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Ode an die Socke. (Eine kleine Liebeserklärung.)

Der Ausdruck „arme Socke“ trifft es auf den Punkt. Denn Socken sind die ärmsten Kleidungsstücke überhaupt. Wir nehmen kaum jemals Notiz von ihnen, und wenn doch, fallen sie uns nur negativ auf: die weiße Socke zu kurzen Hosen und Birkenstocks. Rotgetupfte oder lilakarierte, mit denen sich graue Anzugträger eine verwegene Note geben wollen. Vergraute Frotteesocken, igitt. Und das Allerschlimmste: Bettsocken – an Männern! Modekolumne für die WELT Kompakt: Ode an die Socke. Eine Liebeserklärung.

Weil: November ist Sockenzeit!

Wie sehr wir der Socke unrecht tun, spüren wir erst, wenn sie uns fehlt. An grauen Novembertagen zum Beispiel. Wenn der erste Schneeregen fällt und die Heizung pünktlich ihren Geist aufgibt. Bei 17,5 Grad im Wohnzimmer merken wir plötzlich, was wir an ihr haben: Erleichtert ziehen wir die Wollsocke aus der Schublade, in die wir sie im Frühjahr verbannt haben und in deren hinterstem Eck sie während der warmen Monate ein elendiges Dasein fristen musste. Vor lauter Freude über die warmen Füße vergeben wir der Socke sogar das Loch, das sie sich während ihres Arrests zugezogen hat. Muss der große Zeh halt ein wenig weiterfrieren! Und – wer hat eigentlich behauptet, Wollsocken wären nicht sexy?! Die Wahrheit ist: Socken sind echte Romantiker! Das handgestrickte Paar unterm Weihnachtsbaum bedeutet wahre Liebe! Wie viele Stunden hat frau nachts bei viel zu schlechtem Licht an aufwändigen Mustern geknoddelt! Wie oft das ganze Teil wieder aufgetrennt! Und die Ferse erst! Bis die endlich richtig sitzt! Aufnehmen, abheben, überziehen, und wieder von vorn. Links, rechts, rechts, links, dabei bloß nicht den Faden verlieren! Die Lust schon gar nicht. Aber irgendwann, mit wund gestrickten Daumen, ist er dann fertig: der ultimative Liebesbeweis aus feinster Merinowolle. Ohne Beimischung. Ja, einmal kuscheln bitte. Von wegen: Liebe geht durch den Magen. Nein, Liebe bedeutet warme Füße! (Die Kolumne erschien heute in der Print- und in der Online-Ausgabe der WELT KOMPAKT.)

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Wer noch mehr Kolumnen aus meiner Feder lesen möchte – bitte schön: Hier sind meine gesammelten meine Mode- und Lifestyle-Kolumnen. Viel Spaß!

3867 3 Beauty & Fashion, Column 27.11.2015   socken, modekolumne, mode, kolumne, fashion

3 Kommentare

  • Petrina von Moment: New York
    am Montag, 30. November 2015 um 03:19 Uhr

    Ein paar dicke Socken sollte für jede Person im Haus bereitliegen, finde ich. Ich weiß nur nicht, ob meine Sockenliebe so weit geht wie bei Marie Kondo (die mit dem Aufräumbuch). Ihrer Ansicht nach dürfen Socken nicht aufgerollt werden, weil sie ohnehin schon so hart arbeiten. ;-)
    Liebe Grüße ins hoffentlich wieder geheizte Haus!
    Petrina

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  • Gunda von Hauptsache warme Füße!
    am Samstag, 28. November 2015 um 19:34 Uhr

    Also, mir sind Socken ja SEHR wichtig. Besonders die warmen von Fa…, die fast 15 Euro Kosten, aber als einzige in der Lage sind, meine ewig kalten Füße zumindest einigermaßen zu wärmen. Habe schon ganz viel ausprobiert, aber wirklich und wahrhaftig wärmt mich leider nicht mal die dickste Norwegersocke. Wie auch immer: Socken sind wichtig. Punkt. Und Leute, die bunte Socken tragen, finde ich zumindest auf den ersten Blick erst einmal interessant, weil mutig.
    LG
    Gunda

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  • Susie
    am Samstag, 28. November 2015 um 14:28 Uhr

    Ich liebe socken!! Früher IMMER Kniestrümpfe mit Argylemuster. Zu jeder Hose/Schuhen die passende Farbe. Jetzt habe ich eine Vorliebe für Woll und Alpaca socken. Teuer, aus dem Reformhaus, in jeder Farbe die es gibt. Zum Kleid/Rock über der Strumpfhose. Doppelt-gemoppelt hält super warm! Ich habe NIE kalte Füße. Mein Mann, der täglich Anzug trägt, liebt auch ausgefallene Socken. Er trägt aber auch rote Schuhe und fällt auch gern ein wenig auf

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