Texterella durchsuchen

Frisch kolumnisiert.

Rentnerbeige heißt jetzt Menocore.

Dieser demografische Wandel hat es wirklich in sich. Kurz gesagt: Nichts bleibt wie es war. Die Alten sind jetzt die Best-Ager, 50 sind die neuen 30 und nun hat es auch noch das Rentnerbeige erwischt: Das heißt jetzt nämlich „Menocore“ und wird als ganz neuer Trend gefeiert. Ein Schelm, der dabei an Pharmaunternehmen denkt, die nun neben den Mittelchen gegen Hitzewallungen und Heulattacken während der Wechseljahre noch eine eigene Modekollektion für geplagte Frauen (Netznachthemden gegen Nachtschweiß? Seidentaschentücher gegen Weinkrämpfe?) lancieren wollen. Frisch kolumnisiert: Nein, die VOGUE herself hat die Frau in der Menopause entdeckt und sie zur neuen Stilikone gekürt. (Natürlich nur auf den hinteren Seiten – vorne bleibt alles jung und knackig.) Wobei, so richtig neu ist der Style nun auch wieder nicht: Schon vor einiger Zeit hatten Couturiers ihre Models in beigen Bequemschuhen und Kompressionsstrümpfen auf die Laufstege geschickt, und nun gibt’s eben die passenden Outfits dazu. Weit geschnittene Klamotten in Leinen und Baumwolle, alles sehr lässig, sehr unangestrengt, sehr bequem. Und sehr beige. Ein bisschen „Out of Africa“ für die Frau in der Lebensmitte, nur ohne Farm in Afrika – und leider auch ohne Robert Redford. Im Grunde, seien wir ehrlich, wird genau der Look zum angesagten Style erhoben, den Stilberaterinnen ohnehin schon seit Jahren gegen dahinwelkendes Fleisch, Winkeärmchen und Bauchspeck empfehlen – und gegen den wir uns noch vor Kurzem vehement gewehrt haben. Dass der Name eher an ein Hormonpflaster erinnert als an einen Trend von den Laufstegen der Fashionweeks, ist nur konsequent. Bleibt abzuwarten, ob demnächst auch Rollatoren, Gehstöcke und Hörgeräte zu angesagten Accessoires avancieren. Spätestens dann ist der demografische Wandel tatsächlich vollzogen. Iris Apfel, das ewige It-Girl, lässt grüßen!

***

Die Kolumne erschien heute print und online in der WELT KOMPAKT. Wer noch mehr WELT-Kolumnen aus meiner Feder lesen möchte – bitte schön: Hier sind meine gesammelten Mode- und Lifestyle-Kolumnen. Viel Spaß! Illustration: Ulrike Haseloff

3669 8 Frisch kolumnisiert., Beauty & Fashion, Column   modekolumne, menocore, lifestyle-kolumne, frisch kolumnisiert

8 Kommentare

  • Elvira
    am Freitag, 20. Oktober 2017 um 19:05 Uhr

    Eine wunderbare Kolumne zum neuen Beige. Sofort denke ich: “Rentnerbeige ist nun zum Wechseljahrebeige avanciert.” Ach Meno. Und ich dachte, ich hätte noch Zeit bis ich mich in diese Farbe hülle.
    Was will mir die Modebranche eigentlich damit sagen? Meno = weniger und core = Herzstück, Innerstes, der Kern.
    Oh Schreck, die wollen, dass ich unsichtbar werde und das auch noch als Trend feiere. Ich denke nicht dran.

    Ganz bunte Grüße
    Elvira

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Susi
      am Freitag, 20. Oktober 2017 um 19:19 Uhr

      Das mit “Core” und Herzstück habe ich auch überlegt - aber das kommt wohl eher von “Normcore” (https://de.wikipedia.org/wiki/Normcore). Und “meno” heißt “weniger”? Wusste ich gar nicht. Ist das Altgriechisch? (Ich hatte Latein.) Alles hochkomplex und sehr anspruchsvoll, ne? :-D

      Liebe Grüße,

      Susi.

