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Texterella liebt das Leben.

Unvernunft kennt kein Alter. Und warum dein Bauch ein guter Ratgeber ist.

Neulich bei uns am Frühstückstisch: Der Mann liest die Zeitung, ich nippe versonnen an meinem Kaffee. „Übrigens werde ich Kunstgeschichte studieren, wenn die Kinder ausgezogen sind“, sage ich in diesen trüben Herbstmorgen hinein und spreche das aus, was mir in den letzten Tagen durch den Kopf gegangen ist. Mein Mann blickt auf, wie in Zeitlupe. „Hm? Du willst was? Kunstgeschichte? Wozu das denn?“ – „Weil ich es will. Und weil es  mich interessiert.“ 

Ehrlich gesagt, hätte mir vor, sagen wir, 10 Jahren eine Freundin oder Kollegin ein ähnliches Unterfangen eröffnet, ich hätte genauso verdattert reagiert. Warum? Wieso? Was hat das für einen Sinn und was willst du damit denn anfangen? – Ich hätte dieselben Fragen gestellt, wie mein Mann am Frühstückstisch. 

 

Susanne Ackstaller im feuerroten Kleid vor dem Nationaltheater in München

 

Meine Meinung zu solchen scheinbar unsinnigen Unternehmungen hat sich in den letzten Jahren massiv geändert. Ich habe gelernt, meiner Intuition zu folgen. Diesem berühmten Bauchgefühl, das wir viel oft zu verdrängen, weil es zumeist der Ratio widerspricht. Weil die Vernunft uns etwas anderes sagt, als wir eigentlich wollen. Ja, ich habe gelernt, dass dieses Bauchgefühl mir oft einen Weg weist, den ich andernfalls nie einschlagen würde. Weil er mir absurd erscheint, oder unvernünftig. Oder beides.

Texterella ist das beste Beispiel dafür: Als ich vor zehn Jahren hier die ersten Zeilen schrieb, hat nicht jeder verstanden, warum ich als Wirtschafts- und Finanztexterin mit Schwerpunkt Geschäftsberichte nun partout ein Mode- und Lifestyle-Blog starten wollte (wir sprechen wohlgemerkt von Zeiten, als man mit Blogs noch kein Geld verdiente und der Ausdruck „Influencer“ noch nicht mal existierte!) Ehrlich gesagt ... ich konnte den Grund selber nicht genau benennen. Ich wollte einfach. Aus Lust und Leidenschaft und der Freude an neuen, spannenden, möglicherweise unvernünftigen Dingen. Schließlich hätte ich meine Zeit gewinn- und umsatzbringender einsetzen können. 

Nun will ich nicht sagen, dass wir immer und ausschließlich unvernünftig handeln sollen. Das wäre dumm. Nein, ein Leben braucht zwei Ebenen: die vernünftige und die unvernünftige. Die eine, die uns das Auskommen sichert, und die andere, die für den Spaß sorgt. Die eine, die uns das Brot und die Butter darauf verdienen lässt. Und die andere, die dem Leben die Würze gibt und uns mit rosé Champagner versorgt. 

Ja, ich bin für eine ordentliche Portion Unvernunft im Leben – und nicht selten stellt sich im Nachhinein auch heraus, dass die vermeintliche Unvernunft gar nicht so unvernünftig war. Mit meinem Unvernunftsprojekt Texterella verdiene ich heute nicht nur Geld, es hat mir auch eine Fülle an Ereignissen und Erlebnissen beschert, die mit Geld gar nicht aufzuwiegen sind. 

Texterella im roten Kleid vor der bayrischen Staatsoper. Motto:

Susanne Ackstaller im roten Kleid vor dem Nationaltheater in München.

Susanne Ackstaller aka Texterella in München vor der Bayrischen Staatsoper

Was ich in den letzten Jahren – nicht nur, aber auch – durch Texterella gelernt habe:

1. Du kannst. Und du sollst sogar!

Wie oft bremsen wir uns selber aus, weil wir Angst haben. Weil wir nicht an uns glauben. Weil Familie, Partner, Freunde, ja, die Menschen, die es eigentlich gut mit uns meinen, uns abraten. Weil die Gesellschaft es für unpassend hält. Und und und. Vergiss es! Wenn du etwas wirklich willst, dann tue es! Lass dich nicht abhalten. Natürlich könntest du scheitern (ich bin auch schon mit mancher Idee gescheitert!) – aber dann hast du es zumindest probiert.

2. Du bist nicht zu alt.

Ja, ich weiß, wir sind in einem Alter, in dem viele schon an die Rente denken, und an den Ruhestand. Puh. Bei solchen Gedanken muss man sich ja wie seine eigene Oma fühlen – was natürlich Unsinn ist. Mit Mitte 50 hat man statistisch gesehen noch rund 30 Jahre Lebenszeit vor sich. 30 Jahre! Da kann man durchaus noch mal etwas Neues beginnen. Sei es ein Studium, eine Weiterbildung, ein Blog, ein ... was auch immer. 

