mode-lifestyle
 

Die Montagsinterviews neigen sich für diese „Saison“ langsam dem Ende entgegen – bis sie dann im Herbst mit einem vermutlich etwas anderen Konzept wiederkommen. Aber ein paar spannende Frauen über 40 habe ich noch bis zur Sommerpause. Katja Rosenbohm ist eine davon. Katja ist eigentlich „Die Orthogräfin“ (was für ein Knallername!) und bietet alles rund um Text und Lektorat – wie der Name schon vermuten lässt. Seit acht Jahren ist sie selbstständig, als sie nämlich mit ihrer Familie von Köln in den Stuttgarter Speckgürtel zog. Den Job als angestellte Verlagsredakteurin musste sie allerdings in Köln lassen und so wählte sie – zudem frisch gebackene Mutter – den Weg in die Selbstständigkeit.

Nie mehr ohne Lippenstift! – Dieses Mantra hat Katja Rosenbohm vor Kurzem für sich entdeckt. Sie ist Lektorin und im Montagsinterview bei Texterella.

Katja Rosenbohm, 43. (Foto: Anne Treis, Fellbach)

„Bei mir ist alles selfmade“ sagt Katja von sich, „was mich schon ziemlich stolz macht. Ich war die Erste aus der Familie, die ihr Abitur machte, und anschließend zum Studium von Aschaffenburg aus in die große weite Welt nach Köln zog.“ Ihre erste Studienwahl Volkswirtschaftslehre hängte sie allerdings nach dem Grundstudium an den Nagel, um doch lieber ihren Magister in Politikwissenschaften und Geschichte zu machen. „Noch heute profitiere ich bei manchen Kundenprojekten von meinen VWL-Basics – nichts ist im Leben umsonst!“

Und heute ist sie mit ihren tollen roten Locken hier bei mir – ich freue mich, liebe Katja!

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Damit wir über das Gleiche sprechen: Wie wäre es mit einer kurzen Definition, was Mode als Begriff überhaupt bedeutet? Google sagt dazu: „Mode ist Kleidung, die dem aktuellen Zeitgeschmack entspricht.“ Nach dieser Definition gehe ich mit der Mode, denn ich trage heute etwa keine Schlaghosen in Brauntönen, wie sie in den 70er-Jahren modern waren. Trotzdem bin ich kein „Fashion Victim”, das den neuesten Trends hinterher jagt. Klar bin ich an Mode interessiert, gerade wenn wir Mode nicht nur eng auf Kleidung definieren, sondern auf gesellschaftliche Trends, Konsumprodukte, Ernährung und Gesundheit usw. ausweiten. Natürlich möchte ich wissen, was aktuell um mich herum passiert.

Was ist für dich Stil? Und was ist dein Stil? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert? Hattest du modische Vorbilder?

Stil ist heute für mich „ein wunderbares Instrument, um herauszufinden, wer wir sind und wer nicht, um kreativ zu sein und unser Innerstes auszudrücken“, wie es Garance Doré in ihrem Buch „Love Style Life“ zusammenfasst.

In meinen 20er-Jahren war mein Stil vor allem durch Abgrenzung geprägt. Ich wollte mich abheben, optisch anders sein als der Mainstream. Angefangen bei der Haarfarbe (ich habe mich damals nacheinander durch alle Rottöne auf der Farbkarte probiert) bis hin zu Kleidung und Plateausohlen. Lieblingsstücke habe ich zu der Zeit im Secondhandladen oder auf dem Flohmarkt entdeckt. Ein gebraucht gekauftes Teil, etwa eine psychedelisch gemusterte Bluse aus den 70er-Jahren, habe ich dann mit einem neuen Teil kombiniert.

Nie mehr ohne Lippenstift! – Dieses Mantra hat Katja Rosenbohm vor Kurzem für sich entdeckt. Sie ist Lektorin und im Montagsinterview bei Texterella.

2012. (Foto: Sandra Wolf, Stuttgart)

In meinen 30er-Jahren war es dann wiederum eher eine Anpassung an meine Umwelt. Mir wurde bewusst, dass ich mit Kleidung auch eine bestimmte Rolle spielen kann, weil wir mit unserer Kleidung eine Wirkung, einen Eindruck bei unserem Gegenüber hinterlassen. Um meine berufliche Professionalität zu untermauern, trug ich zu meinen Verlagszeiten gern einen Hosenanzug.

