Texterella liebt Mode.
Plussize-Mode: Warum ich lieber online einkaufe
Ja, ich schäme mich. Ich schäme mich dafür, dass ich Kleidung am liebsten online kaufe. So, jetzt isses raus.
Mein Faible für den Versandhandel ist aber schon deutlich älter als das Internet. Bereits als Studentin freute ich mich, wenn ich die Kataloge von Madeleine, Alba Moda, Eddie Bauer, Lands End und anderen mehr aus meinem Briefkasten fischte. Ich konnte Stunden damit zubringen, hin und her zu blättern und mir zu überlegen, welche der Outfits mir am besten gefielen (und zu rechnen, welches ich mir vielleicht sogar leisten konnte). Bestellt wurde damals natürlich per Telefon und irgendwann (als ich bereits arbeitete) per Fax. Wenn das Paket dann ankam, war das immer ein bisschen wie Weihnachten. Ist es übrigens immer noch! Bis heute liebe ich es, den Karton in aller Ruhe zu öffnen und freue mich, wenn die Kleidungsstücke dann nicht nur in einem Plastikbeutel stecken, sondern in raschelndem Seidenpapier.

Wobei ich natürlich jedes Argument verstehe, das gegen eCommerce spricht: der umweltbelastende Transport von immer mehr Paketen. Verödende Innenstädte. Der schrumpfende stationäre Einzelhandel.
Aber dann fallen mir wieder meine Besuche in lokalen Kleidergeschäften ein (die gab es ja durchaus) und die abschätzigen Blicke der Verkäuferinnen, bevor sie mir mitteilten, dass meine Kleidergröße nicht geführt würde. Ich erinnere mich an die geradezu verzweifelte Suche nach schicker und passender Kleidung, die selbst in großen Münchner Bekleidungsgeschäften erfolglos war. Und ich weiß noch gut, wie ich mich gerade in meinen jüngeren Jahren fühlte, wenn mir in Boutiquen und Modeläden einfach nichts passte! Geschämt habe ich mich, dass ich Größe 42/44 trug (was im Übrigen der Durchschnittsgröße der deutschen Frau entspricht) und eben keine 36/38. Die Erinnerung an die Beraterin, die mir im Traditionshaus Lodenfrey vor einigen Jahren erklärte, Dirndl in meiner Größe hätte man nicht im Sortiment, macht mich bis heute fassungslos (und wütend). Ebenso der Hinweis einer Modeberaterin, die großen Größen wären im hinteren Teil des Geschäfts (gleich neben den Toiletten) … Heute frage ich mich, warum ich damals nur still gegangen bin und mich nicht bei der Geschäftsführung beschwert habe.



Wenn ich an dieses Gefühl der Ablehnung und Ausgrenzung zurückdenke – dann lässt mein Mitgefühl mit dem stationären Handel und seinen schrumpfenden Verkaufs- und Umsatzzahlen sofort nach. Dann schäme ich mich auch nicht mehr dafür, dass ich lieber im Internet kaufe. Denn dort kann ich in meinen Stammgeschäften ohne abschätzige bis mitleidige Blicke von erbarmungslosen Verkäuferinnen einkaufen. Und muss mir vor allen Dingen auch nicht sagen lassen: „Das ist aber gar nicht vorteilhaft für Sie! Das sollten Sie mit Ihrer Figur besser nicht tragen!“
Für mich bedeutete das Internet ein Stück weit Befreiung, ja, geradezu ein Coming-out. Endlich die Kleidung tragen dürfen, auf die ich wirklich Lust hatte! Selbst entscheiden dürfen, was ich anziehen wollte (und mich weder von übergriffigen Beraterinnen noch von EinkäuferInnen, die nur bis Kleidergröße 42 denken konnten, beschränken lassen müssen). Endlich ich sein dürfen und meinen persönlichen Stil tatsächlich ausleben können. Das mag vielleicht ein wenig pathetisch klingen, aber die Möglichkeit, modisch aus dem Vollen zu schöpfen, hat mich tatsächlich zu der Frau gemacht, die ich heute bin. Mit dem Angebot des lokalen Modeeinzelhandels hätte das nie funktioniert, da bin ich mir sicher.

