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Stil 50plus: Ich muss nicht bleiben, wie ich bin.

Vor ein paar Wochen begegnete mir in Freising eine alte Bekannte. Wir hatten vor rund 15 Jahren gemeinsam einen VHS-Kurs besucht, mit dem ich mein Schul-Französisch etwas aufmöbeln wollte. Keine Ahnung, wie ich auf diese Idee gekommen war … Der Erfolg war entsprechend zweifelhaft, was aber eher an mir und den nicht erledigten Hausaufgaben (sic!) lag, als am Kurs. Gabi (oder hieß sie Sabine?) ging es ähnlich, und so verbündeten wir uns gegen die Streberinnen in unserem Kurs, die natürlich alle Vokabeln beherrschten, immer die Wochenaufgaben erledigt hatten und so flüssig auf Französisch parlierten, dass man sich fragte, ob sie insgeheim noch einen Privatlehrer beschäftigten, um jeden Mittwoch vor der „Klasse“ zu glänzen. Nach der Stunde gingen Gabi/Sabine und ich gelegentlich ein Glas Wein trinken, sprachen über Gott und die Welt, unsere Kinder, die Gatten und die Urlaubspläne, lästerten ein wenig über Brigitte in der ersten Reihe und bestätigten uns gegenseitig, dass dieser Französisch-Kurs keine gute Idee gewesen war – sondern eher ein Frusterlebnis in Raten. 

Aber zurück zum Thema. 

Gabi stand also plötzlich vor mir, und ich erkannte sie sofort wieder. Die Haare zierten ein paar graue Strähnen, das Gesicht ein paar Falten und sie schien mir eine Winzigkeit fülliger … Aber sonst war alles wie vor zehn Jahren: mittelblaue Jeans, Wildleder-Loafer, Hemdenbluse in lichtem Graublau, Baumwollpulli mit Zopfmuster (und Ralph-Lauren-Logo). Darüber ein Trenchcoat, um den Hals ein klassisches Seidentuch mit Schmetterlingen (von dem ich hätte schwören können, dass sie es schon damals getragen hatte), und überm Arm eine Tasche mit LV-Prägung. Kurz: Sie war chic – chic wie immer. Chic wie damals. Wir plauderten ein paar Minuten, dann trennten sich unsere Wege, nicht ohne uns auf Whatsapp zu „connecten“. 

Auf dem Nachhauseweg blickte ich in ein Schaufenster: Ich sah definitiv nicht aus wie damals, mal von der Haarfarbe abgesehen. Damals hatte ich gerade meine „Alles in Rosa“-Phase (fragt nicht!) gegen „Ich versuche meine Wechseljahrespfunde in einer Tunika zu verstecken“ eingetauscht und trug dazu fast immer Skinny Jeans, so dass meine Beine wie pummeliger Zahnstocher unter dem Walle-Walle-Oberteil hervorlugten. Mein modischer Wagemut äußerte sich bestenfalls in ausgefallenen Taschen und Schuhen. Ansonsten übte ich mich in locker geschnittenen Klamotten – bis ich irgendwann begriff, dass die mich nicht schlanker machten. Und auch nicht dünner aussehen ließen! So fing ich an – statt Schwarz – Rot, Pink und Orange zu tragen, zeigte Figur (und meine Hüften), verliebte mich in Glitzer, trug goldene Sneakers, goldene Mäntel und goldene Hosen, (vermeintlich!) dick machende Streifen bis zum Abwinken … und roten Lippenstift, für den ich mich in meinen Vierzigern tatsächlich zu alt gehalten hatte (WHAT?).

Ich habe im Laufe meines Lebens tatsächlich einige modische Verwandlungen und Häutungen hingelegt. Mein Stil ist heute definitiv ein anderer als noch vor 15 oder vor 5 Jahren – und er ist nach wie vor im Fluss. Gerade jetzt wieder! Ich spüre, dass ich mich langsam vom jahrelangen Knallfarbenlook entferne. Pink, Rot, Orange (gerne in Kombination) mag ich nach wie vor, aber plötzlich gefallen mir auch sanftere Töne. Beige, Camel, Braun haben sich in den letzten Monaten still und heimlich in meinen Kleiderschrank geschlichen … Dazu klassisches Dunkelblau oder andere Blautöne – wer hätte das für möglich gehalten? Ich nicht! Ja, womöglich werde ich bald sogar keine Streifen mehr tragen? Nein, das ist undenkbar. Insgesamt ist mein Look in letzter Zeit „klassischer“ geworden. Der Grund? Keine Ahnung! Vielleicht werde ich mit 60 einfach langsam erwachsen … ;-)

