein Jahr vorbei. Wieder sind wir ein Jahr älter. Was bleibt ist die Verwunderung, wie schnell die Zeit vergeht.

Ich denke viel darüber nach – über das Leben und über seine Vergänglichkeit. Nicht erst seit kurzem und oder seit ich mich dem 50sten nähere. Nein, ich hatte immer schon, selbst als 20-Jährige, das Empfinden, dass meine Lebenszeit viel zu kurz ist, dass ich sorgsam mit ihr umgehen muss, sie nicht verschwenden darf. Dass mein Leben wertvoll ist und dass ich es gut nutzen sollte.

Diese Erkenntnis ist die eine Seite – die Umsetzung eine ganz andere. Auch bei mir überwiegen Routine und Alltagstrott. Aufstehen, anziehen, arbeiten, ausziehen, ins Bett. Am Wochenende ausschlafen. Abends mal ins Kino oder mit Freunden essen. That’s it. Mehr oder weniger.


Sonnenaufgang im Ampertal


Reicht das für ein Leben, auf das man mit 80 gerne und zufrieden zurückblickt? Ich weiß es nicht. Immerhin habe ich Gott sei dank einen Beruf, der mich erfüllt und der mir einerseits viel Freiheit lässt, mich aber andererseits auch ständig beschäftigt. “Selbst und ständig” ist leider wahr. Dennoch versuche ich weniger Zeit vor dem Monitor und mehr im analogen Leben zu verbringen. Ich reise gerne und relativ viel, versuche die Welt, auch die Natur, intensiv wahrzunehmen. Ich gehe immer achtsamer mit meinem Körper um. Gleichzeitig bleibt vieles, was ich gerne oder mehr machen würde, nach wie vor auf der Strecke: wieder mehr lesen. Mehr Kunst. Mehr Kultur. Mehr alte Freunde treffen. Mehr Besonderes im Leben.Hatte ich mir das nicht Ende des letzten Jahres sogar öffentlich hier im Blog vorgenommen? Nun, viel davon ist nicht passiert. Es gibt ja auch immer tausend mehr oder weniger gute Gründe dafür, nichts zu tun und alles zu belassen.

Andererseits ist jeder Tag ein neuer Tag. Ein Neubeginn. Jeden Tag kann man alles ändern. Ganz neu anfangen, im Kleinen wie im Großen. Wir müssten es nur einfach tun. ICH müsste es tun. Du vielleicht auch.

Einen tollen Satz hat meine Freundin Ruth vor kurzem gesagt, wenn auch in einem anderen Kontext:

Neben der Frage “Was könnte passieren, wenn ich es tue?” sollte man sich auch immer die Frage stellen “Was kann nicht passieren, wenn ich es lasse?“

Ja, was kann alles nicht passieren, wenn wir alles immer so lassen und machen und leben, wie es war. Und wir nie unsere Routine und unseren Trott verlassen.

Ich wünsch dir ein tolles Wochenende! Mach was daraus! :-)

 
Susanne Ackstaller, Freitag, 24. April 2015, 13:02 Uhr
Kommentare: 6 | Aufrufe: 524 | Kategorie: Lifestyle, Leben | Tags: lebengedanken
 

Ich schwöre, dass mir genau diese Blüten gestern bei meinem Abendsspaziergang begegnet sind. Sie hingen bei meinem Nachbarn am Baum. Und weil ich sie schön fand, habe ich sie dir einfach mitgebracht:


Kleid mit Kirschblüten von Herrmann Lange, gesehen bei Navabi

Frühlingsblüten-Kleid von Hermann Lange, gesehen bei Navabi*

Ob der Frühling wohl beleidigt ist und sein Blühen wieder einstellt, falls ich das Kleid nicht sofort kaufe?

Ob ich es riskiere? (Ich will wirklich nicht schuld sein, wenn wir plötzlich wieder vor kahlen Bäumen sitzen.)


*Affiliate-Link aka “böse Werbung”

 
Susanne Ackstaller, Mittwoch, 22. April 2015, 10:24 Uhr
Kommentare: 2 | Aufrufe: 435 | Kategorie: Mode, Kleidung, Kleider & Röcke | Tags: sitzplusplussizenavabimodekleidhermann langegroße größenfrühlingskleid
 

* Ich denke oft darüber nach, was für ein Glück ich habe: hier, in Deutschland zu leben, in einem Land, das sicher ist und in dem Wohlstand herrscht, in dem wir zu essen und zu trinken haben. Wie anders sieht es in vielen Teilen dieser Welt aus. Sicher, man kann nicht überall helfen, aber … ABER – das dachte sich wohl die myself, und lädt zu einer wirklich schönen Hilfsaktion ein. Einer, die nicht nur hilft, sondern auch noch Spaß macht: dem myself Supper Club!


