mode-lifestyle
 

Kennengelernt habe ich Barbara Haane auf der fabelhaften Bloggerkonferenz blogst im letzten November in Hamburg . Aufgefallen war sie mir unter den über 100 Frauen, weil sie – ebenso wie ich – (ich sag’s mal ein wenig uncharmant) als „älteres Semester“ aus der Menge an glatthäutigen maximal 35-Jährigen hervorstach. Man sah das gelebte Leben in ihrem schönen Gesicht.

Daheim hab ich mir erstmal ihr Blog angeguckt und es dann bei texterella vorgestellt. Barbara fertigt ScrapBooks, veröffentlicht dazu Anleitungen, gibt ScrapBook-Workshops – und bloggt darüber. (Ehrlich gesagt blicke ich ein wenig neidvoll auf diese wunderbaren ScrapBooks, denn ich selbst bin für so ein Hobby schlichtweg zu unruhig und wohl auch zu digital.)

Über 20 Jahre war Barbara als Stewardess in der gesamten Welt unterwegs. Kinder auf ihren Flügen nervten sie dabei eher, und die Mütter samt ihrer Sonderwünsche erst recht! ;-) Aber dann bekam sie zwei Kinder (zumindest das erste war eine kleine Überraschung! ;-)) und dann noch Zwillinge - und wurde von der Vollblut-Stewardess zur begeisterten Vollzeit-Mutter. Ein perfektes Leben? Ja, ein wenig sicher. Bis ihr Mann viel zu jung starb. Und sie mit vier Kindern alleine war. Man kann es sich kaum vorstellen, wie sie schaffte, ihr Leben danach mitsamt aller Schwierigkeiten wieder in den Griff zu kriegen. Hat sie aber, und es hat mich unglaublich gefreut, ja, berührt, als sie mir sagte: „Meine Kinder haben alle nach dem Tod meines Mannes das Abitur gemacht und studieren heute. Ich bin glücklich darüber, und stolz, wirklich stolz.” Ja. Zurecht!

Trotz schwerer Zeiten ist Barbara eine unglaublich lebensfrohe und zugleich modeinteressierte Frau. Und eine wunderschöne, junggebliebene noch dazu! Oder hättest du gedacht, dass sie 57 ist?


„Ich bin ein Blusentyp!”

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert? Welche Stilrichtung bevorzugst du?

Barbara: Modisch gekleidet zu sein war mir immer wichtig, ich habe von den 70ern bis Ende 2000 (fast) jede Mode mitgemacht. Noch zu gut habe ich die Stimme meiner Mutter im Ohr: „So willst du aus dem Haus gehen? Der Rock (die Rede war vom ersten Minirock) ist zu kurz!!” Oder alternativ: „Der Mantel (ein brauner Maximantel im August, neuste Herbstmode, musste aber trotz 30 Grad sofort getragen werden) ist zu lang!”


1976: ein bisschen Courrèges ...

Meine erste Uniform als Stewardess – ein gelb-blaues Trägerkleid an Courrèges angelehnt – hatte noch Mini-Länge. Man erhielt zum Einstieg nur zwei Uniform-Sets, erst nach zwei Jahren gab es einen weiteren Kleiderzuschuss zum Gehalt. Die Mode änderte sich aber in diesem Jahr, 1976, rasant von Mini auf Midi! Ich habe mir dann von meinem eigenen Geld ein zusätzliches neues Uniformkleid gekauft, und es nach jedem Flug in der Badewanne meiner Stewardessen-WG mit der Hand gewaschen. Niemals hätte ich noch weiter mini getragen!

Damals trug ich übrigens nur High Heels, ganz selbstverständlich auch privat. Ich erinnere mich daran, wie ich zum ersten Mal Tennisschuhe getragen habe, ich kam mir damit vor wie eine Ente im Watschelgang. Die Achziger, Schleifchenblusen und Schulterpolster, einige Klamotten aus der Zeit sind noch in der Verkleidungskiste meiner Kinder und werden immer zu Bad-taste-Partys getragen („Mama, das hast du nicht wirklich getragen??“). Sloane Ranger, Princess Diana, Dallas und der Denver Clan, das waren damals meine modischen Vorbilder.


1977: reif für die VOGUE.

Meine erste Barbour-Jacke habe ich 1985 in London gekauft, und trage sie immer noch. Wenn wir schon bei den Marken sind: Von meinem ersten selbstverdienten Geld kaufte ich eine Louis-Vuitton-Reisetasche, sie wurde als Handgepäck mein täglicher Begleiter. Ihr folgten bald eine Handtasche und eine größere Reisetasche. In Paris war Louis Vuitton damals durch den Wechselkurs des Franc günstiger als zuhause, also musste ich, wenn ich beruflich in Paris war, praktisch gezwungenermaßen ... ihr versteht, was ich meine. Die Taschen sind mittlerweile älter als 30 Jahre, aber gut in Schuss und ich liebe sie immer noch. Meine große Tochter versucht ständig, sie mir abzuschwatzen.

Ich bin der Überzeugung, ein gutes klassisches Original trägt man Jahre oder Jahrzehnte. Meine zwei gefühlt uralten Hèrmes-Tücher sind auch so ein Beispiel.