Viele Frauen freuen sich oder sind sogar stolz darauf, wenn sie irgendwann „ihren“ Stil finden. Das ist einerseits schön, aber andererseits ein Bremsklotz für Veränderung. Wie oft höre ich Frauen sagen: „Das bin ich nicht!“ oder „Das ist nicht mein Stil!“, wenn es um Kleidungsstücke geht, die anders sind als das, was bereits im Kleiderschrank hängt. Aber warum nicht einfach mal etwas Neues ausprobieren? Es gibt kein Gesetz (und keine Moderegel), dass es nicht erlaubt ist, sich gelegentlich neu zu erfinden. Ich bin gerade dabei (und selbst sehr gespannt, wie sich meine Garderobe in nächster Zeit entwickeln und verändern wird). So starte ich also mit einem kamelhaarfarbenen Mantel in den Herbst (kann man übrigens auch prima zu Pink kombinieren) und bin sehr gespannt, wie ihr diesen Look an mir findet. 

 

Eines wird übrigens bleiben: roter Lippenstift, das ist sicher. 

Und Gabi (falls du zufälligerweise mein Blog liest): Auch wenn ich persönlich die Veränderung liebe, finde ich deinen Stil – damals wie heute – zeitlos chic. Und letztlich ist es ja auch egal, wie sich jemand kleidet, solange die gemeinsame Basis passt und man sich auch nach vielen Jahren noch etwas zu sagen hat, nicht wahr?

Jetzt will ich es natürlich wissen: Wie hältst du es mit deinem Stil? Bleibst du ihm auf immer treu oder liebst du den Wandel? 

Fotos: Martina Klein

Look:

Mantel: Bonprix (ein Hauch von Max Mara, aber deutlich günstiger …)

Pullover: Bonprix (Kaschmir-Wolle-Mix; entspricht Good Cashmere Standard. Tolle Qualität und tolle Farbe!)

Jeans: nicht mehr erhältlich, aber diese Hose wäre eine schöne Alternative (und ist sogar reduziert). Oder diese hier, die es in unterschiedlichen Längen und auch für Curvys gibt.

Sneakers: leider ausverkauft, aber wie wäre es mit diesen von Ralph Lauren?

Tasche:  schon älter und nicht mehr erhältlich. Hier sind ein paar Alternativen (die mir sogar besser gefallen als „meine“ Tasche oben): diese, diese und diese. Oder vielleicht diese hier?

Seidentuch: Lotta Ludwigson, ein tolles junges Label aus Berlin, das richtig schicke Slow-Fashion entwirft und herstellt. Ich finde auch die Hosenanzüge großartig.

Sonnenbrille: sehr alt, verkratzt und  von Fielmann. Diese hier ist ähnlich.

Lippenstift: Ruby Red von LONI BAUR (in natura etwas röter als auf dem Foto ...). Mit TEXTERELLA15 gibt’s (auf alles) 15 Prozent Rabatt.

→ Mehr Mode, gibt es hier. Dort findest du auch schöne Herbstlooks , auch der kamelhaarfarbene Mantel ist dabei. Und bei den Lieblingsstücken gibt es auch ein paar neue Teile …

Angaben zur Transparenz: Die Links sind zum Teil Affiliatelinks. D. h.: Wenn darüber einkaufst, bekomme ich ein paar Cent Provision. Es ist nicht viel, freut mich als Wertschätzung für meine Arbeit aber trotzdem. Vielen Dank!

Und sonst so?

→ Am Donnerstag, 29. Oktober, 18.30 Uhr, lese ich in meinem Heimatlandkreis Freising, hurra! Die Freisinger Bank hat mich eingeladen und sponsort die Lesung; der Eintritt ist daher sogar kostenlos. Und das Beste: Das Gebäude der Freisinger Bank ist gleich neben dem Bahnhof, so dass die Veranstaltung auch für Münchnerinnen, Regensburgerinnen, Landshuterinnen usw. sehr bequem zu erreichen ist. Ich würde mich wirklich freuen, die eine oder andere Texterella-Leserin bei meiner Lesung im Publikum zu sehen. Hier geht es zur Anmeldung. 