Frühlingsblüten

Frühling! So schön!


* Meine Freundin und Bloggerkollegin Ruth denkt, sagt und schreibt oft so schlaue Sachen, dass ich mir immer wieder einen kleinen Rahmen für ihre Sprüche und Gedanken wünsche – zum Aufhängen und immer wieder Lesen. Ihren letzten Blogartikel fand ich besonders klasse. Er dreht sich um deinen guten Ruf: Hör endlich auf, ein Darling zu sein! Ganz großer Lesebefehl!

* Für meine Netzwerk-Kollegin Birte Mirbach habe ich geschrieben, und zwar einen Gastbeitrag im Rahmen unserer Netzwerk-Weihnachtswichtelei (jaja, Weihnachten ist schon ein bisschen her … ;-)). Er lautet „Carrie lebt hier nicht“ und handelt von … ach, lies einfach selber: Klick!

 
Susanne Ackstaller, Dienstag, 21. April 2015, 15:53 Uhr
Kommentare: 0 | Aufrufe: 395 | Kategorie: Meinungen, Kurznachrichten | Tags: nachrichtenmodekolumnekolumnedienstagsschnipsel
 

Ulrike Bartos und ihr Plussize-Blog Miss Bartoz („Bei Zara passen mir nur die Handtaschen!“) kannte ich schon länger. Richtig in mein Herz geschrieben hat sich Ulrike allerdings mit ihrem geradezu legendären Blogpost „Wampe wird jetzt Trend“. Was habe ich einerseits gelacht! Und mich andererseits verstanden gefühlt, in meinem Stauen, dass ein etwas runderer Popo und ein vereinzeltes Model in Größe 40 jetzt plötzlich als Trend zur Wonnerolle (ich verzichte jetzt ganz bewusst auf die Verkleinerungsform) verkauft wurden.

Ja, Ulrike war für mich eine im doppelten Sinn große Bloggerin, eine, die ganz oben angekommen war in der Lifestyle-Blogospäre. Ein Vorbild? Ja, auch das, was ihren Mut und ihren Erfolg anging.

Und dann lernte ich sie kenne, beim ersten Soulfully-Workshop (wo sie als Gastbloggerin dabei sein wird). Und was sagt sie als erstes?! Dass sie mein Blog kennt – und liest! Miss Bartoz herself liest mein Blog! Was war ich erstaunt, und was habe ich mich gefreut! Natürlich musste ich sie sofort zu meinen Montagsinterviews einladen. Und dann hat sie auch noch zugesagt. Doppel-Freude! :-)

Ulrike Bartos/Miss Bartoz

Ulrike Bartos, 45.

Ulrike bloggt aber nicht nur. Sie hat auch noch einen „richtigen” Job. Der aber mit Blogs zu tun hat. Und mit Social Media. Ulrike berät Unternehmen in ihrer Content-Marketing-Strategie, hilft ihnen dabei, sich im Netz zu positionieren und den ständig neuen Gegebenheiten und Entwicklungen anzupassen und sie ist Dozentin für Social Media und digitale PR.

Und heute ist sie hier. Sagte ich schon, dass ich mich freue?! :-)

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Ich komme aus einer Familie, in der Kleidung auch ein Statement war. Ein politisches nämlich.

Das waren die frauenbewegten Jahre meiner Mutter und insgesamt die politische und kritische Erziehung, die ich genossen habe, die auch Kleidung, Stil und Mode beeinflussten. Zusammengefasst ging es nicht so sehr um „was hast du an“, sondern um „was sagst du aus“.

Bei uns war immer Geld für gute Bücher da. Lernen, Wissen, sich entwickeln, das waren wichtige Werte, die mich geprägt haben. Das hilft mir heute sehr. Die Äußerlichkeit war eher ein Politikum. So bin ich dann in den sehr frauenbewegten Jahren meiner Mutter in lila Folklorekleider gesteckt worden.

