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Die Sache mit dem Älterwerden wäre ja eigentlich gar nicht so schlimm – wenn da nicht der langsame, aber stetige körperliche Verfall wäre. Hier ein neues Alters- äh Pigmentfleckchen (mein Fleck auf der Wange wird freundlicherweise zumeist für ein Muttermal gehalten!), da ein weiteres Fältchen (und nein, ich rede nicht von charmanten Lachfalten!) und beim Snappen nach unten gucken ... uuups, besser nicht. Aber das allerallerschlimmste an der ganzen Älterwerderei ist dieses vermaledeite Bäuchlein, das eine Kollegin vor einiger Zeit wenig schmeichelhaft als „Wechseljahreswampe“ bezeichnete. Tja, wo sie Recht hat, hat sie Recht.

Wespentaille trotz Bienenstich. Von Nadja Nollau

Das Buch zur Wespentaille. Möglicherweise.


Ich kann mich noch gut an den Winter vor drei oder vier Jahren erinnern, als dieser Bauch plötzlich wie aus dem Nichts aufploppte, meine Taille befiel und sie zunichte machte. Quasi innerhalb von Tagen. Erst glaubte ich noch an ein bisschen zu viel Gummibärchen während eines Großauftrags. Aber ich sollte irren: Denn anders als in früheren Jahren wollten diese zusätzlichen „Arbeitskilos“ einfach nicht mehr verschwinden. Im Gegenteil, sie vermehrten sich begeistert. Schneller als ich das Wort „Taillenschwund“ überhaupt buchstabieren konnte, war sie auch schon dahin, die weibliche Körpermitte. Konnte ich meine ohnehin üppigen Kilos früher noch als Sanduhrfigur zurechtschmeicheln, so war ich plötzlich nur noch eine ... Figur. Mit Bauch. Entsetzlich.

Jammern macht nicht schlank. Leider.

Mein einziger Trost: Ich war mit meinem Bauch nicht alleine. Fast alle meine Freundinnen und Kolleginnen um die 50 jammerten ebenso. Geteiltes Leid und so. Offenbar verbraucht Jammern aber nicht allzu viele Kalorien, denn an meiner, an unserer Figur änderte das ganze Zetern leider gar nichts.

Natürlich startete ich einige Diät- und Fitness-Versuchen. Der Erfolg auf der Waage ging gegen null. Nunja, immerhin pendelte sich das Gewicht irgendwann wieder ein, wenn auch auf einem leider viel zu hohem Niveau. Entsetzlich. Aber das sagte ich schon.

Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht unbedingt die Disziplin in Person bin. Gelinde ausgedrückt. War es ein Wunder, dass die meisten Diät- und Fitness-Versuch scheiterten? Nein. War es nicht. Diäten – oder sagen wir: Esskonzepte – müssen sich sehr einfach in mein Leben integrieren lassen, damit ich sie länger als eine halbe Woche durchhalte. Ebenso beim Thema Fitness. Sobald es kompliziert wird, mag ich nicht mehr. Denn kompliziert ist mein Leben ohnehin.

Und jetzt kommt das Buch ins Spiel, das ich euch heute vorstellen will: „Wespentaille trotz Bienenstich. Tolle Figur auch über 50.“ von Nadja Nollau. Ja, der Titel ist ein bisschen bescheuert. Dennoch hat dieses Buch bei mir tatsächlich einiges an Aha-Effekten bewirkt. Auch wenn das (Low-Carb-)Konzept dahinter nicht wirklich neu ist. Erstmals aber habe ich verstanden, warum ich statt Kalorien lieber Kohlenhydrate zählen sollte.

Fangen wir damit an, was mir an dem Buch nicht gefällt:

Erstens der flapsige, gewollt lustige Stil, in dem das Buch überwiegend geschrieben ist. So was mag ich grundsätzlich nicht und finde es auch nie lustig. Dass ich das Buch dennoch zu Ende gelesen habe, spricht umso mehr für den Inhalt. Den fand ich sehr spannend und lehrreich – und das, obwohl ich mich eigentlich schon seit 35 Jahren mit dem Thema Ernährung beschäftige und nicht ganz ahnungslos bin.