***

Auf Texterella dreht sich alles um Frauen über 50 - um Frauen in ihren besten Jahren! Die Themen meines Blogs sind Stil, Hautpflege, Reisen und Kultur, gutes Essen, kurz: Inspiration für ein schönes, erfülltes und zufriedenes Leben für Frauen 50plus! Vielleicht bist auch du eine Frau über 50 (oder 60 oder 70 …. ;) und magst mein Blog abonnieren? Dann verpasst du keinen Beitrag mehr! Geht ganz schnell: Mail-Adresse eintragen, absenden und – ganz wichtig!! – den Link in der Bestätigungsmail, die dir im Anschluss zugestellt wird, anklicken. Manchmal versteckt sich diese Mail im Spamfilter. Aber ohne Verifizierung, keine Texterella-Mail! :-) Dass ich mit deiner Adresse keinen Unfug betreibe, du dich auch jederzeit wieder abmelden kannst und dass dieser Service natürlich absolut kostenlos ist, muss ich sicher nicht extra dazusagen. 

Ich freue mich von Herzen über jede neue AbonnentIn! Und deshalb darfst du Texterella natürlich sehr sehr gerne weiterempfehlen!

2232 9 Texterella liebt Mode., 50+ Lifestyle, Beauty & Fashion 18.10.2026   plussize, plussize-mode, stil, texterella liebt mode

9 Kommentare

Sieglinde
am Sonntag, 18. Oktober 2026 um 09:03 Uhr

Klar liebe ich den Look, liebe Susi.
Genau meine Farben! Und das schon seit Jahren. Soviel zu Veränderung im Stil… Nein, echt die Farben sind eigentlich immer gleich geblieben. Es sind meine Wohlfühlfarben. Warum also ändern?
Dennoch ändert sich im Leben mein Stil immer wieder partiell, auch mit der Figur :-). Aber im Grunde dann doch auch wieder nicht.
Klingt langweilig?
Nein, in meinem Leben habe ich wirklich Vieles öfters sehr mutig grundlegend geändert, da darf der Stil als Konstante bleiben.
Auf jeden Fall bin ich auf Deine weiteren Veränderungen gespannt!
Herzlich,
Sieglinde

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Uli K.
am Sonntag, 18. Oktober 2026 um 09:09 Uhr

Liebe Susanne,
ist es nicht natürlich, dass sich jede Frau weiterentwickelt, und so auch ihre Modegewohnheiten?
In gewisser Weise habe ich mich dem Trend angepasst, aber nie unterworfen. Eine Zeit lang, und der üppiger werdenden Pfunde geschuldet, fand man im Schrank viel schwarz. Heute nicht mehr. Meine Farben sind blau, grün und gelb. dazu kann ich Vieles kombinieren. Vor zwei Jahren habe ich mir daher einen Blazer in Camel gekauft mit klassischem Schnitt, langem Revers und groß genug für einen Pulli zum Drunterziehen. Toll mit Schiebermütze oder Hut. Ja, ich trage wieder Hut und finde mich dazu gut gekleidet. Den suche ich aus, je nach Anlass. Dazu eine passende Tasche (ich mag die Thementaschen von Vendula) und fertig. 
So gehe ich heute zum Bandjubiläum 70 Jahre Lechtown Kneeoilers.

Allen einen zauberhaften Sonntag.
Uli

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Claudia Ilijas
am Sonntag, 18. Oktober 2026 um 09:36 Uhr

Guten Morgen liebe Susi,
wieder so ein schöner Artikel in dem ich mich sofort wieder finde. Mit 59 glaube ich meinen “Stil” gefunden zu haben. Trotzdem frage ich mich: was ist Stil? Ich lasse mich ungern von Grenzen einschränken und entscheide spontan und aus dem Bauch heraus.  Das kann dann an einem Tag schwarz und eher edgy sein und am nächsten Tag die rosa Rüschenbluse. Farben sind mir wichtig und trage sie auch gern. Rot zu lila oder gelb. Aber, ich kombiniere dann auch immer etwas ruhigeren dazu, wie z. B. einen Mantel in camel. Vor 20 oder 10 Jahren war das anders. Klar, wir verändern uns doch auch und jedes Jahr oder Jahrzehnt prägt uns anders. Also, liebe Susi, ich bin ganz bei dir und freue mich immer wieder über deinen Blog und auch die Modevorschläge.
Allen einen schönen Sonntag.
LG Claudia

