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Cord – zwischen todunglücklich und todchic! (Und was sonst so war ...)

Als ich 1976 erstmals das Gymnasium betrat, in dem ich ab da die Schulbank drücken und neun Jahre später mein Abitur ablegen sollte, tat ich das in einem beigen Cordanzug. Den Stoff dafür hatte meine Mutter bei Karstadt gekauft (wo alle Stoffe herstammten, aus denen dann Klamotten für meinen Bruder und mich entstanden. Bis heute erzählt mir meine Mutter von der Blütezeit des Rosenheimer Karstadts und der dort ansässigen grandiosen Stoffabteilung …). Meine Großmutter (die Schneiderin war) nähte dann das Cord-Prachtstück nach einem Burda-Moden-Schnitt für mich. Die Hose hatte einen weiten Schlag und die Jacke war wie ein Blazer geschnitten – heute fände ich das Teil todschick, damals war ich todunglücklich. In diesem „Look“ sollte ich meinen neuen KlassenkameradInnen gegenübertreten? Oweia. Am liebsten wäre ich in den Boden versunken …

Dieser Cordanzug war nicht das einzige Ensemble, mit dem ich im Laufe der Jahre ein wenig aus dem Rahmen fiel. Geradezu legendär ist das wildseidene Etuikleid mit Jäckchen in Eierschale, das ich zu meiner Erstkommunion trug – während all die anderen Mädchen Prinzessinnenkleider in Schneeweiß anhatten. Oder die selbstgenähten Jeans, die natürlich kein bisschen wie Levi’s oder Wrangler aussahen! Bis ich zum 14. Geburtstag dann endlich eine richtige Mustang geschenkt bekam (die mir Pummelchen ein bisschen zu eng war und entsprechend wenig getragen wurde – aber irgendwas ist ja immer). Überhaupt unterschied sich meine ganze Garderobe in Stoff, Schnitt und Machart von den Kleidungsstücken, die meine Freundinnen und Klassenkameradinnen von der Stange kauften.

Damals habe ich mich geniert, weil ich oft anders aussah als die anderen Mädchen (groß, pummelig, kurzhaarig und dann noch die Klamotten aus Omas Schneiderei!). Wie oft und wie sehnlich habe ich mir ihre Outfits gewünscht – von Marc O’Polo, Wrangler oder Mustang, Fiorucci und wie sie alle hießen. Festtage waren jene Tage, an denen die Cousine meines Vaters aus München bei uns vorbeikam und einen Stapel etwas schickerer, weil gekaufter Klamotten ihrer Tochter daließ – das war dann ein bisschen wie Weihnachten, auch wenn die meisten Kleidungsstücke ein wenig sehr knapp saßen. ;-)

Heute bin ich froh, dass ich so und nicht anders großgeworden bin. Denn auf diese Weise habe ich gelernt, dass anders zu sein und/oder auszusehen, keine Schande ist. Nichts, für das man sich schämen muss. Sondern eher ein Alleinstellungsmerkmal, das man durchaus pflegen darf. Im Grunde haben mich Burda-Moden, Karstadt und der beige Cordanzug (sowie meine Mutter und Großmutter natürlich, die viele Jahre für meine Garderobe verantwortlich zeichneten) zu der Frau gemacht, die ich heute bin – und die auf Texterella bloggt. Und die bei Cord immer ein bisschen Herzklopfen kriegt (und selten widerstehen kann). Vielleicht, weil das Material mich an meine Kindheit und Jugend erinnert, und daran, dass Kleidung und Mode eben doch mehr sind als eine oberflächliche Hülle.

 

Meine Mutter und meine Oma waren übrigens alles andere als „Fashionistas“, die ihre Kinder bzw. Enkelkinder herausputzen wollten. Nein, sie waren (von einem bzw. zwei Kriegen geprägt) einfach nur sparsam. Bis auf Unterwäsche, Strümpfe und Schuhe wurde alles selbstgenäht und teilweise selbstgestrickt. Damals war’s mir peinlich, heute weiß ich, wie sehr die beiden meine Wertschätzung für schöne Kleidung und zugleich meine Persönlichkeit geprägt haben.

Gibt es Kleidungsstücke aus deiner Kindheit, die dich geprägt haben?

Fotos: Martina Klein

Look:

Cordhose: Bonprix (Ich trage Größe 44)

Cordblazer: Bonprix (dito!)

Gestreifter Rollkragenpulli: Uniqlo. Gestreift gibt es die tollen Merino-Rollis von Uniqlo akuell leider nicht. Aber ich könnte mir auch rot sehr gut dazu vorstellen. Oder vielleicht einen von diesen beiden?

Rotes Täschchen: leider nicht mehr erhältlich, aber hier gibt es eine hübsche Alternative. Oder diese hier?

Brosche: Essentiell Antwerp,: Ebenfalls schon älter und leider nicht mehr erhältlich. Gelegentlich kann man solche Stücke aber bei Vinted finden. 

Sneakers: Puma Speedcat. Größenmäßig schon ziemlich ausgesucht … aber hier gibt es auch noch welche. 

Mehr Mode findest du wie immer hier. Ich freue mich, wenn du vorbeischaust. :-) Mein Lieblingsbeitrag aus der letzten Woche ist übrigens dieser hier. Und hier gibt es auch ein paar neue Stücke ...

 

Und sonst so?

