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Empty Nest: Warum ich keine Angst vor dem leeren Nest habe. (Oder höchstens ein kleines Bisschen.)

Da bringt man diese Kinder zur Welt, zieht sie 20 Jahre groß, plötzlich sind sie 20, 18 und 14, ziehen hinaus in die Welt und man selbst bleibt im großen Haus zurück, allein mit dem Mann und zwei Katzen. Ts. Noch ist es nicht so weit, aber im nächstens Frühjahr sind alle Kinder erstmal ausgeflogen: Töchterlein zu einem freiwilligen sozialen Jahr im Ausland, das Nesthäckchen zu einem Austauschhalbjahr in Costa Rica oder Kolumbien und der große Sohn studiert ja ohnehin schon seit Herbst in Regensburg.

Ja, es wird leer werden im Haus, und leise. Und anders. Sehr anders.

Es wird anders sein.

Nun war ich immer eine eher unabhängige Mutter und bereits zu Kindergarten- und Grundschulzeiten relativ viel unterwegs. Ich war nie ausschließlich Mama – ich war immer auch noch ich selbst, mit meinen ganz eigenen Zielen, Wünschen, Bedürfnissen. Ich habe mich selbst nie ganz aufgegeben. Dennoch bedeuten diese Veränderungen natürlich einen krassen Umbruch. Hey, 20 Jahre musste ich morgens drei Kinder wecken (aka „aus den Betten zerren“), für die hungrige Brut das Mittagesssen pünktlich auf den Tisch stellen (damit sie nicht noch schnell Schoki naschten ...), ihre Socken im Wohnzimmer aufsammeln. Ich habe sie durch die Gegend kutschiert (was habe ich dieses Mama-Taxi-Dasein gehasst!), Latein und Französisch abgefragt und bei schlechten Noten oder verlorenen Handballspielen getröstet. Und und und.

Und plötzlich sind sie groß und unabhängig und ziehen ihrer Wege.

Habe ich Angst davor? Natürlich, ein bisschen schon. Sind ja meine Kinder, ich liebe sie und vermisse sie jetzt schon! Und ja, natürlich macht mich das Ende dieser Elternzeit, wie ich sie über 20 Jahre kannte, auch ein wenig wehmütig. Und natürlich ist da auch dieses: „Ich habe euch doch eben erst geboren – wie kann es sein, dass ihr nun erwachsen seid und auszieht?“

Andererseits ist da diese Vorfreude: auf die neue Freiheit. Auf mehr Unabhängigkeit. Auf neue Abenteuer! Darauf, all das zu tun und zu erleben, was die letzten 20 Jahre warten musste. Spontan eine gute Freundin besuchen. Mein Laptop einpacken, ein Zimmer mieten und eine Woche in Berlin arbeiten. Oder in Paris. Oder in New York. Mit dem Mann übers Wochenende verreisen. Und all jene Dinge tun, von denen ich jetzt noch gar nicht weiß, dass ich sie machen möchte. Es gibt so Vieles zu entdecken, so Vieles zu tun, so Vieles zu erleben! So vieles sich zu trauen – und es sich zuzutrauen! Und ich habe so unglaublich viel Lust darauf! Ja, ein wenig kann ich die neue Freiheit und Unabhängigkeit kaum noch erwarten. Ich glaube, es wird Zeit meine Bucket List auf den neuesten Stand zu bringen. Oder meine Big Five for Life zu formulieren.

Ich habe keine Angst vor diesem leeren Nest.

Ich habe keine Angst vor einem leeren Nest. Es wird anders werden. Aber schön anders. Und ... noch habe ich ja ein paar Monate, in denen ich Socken sammle und pünktlich das Mittagessen koche, meinen Jüngsten durch die Gegend kutschiere und Französische abfrage.

Wie geht’s dir mit diesem Thema? Sind deine Kinder schon ausgeflogen? Wie hast du die Zeit des Umbruchs erlebt? Und wie lauten deine Big Five?

Outfit:

Bluse: H&M Jeans: Levi's* Ballerinas: Boden* Tasche: Cult Gaia* Armreif: Lanvin Schmuck: privat Fotos: Simone Naumann Fotografie *Affiliate-Links. Heißt: Ich bekomme eine kleine Provision, wenn du etwas über den Link kaufst. Und davon mache ich dann eine Weltreise, wenn alle Kinder ausgeflogen sind. Vielleicht kaufe ich mir aber auch nur einen Latte M. im Straßencafé ... das ist sogar wahrscheinlicher. ;-)

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11 Kommentare

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    Brigitte Adam
    am Mittwoch, 23. Mai 2018 um 18:23 Uhr