Heute muss es in meinem hektischen Leben in erster Linie praktisch sein, ich muss im gleichen Outfit ins Büro, mit dem Hund raus, schnell die Spülmaschine einräumen, die nassen Hände an der Jeans abwischen, usw. Durch meine Vorliebe für die USA und meine Fliegerei habe ich früher fast nur GAP oder Eddie Bauer getragen. Letzteres ist was Jeans angeht immer noch mein Favorit, weil für die frauliche Figur geschnitten und bezahlbar. H&M-Basics, im Sommer fast nur Polos von A&F und Hollister, früher auch immer in den Staaten gekauft. Und in High Heels breche ich mir heute fast die Beine - ein einziges Mal habe ich im letzten Jahr welche zum Abi-Ball getragen!


1990: Nach dem allerersten deutschen Flug nach Bali ...

Ich besitze übrigens kein einziges schwarzes Kleidungsstück, steht mir nicht, hatte ich noch nie gerne. Ich finde es immer wieder verblüffend, wenn auf Partys alle Frauen in Schwarz erscheinen - das ist einfach nicht mein Ding.

Hast du ein Lieblingskleidungsstück? Wenn ja, welches? Und warum?

Barbara: Blaue Blusen, ich habe seit vielen Jahren etliche hellblaue Blusen und immer wieder neue im Schrank. Ich war und bin ein Blusentyp.

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Barbara: Bis vor vier, fünf Jahren war Alter kein Thema für mich. Ich war jung, ich war flott. Dann hörte ich auf zu rauchen, Hormone und der Kummerspeck taten ihr Übriges. Plötzlich tat mein Knie beim Joggen weh, dazu Fett am Bauch und Sorgenfalten - seitdem bin ich nicht mehr so richtig glücklich mit meinem Körper. Denn innerlich bin ich nicht der ältere Pummel, den ich im Vorbeirennen in der Schaufensterscheibe sehe. Im Frühjahr mache ich deshalb regelmäßig eine Buttermilch-Kur, bei der ich zum Frühstück und Abendessen nur Buttermilch (von Weihenstephan, die anderen Sorten mag ich nicht. ;-)) trinke. Außerdem habe ich nun einen Hund, der hält mich auch in Bewegung!

Die Tropensonne meiner Jugend- und Brutzeljahre und die Qualmerei (damals machte sich kein Mensch darüber Gedanken) haben meiner Haut mit Sicherheit nicht gut getan. Dennoch bin ich auch heute immer noch gerne in der Sonne und fühle mich leicht gebräunt einfach wesentlich wohler.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte? Hast du eine Lieblingsmarke?

Barbara: Als gutverdienende Stewardess war perfektes Aussehen extrem wichtig. Ich schwelgte in Estée Lauder und Clinique, wenigstens in der Beziehung habe ich meiner Haut immer Gutes getan. Nach dem Sonnenbad eine dicke After-Sun-Maske von Lancaster, den Geruch und das Gefühl verbinde ich heute noch mit Luxus und Sonne – leider gibt es die Maske nicht mehr im Sortiment. Statt dessen verwende ich gerne Moisture Surge Intense von Clinique, der einzige Kosmetik-Luxus, den ich meiner im Sommer strapazierten Haut noch gönne. Bei mir sind 50 Euro eigentlich die Schmerzgrenze für Cremes, für alles andere verwende ich Produkte von DM.

Neuerdings habe ich für mich Kiko entdeckt, der Nagellack hält phantastisch, die Wimperntusche auch, und preislich sind die Produkte unschlagbar. Auch in puncto Make Up muss es bei mir flott gehen: Kajal, Wimperntusche, Lippenstift, fertig. Kürzlich habe ich die BB-Creme von Kiko entdeckt, toll, aber dann las ich irgendwo, dass BB Creams gesundheitsschädlich sind ...


Bei ihren Workshops führt sie die Regie!

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Barbara: Cremen, cremen, cremen. Gesicht und Körper. Morgens und abends.

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Barbara: „Et kütt wie et kütt”, sagt man hier im Rheinland. Ich rege mich nicht über Dinge auf, die ich nicht ändern kann.

Und mein Lieblingsspruch: „We’ll cross that bridge when we get there ...”

Danke, Barbara, für deine spannenden Antworten und die kleinen Einblicke in deinen Beruf! Für deine Ehrlichkeit. Und irgendwie auch fürs Mut machen. :-)

***

Mehr spannende Interview mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hier: Click and enjoy!

 
Susanne Ackstaller, Montag, 22. April 2013, 08:59 Uhr
Kommentare: 17 | Aufrufe: 12549 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: stilscrapbooksschönheitmodekikofrauen über 50barbara haane
Das könnte auch interessant sein:
Das Montagsinterview mit Verena Carl.
Frauen ab 50: Das Montagsinterview mit Jutta Scherer.
Frauen ab 40: Das Montagsinterview mit Petra Lehmann.
 

