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Bloggerlife

Berlin Fashionweek: Mehr Vielfalt, bitte!

Ich kann mich noch gut an meinen ersten Bloggerevent erinnern: Da war ich 47 oder 48, und um mich scharte sich ein Rudel junger Bloggerinnen, maximal Mitte 20. Irgendwann erblickte ich dann doch noch eine weitere „ältere" Bloggerin, wir rotteten uns dann zusammen und hatten jede Menge Spaß.

All das ist schon ein paar Jahre her. Zwischenzeitlich wurde Diversity zum gesellschaftspolitischen Trend, Plussize hat sich nicht nur eine eigene Blognische erobert, sondern ist mittlerweile sogar auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt vertreten und auch Ü40- und Ü50-Bloggerinnen sind bei Weitem nicht mehr so rar gesät wie noch vor einigen Jahren. Warum auch nicht! Tatsächlich bin ich heute deutlich modischer unterwegs als in jüngeren Jahren, und damit bin ich nicht allein. Ist ja auch kein Wunder: Mit Anfang 50 und (nahezu) erwachsenen Kindern haben viele Frauen – ich auch! – endlich wieder mehr Zeit, sich auch um sich selbst zu kümmern.

Susanne Ackstaller bei einem Fotoshooting auf der Fashionweek Berlin

Von links: Moi :-), Katja, Valèrie und Martina.

 

Susanne Ackstaller mit Kolleginnen auf der Fashionweek in Berlin: Warum gibt es hier so wenig Vielfalt?

Ja, doch, es hat sich in den letzten Jahren in Sachen Diversity einiges zum Besseren verändert ... nur auf der Fashionweek in Berlin, da ist immer noch vieles beim Alten. Dort, im weltoffenen Multikulti-Berlin mag die ganze Welt zu Gast sein – aber auf der Fashionweek müssen die Gäste jung sein, und dünn. Busen, Hüften, ein paar Fältchen um die Augen? Ach du liebe Güte! Vielfalt,  gut und schön, aber doch bitte nicht gleich übertreiben! Wo kommen wir denn hin, wenn die Gesellschaft in all in ihren Facetten – Größe, Hautfarbe, Alter und so weiter – vertreten wäre,, womöglich sogar noch auf den Laufstegen?! Tatsächlich bin ich bei meinem ersten längeren Fashionweek-Besuch im Januar 2018 ein wenig erschrocken, wie austauschbar und uniform der vertretene Frauentyp war.. Sicher, alles wunderwunderschöne Frauen! Aber Diversity? Selten habe ich so wenig davon gesehen wie auf den Shows und den Events der Fashionweek. Nenn mich naiv, aber irgendwie hatte ich gedacht, wir wären schon weiter. Bunter. Vielfältiger. Ja, auch offener in Sachen Ästhetik.

Gott sei dank hat mich Gegenwind noch nie umgeblasen und ein scheinbar unveränderlicher Status quo immer eher motiviert denn abgehalten. So bin ich also im Juli erneut nach Berlin gereist. Und ich war nicht allein: Mit Valèrie  (von life40up), Katja (von fine & shine) und Martina (von still sparkling) hatte ich Gleichgesinnte gefunden, die Lust darauf hatten, der Fashionweek einmal mehr zu beweisen, dass Älterwerden schon lange nicht mehr mit Beige und Bequemschuhen einhergeht und dass ein paar Fältchen und Pfündchen der Ausstrahlung kein bisschen abträglich sind – im Gegenteil! Nicht zuletzt sind wir 40- und 50plus-Frauen eine wichtige Zielgruppe und wachsender Markt, gerade für Mode. Da sollten wir doch auch auf der Modewoche vertreten sein, oder nicht?

Tatsächlich gab es diesmal auf der Fashionweek Grund zur Hoffnung. Der Kurvenrausch-Event mit Tanja Mafo und Riccardo Simonetti etwa, bei dem die Stimmung so gut und launig war wie bei sonst keinem anderen meiner Fashionweek-Events. Oder auch der Diversity-Talk mit der tollen Carola Niemann, Macherin des Curvy Magazines, von dem ich nur Begeistertes hörte (den ich selbst aber leider verpasste, weil ich auf einer Show mit jungen, dünnen Models eingeladen war ;-)).

Susanne Ackstaller mit Bloggerkolleginnen auf der Fashionweek in Berlin:. Mit dabei Valerie Müller von life40up, Katja Schiffer von fine & shine und Martina Klein von still sparkling

Warum ich diesen Beitrag schreibe: Weil ich mir eine Welt, eine Gesellschaft, eine Modeindustrie wünsche, die alle Menschen einbezieht und niemanden ausgrenzt. Und eine Fashionweek, die uns alle über die Laufstege schickt: die Jungen und die Alten, die Dicken und die Dünnen, die Kleinen und die Großen, die Hellhäutigen und die Schwarzen. Eine Welt, in der Diversity nicht nur ein schickes Modewort (ha! Wortspiel!) ist, sondern etwas, das tatsächlich gelebt wird. Im Jahre 2018 sollten wir doch mal langsam bereit dafür sein? Von der Modebranche würde ich dabei sogar eine Vorreiterrolle erwarten:  Hier sitzen doch die kreativen Geister, die heute entwerfen, was wir erst morgen oder übermorgen tragen? Gerade Mode sollte doch ein Spiegel der Gesellschaft sein und die Trends aufnehmen, die uns alle bewegen? Wo ist die Buntheit und Vielfalt, die zunehmend auch in der Gesellschaft gefordert wird und für die auch Mode stehen sollte? Und: Können wir alle (!!) nicht langsam wegkommen von der Vorstellung, dass Mode am besten an jungen und dünnen Models aussieht?

