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Wer den Bayern die Lederhosen ausziehen will, der hat derzeit die besten Chancen. Denn niemals und nirgends ist die Lederhosendichte größer als auf dem Oktoberfest – es könnte höchstens an Bayern fehlen. Vom Alpenländler bis zum Australier, vom Nordlicht bis zum Niederländer, auf der „Wiesn“ versammeln sich derzeit krachbelederte Mannsbilder aus aller Welt. Und üben sich in typisch bayrischer Lebensart. Oder dem, was man eben dafür hält.


Entfesselt – trotz Hosenträger. Meine September-Kolumne für die WELT Kompakt.


Ich kann diese Männer ja auch verstehen: Wann sonst kann man(n) sich die hendl- oder haxn-fettigen Finger einfach an der Hose abwischen, welches andere Kleidungsstück gewinnt durch Bier-, Soßen- und, äh, andere Flecken erst seine wertvolle Patina? Wo sonst werden solche Gebrauchsspuren quasi zum Qualitätsmerkmal?! Zum Statussymbol! Reinigung? Bloß nicht! Bei einer Lederhose gehört das „Obazd is!“ zum Programm. Ja, „pflegeleicht“ wird auf der Wiesn ganz neu definiert.

Vielleicht ist es ja die Sehnsucht nach diesem wilden, ungezähmten Leben, die Millionen von Männern alljährlich in die Lederhose steigen lässt. Echte Männer – die bayrische Variante. Sich endlich mal gepflegt daneben benehmen dürfen. Einmal im Jahr offiziell die Sau rauslassen. Saufen und brunzen, was das Zeug hält, mindestens! Entfesselt – trotz Hosenträger. Und dann fürs restliche Jahr brav zurück an den Schreibtisch. Mit Seitenscheitel, Nassrasur und Doppelreiher. Same procedure, every year.

Weil wir gerade beim Thema sind: Eine Lodenkotze hat nichts mit der Wiesn-typischen Bierunverträglichkeit zu tun. Vielmehr handelt es sich dabei um einen knielangen Jagd- und Funktionsumhang aus gewalkter Wolle. Typisch bayrisch halt.

(Die Kolumne erschien heute in der Print- und in der Online-Ausgabe der WELT KOMPAKT.)

 
Susanne Ackstaller, Freitag, 25. September 2015, 09:00 Uhr
Kommentare: 1 | Aufrufe: 2169 | Kategorie: Mode, Meinungen, Modekolumne, | Tags: oktoberfestmodeoktoberfestmodekolumnelederhosekolumne
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OMG! Meine erste Modekolumne!
 

Kommentare

  • Wirklich hervorragend geschrieben, ich kann nur zustimmen. Ich denke die männliche Begründung fürs nicht Waschen ist auch ganz urtypisch: Leder waschen - warum? Wäscht sich denn das Rind?
    In diesem Sinne nochmals danke über den Beitrag, über den ich doch sehr schmunzeln musste. Wir sehn uns auf der Wiesn…
    Marie

    Marie
    am Freitag, 25. September 2015 um 12:04 Uhr

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