3. Fang an.

Natürlich ist es viel komfortabler, die Träume im Kopf hin- und herzubewegen, ab und an sehnsüchtig zu seufzen und zugleich immer einen Grund zu finden, warum nicht heute, sondern morgen. Ich kenne das. Aber so gehen schnell mal ein paar Jährchen vorbei, und du bist immer noch keinen Schritt weiter. Schiebe deine Pläne nicht auf! Mach den ersten Schritt – heute! Kann ja ein kleiner Schritt sein: Such dir Informationen heraus, melde dich zu einem Erstgespräch an oder informiere deine Familie über deine Träume. Schreibe deine Ziele auf und mach einen Plan daraus. Wie auch immer: Get started!

4. Du darfst unvernünftig sein.

Vermutlich warst du dein Leben lang eher vernünftig. Ich auch. Ich habe eine Familie, die stand immer im Mittelpunkt, logisch. Ich konnte nur so unvernünftig sein, wie meine Familie es zuließ. Und da waren die Spielräume naturgemäß eher klein und die Grenzen eng. Aber jetzt, wo sich die Familienstrukturen sich verändern und die Kinder das Haus verlassen ... darf ich eine Unvernunftsschippe drauflegen und etwas Neues wagen: ein Studium, zum Beispiel. Meine Zelte für ein paar Wochen oder Monate mal woanders aufschlagen – am Meer, in einer Großstadt oder im Ausland. Überhaupt Dinge ausprobieren, die vorher nicht möglich waren. Ich freue mich drauf.

5. Verlass die Komfortzone.

Puh, ja, Neues kostet Mut. Aber es lohnt sich. Sich nachmittags im feuerwehrroten Abendkleid für ein Shooting auf den Münchner Opernplatz zu stellen etwa ... das war eine schwere Übung, das kannst du mir glauben. Doch wenn ich heute die Fotos anschaue, dann denke ich mir: Gut, dass ich mich aus dem Parkhaus hinausgetraut und die Blicke der Passanten einfach ignoriert habe. Ja, mutig zu sein hinterlässt ein tolles Gefühl. Auch wenn man sich erst einmal überwinden und trauen muss muss. 

6. Richte dein Krönchen. 

Und wenn deine Pläne nicht funktionieren, du das Ziel nicht erreichst oder sonst irgendwie scheiterst? Tja, das kann passieren. Aber dann hast du es zumindest probiert und musst nicht mit 85 über „Was wäre gewesen, wenn ... “ nachdenken. Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitermachen. Das ist um ein Vielfaches besser als gar nicht erst anzufangen. 

 

Mein Mann war vor zehn Jahren übrigens auch unter denen, die die Idee, einen Modeblog zu starten, ziemlich absonderlich fanden. Heute ist er mein größter Fan und empfiehlt Texterella ständig weiter. (DANKE! :-*) Zu meinen Studienplänen meinte er mit etwas Nachdenken deshalb auch: „Okay, wenn dein Bauch dir das sagt! Bei Texterella lag der ja auch richtig!“ 

Ja. So ist es. :-)

Look:

Kleid: Doris Megger

Sandalen: Prada

Armreif: Tom Binns

Ohrringe: Mango

Lippenstift: Bobbie Brown

***

Fotos: Martina Klein

Beratung: Mary-Ellen Rudloff | SALUT Communications

***

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2558 13 Texterella liebt das Leben., 50+ Lifestyle 13.11.2018   texterella liebt das leben., texterella liebt das leben, neue freiheit, lebensfreude, inspiration

13 Kommentare

  • Martina
    am Freitag, 16. November 2018 um 13:57 Uhr

    Warum warten mit der Kunst, liebe Susi? Die kann doch jetzt schon im Alltag stattfinden. Im Museum habe ich gestern einen Flyer zu diesem Onlinekurs gesehen,: Moderne im Staedelmuseum - das ist ein Plan für Wintertage, an denen man nicht rausgehen mag. ;-)
    http://onlinekurs.staedelmuseum.de/

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    • Susi
      am Freitag, 16. November 2018 um 18:11 Uhr

      Ui! Dankeschön! Am iMac geht der Kurs zwar nicht, aber ich guck nachher auf dem Tablet! Klingt auf jeden Fall extrem spannend!

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    • Martina
      am Freitag, 16. November 2018 um 14:00 Uhr

      Ups, fast vergessen: Bei den Bildern von Lotte Laserstein, einer aktuellen Sonderausstellung im Staedelmuseum, würden Dir wohl auch die Kleider der Portraitierten gefallen. Gesamtkunstwerk! ;-)
      Ich habe zu spät gesehen, dass man sich den Audioguide auch vorab kostenlos aufs Handy holen kann. Gelesen von Meret Becker!!!!!
      https://www.staedelmuseum.de/de/laserstein-audioguide

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  • Doris
    am Dienstag, 13. November 2018 um 17:20 Uhr

    Das Kleid ist ein Knaller !
    Über Dein geplantes Studium der Kunstgeschichte muss ich ein bisschen schmunzeln: Vor zwei, drei Jahren hast Du noch gemeint, einfach so, ohne konkreten Nutzen, etwas zu studieren käme nicht in Frage….Ich studiere nämlich Kunstgeschichte und Philosophie, wenn ich nicht mehr arbeite !

