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Viele der Frauen, die ich in den Montagsinterviews vorstelle und porträtiere, kenne ich schon ein paar Jährchen. Mit das Schönste an dieser Reihe ist, dass ich sie hier oftmals ganz neu kennen lernen darf. Das beste Beispiel: Anna Finken.

Dass sie promovierte Chemikerin ist, wusste ich. Dass sie seit zehn Jahren ihre eigene Agentur für Text und Konzeption führt, wusste ich auch. Aber dass sie bis heute auch als Model arbeitet – das war neu. Wenn auch nicht verwunderlich, wenn man sich ihre Fotos anschaut.

„Model zu sein, macht mir tierischen Spaß. Es ist einfach eine andere Welt. Glamour, schrille Typen und spannende Begegnungen – wenn auch die Hauptbeschäftigung das Warten ist. Irgendetwas ist immer: Belichtung ausmessen, Klamotten wieder geknittert, Make-up erneuern, Kollege nicht da, Spots nicht richtig …  Es tut schon gut, so intensiv im Mittelpunkt zu stehen. Wenn alles gut läuft bist du der Star, und wenn nur für die Zeit des Shootings. Ich kann mir schon vorstellen, dass man bei dieser Arbeit, wenn man noch jung und unerfahren ist, ein bisschen abdreht.”

Natürlich war ich sehr gespannt, wie diese spezielle Mischung aus Model und Naturwissenschaftlerin auf meine Fragen zu Mode und Schönheit antworten würde ...


Foto von der aktuellen Sedcard: Anna Finken, 56.

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Da ich in eine Textiler-Familie (meine Eltern hatten eine große Seidenweberei) hinein geboren worden bin, hat das Geschäft mit der Mode mich sehr lange ständig begleitet. Als Teenie und als junge Frau war Mode für mich absolut selbstverständlich. Ich habe jeden Trend mitgemacht – vorausgesetzt, er stand mir. Etwas zu tragen, das für mich unvorteilhaft war, dazu war ich immer schon zu eitel. In den 70igern und 80iger war das Modediktat noch viel strenger als heute. Wenn etwas modern war, gab es einfach nichts anders am Markt. So passierte es auch, dass ich mir in einer Saison kein einziges Kleidungsstück gekauft habe, weil zum Beispiel nur (für mich) blöde Farben zu kriegen waren.


Mit Anfang 30 auf Ibiza.


Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum?

Jetzt bin ich Mitte 50, kann von meiner Figur her alles tragen – würde das im Leben aber nicht machen. Es gibt da schon „Regeln“. Was nicht heißt, dass ich nicht auf stylische, moderne Klamotten stehe. Aber ich würde heute zum Beispiel keinen richtig kurzen Rock mehr tragen. Prints sind schön, wenn es dann keine Sprüche oder überdimensionale Logos sind. Strass sehr in Maßen. Für mein persönliches Gefühl, sollte frau sich in meinem Alter nicht mehr wie ein 20-jähriges Mädel kleiden, auch, wenn die Kleidergröße noch stimmt. Die Art sich zu kleiden zeigt ja auch ein wenig die eigene Einstellung. Und ich bin keine 20 mehr, denke – Gott sei Dank – nicht mehr so und will schon mal gar nicht so tun, als ob ich es noch wäre. Hat frau doch auch nicht nötig.



Best-Ager-Model. (Ich sag einfach mal: Wow!)


High Heels liebe ich immer noch – die machen einfach was her. Aber heute trage ich sie nicht die ganze Zeit. Wenn sie angesagt sind (Anlass und Outfit), nehme ich sie in der Tüte mit und ziehe sie erst vor Ort an – ist viel praktischer.

Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Nein.


Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück? Wenn ja, welches? Und warum?

Nein, auch das nicht.