Irgendwie macht man das mit, es ist ja auch keine schlechte Sache, gerade Mädchen, zu frei denkenden Wesen zu erziehen und nicht zu „konsumorientieren Barbies“. Das waren so die beiden Bilder in meiner Familie, die mich geprägt haben. Konsum war schon mal böse und Mainstream manipuliert. Dass auch wir eine gewisse friedensbewegte Mode-Gruppe repräsentierten, die auch klar an ihrer Kleidung auszumachen war, verstand ich damals noch nicht. Zu der Zeit war ein Palästinatuch ein politisches Statement, kein Modeaccessoire. Mein Platz und Raum, einen eigenen Stil zu entwickeln, zu begreifen, was überhaupt Mode ist und kann, das kam alles erst später.

Ich fing an zu rebellieren und wurde Punk. Damit hatte ich jedoch zwei Probleme: Erstens mochte ich die Musik nicht und zweitens applaudierten meine Eltern natürlich über mein „Dagegen sein“. Die hätte ich gegen mich aufgebracht, wenn ich einen auf die heutige Daniela Katzenberger gemacht hätte.

Zum Scheitern meiner Möchtegern-Rebellion kam noch etwas anderes hinzu: Mein ganzes Leben lang war ich kein Bodensitzer. Die Punks saßen aber immer mit ihren Bierflaschen auf dem Boden vor unserem Einkaufszentrum rum. Eines Tages kamen mich einige von meinen Punkfreunden besuchen und ich bin durch meine Plattensammlung, die aus einigen Swingplatten, Soul, Culture Club und Pink Floyd bestand, aus dem Kreis ausgeschlossen worden.

Ganz schlechte Voraussetzungen für eine Rebellion. 


Ulrike Bartos aka Miss Bartoz im Jugendalter:

„In meiner Jugend war Kleidung nicht Mode, sondern Politik!” (1979)


Aber etwas ist davon hängen geblieben: Kleidung ist identitäststiftend. Und das ist es auch, was ich heute vermitteln möchte. Kleidung kann Gefühle, eine innere Haltung und die Laune beeinflussen. In meinen Punk-Klamotten z. B. war ich automatisch auf Krawall gebürstet. Wenn ich ein Kleid und Absätze trage, gehe ich aufrechter, das beeinflusst meine innere Haltung, Auftreten und Laune und diese Erfahrung soll jeder offen stehen, egal welche Figur sie hat.

Später, etwa zu Zeiten des Abiturs, fing ich an, eigene Wege zu gehen, mochte den Stil der 20er, trug Männeranzüge aus dem Second-Hand-Shop, experimentierte mit Kleidung und fing auch an selber zu nähen. Das hatte zum einen etwas mit Kosten zu tun, zum anderen aber auch damit, dass es kaum etwas gab, in das ich reinpasste – und das trendy war. Wir hatten ja nichts! Nicht mal ein Internet! Und damals trug ich maximal eine Größe 46.

So richtig „klick“ gemacht mit der Mode hat es bei mir erst mit Ende 20. Da bestellte ich ein Kleid, das 1A saß. In dem Moment, als ich es anzog, habe ich das erste Mal begriffen, was Kleidung mit einem noch so alles machen kann. Wenn die Abnäher an der richtigen Stelle sind, der Schnitt stimmt und die Länge, dann geht das auch bzw. erst recht bei einer molligen Frau.


Ulrike Bartoz im roten Kleid

Bei Plussize besonders wichtig: der gute Schnitt! (2014)


Es hat noch ein paar Jahre gedauert und mit Mitte 30 habe ich dann endlich auch meine letzte Diät gemacht (Atkins – grauenvoll, nicht nachmachen!). Nebenbei gesagt: Seitdem habe ich kaum noch zugenommen. Danach war endgültig Schluss mit Kasteien und damit den Stoffwechsel malträtieren. Heute weiß ich, dass, wenn man sein Leben ändern möchte, es besser ist, sich zu mögen. Auf dieser Basis kann man, wenn man es will, auch Gewicht reduzieren. Der andere Weg „erst mal abnehmen und dann!“ führt in eine Sackgasse.

Mittlerweile war ich bei meiner Garderobe einen Schritt weiter gekommen, und habe nach und nach ein paar gute Basics zusammengestellt. Ein Accessoire-Freak war ich schon immer, ich war es gewohnt, die komischen Säcke der Übergrößen-Bekleidungsindustrie zu pimpen und meine umfangreiche Sammlung an Taschen, Schmuck, Tüchern, Schals, Hüten und Gürteln prima zu kombinieren.

