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Texterella macht sich Gedanken.

Ich bin #87Prozent.

Ich weiß nicht, wie es dir ergeht, aber mir steckt der Wahlausgang immer noch in den Knochen. Sicher, das Ergebnis war nicht überraschend, aber … die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, und so war es auch bei mir. Wobei: Ein bisschen überraschend war es dann doch, dass die Partei, deren Namen ich nicht nenne, um ihr keine Bühne zu bieten, mancherorts und sogar in einem ganzen Bundesland stärkste Kraft wurde. Oder sagen wir besser: Es ist schockierend! Im Freundes- und Kolleginnenkreis haben wir intensiv darüber diskutiert, was Menschen dazu treibt, ihre Stimme(n) einer rechtsextremen Partei zugeben – die sich ja noch dazu die Kürzung von Sozialleistungen ins Wahlprogramm geschrieben hat. Menschen „am Rande der Gesellschaft” werden also nicht profitieren, im Gegenteil. Ob ihnen das beim Urnengang bewusst war? Ich kann es kaum glauben.


Ich bin #87Prozent.

Und dann sind da ja noch die Protestwähler, die satt in ihren Doppelhäusern sitzen und einen Mitteklassewagen in der Garage stehen haben. Denen fehlt eigentlich nichts, trotzdem sind sie offenbar unzufrieden mit der Welt. Und vermutlich noch viel mehr mit sich selbst. Dieses „Jetzt zeigen wir es denen in Berlin mal!“ Denkzettel-Konzept scheint fast ein wenig pubertär – leider zum Schaden einer ganzen Nation. Und dann ist da noch der Neid auf das Bisschen das jene kriegen, die vorher alles verloren haben. Beschämend, ja. (Alles nur meine persönliche Sicht der Dinge, keine statistische Erhebung.)

Aber es nützt nichts, DieParteiderenNamenichnichtnenne ist gewählt. Demokratisch gewählt, was die Sache geradezu pervertiert (und 1933 ja auch schon so war). Bleibt nur zu hoffen, dass sie sich bald selbst zerlegt, diese Partei. Ein Anfang ist ja schon gemacht.

Immerhin: 87 Prozent haben gegen Hass, Hetze, Diskriminierung und Fremdenhass gestimmt. Das ist gut und macht in aller Verzagtheit auch Hoffnung. Vielleicht ist die Wahl ja doch ein Weckruf – in Sachen Demokratie und für mehr Engagement jedes Einzelnen! Das wäre toll und gäbe den 13 Prozent dann doch einen Sinn.

Hier noch ein paar interessante Links:

Dieser kurze Artikel aus der Süddeutschen hat mich sehr schockiert. Er schildert die Sicht von zwei Münchner Juden auf das Wahlergebnis. Und hier die Stimme einer Frau mit einem äußerlich nicht deutschem Kind.

Wie sich DieParteiderenNameichnichtnenne im Bundestag verhalten dürfte, darüber berichtet die ZEIT und greift dabei auf das Agieren besagter Partei in den Landtagen zurück. Und: Wer sind diese 93 neuen Bundestagsabgeordneten überhaupt?

Warum ist die DieParteiderenNameichnichtnenne in manchen Regionen so besonders stark? Zwei Beispiele: Ostsachsens und Niederbayern. Die ZEIT fragt außerdem ganz offen nach Gründen die Wahlentscheidung – und bekam fast 600 Antworten. Und hier sind noch die Ergebnisse eines Angstforschers.

Last but not least: Die Rede von Bundespräsident Steinmeier zum Wahlausgang. Zu dieser ist meines Erachtens nichts hinzuzufügen. Ich bin dankbar für seine Zuversicht. Und noch ein Artikel, der Mut macht: „Vielleicht gar nicht so schlecht.”

Und sonst? Weitermachen. Dagegen sein und dagegenreden. Aufrecht sein, nicht rechts. Sich weiterhin für Menschen einsetzen, die unsere Hilfe brauchen, woher sie auch sind und welche Hautfarbe auch immer sie haben. Sich nicht einfangen lassen von irgendwelchen Rattenfängern. Stark bleiben und demokratisch. Sich für Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität einsetzen. Bitte.

***

Ich diskutiere gerne mit euch, andere Meinungen sind natürlich erlaubt und willkommen. Beleidigende und hetzerische Kommentare lösche ich aber.

