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Welche Peelings machen unsere Haut wirklich schöner? Und was gibt es zu beachten? Ein Interview mit Dermatologin Dr. Juliane Habig.

Seien wir ehrlich: Schöne, glatte, strahlende Haut wollen wir alle. Aber wie kriegt man ihn, den „Glow“? Was tun, wenn die Haut schon älter ist und ein bisschen unter der Zeit (und unter zu viel Sonne, Umweltverschmutzung, langen Nächten etc) gelitten hat? Peelings sind sicherlich kein Zaubermittel, aber sie können – richtig angewandt – unsere Haut sehr viel schöner machen und deutlich verbessern. Ich habe mich deshalb mit meiner Lieblings-Hautärztin Dr. Juliane Habig darüber unterhalten. 

Juliane Habig kenn ich bereits seit einigen Jahren. Ich war schon selbst bei ihr in Behandlung (zum Beispiel bei einem Mikroneedeling ) und kann sagen: Sie ist nicht nur eine hervorragende Dermatologin, sie ist auch ein ganz wunderbarer Mensch mit viel Empathie und Herzenswärme. Und sie betreibt einen wirklich tollen Youtube-Kanal, in dem sie regelmäßig über Hautprobleme, -pflege, Kosmetik und ästhetische Dermatologie informiert. Ich habe in den letzten Jahren schon viel von ihrem Fachwissen profitiert und ich freue mich, dass sie sich die Zeit genommen hat, meine Fragen rund um das Thema Peeling zu beantworten – und außerdem noch ein paar Tipps zur Hautpflege im Winter zu geben.

Dr. Juliane Habig. Hautärztin in München. 

Aber erstmal zum Thema Peeling ...

Liebe Juliane, wann ist eigentlich die beste (Jahres-)Zeit für Peelings?

Die vorherrschende Meinung in Deutschland ist, dass man im Winter peelen sollte. Ich sehe das anders und peele das ganze Jahr hindurch. Stellen wir uns nur mal vor, wir würden in einem sonnenverwöhnten Land leben. Da hätte man dann ja gar keine Chance auf ein Peeling! In vielen südlichen Ländern wird durchgehend gepeelt, weil die Behandelten wissen, dass sie ihre Haut vor Sonne schützen müssen.

Wenn direkte Sonneneinstrahlung konsequent vermieden und gleichzeitig immer ein hoher Sonnenschutz aufgetragen wird, dann kann man auch in den Sonnenmonaten in der Regel problemlos ein Hautpeeling durchführen. 

Mehr zum Thema richtiger Sonnenschutz verrate ich übrigens in meinem Youtube-Video zum Thema Sonnenschutz:.

Welche Peeling“arten“ gibt es und welche sind deiner Meinung nach besonders effektiv?

Peeling ist ein weiter Begriff, der sich von Peelings zuhause über Anwendungen bei der Kosmetikerin bis zu medizinisch-kosmetischen und rein medizinischen Peelings erstreckt.

Home-Peelings sind die schwächste Form: Sie wirken nur oberflächlich, können abgestorbene Hautschüppchen aber ganz gut entfernen. Home-Peelings, die auf den Hauttyp abgestimmt sind, können den Teint durchaus ein wenig klären und sind ein guter Zusatz zur normalen Reinigung. Dass die Durchblutung dabei angeregt wird, ist ein positiver Nebeneffekt für die Haut.

Vom Home-Peeling mit Enzymen oder Abreibepartikel ...

Eine Home-Peeling-Form, das mechanische Peeling, findet man in jedem Drogeriemarkt in unterschiedlichen Ausführungen. Das Peeling enthält kleine Abreibepartikel, wird massierend auf die Haut aufgetragen und mit Wasser abgenommen. (Bitte beim Kauf darauf achten, dass das Produkt kein Mikroplastik enthält. Das ist leider immer noch bei einigen der Fall!). Für sehr empfindliche oder gerötete Haut ist dieses Peeling aber nicht ideal. Hier ist ein mildes Enzympeeling besser, das sich auch für leichte Unreinheiten eignet. Die Haut wird – ohne Reibung wie beim mechanischen Peeling – sanfter bearbeitet und dadurch weniger gereizt. 

Mehr, sprich, eine stärkere Verbesserung der Hautstruktur, als mit den frei verkäuflichen relativ milden Peelings kann man mit kosmetisch-medizinischen Peelings vom Profi erreichen; die Maximalvariante sind dann rein medizinische mitteltiefe und Tiefenpeelings. Die verwendeten Substanzen sind hier weitaus konzentrierter und wirksamer, und mit der Intensität nehmen auch die Korrekturmöglichkeiten zu. 

… über Fruchtsäurepeelings ...

Zu den kosmetisch-medizinischen Peelings gehören die Fruchtsäurepeelings. Sie enthalten natürliche Fruchtsäuren, zum Beispiel Glykolsäure, und dringen besonders gut in die oberen Hautebenen ein. Oberflächliche und geschädigte Hautschichten werden abgeschält und die Oberhaut zur Regeneration angeregt. Bei regelmäßigen Behandlungen werden auch in der Lederhaut vermehrt kollagene und elastische Fasern gebildet und Wasser über eine Zunahme der Grundsubstanz gebunden. Die Haut bekommt ein reineres, strafferes und frischeres Aussehen.