Lange Zeit habe ich fast ausschließlich Kleider getragen und komme erst jetzt zurück zur Jeans. Das hat auch damit zu tun, dass die Auswahl auch in meiner Konfektionsgröße jetzt besser ist, endlich diese erniedrigenden Gummizüge an Hosen verschwinden, der Trend in eine eher lässigere Richtung geht und ich merke, dass ich mich in Sneakern auch mal ganz wohl fühle.

Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum?

Neulich habe ich meinen Stil als urban, sophisticated und classy bezeichnet. Man sieht meiner Kleidung an, dass ich eher von dem Leben einer Stadt beeinflusst bin. Ich baue Trends mit ein, wie zum Beispiel vor ein paar Saisons Neon. Einfach zwei H&M-Gürtel aus der Teenieabteilung zusammengenäht, ein paar günstige Ballerinas dazu und fertig. Viele Plus-Size-Marken produzieren mittlerweile trendnah, das war nicht immer so.


Ulrike Bartos/Miss Bartoz: Neontrend

Trend muss(te) man sich bei Plussize selber basteln. (2013)


Ich bin mittlerweile auch dem Anlass entsprechend gekleidet. Etwas mitspielen, ohne den eigenen Stil zu vernachlässigen, empfinde ich nicht mehr als anpassen. Im Business wird man mich zwar nicht in einem Kastenhosenanzug sehen, aber vielleicht in einem Pocketkleid und kurzem Blazer dazu. Das meine ich auch mit classy. Feminin und klassisch, aber mit einer Note und Schnitte, die zu mir und meiner Körperform passen.

Zum Stil finden gehört es auch, mal daneben zu greifen. Mein Stil ist in Bewegung, es kommen immer wieder neue Elemente und Must-haves dazu, andere gehen. Fehler machen gehört dazu. Das ist wichtig, sonst verändere ich mich nicht und Stillstand ist für mich der schlimmste aller Zustände, das gilt für alle Bereiche meines Lebens.

Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Es gibt Frauen, die ich für ihren Stil bewundere. Tilda Swinton zum Beispiel. Ich mag diese schlichte, edle und sportive Eleganz und diese Frauen, wie z. B. auch Annie Lennox, die den Geschlechtern nicht sofort zuzuordnen sind und auf die Begriffe wie maskulin, feminin, androgyn nicht richtig passen wollen.


Ulrike Bartos/Miss Bartoz im grünen Kleid

“Ich mag’s classy!” (2015)


In der Reihe darf natürlich Isabella Rossellini nicht fehlen. Schlichte Eleganz und ein sehr bewegtes Leben. Ich durfte sie mal live treffen und bin beinahe in Tränen ausgebrochen.

Gleichzeitig schiele ich auch gern ‘rüber zur Rockabella-Szene. Ich mag diese getupften Kleider und die ganze Inszenierung. In Hamburg gibt es eine Bar, das „Twentyflight Rock“, da treibt sich diese Szene rum. Da schaue ich öfter mal rein. Was auch schön ist an dieser Szene: Die Männer und Frauen können in ihr alt werden und Kurven sind da ohnehin gefragt.

Meine persönliche Rockabella-Erkenntnis: Weniger ist mehr. Mit einem getupften Kleid, passender Tasche, noch was in den Haaren und etwas mehr Make-up sehe ich eher aus wie eine XL-Minimaus. Das meine ich mit „ausprobieren”. Nur das Kleid, alles andere schlicht, so habe ich mich angenähert.

Die Frauen der 20er Jahre finden viele toll, ich auch. Der ganze Stil passt total gut zu meiner 1,78-Meter-Körperlänge und auch das Lebensgefühl dieser Frauen, zumindest das, was wir heute hineinromantisieren. Als Kulturwissenschaftlerin weiß ich, dass diese Zeit alles andere als rosig war und wenig mit dem zu tun hatte, was wir heute mit ihr verbinden. Es existiert tatsächlich eine Hausarbeit von mir zum Thema der Swing-Bewegung. Auch so kann man sich Stilen nähern. ;-) Der Dandystyle etwa und natürlich die Charlestonkleider sind schlichtweg Stile, die ich mag, die mich beeinflussen und die auch nie richtig out sind.

Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück?

