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Es ist Samstag. Adventssamstag. Ich sitze seit 7.30 Uhr am Schreibtisch. Rechnungen schreiben, Mails beantworten, Blogbeiträge vorbereiten. Einen Text überarbeiten, den ich dummerweise noch für vor Weihnachten versprochen habe (Ich. Lerne. Es. Nie!). Immerhin hatte ich ein schnuckeliges Frühstück, mit Croissants und Milchkaffee und zwei Tageszeitungen. Plus diese wunderbare Ruhe! Ist ja auch Samstag. 7.30 Uhr.



Ich sitze hier und arbeite auf, was unter der eigentlichen Arbeitswoche liegen geblieben ist. Und frage mich, wie fast jeden Samstag: Was ist eigentlich aus dem guten alten Wochenende geworden?! An dem man schlief, bis in die Puppen, um dann einen weiteren halben Tag im Schlafanzug rumzuhängen, bevor man es gerade noch zum Supermarkt schaffte, bevor der schloss. Man lag auf der Couch rum, las ein Buch. Abends drehte man den Fernseher an oder ging essen oder ins Kino oder lag einfach weiter auf der Couch rum. Himmel, es war so wunderbar entspannend langweilig, dass ich bei meinen Erinnerungen geradezu neidisch werde – auf mich selbst.

Zugegeben ist das alles schon ziemlich lange her. In meinem früheren Leben in den Neunzigern, als Angestellte eines großen Automobilunternehmens. Ich hatte eine 35-Stunden-Woche. Was bedeutete: Wenn ich um 8 Uhr am Schreibtisch saß, war ich um 16 Uhr fertig. Eine Stunde Mittagspause inkludiert. Um 4 Uhr nachmittags war mein Arbeitstag also im Durchschnitt vorbei – da setze ich heute gerade mal zur zweiten Schicht an. ;-) Und am Freitag? War noch früher Schluss. 14 Uhr begann der große Feierabend, spätestens um 15 Uhr waren die Bürotrakts leer. Und danach begann das süße Nichtstun. Und wenn ich „nichts“ sage, meine ich auch nichts: Ich hatte keinen Laptop (meinen ersten bekam ich erst im Jahr 2000), Internet natürlich auch nicht. Kein Tablet, kein Smartphone, noch nicht mal ein Handy. Und Kinder hatte ich natürlich auch noch nicht. ;-)

Kurz: Die Wochenenden waren arbeitsfrei. WIRKLICH ARBEITSFREI!

Irgendwann zwischen der Jahrtausendwende und heute habe ich dann meine Wochenenden verloren. Richtig frei haben und den Kopf frei kriegen – das gab es irgendwann nicht mehr. Natürlich war der Prozess schleichend. Schier unmerklich. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwammen … was natürlich auch daran liegt, dass mir meine Arbeit aus reiner Freude oftmals gar nicht wie Arbeit vorkommt. Ich liebe meine Arbeit und bin sehr dankbar dafür. Da war und ist es natürlich einfach, die geliebte Arbeit immer weiter und weiter auszudehnen … bis irgendwann gar keine wirkliche Freizeit mehr bleibt. 24/7 – immer auf Empfang, immer auf Sendung. Immer busy, viel zu selten entspannt. Die ewige To-do-Liste, neverending ...

Versteht mich nicht falsch – ich liebe mein Leben, meine Arbeit, mein Arbeitsleben. Ich wünsche es mir nur ganz selten anders. Fast nie. Nur manchmal … wünsche ich mir ein richtiges Wochenende. Mit ganz viel Nichtstun und langem Frühstück und Schlafanzug den ganzen Tag.

Genau so eines, wie du hoffentlich haben wirst! Hab’s fabelhaft!

 
Susanne Ackstaller, Samstag, 19. Dezember 2015, 08:03 Uhr
Kommentare: 8 | Aufrufe: 2228 | Kategorie: Lifestyle, Arbeit und Business, Leben, Meinungen, | Tags: lebenarbeiten
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Kommentare

  • Liebe Susi und alle meine VorschreiberInnen,

    mal ehrlich, iwt das nicht Jammern auf hohem Niveau? Gerade als selbständiger Mensch hat man oder frau es doch in der Hand, seine ständige Erreichbarkeit abzuschalten und wenn es soviel zu tun gab und es so viele Aufträge gab und gibt, heißt das nicht auch, dass es auch die entsprechende Honorierung gab und gibt? Vielleicht müsst ihr euch einfach nur entscheiden?

    Barbara
    am Sonntag, 20. Dezember 2015 um 20:09 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Oja, Luxusjammern - natürlich! :-)

      Und natürlich könnte man die 24/7-Erreichbarkeit ausschalten, und das tue ich auch. Dennoch bleibt der innere ... Druck, und denn kriege ich tatsächlich nur sehr schwer in den Griff.

      Und natürlich kann man Aufträge auch nicht annehmen. Auch das tue ich. Aber dann sind immer noch genug Dinge übrig, die ich gerne tun will - nicht zuletzt gibt esa auch dieses Blog, das ich mit Inhalten füllen will. Und irgendwie mittlerweile auch muss. Es ist ein schönes, erfüllendes Muss, aber doch manchmal auch ein Muss.