Da Fruchtsäurepeelings zu den mildesten medizinischen Peelings zählen, sind sie für fast jeden Hauttyp geeignet. Allerdings gibt es starke Unterschiede in der Konzentration. Und: Um Dauereffekte zu erreichen, sind Wiederholungen nötig.

… bis zum intensiven Kräuterpeeling!

Eine mechanische Alternative zu Fruchtsäurepeelings sind natürliche Kräuterpeelings. Dabei wird die Haut mit Kräuter-Mikroelementen massiert, so werden die obersten Epidermisschichten abgetragen. Je nach Länge und Stärke der Massage kann es zur kaum sichtbaren bis zu einer starken Schälwirkung kommen. Wie das Fruchtsäurepeeling ist also auch das Kräuterpeeling sehr gut dosierbar und kann an die individuellen Hautbedürfnisse angepasst werden. Kräuterpeelings funktionieren auch super auf Hals und Dekolleté. Wichtig ist auch hier die Behandlung durch einen Profi (professionelle medizinische KosmetikerIn, Hautärztin oder Hautarzt)

Fruchtsäure- und Kräuterpeelings können eingesetzt werden bei:

  • glanzlosem, stumpfem Teint
  • Unreinheiten, Akne
  • großen Poren
  • oberflächlichen Pigmentstörungen
  • Sonnenflecken
  • feinen oberflächliche Fältchen
  • Sonnenschäden
  • oberflächlichen Verhornungen
  • oberflächlichen Närbchen

Die tiefgreifendsten Peelings sind medizinische mitteltiefe oder tiefe Peelings. Mitteltiefe Peelings tragen die gesamte Oberhaut und Teile der oberen Lederhaut ab, tiefe Peelings wirken zusätzlich bis in die mittlere Lederhaut. Tiefe Peelings können eigentlich nur mit dem Wirkstoff Phenol erreicht werden, für den eine Reihe von Anwendungsbeschränkungen bestehen. Deshalb kombiniere ich lieber mitteltiefe Peelings, zum Beispiel mit Trichloressigsäure, mit physikalischen Verfahren (wie Dermasanding), um mehr Tiefe und damit einen stärkeren Effekt zu erzielen. 

Mitteltiefe/tiefe medizinische Peelings werden eingesetzt bei

  • bestimmten Formen von Aknenarben
  • Sonnenschäden
  • erschlaffter Haut
  • Fältchen
  • Verhornungsstörungen

Hier erfährst du noch mehr zum Thema Peeling:

Peelings für eine glatte, straffere Haut.

Peelings bei Aknenarben

Was kann man beim Peelen falsch machen?

Beim Home-Peeling gibt es eine feine Balance zwischen zu viel, zu wenig und genau richtig. Bei sehr sensibler Haut reicht meistens ein Peeling pro Woche. Öliger Haut tut es manchmal gut, wenn die angesammelten Hornschuppen mehrfach pro Woche abgetragen werden. Kurz: Wenn die Haut anfängt, glanzlos und stumpf auszusehen, wird es wieder Zeit für ein Peeling. Wichtig: Nach dem Peeling immer eine Feuchtigkeitspflege auftragen und tagsüber einen Sonnenschutz ab Faktor 30.

Bei den professionellen medizinischen Peelings besteht natürlich die Gefahr von Pigmentstörungen und Narben, deshalb ist die Erfahrung der Behandlerin/des Behandlers von herausragender Bedeutung. Medizinische Peelings sind eine Kunst, denn insbesondere bei mitteltiefen und tiefen Peelings kann die Haut sehr unterschiedlich reagieren; man braucht viel Erfahrung, um hier perfekte Resultate zu erzielen. Danach liegt viel in der Hand der Patienten. Direkte Sonneneinstrahlung ist absolut tabu, bei mitteltiefen und tiefen Peelings sogar drei Monate lang. Wer sich nicht daran hält, riskiert Pigmentstörungen. 

Gibt es Alternativen zum Peeling?

Es gibt zwar viele Methoden, die Haut zu behandeln, aber jede hat ihren eigenen Wirkbereich, so auch Peelings. Daher kann man nicht sagen, dass zum Beispiel Laser etc. eine Alternative wären.

Danke, liebe Juliane, für die umfassenden Erläuterungen. Hättest du zum Schluss noch ein paar Pflegetipps für die kalte Jahreszeit, die du uns ans Herz legen möchtest?

Die Winterluft birgt einige massive Stressfaktoren für die Haut: einerseits den ständigen Wechsel zwischen Kälte draußen und Wärme drinnen, vor allem aber die Trockenheit sowohl in der kalten Außenluft (kalte Luft hat einen geringeren Feuchtigkeitsanteil) als auch in geheizten Räumen. Diese trockene Umgebungsluft führt dazu, dass die Haut Feuchtigkeit abgibt und selber austrocknet. 

