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Regen oder Traufe: Von der Schwierigkeit ökologisch richtige Entscheidungen zu treffen.

Neulich in Hamburg: Aus dem Schaufenster einer kleinen Boutique blinzelt mich die  Halskette einer hiesigen Schmuckdesignerin verführerisch an. Der große Anhänger ist genau mein Stil. „Aus Büffelhorn gearbeitet!“ erläutert die Verkäuferin, und ergänzt, als sie meinen entsetzten Blick sieht, ein wenig hilflos: „Die werden gezüchtet. Glaube ich.“

Abends erzähle ich einer Kollegin von diesem Gespräch: „Wäre der Anhänger aus Kunststoff gewesen – ich hätte das teure Stück gekauft!“ „Ja, und dann? Schwimmt irgendwann noch mehr Plastikmüll im Meer!“ antwortet sie lakonisch. Und sie hat recht.

Wann ist es so schwer geworden, die richtigen Entscheidungen zu treffen? 

Ach, es ist ein ständiges Dilemma: Echtpelz oder Webpelz? Echtpelz tötet Tiere und Fake Fur ... ist meistens aus Kunststoff, und der braucht womöglich Jahrhunderte um zu verrotten. Polyester oder Baumwolle? Baumwolle benötigt extrem viel Wasser beim Anbau. Und Polyester schwimmt irgendwann im großen Plastikstrudel im Ozean oder gelangt als Mikroplastik in unsere Nahrungskette. Verbrennungs- oder Elektromotor? Benzin verpestet unsere Atemluft und beim Elektroantrieb braucht die Herstellung der Batterie sehr viel Energie, von der problematischen späteren Entsorgung mal ganz abgesehen. Paprika aus Bio- oder aus herkömmlichem Anbau? Wie bio ist eine in Plastik eingeschweisste Paprika aus „ökologischer“ Produktion in Spanien, die ganze Landstriche trockenlegt? Ja, selbst die Ökobilanz zwischen Einweg- und Keramikbechern ist nicht mehr unumstritten, Einkaufstüten aus Papier oder Baumwolle verbrauchen sehr viel Ressourcen in der Produktion, Kaffeekapseln können unter gewissen Umständen sogar umweltfreundlicher sein als Filterkaffee. Und wusstest du, dass unsere geliebten Katzen und Hunde rund 30 Prozent der gesamten Umweltbelastung durch Tierhaltung verursachen? Übrigens: Eine Avocado ist zwar löblich vegan, aber im Anbau und im Transport leider eine völlige Umweltkatastrophe. 

 

Lösungen? Ich habe keine! 

Ich habe keine Lösung für dieses Dilemma, für diesen ständigen Zwiespalt. Für dieses andauernde schlechte Gewissen, mich sowieso nicht richtig entscheiden zu können. Dass ich als Lifestyle-Bloggerin regelmäßig Konsumtipps rund um Mode und Aussehen gebe ... puh, das macht die Sache wahrlich nicht besser. Ich weiß das.

Weltretten ist schwierig geworden.

Nein, ich kann die Welt nicht retten. Zumindest nicht alleine. Aber ich kann mein Bestes geben – und darauf hoffen, dass andere das auch tun. Für mich heißt das:

* regional und saisonal einkaufen. Ich habe eine Bio-Kiste abonniert, die mir Gemüse und Obst aus der Region liefert. Und zwar plastikfrei in einer Mehrwegkiste.

* wenig Fleisch essen (denn Fleisch ist nachweislich schlecht fürs Klima), aber das Fleisch nicht durch vermeintliche Superfoods aus Übersee ersetzen.

* Bekleidung möglichst Second Hand kaufen und wieder verkaufen (Tauschparties mit Freundinnen sind übrigens ein großer Spaß!). 

* innerdeutsch (möglichst) nicht mehr fliegen und stattdessen mit dem Zug fahren.