    Liebe Susanne,
    Meine Söhne sind seit 2004 aus dem Haus. Sie sind jetzt 33 Jahre alt (Zwillinge), haben selbst bereits insgesamt drei Kinder (und wieder Zwillinge dabei :-)). Wenn die Kinder nacheinander ausziehen, ist das etwas geschmeidiger, wie ich finde. Mir hat man vorgeworfen, dass ich das eine Kinderzimmer bereits vier Wochen nach dem Auszug umgewidmet habe, in eine Ankleide mit Ohrensessel und Yogamatte. Tja, das ist nun mein Zimmer. Allerdings nutze ich es heute auch zum Spielen mit meinen Enkelkindern. Ich finde es toll, wenn die Kinder zu gegebener Zeit ausziehen. Ich finde, dann haben wir das Meiste richtig gemacht. Ich wünsche Dir für diese Zeit viel wundervolle Impulse und Ideen. Und Kinder, die gerne immer mal wieder vorbeischauen. Alles LIebe
    Brigitte

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      Susi
      am Donnerstag, 24. Mai 2018 um 19:15 Uhr

      Liebe Brigitte,

      das sehe ich genauso! Kinder müssen hinaus in die Welt! Sicher sind sie immer willkommen, aber ich will keine dauerhaftes “Hotel Mama” sein. Das zeichnet sich momentan auch nicht ab, Gott sei dank!

      Liebe Grüße!

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    Claudia Braunstein
    am Mittwoch, 23. Mai 2018 um 16:10 Uhr

    Liebe Susi, ich habe mich vor drei Jahren, als unsere beiden Jüngsten, die jeweils mit Partnern bei uns lebten, auszogen, Gedanken gemacht, wie das wohl werden wird, nach über 30 Jahren wieder als Paar zu leben. Ich bin damals noch dazu auf Reha gewesen und kam in eine halb leere riesige Wohnung zurück, mit einem etwas hilflosen Ehemann. Es gibt dazu auch einen Blogartikel. Meine Befürchtungen zu diesem Zeitpunkt waren unberechtigt, der Sprung zum kinderlosen Elternpaar ist bestens gelungen. Ich muss aber erwähnen, dass unser ältester Sohn, der die meiste Zeit im ausland lebt, zumindest für ein bis zwei Monate mit seiner Partnerin zu uns zurückkehrt. Ist eh bald soweit. Im Moment sind wir für zwei Monate Gasteltern eines jungen Mannes aus den Philippinen, das halte ich für eine gute Alternative :-) Liebe Grüße, Claudia

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      Susi
      am Donnerstag, 24. Mai 2018 um 19:16 Uhr

      Liebe Claudia,

      du bist ins Sachen “Empty Nest” auf jeden Fall ein Vorbild für mich! :-*

      Liebe Grüße,

      Susi.

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    Lilian
    am Mittwoch, 23. Mai 2018 um 14:31 Uhr

    Mein Turbosohn (18,5 J.) ist ja schon seit seinem 17. Geburtstag ausbildungsbedingt aus dem Haus. Das war in den ersten Wochen krass, aber auch seeeeehr entspannend, weil unser Zusammenleben - sagen wir’s mal harmlos - nicht ganz smooth war. ;-)

    Töchterchen Liebreiz (16,5 J.) geht dieses Jahr nach der Mittleren Reife ab September für ein Vierteljahr nach Frankreich, kommt dann aber erstmal wieder, um noch Abi zu machen. Danach möchte sie gern studieren, aber wo das sein wird, wissen die Götter, also ist alles offen.

    Ich kann jedenfalls nach der Vorerfahrung mit dem entflogenen Großen ein bisschen weiter “üben”. :-)

    Angst habe ich davor nicht, obwohl unsere Weiberwirtschaft prima funktioniert. Ich habe das große Glück, einen Partner zu haben, der sehr oft hier ist, sowie grundsätzlich so viele Pläne und Dinge, die ich tun möchte, dass meine Zeit sicher auch so mehr als voll sein wird.

    Wenn die Kleine dann aber ganz weggeht ... nun, dann bin ich ein paar Jahre älter und vielleicht insgesamt reif für etwas Neues. Nein, auch davor habe ich eigentlich keine Angst.

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      Susi
      am Donnerstag, 24. Mai 2018 um 19:18 Uhr

      Liebe Lilian,

      ich habe bei dir auch gar keine Angst um dich als Empty Nesterin! :-*

      Liebe Grüße!