Die Haut besitzt einen Schutzfilm, den sogenannten Hydrolipidfilm, ein leicht säurehaltiges Wasser-Fett-Gemisch. Die Fettmoleküle stammen teilweise aus dem Talg der Talgdrüsen in der Haut, aber je kälter es wird, desto weniger Talg wird produziert. Bei minus acht Grad stellen die Talgdrüsen ihre Produktion dann ein, womit der Hydrolipidfilm seine schützende Wirkung verliert. Alle diese Mechanismen führen dazu, dass die Haut spröde und rau wird, schuppt, juckt und teilweise sogar einreißt. Besonders gefährdet sind Areale mit keinen oder wenigen Talgdrüsen, beispielsweise die Lippen, die Haut der Augenumgebung sowie von Hals, Armen, Händen, Beinen und Füßen.

Es kommt bei der Hautpflege im Winter also auf den Hauttyp und den Wasser- und Fettgehalt der Produkte an. Zum Beispiel können Seren ohne Fettanteile mit hohem Wassergehalt, wenn sie bei Minusgraden auf der Haut alleine aufgetragen werden, dort gefrieren und ihr damit Schaden zufügen. In dem Fall sollte zusätzlich zum Serum eine Hauttyp-entsprechende Creme aufgetragen werden.

Trockene Haut verträgt im Winter Produkte mit höherem Fettanteil, unreine oder Aknehaut kann dadurch hingegen verschlechtert werden. Deshalb ist hier ein Mittelweg angesagt: Das perfekte Produkt für unreine Haut versorgt die Haut mit den richtigen Wirkstoffen (insbesondere Antioxidantien gegen freie Radikale) und Feuchtigkeit, schützt ihre Barriere, überfettet sie aber nicht. Bei fettiger Haut in der sogenannten T-Zone (Mittelpartie des Gesichts) und trockenen Wangen- und Halshaut müssen im Winter in den unterschiedlichen Arealen unterschiedliche Produkte verwendet werden. 

Viele greifen im Winter zu extrem fetthaltigen Produkten, weil sie denken, dass die Haut bei Kälte und Trockenheit mehr Fettanteile von außen benötigt (was ja auch stimmt). Bei öliger Veranlagung, Mischhaut oder trockener (=dehydrierter) Fetthaut kann sich das Hautbild dadurch aber verschlechtern. Denn zu viele Fettsubstanzen können die Talgdrüsenausführungsgänge „verstopfen“.

Wer unsicher ist bei der Einschätzung seines Hauttyps und damit bei der Pflege ist, kann sich hier informieren:

Ist dein Hauttyp normal, trocken, ölig oder gemischt?

Trockene Fetthaut – wie passt das zusammen?

Noch eine letzte Frage: Was sind die größten Pflegefehler im Winter?

Oh, da gibt es einige. Die häufigsten Fehler sind aus meiner Erfahrung:

  • Bei unreiner oder Aknehaut zu fettige Produkte anzuwenden, denn diese können auch im Winter unreine Haut verschlechtern.
  • Bei der Reinigung ausschließlich fetthaltige Reinigungsmittel bzw. -öle zu verwenden, um die Haut nicht zu sehr auszutrocknen, und diese dann nicht zu entfernen (zum Beispiel mit einem Tonic). Das führt dazu, dass die Haut nicht richtig gereinigt wird; abgestorbene Hautzellen werden nicht gründlich entfernt und so können Unreinheiten entstehen. 
  • Produkte mit hohem Wassergehalt alleine aufzutragen, ohne darüber ein dem Hauttyp entsprechendes zusätzliches Pflegeprodukt zu geben.
  • Produkte zu verwenden, die den ph-Wert der Haut nicht respektieren und damit den Hydrolipidmantel stören.
  • Kein UV-Schutz im Schnee bzw. in den Bergen aufzutragen.
  • Lippen- und Augenpflege zu vernachlässigen. Zumindest im Winter ist beides notwendig. Nicht zu vergessen: Trockene Haut vor allem der Augenumgebung verstärkt auch Fältchen
  • Keine Handcreme zu verwenden und die Handpflege zu vernachlässigen.
  • Pures Öl als Hautpflege zu verwenden. 

Danke, liebe Juliane, dass du dein umfangreiches Wissen mit uns teilst! 

Dr. Juliane Habig findest du hier im Internet, hier auf youtube und hier auf Instagram. Ihre Praxis hat sie in München am Promenadeplatz. 

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1618 1 Texterella macht sich schön., 50+ Lifestyle, Beauty & Fashion 09.01.2020   peeling, hautpflege, glow, dr. juliane habig, beautytalk

1 Kommentar

  • Bianca Koschel
    am Freitag, 10. Januar 2020 um 22:37 Uhr

    Vielen Dank für das interessante Interview! Ich kenne die Dame von YouTube, wo ich mir schon viele ihrer sehr informativen Videos angesehen habe. Deswegen hat es mich besonders gefreut, sie hier auf dem Blog “wiederzusehen”.

    Auf diesen Kommentar antworten

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