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Am letzten Freitag ist mein großer Sohn ausgezogen. Um halb 6 Uhr morgens (weil IKEA gleich morgens irgendein fehlendes Teil in die Studentenwohnung liefern wollte) packte er seine Sache, umarmte mich („Mama, nächstes Wochenende bin ich wieder da!“) und fuhr nach Regensburg, um dort zu studieren. Gott sei dank war ich selbst ein bisschen in Eile, weil ich am selben Tag nach Stuttgart musste. Und so wurde mir erst im Laufe des Wochenendes bewusst: Mein Kind ist ausgezogen. MEIN KIND IST AUSGEZOGEN!


Loslassen ist nicht einfach.

Sicher, er wird wiederkommen. Gott sei dank gibt es dreckige Wäsche und Freunde, die noch hier sind und die er sehen will – von seiner Familie mal ganz abgesehen. Aber dennoch weiß ich, dass die Wochenendheimfahrten bald weniger werden dürften (so war es zumindest bei mir vor 30 Jahren), dass er nun sein eigenes, wirklich erwachsenes Leben beginnt, dass er nie mehr wirklich zurückkehren wird, zumindest nicht als das Kind, das er noch bis letzten Freitag war.

Nun ist er weg. 

Und ja sicher, es ist gut, dass er geht, dass er sein Leben annimmt, selbstständig werden und nicht noch weitere fünf bis zehn Jahren an Mamas Rockzipfel hängen will ... aber ey, musste das wirklich schon so bald sein – ich habe ihn doch eben erst geboren! Und gerade hatte doch die Zeit begonnen, in der es mit ihm so richtig schön wurde, nach all der Pubsizickherumstreiterei!

Nun ist er weg, dieser junge Mann, mit Bart, einen knappen Kopf größer als ich, der immer noch seine Kuscheltiere auf der Heizung sitzen hatte. Nun lebt er also in Regenburg und kommt nur noch auf Besuch nach Hause. Niemand mehr da, der sich nachts um 00.30 Uhr noch Rühreier macht, die Pfanne einfach stehen lässt und morgens nichts aus den Federn kommt. Der seine Klamotten im ganzen Haus verstreut und Sturm klingelt, weil er mal wieder seinen Schlüssel vergessen hat ... Kaum zu glauben, dass ich sogar vermissen werde, weswegen ich all die Jahre geschimpft und gezetert hatte.

Loslassen ist nicht einfach.

Es ist nicht so leicht, dieses Loslassen. Obwohl es schön ist, die Kinder auf dem Weg ins erwachsene und selbstständige Leben zu wissen und man sich mit ihnen auf die Abenteuer freut, die ihr Leben bereit hält. Aber trotzdem: Es ist nicht einfach, kein bisschen …

Ich freue mich auf nächstes Wochenende. Auf verstreute Socken und leergefutterten Teller neben der Spülmaschine. Auf Gespräche, wie die erste Woche als Student war, was er zum Frühstück gegessen, wie das Mensaessen schmeckt und ob er schon nette Kommilitonen kennengelernt hat. Und Kommilitoninnen. ;-)

Alles Gute, mein Großer, pass auf dich auf! Und ganz viel Spaß in Regensburg und im Leben!

PS: Gerade kam eine Whatsapp. „Mama, ich vermisse euch!” Und ich weine ein bisschen.

***

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Susanne Ackstaller, Montag, 16. Oktober 2017, 06:00 Uhr
Kommentare: 12 | Aufrufe: 3854 | Kategorie: Lifestyle, Leben, | Tags: texterella persönlichpersönlichesmontagsgedanken
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Kommentare

  • Liebste Susi,

    habe gerade ähnliches durchgemacht, nur das mein „Kleiner” das Zuhause verlassen hat ... Wäre es sein älterer Bruder gewesen, wäre ich wahrscheinlich wesentlich fröhlicher gestimmt, aber das ist eine andere Geschichte ... ;-)

    In diesem Sinne einen dicken Drücker!