Zweitens, und das stört mich wirklich: die Ablehnung von veganen Ernährungs- und Lebenskonzepten. Zitat: „Ich selbst habe bislang noch keine einzige Veganerin persönlich kennengelernt; möchte ich offen gestanden auch nicht. Diese Ernährung ist schlicht zu abgehoben und verkopft. Ich glaube, solche Entwicklungen entstehen nur in reichen Industriestaaten.“ Hallo??? Hallooooo?? Da hat jemand aber überhaupt nichts kapiert. Überhaupt gar nichts! Das Buch ist Ende 2015 erschienen, wohlgemerkt, nicht Anfang der Neunziger Jahre. Nach diesem Satz hätte ich das Buch am liebsten zugeklappt und weggelegt. Denn ich distanziere mich nachdrücklich von solchen Aussagen!

Und jetzt die guten Seiten. Was mir gefallen hat:

Der Pragmatismus. Hier muss niemand aufwändige Rezepte nachkochen oder teure Lieferservices in Anspruch nehmen. Man braucht keine zweifelhaften Kohlsuppen oder spezielle Diätnahrung. Man muss nur ein paar grundlegende Dinge verstanden haben und sie beherzigen. Im Grunde lauten diese ganz simpel: weniger Kohlenhydrate. Und wenn Kohlenhydrate, dann hochwertige und nicht mehr nach dem Mittagessen. Abends gibt es nur noch Proteine. Ja, ich weiß, solche Diätkonzepte gab es bereits – aber jetzt habe ich auch verstanden, warum sie funktionieren. Denn das erklärt die Autorin sehr gut und laienverständlich.

Der Erfolg. Ich habe mittlerweile zwei Wochen nach diesem Konzept gelebt und kann sagen: Es funktioniert tatsächlich! Und – das ist das wichtigste! – es ist nicht sonderlich schwer. Ich fühle mich leichter und besser. Aber nicht hungrig, denn den Zustand halte ich leider nicht sehr lange aus. Ob ich wirklich meine Wespentaille zurückbekomme? Ich glaube es ja nicht. Muss auch nicht, denn so hoch sind meine Ziele eh nicht gesteckt. Fünf bis acht Kilo würden mir reichen, und ich kann mir vorstellen, dass das klappt.

Die Motivation. Wenn man über den lustig-unlustigen Stil hinwegliest, dann ist das Buch nicht nur gut zu lesen, sondern auch sehr motivierend. Ich hatte bei der Lektüre wirklich das Gefühl: Hier versteht mich jemand. Hier schreibt eine 50plus-Frau für andere 50plus-Frauen. Hier kennt jemand die Misere aus eigener Erfahrung und zeigt einem die Lösung. Ja, ich hatte ein Chakka-Gefühl: Jetzt, jetzt wird alles besser! Also: zumindest meine Figur. ;-)

Lange Rede, kurzer Sinn: Wer noch nicht genug Diätratgeber im Schrank stehen hat oder gerne noch einen weiteren lesen will – diesen hier kann ich (mit genannten Einschränkungen) durchaus empfehlen.

Wespentaille trotz Bienenstich.
Tolle Figur auch über 50.

von Nadja Nollau.
Erschienen 2015 bei Goldmann

Hier bei Amazon erhältlich*

*Affiliatelink. (Heißt: Wenn zirka 100.000 Leserinnen dieses Buch bestellen, kann ich meine Villa an der Cote d’Azur zumindest schon mal anzahlen. :-))

 
Susanne Ackstaller, Freitag, 27. Mai 2016, 06:00 Uhr
Kommentare: 11 | Aufrufe: 2712 | Kategorie: Fitness & Gesundheit, Lesen, | Tags: wechseljahretailleratgebernadja nollaulesengesundheitfitnessbuchzensionbauch
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Kommentare

  • Ich habe mir das Buch gestern gekauft.Ja, der Stil ist sehr gewöhnungsbedürftig, es wird kein Klischee ausgelassen. Teilweise konnte ich es deswegen auch nur querlesen.
    Aber, man wird wieder erinnert, vernünftig zu essen…
    Jahrelang haben wir nach der Montignac-Methode gegessen und es hat funktioniert! Der Ansatz abends nur Eiweiß, d.h. auch ohne Salat oder Gemüse zu essen ist amibitoniert aber sicher erfolgversprechend.
    Letztlich muß jeder Seins finden, aber ab und an eine Erinnerung, wenn auch in stilistisch zweifelhafter Form hilft. Ich habe heute jedenfalls wieder vorbildlich gegessen, wobei ich denke, die Wochenbilanz muß stimmen.
    Vielen Dank für den Tip und lg.