Durch die letzten Wochen bin ich gebraust wie … wie ein Wirbelwind. Göttingen (zur Graduiertenfeier meiner Tochter, die nun fertige Master-Psychologin ist), Budapest (Geburtstag meines Sohnes), dann Lesungen in Altötting, Karlstadt am Main und in Duttweiler bei Neustadt an der Weinstraße. Dazwischen Ballett („Illusionen – wie Schwanensee“ von John Neumeier) in Baden-Baden, unser Foto-Workshop „Unfotogen? Gibt’s nicht!“, Foto-Shootings und und und. Puh. Ich war so viel unterwegs, es war so viel los, und es ist so viel liegengeblieben. Nicht mal eure wunderbaren Kommentare habe ich alle beantwortet. Und in meiner (eigentlich) wöchentlichen Stepptanz-Stunde war ich nur jedes zweite Mal. Die nächsten Wochen dürften aber ruhiger werden – wobei, das denke ich immer, und nie wird es das wirklich.

Zwei Fragen aus den (teilweise unbeantworteten) Kommentaren sind mir im Gedächtnis geblieben:

→ „Wie war’s in Budapest?“ – wunderschön, wie eigentlich immer! Aber diesmal vielleicht noch einen Tick schöner. Erstens weil das Wetter von einer wunderbaren Frische und Klarheit war und zweitens … weil sich die politischen Verhältnisse in Ungarn zum Besseren verändert haben. Die Orban-Herrschaft (und die zur Schau gestellte EU-Feindlichkeit) hat mich tatsächlich bei jedem Besuch belastet. Umso schöner ist es, dort wieder EU-Fahnen wehen zu sehen! So haben wir erstmals das riesige Parlamentsgebäude besichtigt – die Jahre vorher habe ich mich immer geweigert. Im November bin ich übrigens erneut dort (so viel zum Thema „Jetzt wird’s ruhiger!“, haha!), Mein Sohn, der an der Semmelweis-Universität Medizin studiert, erhält dort im Rahmen einer „Weiß-Kittel-Zeremonie“ seinen Arztkittel. Da müssen wir Eltern natürlich dabei sein …

→ „Was macht eigentlich Daisy?“ – Daisy, achja … ein wunder Punkt. Während schreibende Kolleginnen ein Buch nach dem anderen veröffentlichen, puzzle ich immer noch an meinem Erstling herum und komme einfach nicht voran. Immerhin ist mir in den letzten Wochen klar geworden, warum: Weil die Geschichte nicht trägt. Bzw: nicht mehr trägt! Der Plot hat – weil ich fürs Schreiben so lange gebraucht habe – mittlerweile leider so sehr an Aktualität verloren, dass ich einfach keine Lust mehr habe, diese Geschichte weiterzuschreiben. Und deshalb schreibe ich jetzt eine neue! Kommentar meines Mannes, als ich ihm von meinem Vorhaben erzählte: „Aber … aber du hast da doch schon so viel Zeit reingesteckt!“ Stimmt, aber so ist das nun mal beim Schreiben. Fast jede Autorin, die ich kenne, hat Romanleichen in der Schublade. Gelernt hat man ja trotzdem etwas. Und Daisy … die wird auch beim nächsten Versuch dabei sein, nur eben anders.

***

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2 Kommentare

Claudia
am Sonntag, 25. Oktober 2026 um 07:23 Uhr

Meine Mutter war gelernte Herrenschneiderin und hat mir als Kind sehr viel selbstgenäht (allerdings nicht mehr, als ich aufs Gymnasium kam). Ich fand das damals normal und habe alles gern getragen. Sie hat auch sehr gut und abwechslungsreich gehäkelt - meine Omas hingegen waren geübte Strickerinnen, die mir viele Pullover, Mützen und Handschuhe fabriziert haben.

Besonders gern erinnere ich mich an eine rehbraune Latzhose aus Breitcord zurück, von meiner Mutter genäht, als ich ca. acht Jahre alt war. Und heute noch liebe ich Cord! Wie Du kann ich schlecht wiederstehen, wenn ich Kleidungsstücke oder Haustextilien aus Cord sehe (ich habe auch Sofakissen aus Breitcord - wie schön wäre es, wenn diese aus meienr geliebten Latzhose entstanden wären…).

Weil meine Mutter ein Profi an der Nähmaschine war, hatte ich nie die Notwendigkeit oder Motivation, selber den Umgang mit dieser zu erlernen, was ich heute bitter bereue. Vielleicht mache ich mal einen VHS-Kurs.

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Karin
am Sonntag, 25. Oktober 2026 um 07:33 Uhr

Cord liebe ich sehr! Vielleicht bin ich da auch durch die 70er geprägt?
Zu meiner Einschulung am Gymnasium trug ich übrigens ein grünes Dirndl. In der schwäbischen Provinz. Keine Ahnung, wer dafür verantwortlich war. Ich fühlte mich schick, merkte am Gymnasium aber schnell, dass da andere Maßstäbe angelegt wurden. Da wir wenig Geld hatten, wurde bei C und A eingekauft. Ich hätte sonst was für einen Benetton Pulli gegeben… meine erste Esprit Jeans habe ich getragen, bis sie in Fetzen hing.
Ich glaube auch, dass mir aufgrund dieser Erfahrungen Kleidung bis heute sehr wichtig ist.

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