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Texterella persönlich.

Das Beste aus zwei Welten. Warum ich weder Landpomeranze noch Großstadtpflanze bin. Oder beides.

Hätte man mir vor ein paar Jahrzehnten prophezeit, dass ich irgendwann auf dem platten Land leben würde, ich hätte es nicht geglaubt. Ja, ich hätte denjenigen sogar ausgelacht – denn mein Plan war es ja, nach New York ziehen, dort zu leben und als Journalistin zu arbeiten. Ich sah mich schon zwischen den Wolkenkratzern mein Leben führen – und das sah ziemlich genauso aus, wie das, was später als „Sex and the City“ verfilmt wurde. 

Susanne Ackstaller aka Texterella in der Hafencity in Hamburg

Doch dann kamen mein Studium, mein Mann und die Landromantik.

Tatsächlich bin ich mit meinem Mann vor mehr als 25 Jahren voller Begeisterung in sein Heimatdorf und damit aufs platte Land gezogen. Als Städterin fand ich alles ganz wunderbar romantisch: die Kühe, die vor dem Haus auf der Weide muhten. Die unzähligen Apfelbäume meiner Schwiegereltern im Landhausgarten. Die Zwetschgenbäume. Die Himbeer- und Johannisbeersträucher. Die Salat-, Gemüse- und Kräuterbeete. Der Bauerngarten mit seiner Blumenpracht! Ach, ich sah mich schon als richtige Landfrau mit rotbackigen Wangen und einer Schar von Kindern einen riesigen Garten pflegen und in einer gemütlichen Küche Apfelkuchen backen und Obst einwecken. Genau so, wie es in den Hochglanz-Landleben-Magazinen gezeigt wurde, in denen die Frauen, in Barbour-Jacken und Harris-Tweet gewandet, ein stilvolles Leben auf dem Lande führten. Ja, genau eine dieser Landfrauen wollte ich werden!

Ein paar Jahre später war ich in der Realität angekommen. 

Ich stellte fest, dass ich nicht Kuchen backen konnte, und mir Gartenarbeit herzlich wenig Spaß machte. Die Salatbeete, die ich voller Elan angelegt hatte, waren schon lange von Giersch überwuchert, das mühsam eingeweckte Obst wollte niemand essen (ich auch nicht!) und für die Kinderschar (mit drei Kindern waren wie ja schon kinderreich ... ;-)) gab es keine Kita-Plätze. Um überhaupt weiter arbeiten zu können, musste ich viele Jahre eine private Nanny beschäftigen. Ja, ich war mehr als ernüchtert und sehnte mich in die Stadt. Dort, wo das Leben tobte, man keine 10 Kilometer fahren musste, um den vergessenen Liter Milch zu kaufen und man sich zwischendrin einfach mal ins Café setzen konnte, ohne dass das man erst zu logistischen Höchstleistungen auflaufen musste. Warum um Himmels willen war ich freiwillig aufs Land gezogen? Ich hatte doch in New York leben wollen, oder mindestens mal in Berlin oder Hamburg?!

Susanne Ackstaller in der Hafencity in Hamburg. Warum Texterella das Landleben liebt. Und die Stadt auch.Plussize-Mode in der Hafencity: Susanne Ackstaller zeigt, wie chic Mode für Große Größen sein kann.

Aber die Kinder wurden größer, und so auch meine Freiheiten. Irgendwann waren mehrtätige Geschäftsreisen oder Events keine Angelegenheiten mehr, die ich von langer Hand vorausplanen musste, damit jedes Kind (und der Mann ;-))) wusste, wo es wann zu sein hatte, keinen Musikunterricht versäumte und auch das Pausebrot nicht vergessen wurde. Und das Schöne war: Je freier ich wurde, desto lieber war ich auch daheim, hier auf dem Land. Heute ist es so, dass ich mich nach vier oder fünf Tagen Berlin geradezu auf mein Leben auf dem Land freue, auf die Beschaulichkeit und Ruhe, den Wald hinterm Haus, die Eichhörnchen, die durch die Bäume tollen, die Kirchenglocken und die helle Großzügigkeit unseres Landhauses, den Blicks ins Ampertal. Gleichzeitig zieht es mich immer wieder auch hinaus in die Ferne, und ich freue mich bereits jetzt auf die Möglichkeit, länger als ein paar Tage in einer Stadt zu bleiben, wenn die Kinder ausgezogen sind. Ein wenig spukt mir für nächstes Jahr Paris im Kopf herum (dann sind zwei Kinder für ein paar Monate im Ausland und das dritte studiert und lebt ja schon in Regensburg), mal nicht als Touristin, sondern als jemand, der dort eine Weile lebt und arbeitet. Mal schauen.