    Kerstin

    Kerstin
    am Dienstag, 17. Oktober 2017 um 14:13 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ach ich kann es so nachfühlen…

    Unser jüngster ist nun auch zum Studium ausgezogen.Diese ungewohnte Stille, ich muß mich noch daran gewöhnen.

    Herzliche Grüße

    Lydia

    Lydia
    am Dienstag, 17. Oktober 2017 um 09:45 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susi,

    treffend beschrieben.

    Ich habe beides erlebt: Der Sohn zog mit 18 Jahren zum Studium in eine andere Stadt, kleiner und überschaubarer als Berlin. Sein Auszug war im Oktober und Weihnachten kam er für einpaar Tage, als ich ihn dann zum Bahnhof brachte weinte ich da er erst im Sommer wieder zu Besuch kommen wollte.

    Aber als er unerwartet schwer erkrankte waren wir die ersten die er anrief. Bei aller Sorge und aller Angst irgendwie auch beruhigend, dass wir uns so nah waren und sind. Inzwischen geht es ihm wieder gut.

    Unserer Tochter studiert in Berlin und genießt das Hotel Mama & Papa sehr, wodurch manchmal neue Konflikte entstehen und nun nach dem der Bachlor fast geschafft ist und das Master-Studium ansteht hoffen wir sie findet eine bezahlbare Wohnung / Zimmer.


    Dir wünsche ich Gelassenheit.

    Sylvia

    sylvia
    am Dienstag, 17. Oktober 2017 um 09:10 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Guten Morgen, hach ja ich kenne das zu gut. Meine jüngere Tochter ist schon seit über zwei Jahren für das Studium nach Thüringen gezogen. Dazwischen gab es noch ein halbes Jahr Praktikum in Hamburg. Das besuchen wird weniger, da es zeitlich nicht mehr so einfach ist wenn sie sich eingelebt haben….ich vermisse sie sehr.  Die andere Tochter lebt zwar in der gleichen Stadt wie wir, aber man sieht sich auch nicht so oft. Der Job ist anstrengend und es gibt ja auch ein Privatleben

    Renate
    am Dienstag, 17. Oktober 2017 um 09:09 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susi, ich fühle mit dir. Mein erster Sohn ging, als wir ohnedies gesiedelt sind. Er hatte vorher schon im Haus eine eigene Wohnung uns somit viel der Abschied nicht so dramatisch aus. Meine älter Tochter zog mit 18 aus, noch vor der Matura. Das war auch nicht schön. Eine halbe Katastrophe war aber der Auszug unserer beiden jüngsten Kinder, die jeweils mit ihren Partner bei uns lebten und dann innerhalb eines Monats auszogen. Alle vier. Und das während meiner Reha. Ich kam zurück in ein halbleeres Haus und mitten drinnen, der verzweifelt Gemahl. Zwei Jahre sind seitdem vergangen und ich freu ich mich, dass mein Ältester, gerade mit seiner Lebensgefährtin auf ausgedehntem Heimaturlaub das Gästezimmer belegt. Ja, manchmal sehen ich mich nach den Zeiten, als es in der Hütte richtig brummte. Andererseits genieße ich, dass ich mich vollkommen frei bewegen kann, ohne jegliche Verantwortung. Liebe Grüße, Claudia

    Claudia Braunstein
    am Montag, 16. Oktober 2017 um 19:20 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Achje, das klingt tatsächlich furchtbar!!! Oweia!

      Bei uns wird ja nächstes Jahr meine Tochter ausziehen, und die - vermute ich jetzt einfach mal - wird sich nicht mit Regensburg „begnügen”. Die will die Welt sehen. :-o

      Aber du hast Recht: Es ist schön, wieder nur für sich selbst (und den Mann) verantwortlich zu sein und die Freiheit wieder zu haben.

      Alles Liebe!