 
Susanne Ackstaller, Donnerstag, 28. September 2017, 06:00 Uhr
Kommentare: 7 | Aufrufe: 1753 | Kategorie: Meinungen, Gedanken, | Tags: texterella macht sich gedankenpolitik
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Kommentare

  • Hallo liebe Texterella

    normalerweise schätze ich deine Artikel sehr, doch dieser scheint mir doch ein kleines bisschen unterkomplex.

    Zwar bin ich ebenfalls bei den 87% und sogar in der Migrantenförderung tätig, dennoch halte ich es für wesentlich sinnvoller, sich mit den Beweggründen der Wähler der Parteidieichnichtnenne (super Name übrigens!) zu befassen, als derart schlichte Diagnosen abzugeben. Woher willst du zum Beispiel wissen, dass Protestwähler ein gutes Einkommen haben (was wohl heißen soll, sie haben keinen Grund zum Protest. Ich kenne zum Beispiel auch einen Briefträger, der im Gegensatz zu manchen, durchaus eigene Erfahrungen vorweisen könnte.

    Wem soll so eine Verallgemeinerung nützen? Außer Selbstvergewisserung kann ich nichts erkennen. Die sollte bei 87% aber nicht nötig sein. Bekommt man so wieder Wähler zurück? Ich denke nicht, Vorurteile und Abqualifizierungen haben noch nie jemanden überzeugt.

    Dieser Wahl gingen Jahre der Politik voraus, an denen einiges zu kritisieren wäre. Dann scheint es mir etwas schlicht, Skepsis auf ein ‘früher war alles besser’ Denken herunter zu brechen, wie ich es in den Kommentaren las. Obwohl es solche Ewiggestrige natürlich auch gab.

    Mit einander zu reden anstatt übereinander scheint mir der sinnvollere Weg. Dazu gehört aber auch, die Argumente des Gegenübers erst einmal ernst zu nehmen, auch wenn es schwer fällt. Es ist schwierig, ich weiß das, aber dennoch: wir müssen es probieren, wenn eine gesellschaftliche Spaltung vermieden werden soll.

    Ich sende herzliche Grüße und wünsche mir weiterhin so inspirierende Artikel

    Ihre Elke

    Elke
    am Freitag, 29. September 2017 um 09:05 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Liebe Elke,

      ja, dieser Beitrag ist nicht sehr differenziert - er spiegelt meine persönliche Wahrnehmung wider (hatte ich auch dazugeschrieben), die sich auch daraus speist, dass in meiner Gemeinde (Münchner Speckgürtel, keine Arbeitslosigkeit, zirka 30 Migranten, viele SUVs, viele Einfamilienhäuser) 15 Prozent der Bürger besagte Partei gewählt haben. Hm. Das lässt kaum andere Schlüsse zu als die, die ich - ganz persönlich - oben gezogen habe. Finde ich. Und nein, ich verstehe tatsächlich nicht, wogegen diese Menschen „protestieren”.

      Für tiefere Analysen gab es ja die Links. Die ZEIT hat da ja sehr viele Kommentare gesammelt, die ich auch sehr spannend und auch sehr erschreckend fand.

      Und ja, ich habe Vorteile gegenüber Nazi-Wählern. Dazu stehe ich. Und vielleicht qualifiziere ich sie auch ab. Vermutlich sogar. Das darf ich, finde ich - aber es ist ebenso okay, wenn andere das nicht gut heißen (wie du!).

      Mit einander reden ist immer gut, ich fürchte, die Politik wird ohnehin nicht drumrumkommen. Wobei es mir schwerfallen würde, bei all dem, was sich DieParteiderenNamenichnichtnenne im Vorfeld der Wahl geleistet hat und wofür sie steht.

      „Früher war alles besser” wollte ich übrigens nicht ausdrücken, weiß ich auch nicht, wo ich das getan haben könnte.

      Ganz liebe Grüße,

      Susi.

      Susi
      am Samstag, 30. September 2017 um 00:33 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Ähnliche Gedanken habe ich mir gestern auch in einem Blogpost gemacht. Und eine meiner Vorrednerinnen hat Recht: 87 Prozent sind nur dann eine positive Zahl, wenn sie aufstehen und hörbar sind. Wie die Sache mit dem Stillhalten ausgeht, das hatten wir schonmal.

    Warum man - Denkzettel hin oder her - eine solche Partei wählt, egal aus welcher Schicht man stammt, ist mir ein Rätsel. Ich würde vorsichtig tippen, dass man dem seinen Mitmenschen nichtmal das Schwarze unterm Fingernagel gönnt. Siehe die Volksabstimmung im Kanton Zürich… Da fehlen mir die Worte.