Ich hatte lange Zeit „mein Kleid“ und jetzt zurzeit sind es diese langen Cardigans und Indoor-Mäntel. Dieser Trend ist einfach wie für mich gemacht. Sie strecken sehr schön, wehen im Wind, wenn man schnell geht, geben allem eine besondere Note – ich schätze, ich werde mich noch bevorraten, bevor er vorbei ist.


Ulrike Bartos/Miss Bartoz im langen Cardigan

Die besondere Note: Indoor-Mäntel (2014)

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Ich werde eitler und das hat vielleicht etwas mit meiner Erziehung zu tun. Vieles kam erst nach und nach und es hört auch noch nicht auf. Dass ich mich im falschen Style unwohl fühle, kam erst spät bei mir und jetzt ist das Gefühl ziemlich stark, sollte es mal dazu kommen.

Erst letztes Jahr habe ich mir, im Alter von 44, eine Schminkkommode gekauft und genieße es morgens dort zu sitzen und mich schön zu machen. Meine Freundinnen rüsten im Bad eher ab. Ich hingegen komme aus London zurück und zeige stolz meine neuen Lidschattenpaletten.

Gleichzeitig nehme ich auch anders wahr: Wenn ich eine tolle Frau sehe, schaue ich genau hin, was es ist, das sie besonders macht. Wohin wird mein Blick gelenkt und wodurch? Warum spricht mich diese Zusammensetzung zu einen Outfit an? Und was kann ich davon übernehmen?

Seit einigen Jahren nehme ich Zeichenunterricht, so bin zur Modezeichnung und zum Akt gekommen. Das schult das Auge und hat auch Rückkopplungen auf die Wahrnehmung von mir selber und Anderen. Einen perfekten Körper zu zeichnen ist öde. Aber einen mit Speckrollen oder noch besser, einen alten Körper, das ist es, was spannend ist. So bin ich wohl insgesamt entspannter und gleichzeitig aufmerksamer geworden.

Trotzdem bin ich kritisch und sensibel, wenn es um die Stereotypisierung und Uniformierung von Frauen (und Männern) geht, wie es z.B. gerade sehr drastisch bei GNTM stattfindet. Diese Art der Gleichmacherei findet ja auch bei den kurvigen Frauen statt. Dazu gibt es auch einen Blogpost von mir.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Ich bin ein „Waschlappenkind“ und verzichte auch auf Reisen nicht drauf. Und ich wasche mein Gesicht, seit ich 13 bin, nicht mit normaler Seife. Ein Sidet, Gesichtswaschcreme oder Gel muss es schon sein.

So ultramoderne Kosmetikartikel, da kenne ich nur ein paar, weiß aber, dass sie wirken, wenn man das Richtige für seine Haut gefunden hat. Ich hatte auch schon richtigen Mist für viel Geld im Schrank, den ich weiterverschenkt habe. Meiner Erfahrung nach, kommt es darauf an, dass die Produkte zur Haut passen, wie der richtige Kleiderschnitt. Das kann Hightech sein, muss es aber nicht.

Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei (Kosmetik-)Produkte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein?

Mit 15 Jahren habe ich Mascara und gleichzeitig meine megalangen Wimpern entdeckt. Seitdem geht es nicht mehr ohne. Meine liebste ist die „Telescope“ von L’Oreal. Eine ganz schmale Bürste ist prima für mich. Außerdem meine Augencreme von Braukmann und die BB Creme von Garnier. Hm, jetzt habe ich nichts zum Abschminken kaufen dürfen. Das besorge ich mir im Nachbarzimmer.

Wenn du dir ein (noch nicht existierendes) Produkt von der Kosmetikbranche wünschen dürftest: Welches wäre das?

Ein Gerät, wie eine Art Pipette, mit der man die Poren verkleinern kann und zwar für immer!

Dann noch ein Produkt, das wirklich Spannkraft in die Haare zaubert und wenn wir schon dabei sind, etwas gegen Besenreißer. Diese sehr schmerzhaften Spritzen hatte ich schon, haben nichts gebracht und einen Winter lang habe ich schrecklich gelitten.

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Ja: Meine Kosmetikerin. Sie ist gerade 60 geworden und hat noch ein halbes Chemiestudium als Drogistin ablegen müssen. Sie kennt meine Haut und macht das, was gut für sie ist, alle vier bis fünf Wochen. Manchmal kommen Frauen mit Mitte 20 und einer komplett kaputten (weil total überpflegten) Haut zu ihr. Denen gibt sie ein Stück Kernseife und die Anweisung zwei Wochen nichts anderes zu machen, als sich damit zu waschen und dann wieder zu kommen. Sie weiß einfach viel, geht regelmäßig auf Schulungen für neue Produkte, aber es sind nur ganz wenige, die es in ihr Regal schaffen. Die meisten fallen durch ihre harte Prüfung.