      Susi
      am Montag, 16. Oktober 2017 um 19:33 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Ach, Susi, ja,das ist nicht leicht. Deiner ist „nur” nach Regensburg gegangen. Meiner (noch dazu mein „Kleiner”) nach Indien ... Der Große ist in der Woche ausgezogen, als mein Vater starb - ganz schön viel Abschied war das auf einmal. Und wenn der „Kleine” aus Indien zurückkommt (12 Monate ist er dort), dann wird er erst mal wieder hier wohnen - und es wird völlig anders sein, weil er sich verändert haben wird und wir uns auch. Und das Haus umgeräumt haben ;-). Ich habe jetzt mein eigenes Arbeitszimmer - mein Gatte hat sich eins der Kinderzimmer unter den Nagel gerissen :-)
    Ja, es hat beides - es tut weh und es macht stolz. So ist das nun mal. Auf und Ab.
    Eine gute Zeit Deinem Sohn und Euch, den Eltern und viel Freude beim Umgewöhnen.
    Liebe Grüße
    Heike

    Heike Baller
    am Montag, 16. Oktober 2017 um 16:59 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Dreimal habe ich das schon überstanden und mich jedesmal ganz ähnlich gefühlt, wie Du es beschreibst… Und Du beschreibst es so gut, so treffend, so berührend.

    Gerade war der Mittlere bei uns zu Besuch, wir sind sogar eine Woche zusammen gereist. Nun ist er wieder weg und die Lücke füllt sich so riesig an wie damals, als er in sein Erwachsenenleben aufgebrochen ist. Das war bei ihm ein Freiwilliges Soziales Auslandsjahr in Yunnan, China. Weiter weg geht kaum, Wochenendbesuche Fehlanzeige. Zum Glück habe ich noch meine beiden Kleinen.

    Aber wenn Nr. 5 dann eines Tages ausziehen wird, ahne ich, dass das Loch, in das ich stürzen werde, sich anfangs beinah bodenlos anfühlen wird. Aber was dann hoffentlich auch wieder neu und gut werden wird: wenn die großen Kinder dann wirklich ihr aufregendes eigenständiges Leben leben und man stolz ist, wie sie ihren Weg gehen, dann kann man sich heimlich auch ein bisschen auf die Schulter klopfen und sich sagen, ja, das haben wir gut hinbekommen, denn ein bisschen haben wir ja doch dazu beigetragen. :)

    Linni
    am Montag, 16. Oktober 2017 um 16:02 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Und man kann auch wieder ein ganz eigenes Leben leben, das sich nicht nach Schulferien, Mamataxifahrten und Hausaufgaben ausrichten muss ... :D

      THINK POSITIVE! :-)

      (Aber ich verstehe dich perfekt ... )

      Susi
      am Montag, 16. Oktober 2017 um 16:20 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Das ist mir sooo sehr aus dem Herzen gesprochen!! Und jetzt sitze ich hier mit feuchten Augen und sage mir du musst die nächsten ein, zwei Jahre genießen . Spätestens dann ist es bei mir auch so weit.
    Viele Grüße!

    Anna Determann
    am Montag, 16. Oktober 2017 um 15:17 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Die Nächste, die heulend am Rechner sitzt, aber es ist der (richtige) Lauf der Dinge. Trotzdem schnief, schnief…

    ConnieB
    am Montag, 16. Oktober 2017 um 09:46 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susi,

    *schnief* Warum lese ich das bloß, nachdem ich mir schon die Wimpern getuscht habe? *schniefschnief*

    Ich kann das so gut nachvollziehen, und mir wird schon beim Gedanken daran, dass mein Kleiner mal auszieht, ganz mulmig im Bauch. Aber wie du siehst, kann das emotionale Band durch die Ferne auch enger werden - und du hast ja noch zwei Schätzchen zuhause (mit Mann natürlich 3) ;-)

    Liebste Grüße, ich drücke dich virtuell!

    Valérie

    Valerie von Life40up!
    am Montag, 16. Oktober 2017 um 09:40 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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