Heute mit Anfang 40 bin ich stilmäßig wieder im Wandel, ich bin gerade dabei, meinen neuen Stil zu finden: klar und gradlinig, selbstbewusst und ohne Schnörkel. Mir gefallen heute eher die klassischen Teile, die vielleicht nicht gleich auf den ersten Blick ins Auge stechen. Solche Teile, die jedoch als solide Basis im Kleiderschrank nicht fehlen dürfen und im Gesamtoutfit mithilfe der richtigen Accessoires zu einem echten Hingucker werden können.

Ich orientiere mich gern an Vorbildern aus dem realen Leben. Wenn ich auf Frauen treffe, deren Stil mir gut gefällt, schaue ich genauer hin und überlege, was das Besondere daran ist. Dadurch bekomme ich wieder neue Inspiration für mich und meinen Weg. So habe ich zum Beispiel auch zu einem meiner derzeitigen Lieblingslippenstifte über deinen Blog gefunden.

Hast du ein Lieblingskleidungsstück?

Nein, ich habe zwar immer wieder ein Teil, das ich gern trage, aber ich kann mich dann auch wieder gut davon trennen.

Nie mehr ohne Lippenstift! – Dieses Mantra hat Katja Rosenbohm vor Kurzem für sich entdeckt. Sie ist Lektorin und im Montagsinterview bei Texterella.

2005.

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Sorry, es klingt leider ziemlich abgedroschen, aber heute weiß ich, dass wahre Schönheit von innen kommt. Nur wer mit sich im Einklang steht und sich und sein Äußeres so nimmt, wie es ist, strahlt dies auch aus. In jungen Jahren ist das manchmal nur schwer zu verstehen. Und ich bin realistischer geworden, ich kenne heute die Tricks, wie man mit Make-up schummelt oder mit Photoshop nachhilft. In jüngeren Jahren habe ich mich von den Hochglanzmagazinen viel mehr beeinflussen lassen.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Unter uns: Ich habe eine gewisse Schwäche für wohlriechende Cremes in hübscher Aufmachung. Also nur Wasser und Seife wären nichts für mich. ;-)

In die Trickkiste zu greifen, finde ich völlig legitim, allerdings glaube ich auch nicht an Wunder.

Nie mehr ohne Lippenstift! – Dieses Mantra hat Katja Rosenbohm vor Kurzem für sich entdeckt. Sie ist Lektorin und im Montagsinterview bei Texterella.

2004.

Du bist auf Reisen und hast deinen Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei (Kosmetik-)Produkte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein?

(Die Schminksachen sind zum Glück in einem extra Kosmetiktäschchen in meiner Handtasche, deshalb brauche ich hiervon nichts Neues zu kaufen.)
1. Ich bin nie ohne eine Handcreme unterwegs, am liebsten nehme ich Karité von L’Occitane.
2. Meine Augen schminke ich mit einem Make-up-Entferner für wasserfeste Schminke ab. Ich verwende ein ölhaltiges Zwei-Phasen-Produkt von Balea, damit auch wirklich alles abgeht.
3. Und auch eine gute Haarpflege will ich nicht missen: Ich wasche meine Haare mit dem LOVE-Shampoo von davines, damit kommen meine Naturwellen schön raus.

Würdest du dich für die Schönheit unters Messer legen? Oder Botox, Filler etc. nutzen?

Ein ganz entschiedenes Nein: Ich habe größten Respekt vor operativen Eingriffen und kann mir für mich persönlich eine Schönheits-OP überhaupt nicht vorstellen.

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Mir Zeit für mich nehmen. Nach einem stressigen Tag kann ich mich wunderbar mit einem Krimi in der Badewanne entspannen. Oder je nach verfügbarer Zeit starte ich ein „Verwöhnprogramm“ mit Gesichtsmaske, Haarkur, Nägeln lackieren … Das WAS ist dabei gar nicht so wichtig wie das DAS, nämlich dass man sich überhaupt Zeit für sich nimmt.