    Rani
    am Samstag, 28. Mai 2016 um 22:48 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ich habe schon häufiger lesen müssen, dass Low-Carbler Veganer angreifen. Gut, die Ernährungsweisen scheinen recht gegensätzlich - dabei geht auch beides! Ich habe mit Anfang 40 mit dem Rauchen aufgehört und im folgenden Jahr 13 kg zugelegt. Wieder mit dem Rauchen angefangen, was überhaupt nicht den geringsten Einfluss auf mein Gewicht hatte, und als ich dann letztes Jahr wieder aufhörte, hatte ich Panik, noch runder zu werden. Also habe ich mir einen Crosstrainer ins Wohnzimmer gestellt und mir einen Jawbone angeschafft. Auch ich kannte mich in Ernährungsfragen eigentlich immer recht gut aus - als Veganer geht das nicht anders -, aber die Low-Carb-Sache war mir neu. Die vegane Ernährung ist recht Kohlenhydrat-lastig. Beim Jawbone trägt man in die App alles ein, was man so isst, und die App bewertet das dann mit rot, gelb oder grün. So kam ich erst drauf, dass der O-Saft zum Frühstück nicht die beste Idee ist :-) Außerdem zählt das Gerät Schritte und Sporteinheiten und sagt einem somit ständig, wie viele Kalorien man schon verbrannt und wie viele man zu sich genommen hat. Das klingt nach Kontrolle, motiviert aber ohne Ende, die avisierten 10.000 Schritte pro Tag auch zu schaffen und am Ende des Tages eine grüne Zahl zu erhalten.
    Seit ich meine Kohlenhydratzufuhr auf unter 150 g pro Tag eingeschränkt habe, nehme ich laut App zwar gut und gerne 1000 Kalorien pro Tag mehr zu mir, als ich verbrauche, nehme aber dennoch ab. Die 13 kg war ich in 5 Monaten wieder los; seitdem halte ich mein neues/altes Gewicht. Denn Low Carb geht auch rein pflanzlich! Mein heutiges Mittagessen bestand aus Unmengen an Gemüse, Kokosmus und Erdnüssen. Überhaupt esse ich jede Menge Nüsse, die ich mir früher wegen des hohen Fettgehalts verkniffen habe. Und mache meine Süßigkeiten, auf die ich nicht verzichten kann, selber: Marzipan z. B. aus gemahlenen Mandeln und Xylitol. Überhaupt meide ich Zucker wie die Pest und mache inzwischen so ziemlich alles selber. So esse ich jeden Tag wie ein Scheunendrescher und behalte dennoch meine Taille. Und lasse die Tiere am Leben.
    Muss man sich weder für das eine oder andere Konzept entscheiden noch sich streiten.

    Miriam Neidhardt
    am Samstag, 28. Mai 2016 um 14:53 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Liebe Miriam,

      danke für deinen Erfahrungsbericht! Jawbone kann ich dem Namen nach schon, das muss ich mir mal anschauen! Und das mit dem Orangensaft ... genau solche Sachen habe ich durch das Buch erfahren!

      Liebe Grüße,

      Susi.

      Susi
      am Dienstag, 31. Mai 2016 um 09:53 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Hallo Susi,

    so langsam merke ich es auch. Die Kilos fühlen sich in der Bauchmitte am wohlsten :-(
    Ich möchte das Leben genießen und esse was mir schmeckt. Solange ich nicht übermäßig zunehme, kann ich damit leben. Zum Glück habe ich viel Bewegung, dem Hund sei Dank :-) Ich habe auf Soja umgestellt, aber auch nur wegen den Hitzewallung der Wechseljahre und es funktioniert. Ich habe aber auch den Eindruck, das Soja den Körper entschlackt, weil ich mich viel besser fühle
    Ansonsten bleibe ich dabei zu essen was mir schmeckt, aber in Maßen ( meistens jedenfalls) und mal sehen vielleicht helfe ich Dir bei Deiner Villa :-)

