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It’s our choice: Warum wir nicht machtlos sind.

Der letzte Mittwoch begann wie viele andere Tage. Nach dem Klingeln meines Handyweckers las ich noch im Bett die ersten Eilmeldungen (irgendwas mit Trump, Extremwinter in der Ukraine, weniger Sozialstaat …), scrollte mich durch Instagram (Auswirkung von Plastikmüll auf unsere Gesundheit, immer weniger Vögel, Einfluss der TechKonzerne auf die Demokratie et al.) – und empfand danach eine bleierne Schwere. Warum überhaupt aufstehen? Was könnte ich schon bewirken, in dieser Welt voller Kriege Konflikte, Krisen? War nicht ohnehin alles egal?

Es stimmt schon, die Zeiten muten nicht unbedingt gemütlich an. Ich muss gar nicht ins Detail gehen. Es ist eine beängstigende Welt da draußen, die nahezu jeden Tag mit neuen Hiobsbotschaften aufwartet. Es ist kein Wunder, wenn man (ich!) sich ausgeliefert und hilflos fühlt. Wie ein winziges Teilchen in einem großen Spiel, das andere spielen und auf das man keinen Einfluss hat. Geht es dir auch so?

Jedes Mal, wenn sich dieser Gedanken breit machen will, korrigiere ich mich. Denn so ausgeliefert und hilflos, wie ich mich – und du dich vielleicht ebenso – gelegentlich fühle, bin ich nicht. Wir haben durchaus eine Wahl und können uns selbstbestimmt entscheiden. Wir haben Einfluss – auf uns selbst und durchaus auch auf andere. Und: Unsere Entscheidung bewirken etwas. Ich finde, das ist ein gutes Gefühl. 

 

 

Wir müssen Social Media nicht erlauben, uns vor sich herzutreiben. Doomscrolling ist unsere eigene Entscheidung. Wir können das Handy weglegen und lesen. Oder einen Spaziergang machen. Oder stricken. Ja, die sozialen Medien sind da – und vermutlich werden sie bleiben. Aber wie sehr wir uns von Algorithmen vereinnahmen lassen, das haben wir sehr wohl in der Hand. (Und jetzt stell dir mal vor, dass ganz viele Menschen plötzlich wieder lesen würden anstatt Unmengen an Reels zu konsumieren – wie unwichtig Instagram, Tiktok und Konsorten plötzlich würden.) 

Wir können unseren Fokus lenken. Hört oder liest man Nachrichten oder scrollt durch Instagram, könnte man tatsächlich glauben, dass es nur Hiobsbotschaften gibt.  Das stimmt so natürlich nicht – aber leider bekommen Katastrophenmeldungen nun mal mehr Aufmerksamkeit und mehr Klicks als positive Entwicklungen und Fortschritte. Ja, traurig genug, dass wir Menschen offensichtlich so ticken – aber auch hier gilt: Wir haben die Wahl und können uns ganz bewusst auf „Good News“ konzentrieren. Die gibt es nämlich durchaus (einfach mal „Good News“ googeln, es gibt unzählige Seiten, die sich damit beschäftigen). Nicht um zu verdrängen, was schief und schlecht läuft auf dieser Welt. Sondern um mal Luft zu holen und sich vor allem bewusst zu machen: Veränderung zum Positiven ist und bleibt möglich! 

Wir sind nicht hilflos. Natürlich, gemessen an dem, was WeltpolitikerInnen bewirken können, erscheinen unsere Möglichkeiten klein. Und dennoch: Sie sind da. Viele Trends haben im Kleinen angefangen – gerade der Markt hat eine große Macht. Wir können Produkte boykottieren, wir können auf Reisen in bestimmte Länder verzichten. Viele kleine Dinge können in Summe etwas Großes bewirken. Zumal bereits bei 25 Prozent ein gesellschaftlicher Kipppunkt erreicht ist, das haben WissenschaftlerInnen herausgefunden. Ein Viertel reicht schon! Das sind gute Nachrichten!

Wir können aktiv werden. Wir können uns engagieren. Im Kleinen wie im Großen. Wir können ehrenamtlich in unserer Gemeinde oder der Nachbarschaft tätig werden, demonstrieren, einem Verband oder einer Partei beitreten. Wir können sogar selbst eine gründen! Wir sind nicht ZuschauerInnen, wir sind MitbestimmerInnen. Oder können es zumindest sein, wenn wir uns dafür entscheiden, Einfluss zu nehmen. 

Und zum Schluss: 

Wir dürfen uns selbst Gutes tun. Ja, wir müssen es sogar. In einer Welt, in der so viel Schreckliches passiert, fühlt sich Freude geradezu unangemessen an. Ins Kino oder Theater gehen, sich mit Freunden zum Brunchen treffen, Urlaub machen … wie schnell hat man ein schlechtes Gewissen, weil woanders die Welt brennt. Müssen wir nicht – im Gegenteil! Wir dürfen genießen, Schönes erleben, Dinge tun, die uns guttun. Wir dürfen lachen und Freude erleben. Nur so erhalten wir unsere Kraft – und nur dann können wir Menschen helfen, die Unterstützung brauchen. Nur so sind wir nachhaltig in der Lage, Widerstand zu leisten gegen das Böse. Eine kluge Freundin erinnert mich in Momenten, in denen ich verzweifeln könnte, an die Sicherheitsanleitung in Flugzeugen: Erstmal sich selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen – dann anderen helfen. 