Ich mag Leute, die ihr Fach verstehen.


Ulrike Bartos aka Miss Bartoz - Porträt

Langbewimpertes Geburtstagsselfie! (2012)

Regelmäßig mache ich auch kleine Beauty-Einlagen. Mal bei mir zuhause in der Wanne, mal in der Sauna oder Therme. Da wird dann erst ein bisschen gepeelt, der ganze Körper mit Salz geschrubbt und anschließend mindestens eine Maske aufgetragen. Das mache ich so, wie es kommt. Meistens nehme ich mir das morgens schon vor und freue mich den ganzen Tag darauf.

Was würdest du in Sachen Schönheit gerne mal ausprobieren? (Haare rot färben, Botox, falsche Wimpern, Pixie-Schnitt ...)

Das ist ja das Gute am Älter werden, viel hat man schon ausprobiert. Ich hatte viele Haarfarben und Längen. Am Ende der Experimente lande ich immer beim Bob. Mal hell, mal dunkel. Ich liebäugele mit diesem künstlichen Grau, dass es jetzt viele tragen, befürchte aber, dass das an mir nur gut aussieht, wenn ich täglich top gestylt bin, und das bin ich einfach nicht immer.

Bei vielen Sachen habe ich einfach Schiss. 2014 bin ich das erste Mal unter einer Vollnarkose operiert worden. War nichts schlimmes, hat auch nur 30 Minuten gedauert, aber dieses “weg sein” und nicht wissen, was genau passiert ist, vorher die Angst, mitten in der OP aufzuwachen – ich kannte OPs bis zu dem Tag nur aus dem Fernsehen.

Bis dahin habe ich gedacht: Ach, wenn ich das irgendwann will, lasse ich mal was an mir „machen”. Nach dieser Erfahrung – und die war im Vergleich absolut harmlos – sicher nicht mehr. Mir macht das viel mehr Angst, als ich dachte. Gut, dass ich das jetzt weiß.

Ähnlich ist es mit Botox. Einige meiner Freundinnen haben das erfolgreich probiert. Aber bei der Vorstellung einer noch so kleinen Spritze in meinem Gesicht bekomme ich Albträume.

Ich bin auch nicht tätowiert. In der Zeit, so im Alter rund um 16, als das mal Thema war, hatte ich dann doch einen Rückzieher gemacht. Vielleicht auch, weil ich keine Sachen mag, die für immer sind. Heute bin ich froh über meinen klaren Körper.


Ulrike Bartos aka Miss Bartoz - Porträt

Ulrike liebt Accessoires! (London, 2014)


Was mich eher reizen würde ist, in einen Personal Trainer zu investieren. Sport ist ein Thema, das immer mehr in mein Leben drängt. Zurzeit probiere ich viel aus und schreibe auch darüber, wie es ist, wenn man diesen verdammten Sonnengruß nur so halb hinbekommt, weil der Bauch im Weg ist. Bewegung ist einfach wichtig und tut mir gut.

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Ja: Du musst im Leben mit allem rechnen. Auch mit dem Guten.

Das begleitet mich schon mehr als 25 Jahre. Es hat etwas offenes, dass alles möglich sein kann, und den zweiten Abschnitt finde ich deshalb so gut, weil er genau das trifft, was wir oft denken, nämlich nicht, dass es gut ausgehen kann.

Ein zweites Motto, dass sich bei mir persönlich immer wieder bewahrheitet ist: Was ich mir vorstellen kann, kann ich erreichen.

Das liegt nicht jedem, aber für mich trifft es vollkommen zu. Wenn ich ein klares Bild habe von dem, wo es hingehen soll, erreiche ich das in aller Regel auch. Das ist dann irgendwie in meiner DNA eingebrannt und alles entwickelt sich in diese Richtung.

