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Es ist immer wieder erstaunlich, was ich durch Montagsinterviews so alles erfahre: Zum Beispiel, dass Tina Pruschmann, die ich ja doch schon so einige Jahre kenne, einige Semester Jura studiert hat, bis sie auf Soziologie und Psychologie umgeschwenkt ist. Bis sie, die Soziologin, zum Schreiben kam – heute arbeitet Tina als Texterin und Ghostwriterin – dauerte es allerdings noch ein paar weitere Jahre, während der sie an einer Beruffachschule angehende Therapeuten unterrichtete.


Texterin und Ghostwriterin Tina Pruschmann, 40.

Tina Pruschmann, 40.


Derzeit arbeitet Tina an ihrem ersten Kurzgeschichtenband, der Ende des Jahres fertig wird. Daneben ist noch ein weiteres Projekt im Werden: ein multimediales Märchenprojekt, das Kindern mit Schatzkarte und Smartphone die Märchenwelt der Gebrüder Grimm nahebringen soll. Besonders spannend: Die Produktion erfolgt möglichst barrierefrei zum Hören, Lesen, in Gebärdensprache sowie in leichter Sprache. Ich bin sehr gespannt, liebe Tina!

Spannend fand ich auch, was sie zum Thema Mode zu sagen hat ... aber lies selbst!

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Ich habe ein eher ambivalentes Verhältnis zur Mode. Einerseits möchte ich keine Zeit in das Thema investieren, andererseits gut angezogen sein. Immer wieder liebäugle ich damit, mir eine Art Uniform zuzulegen. Also zehn paar gleiche Hosen, Röcke, Shirts und Schuhe, die ich dann jeden Tag anziehen kann, ohne darüber nachdenken zu müssen, was wie zusammenpasst. Noch fehlt mir der Mut, das auch gegen die (von mir vermuteten) Schon-wieder-das-Gleiche-an-Blicke zu tun.

Mit Anfang 30 an der Ostsee

Große Farbliebe: Schwarz! (Ostsee, 2003).

Also eine Trendsetterin wird aus mir wohl nicht mehr werden. Ich bewundere es aber, wenn Menschen ein gutes Gespür für Kleidung und Accessoires haben und die Dinge ungewöhnlich kombinieren können. So jemanden hätte ich gern als Einkaufsberater/in.

Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert? Was hast du in den 20ern und 30ern getragen? Und welche Stilrichtung bevorzugst du heute?

Es fällt mir schwer, mich auf eine Stilrichtung festzulegen. Gern trage ich zurückhaltend elegant, viel Schwarz, zum Beispiel ein schlichtes, knielanges Kleid und flache Schuhe. Oder auch Jeans und Turnschuhe, dazu sollte es aber wenigstens eine auf Taille geschnittene Jacke sein. Mein Geschmack hat sich immer wieder sehr verändert.

In meiner Kindheit und frühesten Jugend spielte Mode erstmal keine Rolle. Die DDR hatte da nicht viel zu bieten. So fiel Shoppen als Nachkindheitshobby zunächst aus. Das habe ich dann kurz nach der Wende mit 15, 16 ordentlich nachgeholt – voller Klischees und Modezeitungsbilder im Kopf. Die Phase hat zum Glück nicht sehr lang angehalten. Ein paar Jahre später, auf der Uni, im linksintellektuellen Milieu, galt es als oberflächlich und angepasst, sich überhaupt mit Modedingen zu beschäftigen oder viel Geld dafür auszugeben. Ausdruck dessen war ein Second-Hand-Schick, den damals alle trugen. Was nicht heißt, dass es keinen Dresscode gab. Im Gegenteil, die Grenzen waren eng und der Anpassungsdruck groß. Insofern war auch mein Schlabberlook in den 90igern durch das Umfeld inspiriert, in dem ich mich bewegt habe. Auf der anderen Seite sucht man sich sein Umfeld ja immer auch selbst aus.

Mit Anfang auf dem Ganges in Indien

Im Schlabberlook auf dem Ganges (Indien, 1996).


Ich denke, dass mir die ostentative Ablehnung von Modefragen damals gut getan hat, um eine Distanz zu den gängigen Schönheits- und Schlankheitsidealen aufbauen zu können. Es hat sicher dazu beigetragen, dass ich jetzt selbstbewusster mit der eigenen Körperlichkeit umgehen kann, als ich es mit 20 konnte. Richtige modische Vorbilder hatte ich nie, aber Inspiration von außen immer.

Hast du ein Lieblingskleidungsstück?