 

Warum ich diesen Beitrag geschrieben habe 

(wo es auf Texterella ja normalerweise ganz bewusst um die schönen Dinge des Lebens geht, eben als eine Art Refugium. Siehe oben ;-))

In erster Linie, um gegen das Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins anzuschreiben, das ja auch mich überfällt, wenn ich in die Welt hinausschaue. Genau dieses Gefühl macht uns unzufrieden und depressiv oder kann schlimmstenfalls zu einem Burn-out führen. Deshalb müssen wir (ich!) uns immer wieder vor Augen führen, dass wir eine Wahl haben und Dinge verändern können (auch Babyschritte sind Schritte). Auf gesellschaftspolitischer und politischer Ebene ebenso wie im privaten Bereich. It’s our choice. Wir sind dem Leben nicht ausgeliefert. 

Wie siehst du das?

Fotos: Martina Klein

Zu den schönen Dingen

geht es übrigens hier und hier. Und wer noch ein Schnäppchen machen möchte: Die SZ hat Rollkragenpullover getestet und die Kaschmirrollis von Uniqlo haben am besten abgeschnitten. Das Angebot ist schon ein bisschen ausgedünnt – aber einige Größen und Farben sind noch da. Und reduziert. (Diese Farbe ist mein Favorit – und davon gibt es unglaublicherweise sogar noch alle Größen. Ts.)

1529 7 Texterella persönlich., 50+ Lifestyle 01.02.2026   achtsamkeit, engagement, politik, selbstwirksamkeit, social media, texterella persönlich

7 Kommentare

Sieglinde
am Sonntag, 01. Februar 2026 um 09:11 Uhr

Genau, liebe Susi! Wir sind nicht ohnmächtig, auch wenn es manchmal einem selbst so erscheint. In meiner gruppenpädagogischen TZI-Ausbildung habe ich vor Jahren schon gelernt:
“Ich bin nicht allmächtig, ich bin nicht ohnmächtig, ich bin partiell mächtig.” (Ruth Cohn)
Und darin liegt auf jeden Fall viel. Was das für mich persönlich ist, kann ja sehr unterschiedlich sein. Immer jedoch hilft es gegen das totale Ohnmachtsgefühl.
Ich bin ja aus der Generation, wo frau noch den Boykottgedanken sehr intensiv betrieben hat (Keine Früchte aus Südafrika z.B.). Vielleicht sollten wir uns alle u.a. dieser Marktmacht mehr besinnen.
Danke, dass Du den Post heute geschrieben hast. <3
Herzlich,
Sieglinde

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Kathrin
am Sonntag, 01. Februar 2026 um 09:16 Uhr

Schwieriges Thema für eine morgendliche Tasse Kaffee, aber sicher notwendig.. Wärend die apokalyptischen Reiter unterwegs sind habe ich mir Nachrichten-Detox verordnet. Zumindest soweit es möglich ist. Wärend alte, gierige Männer die Welt in Schutt und Asche legen, sei es mit Kriegen oder der nicht enden wollenden Zerstörung der Umwelt, ist es schwer, nicht zu kapitulieren.  Vor allem, wenn ich an meine Kinder denke. Die kriegen das ja alles mit voller Breitseite ab.
Also was tun? Mal bewusst weghören. Sich und anderen eine Freude machen.
Das ist keine Ignoranz, sondern Selbstschutz. Und dann, wenn der Akku wieder voll ist, trotzig und laut weitermachen. In dem Sinne eine gute Tasse Kaffee und allen einen schönen Sonntag.

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Ursula
am Sonntag, 01. Februar 2026 um 09:38 Uhr

Ich habe es mir komplett abgewöhnt, morgens die Nachrichten zu lesen, denn wenn ich mir morgens schon die positive Energie nehme, hilft das niemanden. Aber natürlich können wir alle etwas zu einer besseren Welt beitragen. Schon wenn ich den Menschen, denen ich am Tag begegne, freundlich, aufmerksam und aufgeschlossen begegne hilft das der ganzen Welt. zum Bsp. ist dann die Bedienung im Laden auch freundlicher zu den anderen Kunden, zu ihren Kindern, Kollegen und Partner und diese wiederum zu den Menschen, denen sie begegnen. Schon damit kann man zu einer friedlicheren Welt beitragen. Ich wünsche allen Leserinnen einen schönen freundlichen und unbeschwerten Sonntag.

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Lucia
am Sonntag, 01. Februar 2026 um 10:02 Uhr

Liebe Susi!!! Vielen, vielen Dank für diesen Text ????????
Deine treue, wenn auch stille Leserin Lucia

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Zimmermann Tanya
am Sonntag, 01. Februar 2026 um 10:04 Uhr

Danke liebe Susi, du sprichst mir ganz aus dem Herzen.
herzlich Tanya

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Heidrun
am Sonntag, 01. Februar 2026 um 11:33 Uhr

Danke, liebe Susanne, das richtige Wort zum Sonntag. Keine Nachrichten lesen ist keine Lösung (wenn auch nicht für alle nötig auf der Bettkante). Jede kann was tun. Das macht glücklich, auch in diesen Zeiten. Liebe Grüße!

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Eva Dörpinghaus
am Sonntag, 01. Februar 2026 um 12:34 Uhr

Du hast so recht. Danke für den Beitrag. Und dann sind da ja auch noch die Wahlen, über die wir Einfluss nehmen können. Bei uns in Bayern etwa die Kommunalwahl am 8. März die Landtagswahlen anderswo in diesem Jahr. Demokratie wählen! Wichtiger denn je.

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