Vielleicht bin ich ja eine Träumerin, aber ich freue mich auf den Tag, an dem Diversity auch in den Fashionweeks rund um den Globus (Berlin ist ja kein Einzelfall!) wirklich angekommen ist. Und hoffe, der Tag ist nicht mehr all zu fern! Ich denke, wir sind schon auf dem Weg – aber das Ziel, für das auch ich mich seit zehn Jahren mit Texterella einsetze, ist noch lange nicht erreicht. 

Oder wie siehst du das?

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Fotos: Jeremy Moeller

Beratung: Mary-Ellen Rudloff | Salut Communications

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5 Kommentare

  • Sandra
    am Mittwoch, 01. August 2018 um 16:04 Uhr

    Hallo aus Hambuich :-)

    Dieser Blog gefällt mir wirklich richtig gut!
    Erfrischend geschrieben, tolle Bilder umd schöne Aufmachung. Als „ Neuling“ sehr sehr inspirierend. :-)

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  • eva
    am Dienstag, 31. Juli 2018 um 18:59 Uhr

    toller Beitrag mit tollen Frauen

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  • Jutta
    am Dienstag, 31. Juli 2018 um 09:54 Uhr

    Schöne Bilder! (Und toller Rock!!)

    Was das Thema “Plus Size” angeht: Das Problem fängt schon bei der Benennung an. Tatsächlich wird doch auf dem Laufsteg “Minus Size” getragen, wir hingegen stehen für die Normalität. Das sollte sich auch in den Benennungen widerspiegeln.

    -> Ich wünschte mir, es würde eine Agentur gegründet, die damit endlich ein Ende macht. Die gezielt mit und für “Durchschnitts"figuren arbeitet und das Ganze dann “Normal Size” nennt. Oder eben “Normalfigur”. Oder etwas in der Art (das auch gerne knackiger klingen darf. ;-) ) Wir müssen uns das Bild der Normalität zurückerobern – nicht zuletzt im Interesse unserer Töchter und Enkelinnen. 

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  • Heike
    am Dienstag, 31. Juli 2018 um 09:05 Uhr

    Karl Lagerfeld erklärte das „dünne Models Phänomen“ so: „die Kleider sollen bei den Shows in den Vordergrund treten, nicht die Trägerin“. Also wählt man möglichst neutrale Frauen ohne besondere körperliche Akzente, um nicht von der Kleidung abzulenken. Damit kommen die Kleidungsstücke also besonders gut zur Geltung.
    Das Verquere ist ja nun, dass wir normalen Frauen nicht Kleidung zur Geltung bringen wollen, sondern uns. Dafür sind diese Kleidungsstücke jedoch nicht geeignet. Da müsste man sich reinhungern.
    Zudem ist es für einen Modeunternehmen um ein Vielfaches einfacher Mode von der Stange für Dünne zu produzieren. Da gibt es viel weniger Abweichungen. Rundere Frauen sind viel unterschiedlicher. Die eine ist oben schmal und hat unten etwas mehr. Eine ist unten schmal und hat oben Busen und kräftige Arme. Manche haben Taille, manche Bauch. Das verlangt eine größere Schneiderkunst und mehr Varianten. Ich persönlich ändere mir viele Dinge von der Stange. Hier ein wenig Nahtzugabe rauslassen - an anderen Stellen 2-3 Zentimeter schmaler nähen. Ich würde mich echt freuen, wenn ich das nicht mehr machen müsste.

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  • Claudia Braunstein
    am Dienstag, 31. Juli 2018 um 08:32 Uhr

    Liebe Susi, ja es wäre mehr als erfreulich wenn mehr Diversity stattfinden würde. Ich halte diese Wort übrigens schlicht für einen Modegag, Umso mehr, als ich heuer im Frühjahr als behinderte, ältere Frau, ja ich sage das ja offen und ehrlich,  als Speakerin zum Diversity Day eines großen deutschen Konzerns eingeladen wurde.  Dieses Unternehmen plante einen Tag zum Thema, wir sind alle gleich, oder so. Letztlich hat man mich dann ganz kurzfristig wieder ausgeladen, weil für die Veranstaltung zu wenig Budget vorhanden war. Vermutlich hat man mein Honorar in einer lächerlichen dreistelligen Höhe lieber in Champagner für Gschaftlhuber investiert und hat aber überall herumgeplaudert, wie innovativ die Firma doch nicht wäre.  Es ist noch ein langer Weg. Und ja, es müssen noch viel mehr Ü50 BloggerInnen her ;-) Liebe Grüße, Claudia

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