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Zwei Tage in Bayreuth: Spannende Frauen, viel Barock, leckeres Bier – und ein bisschen Wagner.

Fragt man, was Menschen mit Bayreuth verbinden, so fällt als erster (und manchmal auch als einziger) Begriff: die Wagner-Festspiele. Die etwas Kulturbeflisseneren glänzen möglicherweise noch mit dem Wissen um den Ausdruck „Grüner Hügel“, der sich vom Ort herleitet, auf dem das Festspielhaus steht. Wieder andere, modebewusstere Menschen erinnern sich vielleicht an die jährlich unterschiedliche Abendgarderobe, die unsere sonst nur in Hosenanzüge gewandete Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem fast schon rituellen Besuch trägt. 

Mehr also kommt den wenigsten in den Sinn, und ich gebe offen zu: mir auch nicht. Oder sagen wir besser: Bisher nicht, denn nach 2,5 Tagen Aufenthalt, zu dem ich in die Regierungshauptstadt Oberfrankens eingeladen war, kann ich mit Bestimmtheit sagen: Bayreuth ist so viel mehr als „nur Wagner“! Vor allen Dingen handelt es sich um eine Stadt, die man auch ohne Opernkarte jederzeit besuchen kann. Ja, es gibt hier viel zu sehen, auch jenseits von Walküren, Götterdämmerung und Lohengrin.

Was mich sehr beeindruckt hat: Wie stark Bayreuth von Frauen geprägt wurde. Da hätten wir einmal die Markgräfin Wilhelmine, die eigentlich Königin von England werden sollte. Dann aber änderte sich die Heiratspolitik, und statt von Berlin nach London zu ziehen, landet sie in … Bayreuth. Und lebte ihre royalen Ambitionen statt an der Themse am Roten Main aus. Ihr ist die herrschaftliche Anmutung der Innenstadt zu verdanken, die breiten Straßen, die an Potsdam erinnern. Auch das Neue Schloss am weitläufigen Hofgarten hat sie errichten lassen, ebenso die wunderbare Eremitage etwas außerhalb mit ihren zauberhaften Wasserspielen, Grotten, künstlich angelegten Ruinen und Laubengängen, in denen Barock-Damen lustwandeln konnten, ohne ihre blasse Haut der Sonne auszusetzen. Nicht zu vergessen das Markgräfliche Opernhaus, das als das am besten erhaltene Barocktheater Europas zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Wilhelmine war eine unglaublich kultivierte, kreative und musikalische Frau, die sogar selbst komponierte. 

 

Und dann ist da natürlich auch Cosima Wagner, die zweite Frau Richard Wagners, die im Jahr 1876 gemeinsam mit ihm die Bayreuther Festspiele gründete und sie nach seinem Tod noch weitere 25 Jahre leitete. Sie war seine „Gralshüterin“ und begründete die Dynastie an Persönlichkeiten, die den Festspielen bis heute vorstehen, aktuell in der Person von Katharina Wagner.,. 

Diese zwei Frauen haben die Stadt durch ihre Kreativität und ihr künstlerisches Schaffen unglaublich geprägt, und man fragt sich unwillkürlich, wie Bayreuth ohne die beiden heute aussehen würde. 

 

Was mir in Bayreuth besonders gut gefallen hat:

Ein Spaziergang durch den Hofgarten – am besten mit anschließendem Picknick. Der Park wurde bereits Ende des 16. Jahrhunderts angelegt und strahlt eine unglaubliche Ruhe aus. Der Kanal, der das Grün durchzieht, mit seinen Brücken und der kleinen Insel, verleiht der Anlage etwas sehr Malerisches. 

Die Untere Grotte in der Eremitage: Einmal in der Stunde fangen die Wasserspiele an zu plätschern und geben der Szenerie etwas geradezu Mystisches. Man würde sich wahrlich nicht wundern, wenn leibhaftige Feen und Elfen aus dem Wasser auftauchten! 

Das Wagner-Museum im alten Wohnhaus des Meisters, „Wahnfried“: Ja, ein bisschen Wagner muss halt doch sein, wenn man nach Bayreuth kommt. Das Museum schafft es auf besondere Weise, Leben und künstlerisches Schaffen des Komponisten, Dramatikers, Dichters, Schriftstellers, Theaterregisseurs und Dirigenten zu präsentieren und gleichzeitig Wagners Antisemitismus aufzuarbeiten, sowie die Nähe seiner Nachfahren zu Hitler und dem Nationalsozialismus. 

Das Markgräfliche Opernhaus: Dieses Barocktheater ist ein wirklicher Traum! Und: noch original aus dem 18. Jahrhundert erhalten. Die vielen Logen, die üppige Gold-Dekoration, die Deckenbemalung! Man fühlt sich ein wenig wie im Märchen. Ein Glück war das Gebäude auch für die benachbarte Synagoge: Denn um das Opernhaus zu schützen, verzichteten die Nazis in der Reichspogromnacht darauf, das Gebetshaus niederzubrennen. So blieb auch dieses erhalten und ist damit heute die älteste noch genutzte Synagoge Deutschlands.

Die Fränkische Küche, die bekanntermaßen eher deftig ist. Es gibt Schäufele, Sauerbraten und natürlich Bratwurst, wobei jede Stadt um die „beste Bratwurst“ konkurriert. In der Schinner Braustube(gibt es in Bayreuth seit 1850) hingegen wird ein bisschen anders gekocht: Traditionelle Küche, ja, aber neu und spannend definiert. Wer Bier mag, ist im Liebesbier richtig. Hier kann man nicht nur unglaublich gut essen (der Mann hatte ein sagenhaftes Büffelsteak!), sondern auch mit einem „Tasting Board“, bestehend aus fünf selbstgebrauten Sorten, unterschiedliche Biere probieren. 