*bewusster reisen (also eben nicht mit dem Billigflieger für zwei Tage nach Mallorca).

* weniger konsumieren (meine schwerste Übung!).

Ja, das ist nicht viel und schon gar nicht neu, aber immerhin etwas. Ein kleiner Schritt. Aber viele kleine Schritte sorgen dann doch für Bewegung in die richtige Richtung, oder nicht?

Wie gehst du mit diesen schwierigen Konsumentscheidungen um? Hast du eine Lösung? Welche kleinen Schritte gehst du? Verrätst du sie mir? Fragen über Fragen ... ist ja aber auch ein schwieriges Thema.

***

Fotos: Martina Klein

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2305 13 Texterella macht sich Gedanken., 50+ Lifestyle 11.09.2018   umwelttipps, umweltschutz, umwelt, texterella macht sich gedanken, politik, gesellschaft

13 Kommentare

  • Karin
    am Dienstag, 18. September 2018 um 15:07 Uhr

    Liebe Susi,
    ich lese deinen Blog ja schon länger, möchte mich heute aber auch mal zu wort melden bzw. mich den Vorgängerinnen anschließen. Es ist denke ich wichtig, das jeder im Kleinen für sich umsetzt was möglich ist im Bezug auf eine “ökologisch korrekte” Lebensweise. (wer definiert das eigentlich?)  Jeder einzelne, auch noch so kleine Beitrag bewirkt in der grossen Summe etwas. Ich versuche überwiegend regional und saisonal einzukaufen und bewusst Lebensmittel, Kleidung und Kosmetik zu kaufen.
    Liebe Grüße und noch einen schönen Tag

    Karin

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  • Nessa Altura
    am Freitag, 14. September 2018 um 12:05 Uhr

    Ich glaube ja, dass man viel bewirken kann, wenn man Plastik weglässt. Eine simple Methode, die ich jetzt ausprobiert und für gut und praktisch befunden habe, ist das Bienenwachstuch statt der Plastikfolie:
    https://autorenexpress.de/unser-produkt-des-monats-juni-das-bienenwachstuch//

    Grüße!
    Nessa

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  • Platz-nehmerin
    am Mittwoch, 12. September 2018 um 10:11 Uhr

    Ich arbeite seit 3 Tagen an einem Blogbeitrag zum Thema Nachhaltigkeit,  Brainstorming im wahrsten Sinn des Wortes. Dein Dilemma könnte auch meines sein. 2012/2013 besuchte ich einen Lehrgang zum Thema Nachhaltigkeit. Die Fragezeichen wurden damals immer mehr und größer. Lösung fand ich keine - bis dato noch nicht. Mein Beitrag wird darüber handeln. Im Endeffekt wird es wohl darauf hinauslaufen, dass wir weniger brauchen WOLLEN. Das beinhaltet wohl auch Auseinandersetzung mit uns selbst. Warum brauche die 5. oder 3. oder 10. von irgendwas? Ist es immer nur die Werbung?  Wo sind unsere eigenen Themen im haben wollen/müssen? Etc. Da klnnte ich noch ewig philosophieren. Danke, dass Du diesem Thema Raum gibst. Herzlich

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    • Susi
      am Mittwoch, 12. September 2018 um 10:15 Uhr

      Ich bin gespannt auf deinen Beitrag! Bitte kommentiere gerne den Link!

      Ja, das Zauberwort heißt auch in meinen Augen “weniger konsumieren”. Was nicht einfach ist ... für mich zumindest.

      Alles Liebe!

