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Zum Fressen gern: Das perfekte Rot. (Eine astreine Mädchenkolumne!)

Vier Kilo Lippenstift verspeisen Frauen durchschnittlich in ihrem Leben, vermeldet die Statistik. Nicht dass wir das wirklich wissen wollten.Vier Kilo also. So viel wie 40 Tafeln Vollmilchschokolade. Nur eben nicht ganz so lecker. Statt Kakaobutter und Zucker gibt es Paraffine, Parabene, Silikone. Eine Prise Anilin, ein bisschen Tartrazin. Plus ein Quäntchen Karmin von toten Cochenilleläusen. Guten Appetit und wohl bekomm’s! Auch wenn uns diese Rezeptur nicht schmeckt: Lippenstifte lieben wir dennoch. So sehr, dass wir im Jahr über 100 Millionen Euro dafür ausgeben – nur in Deutschland, wohlgemerkt. Dass der Lippenstiftumsatz übrigens genau dann anzieht, wenn die Aktien fallen, mag Männer erstaunen. Für uns Frauen ist der „Lippenstift-Index“ hingegen keineswegs verwunderlich. Schließlich ist ein Lippenstift weit mehr als künstliches Rot, vielmehr Krisenmanager, Launenheber und Express-Stylist in einem. Ein Helfer in der Not, ein Freund für alle Lebenslagen. Und immer da, immer griffbereit, wenn man ihn braucht. Schlechte Laune? Nimm Pink als Antidepressivum, sofort wirksam und gänzlich ohne Nebenwirkungen. Schlecht geschlafen? Zart schimmerndes Perlmutt täuscht ausgeruhte Frische vor. om Büro aus gleich zum lang ersehnten Date? Tiefes Rot macht aus jedem grauen Schreibtisch-Outfit erführung pur. Diamanten sollen unsere besten Freunde sein? Liebe Marilyn, das hättest du aber wirklich besser wissen müssen! Kein Wunder also, dass wir Frauen Myriaden von Lippenstiften in unseren Taschen spazieren tragen. Und doch immer auf der Suche sind. Der perfekte Lippenstift ist ein wenig wie der Heilige Gral – und die Suche nach ihm eine schier unlösbare Lebensaufgabe. Pflegend soll er sein, dabei haltbar und kussecht. Extravagant schimmernd und dennoch ganz natürlich. Bezahlbar, ohne Parabene und am liebsten vegan. Hat man ihn dann tatsächlich doch entdeckt – wird er schon wieder vom Markt genommen. Queen Elizabeth hat sich übrigens letzthin als Lippenstift-Addict geoutet und sich in aller Öffentlichkeit die Lippen nachgezogen. Ohne Spiegel. Sie ist halt ein Mädchen, wie du und ich. (Die Kolumne erschien heute in der Print- und in der Online-Ausgabe der WELT Kompakt.)

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9 Kommentare

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    Kathrin von Happy Home Blog
    am Montag, 15. September 2014 um 11:20 Uhr

    Das hast Du mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen. GENAU SO ist es.

    Ich habe meinen aktuellen Lieblingslippenstift für ‘nen Appel und ‘nen Ei in einem spanischen Supermarkt gekauft und fürchte den Tag, an dem er verbraucht ist.

    Liebe Grüße
    Kathrin

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    Sabine Gimm
    am Samstag, 13. September 2014 um 21:32 Uhr

    Ohne fühle ich mich ziemlich nackt im Gesicht, am liebsten Knallrot oder Pink.
    LG Sabine

    http://www.blingblingover50.de/

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    Doris
    am Samstag, 13. September 2014 um 14:12 Uhr

    Ja, super geschrieben, wie immer und gerade ausgedruckt für meine Mutter! Der perfekte Lippenstift - sollten wir das mal auf die to-do-Liste setzen ???

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    Bianca / Kleidungs-Stück
    am Samstag, 13. September 2014 um 13:12 Uhr

    Liebe Susi,
    ich habe jahrelang einen orangenen Lippenstift getragen, bis ich erfahren habe, dass mich Pink am meisten strahlen lässt. Es hat lange gedauert, bis ich einen passenden Stift für mich gefunden habe, aber auf der Suche nach einem noch besseren, bin ich eigentlich immer!
    Liebe Grüße von Bianca

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    Annette
    am Samstag, 13. September 2014 um 09:22 Uhr

    Wie immer großartig geschrieben, liebe Susi!
    Und es stimmt wirklich: Wenn man seinen Lieblingslippenstift gefunden hat, kann man leider sicher sein, dass man ihn bald nicht mehr nachkaufen kann :-((
    Ist mir erst kürzlich auch mit einem Nagellack passiert…

    Alles Liebe,
    Annette | Lady of Style

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    Susi
    am Freitag, 12. September 2014 um 19:27 Uhr

    Ich würde gerne ein Foto hochladen bzw. zumindest einen Link setzen - allein, ich weiß nicht wie! ;-))

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    groschenroman
    am Freitag, 12. September 2014 um 18:15 Uhr

    Schade. Zeig doch mal das Bild. Ich hab die Printausgabe leider nicht. ;-)

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    Susi
    am Freitag, 12. September 2014 um 15:06 Uhr

    OMG! <3

    Menschen, gar Freundinnen, die meine Kolumne live lesen! So richtig echt! Echt, das ist das allertollste! Du hast hoffentlich jedem erzählt, dass du mich kennst! ;-))

    Ja, das Porträt ist das Grauen schlechthin. Ich finde es auch diskriminierend und werde das Thema jetzt echt mal angehen ... (denke ich bei jeder Ausgabe, und dann vergesse ich es wieder! :-))

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    Martina
    am Freitag, 12. September 2014 um 14:59 Uhr

    Großer Zufall, today is the day: Ich habe Deine Kolumne zum ersten mal beim Frühstück in einem Hotel gelesen. Dich auf Papier in der Hand zu sehen, war sehr nett. I was amused, very much indeed! Ich hab mir zum Lesen extra noch einen Milchkaffe besorgt, für noch mehr Lesegenuss. Nur die komischen Linien, die im Porträt zur Kolumne unter Deinen Augen gezeichnet sind, waren fremd: Vielleicht eine Strategie, um weiter inkognito durch die Welt zu gehen und Kolumnenmaterial sammeln zu können. ;-)

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