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    • Susi
      am Sonntag, 18. November 2018 um 21:13 Uhr

      tja, so bin ich: Nie stört mich mein Geschwätz von gestern! :D

      Ernsthaft: Ob ich einen Abschluss erwerben will ... wohl eher nicht. Aber lernen will ich!

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  • Regina Haefele
    am Dienstag, 13. November 2018 um 13:00 Uhr

    Liebe Texterella,
    ! Du und das Kleid! einfach großartig!

    Deine Aussagen zu Vernunft und Bauch sind richtig!
    Das hat mir da Leben schon oft gezeigt.

    Ich wünsche uns Frauen und den Männern den Mut
    zu einer positiven “Veränderung”. Irgendwann ist es
    nämlich zu spät.

    Ganz herzliche Grüße schickt

    Regina Haefele

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  • Claudia
    am Dienstag, 13. November 2018 um 11:59 Uhr
  • Martina
    am Dienstag, 13. November 2018 um 10:49 Uhr

    Liebe Susanne,

    meist bin ich ja nur eine stille Mitleserin. Doch ich trete mich jetzt in den Hintern, höre auf mein Herz und schreibe Dir. Du bist wunderbar und eine einzigartige knaller Frau in diesem (und vielen anderen Outfits!) UND Du hast Recht!

    Wir alle sollte mehr auf unser Herz, unseren Bauch hören, denn nur so können wir unsere Seele erreichen und geben. Mal ehrlich, das haben doch viel zu viele Menschen in ihrem Leben verlernt. Wir reglementieren uns und begründen alle Entscheidungen mit Vernunft und Konventionen. Igitt, wann ist das denn angegangen? Wann haben wir verlernt, zu essen, worauf wir Lust haben (das ist nämlich auch meistens das, was der Körper braucht, gut OK, außer vielleicht Berge von Pizza in der Schwangerschaft,...), aufzuhören, wenn wir satt sind (hier gibt es beide Extreme; weiterfressen, bis zu Übelkeit, oder Askese), zu sagen, was wir denken, zu tun, was sich gut und richtig anfühlt. Oder zumindest wichtig. Ob es richtig ist, entscheidet sich sowieso erst später,...

    Das ist für mich genauso wichtig, wie das Leben jeden Tag zu feiern. Wer weiß denn schon, was morgen ist? Und ob wir uns sonst nicht im Altersheim ärgern, weil wir doch nie barfuß in Südafrika standen,...

    Ich versuche, ein Zwischending bei wirklich großen Entscheidungen zu treffen. Erst höre ich in mich hinein. Wo beschleunigt sich mein Herzschlag, was fühlt sich gut an? Dann wäge ich die Fakten ab und entscheide dann fürs Herz. Das mit den Fakten ist quasi ein Trick für meinen Kopf ;-)

    Du schreibst über Mode, ich über Genuss und das Leben an sich. Vielleicht machen wir mal ein Medley, schlägt mein Herz gerade vor ;-)

    Ich umarme Dich,
    Martina

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    • Susi
      am Sonntag, 18. November 2018 um 21:20 Uhr

      Danke, liebe Martina, für deinen schönen Kommentar! Du hast völlig Recht: Man muss mehr auf sein Herz hören - aber man darf auch nicht gleich alles stehen und liegen lassen, weil das Herz mal schneller schlägt! Das sehe ich auch so! Aber für die wirklich wichtigen Dinge, für was man brennt ... da sollte man sein Herz öffnen!

      Liebe Grüße!

      Susi.

      PS: Bei deinem Blog habe ich gleich Hunger gekriegt ... mhmmmm! :-)

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  • Birgit
    am Dienstag, 13. November 2018 um 09:28 Uhr

    Also erst mal, geniales Kleid!...sound sonst kann ich Dir wirklich nur zustimmen. Zum grossen Teil Vernunft, oft auf andere gehört…. Oft hats gestimmt und gepasst…Achtung, jetzt kommt das grosse Aaaaaaber….Richtig Spass und Herzklopfen, das Gute wohlbemerkt…hatte ich auch nur wenn ich auf meinen Bauch und auf mein Herz gehört habe. Dadurch habe ich folgendes erleben dürfen und teilweise lebe ich es noch
    - 20 Jahre in Amerika gelebt
    New York oft besucht
    San Francisco kennengelernt
    Solos gesungen
    Schreiben angefangen
    Mit 45 nochmals in Deutschland angefangen
    Meine grosse Liebe mit 49,95

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  • Kerstin
    am Dienstag, 13. November 2018 um 08:40 Uhr

    ❤️Puh. Danke. Wenn das kein Zeichen ist… Ich muss, ich will, nach einer heftigen Diagnose, die mich völlig aus der Bahn geworfen hat, mein Leben neu sortieren. Sagt mein Bauch. Und der hat eigentlich auch immer recht.

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