Hafencity Hamburg: Texterella aka Susanne Ackstaller zeigt Plussize Fashion

Ich bin sehr dankbar, dass ich diese beiden Leben führen kann. Ja, mehr noch: mir das Beste aus beiden Welten herauspicken darf und mich nicht entscheiden muss. Und das schönste ist: Jetzt, wo die Kinder selbstständig(er) und ich frei(er) werde, kann ich diese beiden Welten sogar noch intensiver erleben und genießen. 

Ich freue mich darauf.

Was bist du denn: Landfrau? Stadtfrau? Oder beides?

Look:

Hose: Sallie Sahne 

Pulli: Amber & Vanilla*

Stiefeletten: Zara

***

Fotos: Jeremy Moeller

Beratung: Mary-Ellen Rudloff | SALUT Communications

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1513 9 Texterella persönlich., 50+ Lifestyle 09.10.2018   texterella liebt das leben, landleben, landidylle, großstadt, berlin

9 Kommentare

  • Daniela
    am Dienstag, 09. Oktober 2018 um 22:14 Uhr

    Stadtfrau - aber eine, die derzeit darüber nachdenkt, aufs Land zu ziehen. Und da bin ich gerade in einer schwierigen Phase. Ich liebe meine Großstadt! Und unsere schöne Jugendstilwohnung! Die tolle Infrastruktur, die Anonymität, die Prunkbauten auf meinem Weg zu Kundenterminen ... Und das Landleben (ein 8000-Seelen-Ort südlich meiner Großstadt) hat aber auch seine Reize: die Ruhe, die persönlichen Kontakte zu den netten Nachbarn, die kühlen Nächte selbst im heißesten Sommer ... Schwierige Entscheidung!!!

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  • Biggi
    am Dienstag, 09. Oktober 2018 um 18:12 Uhr

    Hach, Deine Geschichte hört sich an wie meine ;-)
    Auch ich bin ein Großstadtkind und habe mit meinem Mann - absolutes “Landei” ;-) - zusammen studiert. Meine Weltstadtfantasien lebte ich mit meinem Job gleich nach dem Studium aus ... und landete in der Familienphase dann in der von Dir beschriebenen “Rosamunde-Pilcher-Idylle”. Auch nicht immer zu meiner Freude, wobei ich Garten und Backen allerdings trotzdem zu meinen Hobbies zählen darf.

    Jetzt sind die Kids aus dem Haus und alle familiären Verpflichtungen erstmal vom Tisch .... und nach ein paar Tagen in der Stadt freue ich mich ganz freiwillig wieder auf mein Landleben. Solange ich immer hin- und her switchen kann ;-) Und Paris kann ich als temporären Arbeitsort absolut empfehlen !!!
    Herzliche Grüße aus dem maison malou
    Biggi

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  • Marion
    am Dienstag, 09. Oktober 2018 um 15:01 Uhr

    Ich hätte auch gerne beides… ich brauche die Stadt mit ihren Inspirationen an Restaurants, Mode, Design, Architektur und dann die Natur und Ruhe im ländlichen Bereich.
    Leider ist das mit einem klassischen 9 to 5-Job so gar nicht realisierbar, erst recht nicht, wenn der Job in einer langweiligen Kleinstadt ohne Naturnähe ist.
    An diesem Problem “knabbern” wir nun schon seit Jahren und sind deshalb Anfang des Jahres in die nächste Großstadt gezogen. Jetzt ist der Fahrweg weiter, die Wohnkosten deutlich höher, aber wir können das Stadtleben ausprobieren. Für den Gegenpart, die Natur, haben wir aber außerhalb des Urlaubs noch keine Lösung gefunden….

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  • Astrid
    am Dienstag, 09. Oktober 2018 um 14:52 Uhr

    Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen, wo jeder jeden kannte. Und wo immer jemand hinter einer Gardine guckte, und meine Eltern schon vorm nach Hause kommen über unsere Dummheiten und Schulstreiche informiert waren. Schrecklich!! Nach dem Abitur bin ich nach Frankreich gezogen, und habe 20 Jahre lang in Paris gelebt. Der Traum!!! Ich liebe die Anonymität der Grossstädte!! Seit 19 Jahren lebe ich jetzt bei Nantes, immerhin 285.000 Einwohner, und vermisse “mein” Paris, obwohl hier die Lebensqualität viel besser ist. Ich bin definitif ein Grossstadtmensch, und mein Traum war es auch einst in New-York zu leben.
    P.S. wenn Du Tips für Paris brauchst, ich bin da!

