Frisch kolumnisiert.
Zu durchschnittlich für Social Media? Willkommen im Club!
Wer auf Social Media unterwegs ist, kann schnell ein Problem mit seinem Selbstbewusstsein bekommen: Nicht nur gewinnt man den Eindruck, dass andere schöner, schlanker, fitter und erfolgreicher sind – das kennen wir ja schon länger, daran sind wir gewöhnt. Wir müssen leider auch erkennen, dass wir nur Durchschnitt sind und wenig Spannendes zu bieten haben.
Die bittere Wahrheit: Die meisten von uns sind einfach zu banal, um auf Instagram und Co. als echte, reichweitenstarke Influencerinnen groß rauszukommen. Während die nämlich ein unglaublich aufregendes Leben führen, führt man selbst nur zweimal täglich den Hund spazieren (der natürlich nicht spektakulär in Thailand am Straßenrand gefunden und durch den Zoll geschmuggelt wurde, sondern aus einem hiesigen Tierheim stammt).



Aber es ist ja nicht nur, dass einem das eigene Leben auf Instagram oder Tiktok (oder ebenso Facebook, Linkedin und Youtube) völlig langweilig erscheint – weil unsereins eben eher in Bibione (oder womöglich: auf Balkonien!) als in Bali urlaubt und den Winter auch nicht in Kapstadt verbringt, sondern halt … daheim, in Castrop-Rauxel oder Weiden/OPf. Nein, wir müssen außerdem erkennen: Wir haben keine Ahnung. Von nichts! Weder sind wir Expertinnen in Sachen Beauty, Ernährung oder gesundes Leben noch begnadete Hausaufräumerinnen, die anderen die versteckten Ecken zeigen, in denen sich der böse Staub sammelt. Wir renovieren auch nicht in Eigenregie ein mittelalterliches Schloss in Südfrankreich noch bringen wir vernachlässigte Rosengärten wieder zum Erblühen. Nicht mal von Hitzewallungen verstehen wir 50plus-Ladys genug, damit es für einen eigenen Wechseljahres-Expertinnen-Kanal auf Youtube oder auf Instagram reichen würde!
Und kommt mir jetzt nicht mit euren tollen Eierlikör- oder Schwarzwälder Kirschtorten, für die ihr am Pfarrfest immer gefeiert werdet! Nope, das reicht nicht! Seit ich auf Instagram einer Frau folge, die aus Zuckerrohr eigenhändig Zucker herstellt, aus Kakaobohnen Schokolade macht und sogar das Mehl für ihre Wunderwerke selbst mahlt, kann man mich mit einer schnöden Prinzregententorte nicht mehr beeindrucken. Tja.
Ach, es ist ein Kreuz, wenn es für einen selbst auf Instagram halt nur zum Zuschauen und Beifall klatschen reicht. Was aber durchaus auch erleichternd sein kann: Während andere das Auftragen des Lidstrichs (Blushs, Bronzers oder Lippenkonturenstifts et al.) zur Raketenwissenschaft erkoren haben oder in täglichen Videos ihr Morgenritual zelebrieren (großes Glas Wasser gleich nach dem Aufstehen, Meditieren, beim „Morning Shed“ die nächtlichen Beauty-Utensilien wieder loswerden …), kann unsereins unbeobachtet mit schiefem Kajal ins Büro rennen und die Tasse Kaffee ganz ohne Kamera genießen. Wie befreiend! Und wie viel Zeit man spart!

Trotzdem: Eine winzigkleine Expertin für … was auch immer – das wäre schon was! Endlich auch „Educational Content“ produzieren und anderen Menschen die Welt und das Leben erklären! Endlich wichtig sein – und natürlich Reichweite aufbauen, die man irgendwann versilbern kann.
Wobei, vielleicht hätte ich ja eine Zukunft als Streifenexpertin – genug Gestreiftes hängt definitiv in meinem Schrank. Dann könnte ich den lieben langen Tag Videos drehen, auf denen ich Bretonshirts trage, würde von der Modeindustrie entdeckt und meine zweite Karriere als Streifenshirt-Rolemodel wäre garantiert! Gut, mein Kleiderschrank dürfte irgendwann aus allen Nähten platzen und ich hätte ein Problem, wenn ich Gestreiftes womöglich irgendwann nicht mehr leiden könnte (nicht sehr wahrscheinlich, aber denkbar!)?
Bis diese Fragen geklärt sind und ich das Konzept final ausgearbeitet habe, um auf Instagram als Streifenexpertin richtig durchzustarten, bleibe ich erstmal hier auf Texterella – und zeige euch einen eher unaufregenden Alltagslook. Jeans, Trenchcoat, Sneakers … oweia, damit kann man wirklich keinen Blumentopf gewinnen. Quod erat demonstrandum.



Aber vielleicht erleben wir irgendwann eine gegenläufige Entwicklung – ein Rollback zurück in die Zeiten, als wir auf Instagram noch begeistert unseren morgendlichen Cappucchino posteten und für Sonnenuntergänge Likes kassierten. Ja, vielleicht kommen auch wir Durchschnittsmenschen auf Social Media früher oder später groß raus. Warum auch nicht, denn diese Social-Media-Welt aus Super-Expertinnen, Alles-Erklärerinnen und sonstigen Schlaumeierinnen geht einem halt doch irgendwann auf den Geist.
Ehrlich gesagt, bei mir ist es schon so weit. Und bei dir?
Fotos: Martina Klein (fotografiert vor ungefähr drei Wochen … unglaublich, wie kahl da alles noch war. Und kalt war es auch.)
Look:
Trenchcoat: Bonprix (einen ganz ähnlichen gibt es bei Breuninger von GANT)
Jeans: Die Originaljeans ist ausverkauft, aber diese hier ist ähnlich. Oder diese hier.
Streifenshirt: Bonprix (oder sehr ähnlich von Armor Lux)
Tasche: leider nicht mehr verfügbar. Diese hier ist eine chice Alternative.
Sneakers: Speedcat von Puma
Wer bei Bonprix ein Schnäppchen machen möchte, bekommt mit dem Code „ela20“ einmalig 20 Prozent Rabatt. Gilt aber nur noch bis heute, Sonntag, Mitternacht.
Angaben zur Transparenz: Die Kleidung stammt zum Teil aus einer Instagram-Kooperation mit Bonprix aus diesem und letztem Jahr. Diese doch recht regelmäßigen Kooperationen führen dazu, dass es Bonprix relativ oft auf Texterella zu sehen gibt. (Ich gebe zu, dass ich bei der Marke zunächst durchaus Vorbehalte hatte. Das hat sich aber geändert, denn es gibt bei Bonprix auch wirklich gute Sachen – und das zu einem guten Preis. Man muss nur ein bisschen genauer hinschauen und die Materialien prüfen. Ganz davon abgesehen macht es mir Freude zu zeigen, dass man sich auch für wenig Geld gut anziehen kann.)
→ Mehr Mode findest du hier: Es gibt ein paar neue und richtig schöne Looks. Schau gerne vorbei! Die „Lieblingsstücke“ gibt es natürlich auch ...
Und sonst so?
Habe ich mich (und Daisy, natürlich) tatsächlich zu dem Schreibworkshop in Paris angemeldet, den meine Kollegin Christine Kämmer anbietet. Wow. Kommt jemand mit?
Ach, und: Sollte jemand zufälligerweise von kleiner Wohnung in Paris wissen, die ich für vier Tage für kleines Geld mieten könnte … ich wäre überaus dankbar.