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  • Astrid
    am Dienstag, 11. September 2018 um 16:24 Uhr

    Natürlich habe auch ich immer wieder dieses Dilemma.
    Aber ich bin mit der Zeit ziemlich pragmatisch geworden, sage mir ” nobody is perfect” , versuch so viel wie möglich unsere Erde zu respektieren, aber ohne Schuldgefühle. Natürlich habe ich absolute no go’s: kein Pelz, keine importierten Erdbeeren im Winter,...
    Ich kaufe fast all mein Obst und Gemüse auf einem Bio-Bauernhof in der Nähe (und kaufe dann gleich für meine Nachbarn mit), esse wenig Fleisch, esse bedrohte Fischarten nicht mehr, putze und spüle nur mit öko Produkten ...
    Man könnte meinen dass wäre ein Tropfen auf einen heissen Stein, ist für mich aber sehr wichtig.
    Aber auf alles zu verzichten was nicht gut für die Umwelt ist, nein, dass schaffe ich nicht

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  • Birgit
    am Dienstag, 11. September 2018 um 14:22 Uhr

    Es ist wirklich schwierig, sich in unserer modernen Welt ökologisch richtig zu verhalten.  Wie du sagst, gibt es für alles Pro und Kontras, So gut wie nie hat ein Produkt nur gute Seiten. Am meisten Bauchschmerzen macht mir das Thema mit den Flugreisen. Ich reise für mein Leben gern (und oft). Ich weiß, dass ich damit der Umwelt nichts Gutes tue. Aber darauf zu verzichten, wäre für mich eine Katastrophe. Und solange der Flug, z.B. nach Berlin zu meiner Tochter, einen Bruchteil dessen kostet im Vergleich zur Bahnfahrt und nur 1/3 so lange dauert…. Dafür versuche ich, mich im Alltag bewusst zu verhalten, z.B. beim Einkaufen.
    Liebe Grüße
    Birgit
    fortyfiftyhappy.de

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    • Susi
      am Dienstag, 11. September 2018 um 16:08 Uhr

      Liebe Birgit,

      ja, Flugreisen ist schwierig. Wir planen auch eine Fernreise ... puh. Oder Kreuzfahrten! Ganz schlimm!

      Ich weiß nun nicht, wo du wohnst, aber von München aus kann man mittlerweile in 4 Stunden nach Berlin und 6 Stunden nach Hamburg mit dem Zug fahren. Fliegen ist ein bisschen schneller, aber wenn man das ganze Warten, früher Dasein müssen und dann auch noch vom Flughafen wieder in die Stadt kommen dazuzählt ... ist es gar nicht mehr so viel. Finde ich. Aber es kommt immer darauf an, das stimmt. Die Preise bei der Bahn sind der Wahnsinn, finde ich auch - aber nach Hamburg und zurück bin ich 1. Klasse für 99 Euro gefahren. Sparpreis. Dann geht es.

      Liebe Grüße,

      Susi.

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  • Claudia Wegener
    am Dienstag, 11. September 2018 um 14:13 Uhr

    Ich finde wichtig, nachzudenken, was man tut. Das tust Du ja. Ein einzelner kann nicht die Welt retten. Aber wenn jeder über sein Handeln reflektiert, kann schon einiges besser werden.  Bewusst hinschauen, eine Meinung haben und Stellung beziehen und so oft es geht danach handeln. Dann braucht niemand ein schlechtes Gewissen haben.

    Ich hatte das Dilemma auch schon, Plastik nein danke und dann dieser Ring aus Büffelhorn. Ich habe ihn dann gekauft, weil fair trade, und diese Büffel werfen angeblich ihre Hörner ab, wie unsere Hirsche ihr Geweih. Ich konnte es an Ort und Stelle nicht überprüfen hmmm
    Ich kann nicht immer auf alles achten, ärgere mich aber sehr, wenn Biogemüse in Plastik eingeschweißt wird. Wenn ein Pflegemittel endlich nicht allergisierend ist und dann Microplastik enthält, u.ä.m.
    Nur eines geht nicht - Bequemlichkeit und “Ist-mir-doch-egal”.