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Ich habe mich noch nie hässlich gefunden und bin mit meinem Aussehen ganz zufrieden. Wobei die Zufriedenheit mit steigendem Alter immer größer geworden ist. Hat wohl auch sehr viel damit zu tun, dass sich – gerade in meinem früheren Umfeld, sprich: mein sehr modeaffines Elternhaus – sehr viel ums Aussehen gedreht hat. Wenn man „erwachsen“ wird relativiert sich dieses Mode-Aussehen-Werteschema doch sehr. Aber an einigen Klischees bin ich auch nicht vorbei gekommen. So habe ich mir, als ich angefangen habe Chemie zu studieren, meine Locken dunkel gefärbt. Ich hatte damals keine Lust auf „süßes, blondes Dummchen“.



Zum Studienbeginn: dunkle Locken!

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Ha, als Naturwissenschaftlerin müsste ich selbstredend all den Studien glauben, die da sagen, Kosmetik hilft nicht. Und ich weiß natürlich auch, dass jede Creme nur bis zur Lederhaut wirkt, sonst wäre sie medizinisch.

Aber … na klar steh ich auf Kosmetik. Morgens und abends wird das Gesicht und der Hals eingecremt, Hände auch zwischendurch und nach jeder Dusche der ganze Körper ;-)


Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Welche drei (Kosmetik-)Produkte kaufst du sofort?

Tagescreme für ganz trockene Haut von Clinique. Nährende Creme für die Nacht, da bin ich flexibler: Eucerin, Vichy und L’Oreal. Bodylotion von Dove, die „Straffende“.


Hast du ein Schönheitsgeheimnis? Wenn ja, welches?

Schön wär’s! Nur die Standards: viel Gemüse und viel trinken. Nun heißt das ja nicht, dass dies falsch ist. Nur so wirklich geheim ist das wohl nicht ;-).

Außerdem habe ich noch zwei ganz kurze Gesichtsübungsprogramme – sie dauern weniger als 1 Minute –, die ich regelmäßig, eine morgens und eine abends, nach dem Eincremen mache. Einmal ist es eine sanfte „Massage“ und einmal eine Art Gymnastik für die Gesichtsmuskulatur.


2013: unterwegs im Death Valley. Mit Sonnenschutz, versteht sich!


Und: Ich bin recht sportlich (wenn es denn geht: dreimal in der Woche Fitness, Kraftsport und Yoga). So richtig leidenschaftlich stehe ich zwar nicht dahinter, aber es gibt einfach unschlagbare Argumente dafür, sodass ich jetzt schon mehr als 30 Jahre diesem Programm – mehr oder weniger straff – folge.


Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Ich finde den Satz, mit dem Herr Buhrow jedes Mal die Nachrichten beendet hat, sehr gut: „… und morgen ist ein neuer Tag“

Danke, liebe Anna, für deine Zeit und deine spannenden Antworten. Und nein, wir haben es nicht nötig, 20-Jährige zu mimen – und du schon gleich gar nicht! :-)

***

Mehr spannende Interview mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick!

 
Susanne Ackstaller, Montag, 10. Februar 2014, 08:00 Uhr
Kommentare: 3 | Aufrufe: 6770 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: schönheitmontagsinterviewmodelmodeinterviewfrauen ab 50beautyanna finken
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Kommentare

  • Sehr spannend - kann mir vorstellen, dass die Herkunft doch auch eine große Rolle gespielt hat: Wie gut, wenn man da von Natur aus so hübsch und sympathisch aussieht!

    Und: Modeln, jetzt, das finde ich toll und auch mutig! Ein schönes Interview, Susi! Anna!
    Nessa

    Nessa Altura
    am Dienstag, 11. Februar 2014 um 20:46 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ich bin durch Zufall auf deinem Blog gelandet und muss sagen: einfach toll! Vor allem die Reihe „Frauen ab 50” ist super - alltagsnah, interessant und wirklich ansprechend. Vielen Dank für diese Beiträge!

    Rebekka
    am Dienstag, 11. Februar 2014 um 14:27 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wow, diese blonden Locken - wunderschön! Danke für die Einblicke, Susis Interviews sind immer wieder spannend ... ;o))

    Liebe Grüße,
    Christa

    Christa Goede
    am Dienstag, 11. Februar 2014 um 11:16 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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