Texterella persönlich.
Raus aus dem Büro, rein in den Frühling: Kleine Verabredungen mit dem Leben
Als ich am Freitagmittag die Treppe hinunter zu unserem Briefkasten lief, musste ich einen Moment innehalten – so laut summten die Bienen an den Blüten unseres Zierapfelbaums. Überhaupt schien die Natur innerhalb weniger Tage geradezu explodiert zu sein: vom grauen, blätterlosen Vorfrühling (der eher einem Spätwinter glich) zum üppig blühenden Apriltag, an dem alle Vögel jubilierten, unsere Eiche endlich hellgrüne Blätter zeigte und die Obstbäume rosé oder weiß blühten. Wie schön unsere Welt doch ist! Und wie wunderbar der Frühling duftet!
Wieder zurück in meinem Büro blickte ich auf die Unterlagen auf meinem Schreibtisch. Meine Laune sank sofort unter den Nullpunkt. Und ich sollte jetzt einen Text über Finanzanlagen fertig schreiben und danach noch Buchhaltung machen? An diesem wunderschönen Tag? Nein! Das musste definitiv bis Montag warten.

Es ist doch so: Genau jetzt ist die verheißungsvollste Zeit des Jahres. Nicht so heiß, dass man nur noch Schatten sucht. Nicht mehr so kalt, dass man sich ständig in Übergangsjacken einwickeln muss. Abends ist es bereits lang hell, so dass man auch zu späterer Stunde noch einen ausgedehnten Spaziergang über die Felder machen kann. Die Luft riecht nach frischem Grün und Wachstum, und sogar der ganz normale Alltag wirkt ein bisschen verheißungsvoller. Genau das ist der richtige Moment, um das Leben zu genießen (zumal angesichts der Weltlage) und jeden Tag auszukosten.
Aber wer tut das schon? Lassen wir die Zeit nicht doch viel zu oft einfach durchrauschen, mit Terminen, Pflichten, Alltag, Nachrichten, Wäsche. Immer ist was. Irgendwas, das wir noch unbedingt erledigen müssen. Verdient dieser Frühling (und natürlich auch das ganze restliche Jahr) nicht mindestens ein paar kleine Verabredungen mit dem Leben?




Diesmal sollte mich das Pflichtgefühl aber nicht kriegen. Stattdessen setzte ich mich in unser Cabrio (20 Jahre alt und angerostet – aber immer noch perfekt für Offenfahren bei kurzen Strecken) und peilte den Hofgarten in Freising an, den ich nach den über 30 Jahren, die ich hier nun lebe, erst vor Kurzem auf der Suche nach einer Fotolocation entdeckt hatte.
Dort erwartete mich eine Idylle wie aus einem kitschigen Pilcher-Roman. Landschaftsarchitekturstudentinnen und -studenten saßen auf dem Gras und zeichneten. Der Rasen (oder muss ich Wiese sagen?) war voller Gänseblümchen, Löwenzahn und blauer Blüten – soll mir noch mal jemand erzählen, dass englischer Rasen schön ist. (Nein, ist er nicht. Er ist einfach nur grün und fad.) Auf den Wegen flanierten ältere Damen mit Hut und pausierten gelegentlich bewundernd vor den Blumenbeeten. Die Szenerie war geradezu irreal. Warum nur verbrachte ich an diesem wunderschönen Ort nicht mehr Zeit? Warum saß ich stattdessen bei bestem Wetter im Büro und tippselte an Auftragsarbeiten?



Tatsächlich ist das eine Frage, die ich mir schon seit einigen Jahren immer wieder stelle (und auch hier im Blog bereits thematisiert habe). Und ich merke: Je älter ich werde (und je weniger Lebenszeit) ich noch vor mir habe, desto dringender werden diese Fragen: Wie kann ich die Balance finden zwischen Verpflichtungen und Leben? Wie kann ich mich frei machen vom Erledigungsdruck des Alltags – und einfach mal genießen? Wie kann ich lernen, auch mal zu mir selbst „nein!“ zu sagen, wenn ich mich mal wieder für meine To-do-Liste entscheiden möchte? Wie kann dieses „Carpe diem!“ auch bei mir gelingen?
Mein erster Reflex, als ich dort im Hofgarten auf der Bank saß: eine Liste von Vorhaben zu machen. Eine kleine Bucketlist, mit unaufgeregten Plänen fürs Frühjahr. Aber: Wie oft habe ich das schon gemacht und sogar hier auf Texterella veröffentlich? Mehr Kunst, mehr Lesen, mehr Spontanität, Brotbacken und Zeichnen lernen … und manche dieser Pläne habe ich sogar umgesetzt. Die meisten, ich will nicht lügen, aber nicht.
Deshalb mache ich es diesmal anders und spare mir die Liste. Stattdessen hoffe ich auf eure Inspiration: Was habt ihr in diesem Frühling vor und was sollte auch ich unbedingt machen? Erdbeermarmelade kochen, Literatur, Filme, Ausstellungen … Was auch immer: Ich bin neugierig!



Übrigens habe ich auch ChatGPT gefragt. Die Empfehlungen der KI lauten unter anderem:
→ Eine Landpartie machen
→ Barfuß über den Rasen laufen
→ In einen botanischen Garten gehen
→ Ein Picknick veranstalten
→ Sich einen neuen Lippenstift für den Sommer kaufen
→ Einen Tag ohne Auto verbringen
→ Eine Freundin zum Frühstück treffen
→ Einen Flohmarkt besuchen
→ Einen Sonntag zur kleinen Reise erklären
→ Eine Erdbeerbowle machen
→ Ein Frühsommerfrühstück draußen essen
→ In einer Buchhandlung stöbern
→ Einen Tag lang keine Nachrichten lesen
→ Eine kleine Maibowle mit Waldmeister trinken
→ Eine alte Sommerplaylist hören
→ Frisch gewaschen Bettwäsche draußen trocknen lassen
→ Einfach früher Feierabend machen
Was sind deine Ideen?
Ein ganz besonderes Vorhaben steht bei mir übrigens gerade im Raum: eine Schreibreise nach Paris! Eine Kollegin von mir bietet sie an. Das wäre tatsächlich ein wahr gewordener Schreibtraum. Ich habe mich noch nicht entschieden (der Termin passt nicht ganz ideal, von der Finanzierung des Unterfangens ganz abgesehen …), aber gerne würde ich das machen. (Vielleicht ist das ja auch etwas für andere mitlesende Autorinnen? Man kann sich dort übrigens auch einfach ein paar Impulse und Motivation abholen und dann eigene Projekte verfolgen.)
Und sonst so?
→ Apropos Workshop: Beim Foto- Workshop in Nürnberg am 7. und 8. Oktober 2026 sind noch Plätze frei – wer (ganz unverbindlich) mehr wissen will, meldet sich einfach bei mir. Auch in Schongau wird es wieder zwei Workshops geben: am 21. und 22. Oktober 2026. Wer sich dafür interessiert, schreibt mir ebenfalls eine Mail, dann gebe ich dir Bescheid, wenn man sich anmelden kann.
→ Wer die Mode vermisst findet hier ein paar neue und richtig schöne Looks. Schau gerne vorbei! Die „Lieblingsstücke“ gibt es natürlich auch ...