      Und manchmal merke ich einfach auch zu spät, dass ich mich übernommen habe. Das besser einzuschätzen habe ich leider auch nach 15 Jahren noch nicht gelernt.

      Susi
      am Sonntag, 20. Dezember 2015 um 21:21 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susi,

    mir geht es genauso. Bis vor ein paar Tagen stand fest, dass ich die Weihnachtsferien zwar nicht ganz verfaulenzen werde, aber für sehr banale Dinge nutzen: Um ganz in Ruhe mich und mein Büro zu sortieren.

    Ein unerwarteter Auftrag hat diese Erholungspläne über den Haufen geworfen. Genau wie im letzten Jahr. Nun muss auch ich sehen, wie ich Arbeit und weihnachtliches Familienglück unter einen Hut bekomme. Das perfekte Ordnungssystem muss warten.

    Über den Sinn weihnachtlicher Hauruck-Aufträge lässt sich sicherlich trefflich streiten. Momentan kann ich dem noch Positives abgewinnen. Aber zum jährlichen Ritual das definitiv nicht.


    Alles Gute und schöne, oder wenigstens ausbalancierte Feiertage wünscht

    Alice

     

    Alice
    am Samstag, 19. Dezember 2015 um 12:34 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Seitdem ich selbstständig bin geht es mir genauso. Und vielleicht auch deshalb, weil ich, genau wie Du, meine Arbeit liebe.Dann kommt noch diese ständige Erreichbarkeit dazu, sei es über Computer, Tablet und Smartphone.
    Am Wochenende ist halt Zeit für Bürokram. Da habe ich keine Klienten in der Beratung. Abends habe ich auf Büro keine Lust. Da habe ich meinen Feierabend. Aber das Wochenende muss ich mir auch wieder zurückholen.
    Aslo Danke für deinen Beitrag.

    Susanne
    am Samstag, 19. Dezember 2015 um 10:19 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Ich verstehe ja nicht wirklich, warum ihr euch die ständige Erreichbarkeit antut.
      Man kann die ganzen Brüllknochen ausschalten.
      Auf meinem Laptop sind sämtliche Benachrichtigungen abgeschaltet, Browsertabs stumm gelegt, da blinkt und piept nix, wenn ICH das nicht will.
      Das Handy ist stumm geschaltet (so gut wie immer)und das Einzige was da hupen darf, ist die Erinnerungsfunktion des Kalenders.
      Wenn ich eine Arbeit (oder mehrere kleine Aufgaben) erledigt habe, gucke ich mal nach, ob jemand was von mir wollte. Wenn ja, kommt es drauf an wer es ist und um was es geht, ob ich ich mich dann sofort melde oder erst später.

      Michael Kieweg
      am Samstag, 19. Dezember 2015 um 11:03 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

      • Dienstlich bin ich am Wochenende auch nicht erreichbar. Wer da etwas von mir möchte, der kann sich am Montag melden. ;-)

        Susanne
        am Sonntag, 20. Dezember 2015 um 11:23 Uhr

        Auf diesen Kommentar antworten

  • Ich sage nur: AMEN! Übrigens hast du mir mit diesem Post vorweggegriffen, jetzt brauche ich das nicht mehr bloggen und habe mehr Zeit am Wochenende :-)

    Dieses Jahr war wirklich extrem. Das Sommerloch entpuppte sich als berufliches Sommerhoch, Auftrag nach Auftrag. Und jetzt ist es genau so. Ich hatte noch kein einziges ruhiges Wochenende vor Weihnachten. Keine Zeit für Sofa, ein Buch, Kerzenschein und leise Musik… Stattdessen arbeiten, Termindruck, Deadlines. Mähhh!

    Aber wie sage ich so schön: Fuck Perfektionismus. Das Gewinnspiel an diesem Wochenende habe ich abgesagt und die gewonnene Zeit ist für mich!

    Danke für diesen Post, liebe Susi, er spricht mir aus dem <3

    Valérie von Life40up!
    am Samstag, 19. Dezember 2015 um 10:06 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Nimm dir das Wochenende doch „einfach”. Jeder von uns, der selbständig arbeitet, muss irgendwann lernen nein zu sagen und sich seine Auszeiten zu nehmen.
    Für mich sind das bestimmte Veranstaltungen / Treffen im Jahr, an denen ich teilnehmen möchte, weil ich nur da alte Bekannte treffen kann. Diese Termine sind „heilig”.Punktum!
    Ich mag meine Arbeit auch sehr und kann mich normalerweise gut entspannen, wenn ich meiner Werkstatt herumpussele. Aber manchmal klappt das nicht. Dann nehme ich meinen Bogen von der Wand, ein paar Pfeile aus dem Eimer neben der Tür, schnalle die festen Stiefel unter und verschwinde für ein paar Stunden im Wald. Danach bin ich entspannt und erholt und kann wieder über die Arbeit in der Werkstatt die Zeit vergessen und wenn meine Holde morgens um halb sechs in die Küche schlufft um vor der Arbeit noch schnell zu frühstücken, guckt sie mich entgeistert an, wenn ich mit ‘nem Kaffee da sitze und die ganze Nacht gearbeitet habe.

    Michael Kieweg
    am Samstag, 19. Dezember 2015 um 10:02 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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