Nie mehr ohne Lippenstift! – Dieses Mantra hat Katja Rosenbohm vor Kurzem für sich entdeckt. Sie ist Lektorin und im Montagsinterview bei Texterella.

1998.

Was ist für dich die größte Herausforderung am Älterwerden? Und die schönste Überraschung?

Na ja, für mich ist es ganz klar die Frage der Perspektive. Früher, als Kind oder auch noch als Teenager, da dachte ich immer, dass die Ü40-Jährigen furchtbar alt wären. Und heute fühlt es sich für mich völlig normal an, 43 zu sein. Es ist noch gar nicht so lange her, als ich überrascht dachte: Ach, und das ist jetzt dieses Erwachsensein?!

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

„Nie mehr ohne Lippenstift!“ – Das habe vor Kurzem von einer Kollegin gehört und als neues Mantra für mich entdeckt.

Liebe Katja, vielen Dank fürs Dabei sein. Wie schön, dass ich dich zu einem Lippenstift inspirieren konnte, ohne den du nie mehr unterwegs bist! :-)

***

Hier gibt es noch mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen über 40, 50, 60 und über 70.

 
Susanne Ackstaller, Montag, 19. Juni 2017, 06:00 Uhr
Kommentare: 4 | Aufrufe: 2266 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: schönheitmontagsinterviewmodekatja rosenbohminterviewfrauen ab 40die orthogräfin
Das könnte auch interessant sein:
Frauen ab 40: Das Montagsinterview mit Ingrid Heuser.
Frauen ab 40: Das Montagsinterview mit Johanna Franziska Joy Kriks.
Frauen ab 40: Das Montagsinterview mit Anna Otremba.
 

Kommentare

  • Eine tolle Frau! Danke für diesen Beitrag! Es ist immer schön, wenn ich lese, dass eine Frau in sich ruht und bei sich selbst ,,angekommen” scheint! Da ich ja die ,,Magic forty” auch überschritten habe, ist es natürlich interessant zu sehen, wie verschieden die Frauen über persönlichen Bereiche berichten. Nur eines fällt mir auf! Wenn man sie nach Mode fragt, sind die Antworten ähnlich… Wobei das ja auch eigentlich ,,normal” ist ;-)! Alles Liebe,
    Nessy

    Nessy Wagner
    am Freitag, 23. Juni 2017 um 09:56 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Mich inspirieren diese Interviews immer sehr, danke dafür. Dieses Mal mochte ich gerne die Gelassenheit, die aus den Zeilen schwingt. Klingt nach Ankommen. Angetan haben mir es auch die Rottöne, sie erinnern mich an meine längst vergangenen roten Haarschöpfe. :-) (Pst: Hattest du auch mal eine Dauerwelle?)

    Andrea
    am Montag, 19. Juni 2017 um 16:04 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • @Andrea Oh wow, vielen Dank! Was ich an dieser Interviewreihe so toll finde: Ich entdecke immer wieder Gemeinsamkeiten, die mich mit den interviewten Frauen verbinden, so wie bei dir jetzt die roten Haare. Und apropos Dauerwelle – die war damals Pflicht, ODER? Freiwillig hätte ich doch sonst nie ... ;-)

      Katja
      am Montag, 19. Juni 2017 um 20:18 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

      • Und ich dachte, die Gnade deiner etwas späteren Geburt hätte dich vor den Wellen bewahrt. :-)

        Andrea
        am Montag, 19. Juni 2017 um 21:58 Uhr

        Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar:
 
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
  • Name*
     
  • Email*
     
  • Website
     
  • Kommentar*
     
  • CAPTCHA*
      
  •  
  •  
  •  
 
 

Zum nächsten Beitrag: Vergesst George Clooney! Hier kommt die schönste Kaffeemaschine der Welt!

Zum nächsten Beitrag.

Zum vorherigen Beitrag: Sommernächte.

Zum vorherigen Beitrag.


Texterella per Mail abonnieren:







Herzblutdinge

Herzbluttexte




WERBUNG













KOOPERATIONEN




 
WERBUNG

© 2017 texterella.de | Susanne Ackstaller

Site by blogwork.de und Sibylle Zimmermann, hz-konzept.de