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    • Susi
      am Dienstag, 11. September 2018 um 16:37 Uhr

      Lustig, dass du noch mal die Büffel erwähnst ... ich habe dann nämlich recherchiert und tatsächlich gibt es eine Wasserbüffelzucht - sogar in Deutschland. Vielleicht habe ich der Designerin Unrecht getan ... ich weiß es nicht!

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  • Eva Schumann
    am Dienstag, 11. September 2018 um 12:11 Uhr

    Liebe Susi,

    ich mag Leute, die nachdenken, was ihr Tun für Folgen hat!
    Man kann nur dafür sorgen, möglichst informiert zu sein und nach den persönlichen Maßstäben abzuwägen: biologisch und/oder aus der Region, online oder im Laden, lokaler/deutscher/europäischer Hersteller oder globale Marke aus USA/China .  lokaler/deutscher/europäischer Händler oder Fairtrade aus Afrika/Südamerika, nachhaltig oder vegan (bei Mode nicht immer aber oft das freundliche Wort für Plastik) kaufen. 

    Es ist zwar anstrengend, aber andererseits auch sehr interessant. Es gibt unangenehmere Herausforderungen unserer Zeit - Politik bzw. PolitikerInnen ;-)

    Liebe Grüße aus dem Nachbarort

    Eva

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  • Annette
    am Dienstag, 11. September 2018 um 09:48 Uhr

    Es stimmt, was du schreibst. Es ist sehr schwierig und ambivalent geworden, weil vieles, was einen (vermeintlichen) Vorteil hat, gleichzeitig einen Nachteil mit sich bringt. Das ist ein Dilemma!
    Ich weiß, dass ich nie alles richtig mache und NUR ökologisch und ethisch korrekt leben kann. Das ist ein zu hoher Anspruch, der schon daran scheitert, dass das Leben damit seine komplette Leichtigkeit und auch viel Lebensfreude verlieren würde. Denn wer bestimmt, was “wirklich” korrekt ist? Trotzdem befreit mich das nicht, wenigstens in meinem mir möglichen Maß einen aktiven Beitrag zu leisten, indem ich beispielsweise keine Fleisch esse, ein sehr kleines Auto fahre, Klamotten selten und wenn dann oft Second Hand kaufe und mein jährliches CO2- Aufkommen von ca. 10 Tonnen (das ist Durchschnitt für jeden von uns) kompensiere. Das funktioniert in dem ich Klimazertifikate kaufe, mit denen Klimaschutzprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländer finanziert werden. Denn WO das CO2 eingespart wird, ist schließlich egal. Das kann übrigens jeder tun und das ist sogar sehr preisgünstig. Ich weiß nicht, ob hier Tipps erwünscht sind, aber ganz einfach geht das z. B. bei http://www.fokus-zukunft.com. Da bekomme ich dann ein Zertifikat und ein Label “Klimaneutrales Unternehmen”. Zudem kann jeder bei allen Flugbuchungen durch einen geringen Aufpreis seinen CO2-Schaden kompensieren.

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  • Brigitte Adam
    am Dienstag, 11. September 2018 um 09:07 Uhr

    Guten Morgen; ich finde, wenn jeder bereits mehr Bewusstsein entwickeln würde, wäre der Erde schon sehr geholfen. Die vielmals sichtbare Ignoranz oder Gleichgültigkeit finde ich wirklich schwierig. Dabei ist das „bewusst-sein“ ein wesentlicher Bestandteil eines wirklich schönen und intensiven Lebens.
    Viele Grüße an Alle und eine schöne Woche noch.

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  • Susanne
    am Dienstag, 11. September 2018 um 09:02 Uhr

    Regional,saisonal, auch für mich ein großes Thema.
    Dann auf Inhaltsstoffe schauen, besonders bei Kosmetika. In wie vielen Produkten stecken hormonaktive Substanzen? Ich war entsetzt. So etwas möchte ich nicht.
    Da unterstützt mich die App von Codecheck. Die zählt mir aber auch die Zutaten in Lebensmittlen auf.

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