    Liebe Grüße
    Fran

    Fran
    am Donnerstag, 28. September 2017 um 12:11 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Ich hatte deinen Beitrag gestern Nacht gelesen – und mich gefreut!

      Ich finde es teilweise geradezu erbärmlich, wie wenig von denen kommt, die sich „Influencer” nennen. Ja, hier wäre Beeinflussung durchaus mal sinnvoll! Aber da könnte man ja anecken und Kooperationpartner vergraulen.

      Schlimm.

      Susi
      am Donnerstag, 28. September 2017 um 12:19 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susi,

    vor kurzem habe ich auf zeit.de einen interessanten Artikel gelesen, bei dem es darum ging, dass es nicht unbedingt die wirtschaftlich, sondern vor allem die kulturell Abgehängten sind, die zu den Wählern der AfD gehören. Ich würde sie „die Gestrigen” nennen - all jene, die mit den gesellschaftlichen Umbrüchen der Moderne nicht klar kommen und sich die „gute alte Zeit” zurückwünschen (die von dir als Doppelhausbesitzer deklarierten Wähler). Alte Rollenmodelle geben ihnen Sicherheit, Flexibilität und Offenheit machen ihnen Angst. Das macht es so schwer, ihnen etwas entgegen zu setzen. Ginge es nur ums Finanzielle, würden Sozialprogramme ja helfen und v.a. die Linken (und auch Grünen) hätten hier echte Chancen. Aber was kann man gegen Rückwärtsgewandtheit („früher war alles besser”) ausrichten? Argumentieren natürlich und zeigen, dass die Moderne doch viel gutes birgt und die Ängste unberechtigt sind. Aber das ist schwer und bei wirklich verbohrten und sturen Menschen nahezu unmöglich. :-( Ohren zuhalten und Lalala singen macht eben taub für echte Argumente :-( Aber wir dürfen nicht aufgeben und müssen weiter an die Vernunft glauben! Und daran, dass der ein oder andere sich nur von der Angst und den Parolen der Dummen hat einschüchtern lassen, nicht ganz verblendet ist und doch einmal hinhört und Dinge hinterfragt. 87 Prozent sind viel, aber nur, wenn sie nicht schweigen…

    Jeannine
    am Donnerstag, 28. September 2017 um 10:00 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Hallo, Susanne,
    Ich bin nicht 87%! Leider, denn diese Prozentzahl drückt nur aus, dass es 87% der Wähler sind, die offensichtlich nicht diese gefährlichen Irren gewählt haben.
    Es kreuzen aber noch ganz Andere unsere Wege. Z.B. die 15 mio. Nichtwähler, die mit ihrer (ich interpretiere jetzt mal vorsichtig)  negativen Haltung das politische System Demokratie insgesamt schwächen. Und es sind immerhin noch 0,4% der Wähler, die bei der NPD ihr Kreuz gemacht haben, das sind solche, denen sogar die 13%-Irren noch zu weit links stehen.
    Es sind also nicht nur ca. 5,88mio. Leute, die sich auf einem politischen Irrweg befinden, es sind leider viel mehr.
    Das macht mir große Sorgen und ich danke Dir für dein offenes Bekenntnis zur Demokratie ( was Besseres haben wir nicht) und zu Deiner öffentlichen Ansage gegen den braunen Sumpf.

    Kari
    am Donnerstag, 28. September 2017 um 09:56 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Guten Morgen Susi,

    in meinem direkten Umfeld war Sonntag abend die Angst greifbar und ein Telefonanruf mit dem Satz „genau so fühlten wir uns 1933 erschreckte mich ebenfalls. Viele fragten sich sind wir noch sicher und war es falsch nach 1945 in diesem Land zu bleiben und/oder zurück zu kommen?

    Meine Großmutter sagt dazu: „Dies ist auch mein Land und die deutsche Kultur war & ist ohne Namen wie Franz Kafka, Gustav Mahler oder Moritz Daniel Oppenheim ist.

    Ich & meine Familie erfuhren aber auch viel positiven Zuspruch von Freunden, Bekannten, Kollegen & Nachbaren.

    Wie du schreibst: Weitermachen, Dagegen sein und dagegenreden. Aufrecht sein, nicht rechts.

    Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

    Dir einen schönen Tag

    Sylvia

    Sylvia
    am Donnerstag, 28. September 2017 um 08:46 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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