Natürlich gibt es auch online immer noch genug Stores, die Kleidung nur bis Größe 42 führen. Gerade Shops mit einem teurerem Sortiment sind offensichtlich immer noch der Meinung, dass dickere Frauen sich lieber in billig(er)en Läden mit Polyester-Klamotten einkleiden sollen. Über das Weltbild dahinter möchte ich lieber nicht nachdenken … sonst muss ich mich wieder ärgern. Gleichzeitig bin ich aber auch ganz froh, dass mir die hochpreisigen Outfits – die mir durchaus gefallen, so ist es ja nicht! – nicht passen.
Wo ich gerne einkaufe:
BODEN: Coole, farbenfrohe Mode aus UK – sehr vieles davon bis Größe 48. Schon seit Jahren ist BODEN eines meiner Lieblingslabels (und ich bin sehr froh, dass es den Brexit gut überstanden hat) und macht mir immer gute Laune!
Seidensticker: Ich bin immer wieder begeistert, wie sich Seidensticker in den letzten Jahren gemausert hat. Neben den klassischen Blusen gibt es schöne Kleider, Röcke, sogar Pullover – und eine Curvy-Kollektion, die bis Größe 54/56 geht. Die Kleider gefallen mir ganz besonders.
NEXT: Der britische Online-Händler NEXT bietet ein wirklich sehr umfassendes Bekleidungssortiment – zum Teil bis Größe 54. Verkauft werden nicht nur die eigene Marke, sondern auch BODEN, Ralph Lauren, Tommy Hilfinger und andere, insgesamt ist das Preisniveau aber durchaus bezahlbar. Wenn ich einen ganz bestimmten Look vor Augen habe, den ich sonst nirgends finde – bei NEXT werde ich nicht immer, aber doch oft fündig.
Ulla Popken: Bis vor ein paar Jahren war Ulla Popken für mich der Inbegriff des trutschigen Plussize-Tunika-Looks – das hat sich sehr geändert. Der Onlineshop hat eine wirklich große Auswahl, und auch wenn ich mir weniger zipfelige Blusen und Blumenprints wünschen würde (ich weiß nicht, warum DesignerInnen offenbar glauben, dass dicke Frauen gerne florale Muster tragen!), so finden sich auch immer wieder schicke Teile darunter. Dieses Kleid gefällt mir besonders gut.
Bonprix: Die Mode von Bonprix habe ich tatsächlich erst durch meine Instagram-Kooperationen entdeckt. Und ich muss sagen: Ich mag’s! Vor allem, weil die Marke unglaublich größeninklusiv ist, sprich: Es gibt praktisch alle Kleidungsstücke auch in großen Größen (teilweise bis 58/60). Die Preise sind günstig, was für mich aber auch heißt: genau hinschauen und aufs Material achten! Ich mag die Premium-Kollektion besonders gerne, denn hier gibt es viele Modelle aus reinen Naturmaterialien. Sehr gelobt wird übrigens auch die Bademoden-Kollektion (die habe ich selbst aber noch nicht ausprobiert).
Ralph Lauren: Das Label Ralph Lauren ist ein wenig mein Guilty Pleasure (US-Marken versuche ich in letzter Zeit zu vermeiden) – aber ich mag den Stil einfach unglaublich gerne! Zumal es auch eine Curvy-Kollektion gibt, mit Kleidung bis 52/54
Marina Rinaldi: Die Marke Marina Rinaldi wurde bereits 1980 von Max Mara gegründet, und allein dafür gebührt dem Unternehmen schon großes Lob! Ein luxuriöses Plussize-Label, wow! Ein echter Vorreiter – wobei man sich natürlich fragt, wann endlich weitere folgen. Ich persönlich ziehe allerdings die etwas günstigere Persona-Kollektion vor, weil ich sie flotter finde, denn Marina Rinaldi selbst finde ich teilweise schon ein bisschen über-elegant.
Wer sich nun fragt, warum in dieser Zusammenstellung nachhaltige Labels fehlen – tja, das frage ich mich auch. Gibt es einfach nicht (bzw. nur ganz kleine Nischenlabels), genauso wenig, wie Luxus-Kollektionen im Plussize-Bereich. Wer Eco-Fashion sucht, findet bei Bonprix eine gar nicht mal so kleine Kollektion auch in größeren Größen (diese Jeans trage ich übrigens rauf und runter!), und Luxus á la Chanel, Gucci und Co. gibt es gar nicht. Da müssen wir uns wohl auf die Handtaschen beschränken.
Frage an die Plussize-Ladys unter meinen Leserinnen: Wo kauft ihr denn gerne ein?
Fotos: Martina Klein, Berlin
Look:
Bei dem Look wird das Nachstylen wirklich schwer, denn die Teile sind alle schon ein paar Jahre alt – und einige zudem gebraucht gekauft.
Rock: DearCurves
T-Shirt: ArmorLux (oder das hier)
Gürtel und Tuch: Irgendwann mal second hand gekauft …
Sandalen: Steffen Schraut (schon älter, aber diese Sandalen könnten eine Alternative sein)
Jeansjacke: Arizona (Ich trug sie schon auf diesen Fotos aus dem Jahr 2018 … (diese Jacke wäre vielleicht eine Alternative?!)
Tasche: Longchamp
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