    LG Andrea

    Andrea Pernau
    am Samstag, 28. Mai 2016 um 12:20 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ja, ja… diese fiesen kleinen Fettröllchen!
    Aber das geht den meisten in unerem Alter so. War auch mal eine Weile auf dem Low Carb Tripp, mit Erfolg übrigens. Hab hier einen hilfreichen Link dazu gefunden http://happycarb.de/
    Schünes WE Dir und Deiner Familie!Mckale

    Mckale
    am Samstag, 28. Mai 2016 um 11:48 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Jetzt muss ich doch mal kurz meinen Senf als Diätassistentin Ü50 dazu geben.
    Zuerst einmal zur veganen Ernährung, aber nur kurz: Jede/r sollte so essen, wie es passt. Bei der veganen Ernährung sehe ich die Gefahr darin, dass sich einige Menschen in die Ernährungsweise stürzen ohne sich über z.B. Einweißalternativen schlau zu machen. Wir brauchen Eiweiß und von jetzt auf gleich alle tierischen Eiweißquellen wegzulassen, das funktioniert nicht.
    Jetzt zum eigentlichen Thema. Auch bei mir war da auf einmal dieser Bauchring, der in irgendeinem Beitrag mal als „Muffintop” bezeichnet wurde,was sich doch etwas charmanter anhört als „Wechseljahreswampe” Ich bin nicht übergewichtig, aber mich stört es auch,  wenn der Hosenbund kneift oder sich dieser Bauch durchs enge Shirt drückt. Ich hatte in diesem Jahr ein Aha-Erlebnis, was auch in die Richtung „Low Carb” geht. In der Fastenzeit habe ich mal wieder alles Süße weggelassen. Zucker, Süßstoff, Honig, Süßkram, Kuchen, Plätzchen… Ich mache das nicht aus religiösen Gründen, sondern weil der Zeitraum überschaubar ist. In diesem Jahr habe ich versucht die Zuckerabstinenz beizubehalten so gut es geht. Und oh Wunder: Mein Muffintop wurde weniger, obwohl ich energiemäßig nicht weniger gegessen habe. So ein klitzekleines bisschen können wir also tun.

    Susanne
    am Samstag, 28. Mai 2016 um 10:04 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Ich bin auch keine Veganerin. Aber ich finde das Konzept aus ethischen und moralischen Gründen gut. Und deshalb ärgern mich solche Aussagen wie von der Autorin getätigt.

      LG!

      Susi
      am Dienstag, 31. Mai 2016 um 09:54 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Vegane Ernährung ist ein Problem verkopfter Wohlstandsbürger reicher Industienationen ? Gejammer um die Wespentaille und Diätratgeber etwa nicht ? Ach nee -
    Low - Carb ist ja das Konzept des UN - Welternährungsprogramms !

    Doris
    am Freitag, 27. Mai 2016 um 14:06 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Ach, tatsächlich?? Aber ist das denn durchsetzbar? Denn Proteine durch Fleisch und Käse ist ja teurer als Kohlenhydrate? Ich denke, für viele Regionen in der Welt ist das gar nicht so machbar?

      Susi
      am Dienstag, 31. Mai 2016 um 09:55 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Buch ist gerade auf dem Wunschzettel gelandet, obwohl ich ein Leben ohne Brot und Pasta für möglich, aber sinnlos halte. ;D

    Bin auch kein Freund davon, wenn irgendwelche Ernährungskonzepte verteufelt/durch den Kakao gezogen werden. Soll halt jeder das essen, was er mag und was ihm bekommt. Allerdings hat David Duchovny (ja, der von Akte X) seine „Heilige Kuh” Elsa im Buch folgendes sagen lasen: „Also persönlich halte ich das ja für ein bisschen krank, dass man die Milch von anderen Tieren trinkt. Ihr werdet jedenfalls nie sehen, das sich zu irgendeiner Menschenfrau hingehe, die gerade gekalbt hat, uns sie frage: „Ey, kann ich auch mal’n Schluck haben?” Da musste ich schon lachen und hab mich ein bisschen geschämt, dass ich meine vegane Phase nur ein Jahr durchziehen konnte. Strenge Verbote/Gebote sind ja meine Sache nicht. ;)

    Anna
    am Freitag, 27. Mai 2016 um 11:30 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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