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Glaub nicht alles, was du denkst: Wie ein Kleines Schwarzes meine Glaubenssätze kippte.

Schwarz ist bei mir in den letzten Jahren ein wenig in Vergessenheit geraten. Klar trage ich die Farbe immer noch: bei Hosen, Blusen, meinem Badeanzug. Auch einen schwarzen Wintermantel habe ich. Aber als „Statement Piece“? Eher nicht. Dabei gehörte Schwarz bis in meine Vierziger für mich zur Grundausstattung. Nein. Falsch. Schwarz war meine Grundausstattung. 

Wurde mir die Farbe irgendwann zu langweilig? Wollte ich neue modische Facetten zeigen? Vielleicht. So übernahmen andere Farben und mogelten sich immer häufiger in meinen Kleiderschrank. Pink, Orange, Rot. Gelegentlich kräftiges Blau oder Türkis. Sogar Gelb! Schwarz war zum Nebendarsteller geworden. Und das geliebte Kleine Schwarze aus den Fünfziger Jahren, das mir meine Tante vererbt hatte? War mir zu klein geworden und schon lang in Vergessenheit geraten.

Ich vermisste nichts. Schon gar nicht „all black“, das jahrelang ja geradezu meine Uniform gewesen war. Aber nicht nur bei mir, auch bei anderen, selbst in der ganzen Modebranche, schien Schwarz zur Nebensache geworden zu sein. Zum Statisten, zur zweiten Reihe – während andere Farben auf die Bühne drängten und die Hauptrolle übernahmen. Klar, Schwarz wird immer noch getragen, aber nicht mehr mit dieser Hingabe früherer Jahre. Nicht mehr in dieser Omnipräsenz. 

Doch dann – es ist noch gar nicht so lange her – kam der Tag, an dem ich zu einem schwarzen Klassiker recherchierte: zum „Kleinen Schwarzen“. Ja, genau jenem Kleid, das Audrey Hepburn berühmt machte, in dem Marylin Monroe für Furore sorgte, in dem Wallis Simpson den damaligen englischen Thronfolger Edward so sehr bezirzte, dass er sogar für sie abdankte … Das Nonplusultra eleganter Damenmode mit dem gewissen Etwas, der Modeklassiker schlechthin, erfunden von der Grande Dame Coco Chanel herself. 

Und ich fand … nichts. Zumindest nichts aus jüngeren Jahren. Okay, in der Harper‘s Bazaar taucht im Juli 2024 das „Kleine Schwarze“ einmal in der Überschrift auf – gezeigt wurde ein Kleid mit Cut-Outs überm Bauchnabel! Coco hätte sich vermutlich im Grabe herumgedreht. Und einmal schrieb die VOGUE über Pamela Anderson in einem schwarzen Midikleid, was im Text zwar als solches bezeichnet wurde, aber aus meiner Sicht keinesfalls als LBD („Little Black Dress“) durchgehen konnte. 

Erst war ich überrascht, dann schockiert. Was war mit dieser Modebranche los, in der über runtergelatschte (wenngleich neue) Balenciaga-Sneakers geschrieben wird, über Zirkusjacken und die gehyptesten Taschentrends des Sommers (das sogar jedes Jahr) – aber nicht über das Kleine Schwarze? Da stimmt doch was nicht. 

Nun war ich immer schon ein kleiner Widerspruchsgeist. Wenn alle „A“ sagen, ist es sehr wahrscheinlich, dass von mir ein „B“ kommt. Und wenn niemand übers Kleine Schwarze schreibt … dann tu’s halt ich. Voilà! Und ganz ehrlich: Wenn ich die Fotos anschaue, dann frage ich mich: Warum trage ich eigentlich so wenig Schwarz? Ja, es könnte durchaus sein, dass genau dieses Kleid in meinem Leben eine neue Schwarz-Phase einläutet. Dass die Buntfarben in meinem Blog langsam seltener werden … 

 

Übrigens hat mir dieses LBD eines vor Augen geführt: Glaube nicht alles, was du denkst! Ich war nämlich seit meiner Jugend fest davon überzeugt, dass meine Knie unansehnlich dick und Kleider und Röcke daher mindestens knie-, besser noch wadenlang sein müssten. Bis ich dieses Kleid anzog. In alter Überzeugung wählte ich zunächst eine weite schwarze Hose dazu, dann eine Jeans, dann sogar noch einen Rock mit breitem Gürtel. Nichts überzeugte mich. Schließlich griff ich zu einer schwarzen Strumpfhose und Stiefeln – und war beim Blick in den Spiegel überrascht: Waren das wirklich meine Knie – von denen ich fast 50 Jahre gedacht hatte, ich müsse sie verstecken? Offensichtlich. (Sicherheitshalber habe ich ein Video von dem Look noch an zwei Freundinnen geschickt und um ihre ehrliche Meinung gebeten, und selbst beim Shooting mit Martina nochmal nachgefragt, ob das Kleid auch wirklich geht … Wie wenig kann man eigentlich seiner eigenen Einschätzung trauen?)

 

Besonders deutlich fällt mir das übrigens beim Thema Farbe auf. Wie viele Frauen sind – meistens ab 45 oder 50 – davon überzeugt, sie können kein Pink oder Rot oder Gelb (mehr) tragen! Und wie sehr freut es mich, wenn sie mir schreiben, dass sie durch Texterella zu mehr Farbe in ihrem Leben gefunden haben! Anderes Beispiel: Unsere Fotoworkshops! Auch hier müssen Martina und ich bei vielen Teilnehmerinnen erstmal Überzeugungsarbeit leisten: Dass es kein rosenholzfarbener Lippenstift sein muss, sondern ruhig auch mal einer in Chanel-Rot. Dass das Oberteil auch mal Knallpink sein darf. Dass Glitzer auch mit über 70 noch toll aussieht. Ein wenig ist dies – neben tollen Fotos – ja auch die Botschaft, die die Frauen aus dem Workshop mitnehmen sollen. Und es freut uns sehr, wenn sie das nicht nur während des Workshoptages, sondern auch darüber hinaus tun. (Wer sich für die Fotoworkshops „Unfotogen? Gibt’s nicht!“ interessiert, schreibt mir eine Mail.)

 

Hast du irgendwelche Glaubenssätze? Sag doch mal!

Fotos: Martina Klein, Berlin (liebe die Fotos wirklich sehr, danke!)

Look:

Kleid: Katharina Hovman (übrigens gerade im Sale!)

Stiefel: Ecco (leider nur noch in Größe 42 verfügbar; aber diese hier sind ähnlich und ein bisschen eleganter. Ich finde ja die komplette Sculpted-Kollektion echt schick.) 

Blumenbrosche: Anne Bernecker

Lacktasche: Bonprix (Diese hier finde ich aber auch sehr hübsch.)

Wo ihr mehr Mode findet, wisst ihr ja:  hier und hier auf LTK. Dort findest du auch viele Mode-Collagen. 

2599 8 Texterella liebt Mode., 50+ Lifestyle, Beauty & Fashion 25.01.2026   das kleine schwarze, glaubenssätze, inspiration, plussize, texterella liebt mode

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