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    Clarissa
    am Mittwoch, 23. Mai 2018 um 11:30 Uhr

    Bei mir ist es noch nicht so weit (Kinder sind 15 und 13), aber das kommt ja immer alles schneller als man gucken kann…ich denke in letzter Zeit oft an meinen eigenen Auszug aus dem elterlichen Nest zurück, als ich ohne mich umzublicken gegangen bin…die Tränen meiner Mutter habe ich nicht verstanden. Heute kann ich nachempfinden, wie sie sich gefühlt hat. Ich hoffe, ich kann besser loslassen und meine Kinder auf ihren Weg schicken - damit sie gerne immer wieder zu uns zurückkommen. Da unsere Wohnung nicht sehr geräumig ist, freuen wir uns irgendwie auch auf Platz für uns und überlegen uns schon, wie wir das Ganze aufteilen, wenn wir wieder alle Zimmer für uns haben. Das ist vielleicht etwas unsensibel, aber es ist doch auch wichtig, die Sache pragmatisch zu betrachten. Ich liebe meine Kinder, aber deswegen muss ich ja nicht mein ganzes Leben und Sein nach ihnen ausrichten…das gibt ihnen dann auch mehr Freiheit und verhindert das schlechte Gewissen, wenn sie die Flügel aufbreiten und losfliegen…

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    Sabine Gimm
    am Mittwoch, 23. Mai 2018 um 00:32 Uhr

    Auf der einen Seite ist es zwar komisch, wenn das Nest leer ist, auf der anderen Seite auch schön. Du weißt, was Du geleistet hast und freust Dich, dass Deine Kinder flügge sind und auf eigenen Beinen stehen.

    Die Kinder wohnen zwar nicht mehr im Haus. Sie sind aber nicht aus der Welt. Es ist schön, sich gegenseitig zu besuchen.

    Wenn man loslassen kann, ist das alles halb so wild.

    Liebe Grüße Sabine

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    Ute
    am Dienstag, 22. Mai 2018 um 16:37 Uhr

    Liebe Susanne,

    Dein Beitrag erinnert mich daran, wie es vor 4 Jahren bei mir war. Meine Kinder sind (krankheitsbedingt) im Alter von 17 bzw 19 Jahren innerhalb von 4 Wochen ausgezogen sind. Nach KH und Reha kam ich in meine leere Wohnung zurück und bin gleich nochmal in ein tiefes Depriloch gefallen, denn mittlerweile hatten sich beide in ihrem neuen Leben etabliert.

    2 Jahre hat es gedauert, aber dann habe ich mir, auch dank der Hilfe meines Mannes, mein Leben zurück erobert. Heute bin ich zufrieden, denn ich habe viel Neues umgesetzt und genieße die Zeit, wenn die Kinder zu Besuch kommen, aber auch meine Unabhängigkeit. Danke, dass ich durch Deinen Betrag noch einmal darüber reflektieren konnte.

    Ich wünsche Dir einen wunderschönen Sommer.

    Liebe Grüße und auf dem Sprung in die USA (für 3 Monate)

    Ute

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    Susanne
    am Dienstag, 22. Mai 2018 um 10:16 Uhr

    Ich kann mich noch gut erinnern, als mein Kind vor 1,5 Jahren mit ihrem Freund zusammengezogen ist…. Sie hatten das schonlänger vor, aber irgendwie hat das nie geklappt. Dann haben die beiden ihre Traumwohnung gefunden und ratzfatz ging es los. Ich hate während der Renovierungsphase das Gefühl, dass ich gut vorbereitet wäre.
    Als dann mein Kind aber die letzten Sachen aus ihrem Kleiderschrank zusammengepackt hat, da kamen die Tränen. Ein Lebensabschnitt war zuende. Aber wir sehen uns oft und mittlerweilehabe ich mich daran gewöhnt.

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    Sanne
    am Dienstag, 22. Mai 2018 um 08:27 Uhr

    Liebe Susanne,

    wie schön, dass Du über dieses Thema schreibst, das auch mich sehr beschäftigt.

    Ich bin alleinerziehende Mutter von drei Kindern. Die Zwillinge werden dieses Jahr 17, der “Kleine” wird nächsten Monat 15 Jahre alt.

    Alle drei sind mit mittlerweile über den Kopf gewachsen und manchmal vermisse ich die kleinen blonden Jungs, die mir alles erzählten und kaum von meiner Seite wichen.

    Die Vorstellung, dass auch der Jüngste (hoffentlich) in drei Jahren das Abi in der Tasche hat und zum Studium aufbricht, macht mir schon ein bisschen Angst.

    Das liegt bestimmt aber auch daran, dass ich mittlerweile seit 13 Jahren mit den Jungs alleine bin. Wir sind so ein eingespieltes Team; da wird es schwer für mich, sie loszulassen.

    Ich denke, ich versuche schon jetzt, mich auf die kommende Situation vorzubereiten, aber wie es tatsächlich sein wird, wenn es dann soweit ist… puh!

    Deine Worte über dieses Thema lassen mich das Ganze aber auch wieder positiv sehen. Wie wird es wohl sein, wieder ganz viel Zeit für sich selbst zu haben.
    Ich bin gespannt!

    Liebe Grüße aus dem Norden

    Sanne

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