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Heike S.
    am Freitag, 20. Oktober 2017 um 19:00 Uhr

    Liebe Susanne,
    ich finde diesen deinen Artikel ziemlich ärgerlich, denn ich habe den Eindruck, dass du es nicht verstanden hast.
    Von Stildiktat kann keine Rede sein, nur die Beobachtung eines Trends, dem ein blöder Name verpasst wurde.
    Liebe Grüße
    Heike S.

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Susi
      am Freitag, 20. Oktober 2017 um 19:14 Uhr

      eieieiei, liebe Heike, wo habe ich den was von Stildiktat geschrieben? :-) Nichts läge mir ferner ...

      Es handelt sich hier übrigens um eine Kolumne. Das ist ein humoristisches Format. ;-)

      Alles Liebe und ein entspanntes Wochenende für dich!

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Maya Mendez
    am Freitag, 20. Oktober 2017 um 16:38 Uhr

    Nein, bitte nicht!Also in beige oder lauenwarmen braun Toenen sehe ich voellig ausgewaschen aus!Hingegen ein Netznachthemd…. das kaeme mir manchmal ganz gelegen -:)
    Super Artikel, wie immer. Herzlichen Dank!

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Judith
    am Freitag, 20. Oktober 2017 um 09:10 Uhr

    Liebe Terxterella
    Ich mag Deine Kolumne sehr gerne, Deine Art wie Du dich kleidest passt gut zu Dir.
    Aber…
    ich mag und trage diesen lässigen, unangestrengten Stil mit weiten Oberteilen und Hosen sehr gerne, es muss nicht zwingend beige sein. Dieser Stil kann auch eine gewisse unterschwellige Erotik ausstrahlen wenn man ihn mit der entsprechenden Haltung trägt. Mein Stilvorbild ist seit jeher Jane Birkin, sie sah in keinem Alter altbacken aus, wie Du sicher zugeben musst. Und ich gebe zu, ich mags bequem. Wenn Kleidung nicht ziept und dauernd zurechtgezogen werden muss verleiht das einem eine enorme Freihei in der Bewegung, was sich positiv auf die Ausstrahlung auswirkt. Abgesehen davon musste ich mich nie über mangelnde Aufmerksamkeit beklagen obwohl inzwischen 58 bin
    Liebe Grüsse Judith

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Susi
      am Freitag, 20. Oktober 2017 um 09:21 Uhr

      Liebe Judith,

      ich gebe dir in allen Punkten vollkommen recht! Und wenn du dich in diesem Stil gerne kleidest, dann passt das super! Was ich nur nicht mag, ist, wenn Stilberaterinnen das zum Diktat erklären ... Da erwacht der Trotzkopf in mir! :-D Beige und lässige Klamotten können zweifellos super aussehen!

      An diesem Trend hat mich eher der Name amüsiert. Und ein bisschen auch der alte Wein in neuen Schläuchen! :D

      Übrigens werde ich demnächst auch einen Beige-Look präsentieren.

      Ganz liebe Grüße!

      Auf diesen Kommentar antworten

      • Emma
        am Dienstag, 19. Dezember 2017 um 09:59 Uhr

        Schöner Artikel mit Augenzwinkern :-) Und ich möchte doch sehr hoffen, dass es nicht viele Stilberaterinnen gibt, die uns (Meno-)Frauen Beige und Flatterklamotten als Non plus Ultra empfehlen, denn die hätten dann wahrlich ihren Beruf verfehlt :-)
        Liebe Grüße
        Emma

        Auf diesen Kommentar antworten

Angaben merken? (Die Daten werden in einem Cookie auf Deinem Rechner gespeichert.)

Durch das Anhaken der Checkbox erklärst Du Dich mit der Speicherung und Verabeitung Deiner Daten durch diese Webseite einverstanden. Um die Übersicht über Kommentare zu behalten und Missbrauch zu verhindern, speichert diese Webseite von Dir angegebene Namen, E-Mail, URL, Kommentar sowie IP-Adresse und Zeitstempel Deines Kommentars. Detaillierte Informationen finden Sie in meiner Datenschutzerklärung.

 
 
Texterella abonnieren

Texterella abonnieren