Liebe Ulrike, danke für deine ebenso klugen wie unterhaltsamen Antworten, deinen Mut, deinen Erfolg als Plussize-Bloggerin! Und für deine Mantras, die ich beide voll und ganz teile! :-)

***
Mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick.

 
Susanne Ackstaller, Montag, 20. April 2015, 06:00 Uhr
Kommentare: 7 | Aufrufe: 2610 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews | Tags: ulrike bartossizeplusplussizemontagsinterviewmodemiss bartozinterviewfrauen über 40beautyanti-agingälter werden
 

Draußen scheint so sehr die Sonne, dass ich mich spontan entschlossen habe, kurz zu kochen, um keine wertvolle Sonnenscheinzeit zu verschwenden. Bzw. gar nicht zu kochen. Sondern einfach ein bisschen Salat, Käse und Oliven auf den Tisch zu stellen (aka „Wir proben Sommerküche.“). Und die Zutaten zum leckersten und zugleich einfachsten Tomatenbrot, das man sich vorstellen kann. Es schmeckt kurz gesagt so lecker, dass selbst meine Mäkel-Kinder diese Brot lieben, und das will wirklich was heißen.


Tomatenbrot aus Spanien - die Zutaten: Tomaten, Brot, Knoblauch, Öl, Salz

Das „Rezept“ habe ich übrigens aus Barcelona mitgebracht.

Zutaten zum weltbesten Tomatenbrot

Alles, was du brauchst, ist:

- gutes Weißbrot. Ich habe einen großen Laib italienisches gekauft. Eigentlich wollte ich die Hälfte einfrieren, aber da es das Tomatenbrot auch schon gestern gab (mittags UND abends!) ist nicht mehr viel übrig. (Sagte ich schon, dass es sooooo lecker schmeckt?!)

- (voll)reife Tomaten. Ja, die sind noch ein bisschen schwer zu kriegen, ich weiß. Wichtig ist, dass die Tomaten auf Druck nachgeben, damit man das Fruchtfleisch aufs Brot drücken kann.

- Knoblauchzehen. Du musst sie nicht mal schälen, im Übrigen. (Sagte ich schon, dass dieses Rezept ultraeinfach ist?! ;-))

- Olivenöl. Nimm das Beste und am besten eines mit einer kleinen Öffnung, sonst schwappt schnell zu viel aufs Brot.

- Salz. Im Grunde ist es egal. Ich mag es gerne ein bisschen körniger und nehme deshalb Fleur de Sel oder ähnliches. (Aber ich bin auch ein Salzliebhaber!)

Rezept zum weltbesten Tomatenbrot

Und so geht’s:

- Du schneidest das Weißbrot in dicke Scheiben, gerade so, dass sie noch in den Toaster passen. Du toastest sie, bis sie mittelbraun sind. Wenn du für eine größere Runde Tomatenbrot machst, halte die Scheiben im Ofen bei 150 Grad Heißluft warm.

- Du stellst die Tomaten, das Olivenöl und das Salz auf den Tisch (und weist deine Kinder an, den Tisch zu decken: „Aber nicht erst in 30 Minuten, sondern gleich!“ – weil du nämlich eigentlich schon fertig bist. Streiche eigentlich. Du BIST fertig.)

- Du holst die Brotscheiben aus dem Toaster bzw. dem Ofen uns stellst sie auf den Tisch.

- Am Tisch bestreicht jeder sein Brot mit einer halbierten Knoblauchzehe (die Schale kann dranbleiben, sie stört nicht!) und mit einer halbierten Tomaten. Das Tomatenfruchtfleisch muss man ein wenig ‘rausdrücken, es soll schon ein bisschen was auf dem Brot landen.

- Dann mit ein bisschen Öl betreufeln und mit Salz bestreuen.

- Reinbeißen und ¡Que aproveche!*

(Kommentar von k3: „Mama, kannst du bitte nicht mehr kochen und nur noch dieses Brot machen?“ – Wisster Bescheid, ne? ;-))


*Google behauptet, dass das „Guten Appetit“ auf Spanisch heißt! Ich glaube das einfach mal. ;-))

***
Ergänzung vom 20. April: Meine Kollegin Eva Schumann hat mich auf ihre Blogparade zum Thema Mittagessen im Homeoffice aufmerksam gemacht – auch dafür ist dieses Rezept natürlich perfekt! Ich spreche da aus eigener Erfahrung! (Nur Kunden sollte man danach nicht mehr zu nah an sich heranlassen ... ;-)))

 
Susanne Ackstaller, Sonntag, 19. April 2015, 11:20 Uhr
Kommentare: 5 | Aufrufe: 418 | Kategorie: Lifestyle, Lesen, Reisen | Tags: tomatenbrotrezeptreisenessenbarcelona
 
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