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    • Iridia
      am Dienstag, 09. Oktober 2018 um 20:06 Uhr

      Liebe Astrid, mir geht es wie dir. Was ich an Städten liebe, ist vor allem die Anonymität. Das macht mich frei und das ist genau mein Ding. :)

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  • Gabi
    am Dienstag, 09. Oktober 2018 um 14:23 Uhr

    Grad war ich ein verlängertes Wochenende in München. Schön und so was von voll - da bin ich gerne wieder nach Hause in mein kleines Dorf. Stadt ja, ein paar Tage aber leben möchte ich nicht dort. Liebe Grüße Gabi

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  • Sabine
    am Dienstag, 09. Oktober 2018 um 10:26 Uhr

    Grundsätzlich Stadtmensch. Allerdings finde ich eine Mischung aus beidem, wie Du sie beschreibst, tatsächlich am reizvollsten. Meine Idealvorstellung war es immer, einen aufregenden Job zu haben, durch den ich viel reise, oft mit unterschiedlichen Menschen am liebsten in der ganzen Welt zu tun habe, viel Zeit in großen Städte verbringe.
    Und neben meiner Stadtwohnung hätte ich dann ein kleines Häuschen so richtig auf dem Land. Also auch keine Kleinstadt, höchstens ein Dorf. Und dann bitte am Dorfrand mit Blick auf die Landschaft, am besten aufs Meer. Hier machte ich dann all die Sachen, für die ich Konzentration und Ruhe bräuchte, also Bücher schreiben oder lektorieren, zum Beispiel. Natürlich waren in dieser Idealvorstellung auch ein paar Jahre im Ausland vorgesehen, gern an wechselnden Orten - aber immer jeweils so lang, dass ich auch richtig an diesem Ort lebte und nicht einfach nur ein paar Wochen zu Besuch wäre.
    In diesem Plan waren allerdings keine kleinen Kindern und vermutlich noch nicht mal ein Mann vorgesehen. Bereits erwachsene Kinder hätten allerdings gut in dieses Szenario gepasst. Noch besteht also eine klitzekleine Chance, dass ich zumindest einen Teil dieser Idee verwirklichen kann. Bis dahin wohne ich mittendrin in Berlin und genieße den Trubel und das Leben um mich rum und tröste mich damit, dass ich zwar nicht in New York lebe, aber immerhin in einer aufregende Stadt, in der die meisten nur Urlaub machen.

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  • Biggi
    am Dienstag, 09. Oktober 2018 um 09:51 Uhr

    Ich bin Landfrau. :-) Und zwar durch und durch. Ich bin gerne mal in der Stadt, aber schon nach ganz wenigen Tagen sehne mich meist in meine kleine Gemeinde zurück. Wenn ich umziehen müsste, dann bestenfalls in eine Kleinstadt. Aber Städte wie Berlin oder New York - nein, dort würde ich niemals leben wollen.

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  • Iridia
    am Dienstag, 09. Oktober 2018 um 06:29 Uhr

    Stadtfrau. Ich glaube, ich brauche Beton um mich, um frei atmen zu können. Allerdings assimiliere ich auch schnell neue Gegenden. Ich wohne zwar mitten im Stadtzentrum, habe aber als Wohnung eine kleine Oase und gucke auf lauschige Hinterhöfe mit (künstlichem) Bach mit Wassergeplätscher und Klaviergeklimper. Stadt kann auch sehr unterschiedlich sein.

    Ich denke, es kommt auf die augenblickliche Lebenssituation an und wer deine Liebsten sind mit ihren Bedürfnissen, was man probiert. Und die Wahrscheinlichkeit, dass es einem gefällt, ist auch groß.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass auch beides zu unterschiedlichen Zeiten oder gleichzeitig sehr erfüllend sein kann.

    Wenn die Kinder aus dem Haus sind, beginnt ohnehin eine neue Freiheit. Man merkt erst dann, wieviel man von sich zurück gestellt hat, selbst wenn man das Gefühl hatte, sehr viel für sich zu machen. Ich fühlte mich wieder wie 20 - zu meinem großen Erstaunen.

    Was man auch immer von sich dachte, oft waren das nur Ideen, die eine bestimmte Zeit nicht überlebt haben, weil man von anderen Energien dann doch oder inzwischen besser leben kann.

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