Echte Lieblingsstücke gibt es nicht, aber Teile, die ich immer wieder gern anziehe. Zum Beispiel habe ich ein schwarzes Kleid mit kleinen weißen Punkten, das – finde ich jedenfalls – die Körperlinie gut betont. Mit Strickjacke und Ballerinas kombiniert, ist man für fast jede Situation modisch passend gekleidet. Überhaupt habe ich in den letzten Jahren Kleider für mich entdeckt: Überwerfen, Schuhe, Jacke. Fertig. Das kommt meiner Neigung zum Uniform-Stil schon sehr nahe. Perfekt für Modemuffel.

Tina Pruschmann bei einer Lesung

Lesung einer eigenen kleinen Kriminalgeschichte (2011)

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Ich würde sagen, dass ich ein feineres Gespür dafür habe, welche Stoffe, welche Farben mir stehen und welche nicht. Und das hat sicher mit dem Älterwerden zu tun, ich kenne mich jetzt mit 40 wesentlich besser mit mir aus, als mit Mitte 20. Zum Beispiel stehen mir feste Stoffe, klassische Schnitte und satte Farben wesentlich besser als etwa romantisch-verspielte Kleider in Pastelltöne, die es auch schon in meinem Kleiderschrank gab.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Weder noch, eher etwas in der Mitte. Viel Geld für Cremes gebe ich nicht aus und ich habe auch nicht x-verschiedene Döschen im Badschrank stehen. Eine Dermatologin sagte einmal zum Thema Antifaltencremes: „Wenn es eine gäbe, meinen Sie, ich hätte noch eine Falte im Gesicht.” Das fand ich sehr überzeugend. Seitdem ist das Thema für mich beendet. Allerdings brauche ich eine gute Feuchtigkeitscreme.

Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei (Kosmetik-)Produkte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein

Gesichtscreme, Make-up, Wimperntusche. Ungeschminkt gehe ich nur im absolut äußersten Notfall aus den Haus. Welche Marken ich verwende, kann ich mir allerdings nie merken – und so fange ich bei jedem Neukauf wieder mit der Suche an. Schön blöd eigentlich ...


Tina Pruschmann mit 32

Wunderschöne 32! (2007)

Würdest du dich für die Schönheit unters Messer legen? Oder Botox, Filler etc. nutzen?

Ausschließen würde ich es jedenfalls nicht.

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Viel Wasser oder Tee trinken, wenig Alkohol, regelmäßig Joggen. Kein Supergeheimtipp und leider bin ich in all diesen Dingen furchtbar inkonsequent.

Mit 16 in Italien

Verwegen lange Beine! (Italien, 1991)

Was ist für dich die größte Herausforderung am Älterwerden? Und die schönste Überraschung?

Das Älterwerden ist für mich schon eine Herausforderung. 40 ist ein Alter, von dem ich mit Anfang 20 nicht gedacht hätte, das mir das einmal passieren würde. Und natürlich sehe ich beim Blick in den Spiegel, wie sich der Körper verändert. Die größte Überraschung bei all dem ist, dass ich mir noch nicht ein Mal gewünscht habe, wieder jung zu sein. Ich fühle mich wesentlich sicherer im Leben und vor allem die Projekte neben der Arbeit, wie die Arbeit an den Kurzgeschichten oder das Märchenprojekt machen mir zu viel Lust auf die Zukunft, um wehmütig in die Vergangenheit zu blicken. Den Blick zurück fand ich aber noch nie sehr attraktiv.

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Eigentlich nicht. Aber vielleicht werde ich mir mal eins zulegen.

Danke, liebe Tina, fürs Dabei sein! Und danke für deine Ehrlichkeit: Endlich mal jemand, der „Schönheitsmedizin” nicht grundsätzlich ablehnt! :-)

***

Mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick.


 
Susanne Ackstaller, Montag, 26. Oktober 2015, 06:00 Uhr
Kommentare: 2 | Aufrufe: 2598 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, Leben, | Tags: tina pruschmanntexterinstilmontagsinterviewmodelebeninterviewghostwriterinfrauen ab 40beauty
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Kommentare

  • Was eine sympathische und interessante Frau. Ich mag solche Lebensgeschichten - die über viele Wege nach Rom führen. Die Einstellung zur Mode und insgesamt zum Älterwerden finde ich super. Es ist doch wirklich nicht schlecht ältern zu werden - ich würde auch nicht wieder 20 seien wollen. Man wächst doch mit den Jahren. Über die Uniformgeschichte hab ich auch schon nachgedacht - ich hab immer das Gefühl bei mir schleicht sich die Uniform still und heimlich von allein ein ;-) Danke für die Vorstellung, an euch beide. Viele Grüße und einen schönen Montagabend, Anke

    Anke - Wohlfühlglück
    am Montag, 26. Oktober 2015 um 20:19 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Sehr schöne Frau, sehr reflektierter und unaufgeregter Zugang zum Thema.
    Danke, Tina (und danke, Susi :-)) für diesen Einblick!

    Jutta
    am Montag, 26. Oktober 2015 um 11:34 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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