Der Blick von der Karstadt- bzw. Rathaus-Dachterrasse auf die Stadt. Von ganz oben hat man dann doch eine ganz andere Perspektive. Wir haben dieses Erlebnis ganz am Ende unseres Aufenthaltes genossen – aber vielleicht sollte man besser mit der schönen Aussicht anfangen! Eine noch zentraler gelegene Alternative ist der Turm der Stadtkirche. Nachteil: Er ist nicht immer zugänglich und man muss eine ganze Menge an Treppenstufen bewältigen (die anderen zwei Aussichtsterrassen sind barrierefrei erreichbar). 

Was du in Bayreuth unbedingt sehen musst:

  • Das Markgräfliches Opernhaus
  • Das Neue Schloss und das Alte Schloss
  • Das Wagner-Musem
  • Die Eremitage mit den Grotten
  • Der Hofgarten

Mein Fazit: 2,5 Tage sind für diese eindrucksvolle Barockstadt viel zu kurz. Ich will unbedingt wiederkommen – ja, vielleicht sogar zu den Festspielen. Muss ja nicht gleich „Der Ring des Nibelungen“ sein! Man kann ja auch mit einer etwas kürzeren Oper starten.

Warst du schon einmal in Bayreuth? Was waren deine Highlights?

Mein Dank gilt Bayreuth Tourismus für die Einladung, der Bayrischen Seen- und Schlösserverwaltung für die Erlaubnis, zu fotografieren und zu filmen sowie unserer großartigen Gästeführerin Frau Claudia Dollinger, die uns zwei Tage lang ausgesprochen sympathisch und fachkundig begleitet hat. Es war meinem Mann und mir eine Freude!

***

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9 Kommentare

Sieglinde Graf
am Sonntag, 22. August 2021 um 08:50 Uhr

Wie schön, dass Du in Bayreuth warst, liebe Susi. Eine sehr schöne kleine Weltstadt, wie ich finde.
Sehr gut finde ich, dass nicht nur Wagner im Blick ist inzwischen, sondern tatsächlich die bedeutenden Frauen, die dort lebten und wirkten. Ich bin schon öfters da gewesen und im Blog habe ich auch 2018 über Wilhelmine und ihr Wirken geschrieben. https://blog.da-sempre.de/2018/11/03/ach-wilhemine-wie-schoen-ist-deine-oper/
Auch Sanspareil hat sie sich ja ausgedacht und verwirklicht.  Unbedingt auch einen Besuch wert!
Toll finde ich Deinen Tipp mit der Aussichtsterrasse von Karstadt aus. Das werden wir nächstes Mal auf jeden Fall machen.
Fein, mit Dir im Bayreuth der Frauen gewesen zu sein.
Herzlich, Sieglinde

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Susi
am Mittwoch, 25. August 2021 um 15:14 Uhr
Liebe Sieglinde, danke für deine Link-Ergänzung! Ja, die Präsenz von Frauen ist in Bayreuth schon sehr auffällig! Wilhelmines Wirken fand ich sehr großartig! Liebe Grüße!

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Nicole
am Sonntag, 22. August 2021 um 14:49 Uhr

Liebe Susi,
das ist eine charmante Vorstellung einer Stadt, bei der mein Wissen tatsächlich am grünen Hügel endete.
Deine Fotos machen Lust auf mehr, denn sie sind so schön und zeugen von Vielseitigkeit.
Ich finde es sehr schön, dass du Bayreuth ein anderes als das Festspielkleid angezogen hast.
Und bin auch gespannt, welche Oper es dann wird..

Liebe Grüße
Nicole

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Susi
am Mittwoch, 25. August 2021 um 15:19 Uhr
Auf jeden Fall eher ein kurze (Oper). ;-))))) Liebe Grüße!

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Edith Götschhofer
am Sonntag, 22. August 2021 um 15:44 Uhr

Liebe Susanne, ich bin voll begeistert von deinen schönen Bildern.
Ja das wäre auch ein Reiseziel für mich.
Seit einiger Zeit überlege ich schon nach Deutschland zu reisen nur wo soll ich beginnen?
Seit einiger Zeit schreibe ich mir in mein Buch diverse Reiseziele auf.
So viele Reiseziele habe ich und jedes Mal denke ich da will ich hin!
Bayreuth kommt nun auch auf meine Liste.
Liebe Grüße Edith

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Susi
am Mittwoch, 25. August 2021 um 15:16 Uhr
Das "Problem" kenne ich - ich will auch sofort hin, wenn ich davon gelesen habe! In Österreich liebe ich übrigens Graz ganz besonders! Liebe Grüße!

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Karen von KAREN ON TOUR
am Mittwoch, 25. August 2021 um 09:09 Uhr

Liebe Susanne,
das sind ganz wunderbare Fotos einer anscheinend sehr charmanten Stadt! Da muss ich hin, zumal es für mich gar nicht mal so weit ist.
Vielen Dank für den tollen Tipp.
Liebe Grüße
Karen

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Susi
am Mittwoch, 25. August 2021 um 15:15 Uhr
Wo kommst du denn her, liebe Karen? Ja, manchmal ist das Gute doch sehr nah ... Liebe Grüße!

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Anette
am Sonntag, 29. August 2021 um 11:48 Uhr

Liebe Susanne, danke für diesen schönen und liebevollen Reisebericht über meine Heimststsdt! Es war interessant für mich, wie Sie die Stadt mit ganz anderen Augen wahrgenommen haben, als ich als Gebürtige ! Bayreuth ist immer eine Reise wert ! Bei meinem nächsten Besuch werde ich versuchen, Ihre Brille aufzusetzen und Bayreuth wieder mal ganz bewusst zu sehen !
Vielen lieben Dank und liebe Grüße
Anette

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