Kommentare

  • Ich mag Barbaras Ausstrahlung so sehr und bewundere sie für Ihr Engagement, für ihre Kraft und es ist schön, durch Euer beider Posten heute auf dieses Interview zu stoßen und wieder ein bisschen mehr von Ihr zu erfahren. Und: Was für eine schöne Frau, heute und damals!

    Liebe Grüße x 2
    Maren

    Minza will Sommer
    am Samstag, 22. April 2017 um 11:56 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Du sprichst mir aus der Seele , Maren.

      Bin ich froh das ich das heute lesen konnte!

      Barbara, so ehrlich und klar wie ich dich kenne!

      Ich verbeuge mich!
      Liebste Grüße

      Rita

      Rita
      am Samstag, 22. April 2017 um 13:47 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Eine tolle Frau!

    martina
    am Samstag, 01. Juni 2013 um 20:44 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Tolles Interview und sehr inspirierend…bin ja selbst auch nicht mehr sehr fern der 50…schade, dass ich Barbara gar nicht auf der Blogst gesprochen habe - hoffe, das holen wir dieses Jahr nach! :) Liebe Grüße, Anette

    Anette@lebenslustiger
    am Samstag, 27. April 2013 um 12:27 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Schönes Interview, tolle Frau, gesunde Einstellung zu Mode und Kosmetik. Nur die Buttermilchkur, ähem, die wär nix für mich. Aber den Stolz auf die Kinder, den darf man ruhig haben! Wer keine hat (oder im Vollberuf Mann ist), kann gar nicht nachvollziehen, was für ein langer, langer Weg für Mütter das ist…
    Nessa

    Nessa
    am Mittwoch, 24. April 2013 um 10:34 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ich „kenne” Barbara nur virtuell und bin durch ihren Blog hier gelandet, worüber ich mich sehr freue.

    Ich habe das Scrapbooking auch erst vor ein paar Jahren für mich entdeckt und bin total digital.

    Klappt prima und macht sehr viel Spaß. :-)

    Susanne
    am Montag, 22. April 2013 um 21:24 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Eine sympathische tolle Frau ,die wirklich stolz sein kann wie sie ihr Leben meistert. Ich würde sie gerne mal kennenlernen.

    Liebe grüsse aus München
    Christa

    christa Berger
    am Montag, 22. April 2013 um 18:30 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Eine Frau, die ich nicht kenne und die doch auf den ersten Blick vom Foto her - und nach dem Interview noch mehr - so sympathisch ist, dass man sie gern treffen würde!

    Herzliche Grüße

    Michaela
    am Montag, 22. April 2013 um 13:39 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Hallo Frau Ackstaller!

    Schon wieder so eine starke Frau! Ihre Auswahl bei Interview-Partnerinnen ist wirklich exzellent!

    Dass das gefühlte und das tatsächliche Erscheinungsbild bei Frauen ab ca. 50 Jahren nicht mehr unbedingt übereinstimmt, ist ganz natürlich. Glücklicherweise steigt mit dem Alter auch die Souveränität, mit der man zusätzliche Pölsterchen und Falten richtig einordnen kann: Sie sind alles andere als „lebensglück-entscheidend” ;-)

    Herzliche Grüße von
    Stephanie alias die Modeflüsterin

    Stephanie
    am Montag, 22. April 2013 um 13:16 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ich unterschreibe hier: „Denn innerlich bin ich nicht der ältere Pummel, den ich im Vorbeirennen in der Schaufensterscheibe sehe.” Muss wohl was mit den 50+ zu tun haben ;-)

    Petra
    am Montag, 22. April 2013 um 13:02 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wundervoll mit diesem Bericht und den Fotos in die Woche zu starten!
    Ich kann mich auch gut an Barbara erinnern.
    Auf BALD… und viel Genuss!

    Katrine - die GenussTrainerin

    Katrine Lihn
    am Montag, 22. April 2013 um 11:54 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Schönes Interview, ich habe Barbara auch kurz auf der BLOGST kennengelernt. Wir kamen durch mein IPad mini ins Gespräch…seht nette Frau. Danke für das schöne Interview und die Bilder.
    Liebe Grüße
    Mone :-)

    Mone
    am Montag, 22. April 2013 um 11:38 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ja. Sehr sympathische Frau. :-)

    Biggi
    am Montag, 22. April 2013 um 10:58 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Und ihr habt ja auch dasselbe Mantra ... :-)

    Susi
    am Montag, 22. April 2013 um 10:55 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • „Denn innerlich bin ich nicht der ältere Pummel, den ich im Vorbeirennen in der Schaufensterscheibe sehe.”  Ich kenne Barbara Haane nicht und doch sind wir scheinbar Schwestern im Geiste. ;-)

    Biggi
    am Montag, 22. April 2013 um 10:51 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Die Freitagsfüller?? LOL - was ist das denn??

    Oja, die Bloggerwelt ist klein, und die Interwelt auch! :-)

    Susi
    am Montag, 22. April 2013 um 10:23 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Mein erster Gedanke war, ist das die Barbara von den Freitagsfüllern? Ja, sie ist es. Sie ist klein, die Bloggerwelt.

    Grüße! N.

    Nelja
    am Montag, 22. April 2013 um 10:19 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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