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Sibille
am Sonntag, 18. Oktober 2026 um 11:36 Uhr

Liebe Susi,

ich habe erst mit Anfang 40 meinen Stil gefunden. Meine Farbwelt ist im Sommer bunter und im Winter kühler. Ich liebe es und nachdem ich meine eigene Wardrobe zusammengestellt hatte (Anfang 40) ist mir ein riesiger Stein vom Herzen gefallen.

Kein morgendlicher Stress, alles passt zusammen und tatsächlich habe mir eine Sache komplett abgewöhnt. Höhere Schuhe.

Ich bin eine Sneaker-woman und das in allen Farben- und Materialien und Taschen zu den verschiedenen Gelegenheiten.

Dein Stil gefällt mir übrigens immer besser.

Lieben Gruß aus dem Norden

Sibille

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Alexandra
am Sonntag, 18. Oktober 2026 um 11:51 Uhr

Ganz toller Look! Ich wollte mir den Mantel bei bonprix bestellen. Er kostet auf der österreichischen Webseite der Firma statt etwa 90 Euro 130. Es ist nicht das erste Mal, dass ich eklatante Preisunterschiede zwischen deutschen und österreichischen Webseiten von Firmen feststelle, aber das geht mir jetzt zu weit.  Da streike ich und trage lieber meine alten Sachen noch eine Saison.

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Nicole
am Sonntag, 18. Oktober 2026 um 12:18 Uhr

Deine Art, dich zu stylen und zu kleiden finde ich super. Weil es zu dir passt.
Ich habe meinen Grundstil und mag das. Auch wenn ich immer wieder Neues ausprobiere (Rot zum Beispiel). Erfolg. Bunte Maxikleider. Misserfolg.
Ich mag es, wenn jemand weiß, was gut zu ihm passt und er in seiner Kleidung lebt. Ich spüre das. Weil Verkleidung unecht macht.
Darum bin ich bei dir: Ja, wir dürfen und sollen uns (auch modisch) entwickeln. Oder eben bei uns bleiben. Solange wir uns damit wohlfühlen.
Für mich ist es wichtig, dass ich andere Stile an anderen Menschen toll finden kann, auch wenn sie gar nichts für mich wären. Denn Vielfalt und Individualität finde ich grandios.
Liebe Grüße
Nicole

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.Tina von Tinaspinkfriday
am Sonntag, 18. Oktober 2026 um 14:45 Uhr

Liebe Susi, du siehst fantastisch aus. Mir geht es ganz genauso und wer weiß was die modische Zukunft bringt.
Liebe Grüße Tina.

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Eva
am Sonntag, 18. Oktober 2026 um 18:01 Uhr

Liebe Susi sehr sehr chic schaust du aus!
Ich ändere auch immer wieder meinen Stil und Farben, momentan ist bei mir wieder Azurblau mehr angesagt. Nur mit kräftigem Rot bei der Kleidung fremdle ich schon länger!  damit fühle ich mich nicht so wohl Nicht beim Lippenstift!. lg. Eva

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Heike Joerss-Schultz
am Sonntag, 18. Oktober 2026 um 19:44 Uhr

Liebe Susi, ich finde ja Stil eher wie ein Grundthema, dass man für sich gefunden hat. Ich denke, dass ich meinen Stil in den letzten Jahrzenhnten nicht großartig geändert habe. Aber immer mit der Zeit gegangen bin und meine Trends, die mir gefallen und mir stehen, in meinen .Stil integriert habe. Vielleicht noch etwas experimenteller als vor einigen Jahren, aber letztendlich bin ich doch immer noch wiederzuerkennen. . Daher kann ich auch Kleidung teilweise jahrzehntelang tragen, einfach mit neuen Accessoires aufgefrischt - ich liebe da insbesondere schöne Schuhe.
Und ein paar neue Farben kommen auch immer mal dazu oder gehen wieder, aber das ändert meiner Meinung nach, noch nicht den Stil.
Vielen lieben Dank für deine immer interessanten Blogbeiträge, die zum Nachdenken und Kommentieren anregen. Liebe Grüße Heike

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