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Claudia Münster ist mir irgendwo und irgendwann in den Weiten des Internets begegnet, ganz genau kann ich das gar nicht mehr sagen. Was ich aber sicher weiß: Ihren Lebenslauf fand ich so spannend, dass ich sie sofort zu einem Montagsinterview einlud.

Ursprünglich war Claudia Rechtsanwältin. „Leider hat die Realität zu wenig von Liebling Kreuzberg, die Arbeit hat mir einfach keinen Spaß gemacht“ – weshalb sie vor gut 15 Jahren in das Import-Export-Unternehmen ihres Mannes einstieg und es zusammen mit ihm bis heute mit viel Begeisterung und Herzblut führt. „Wir sind ein gutes Team“, sagt sie, so gut, dass sie im letzten Jahr gemeinsam eine Coaching-Ausbildung machten, schlichtweg aus Interesse an den Themen Selbstentwicklung, NLP und Erfolgsmentalität. Damit kam auch die Lust am Schreiben und an der eigenen Kreativität, so dass sogar ein eigenes Blog zum Thema Erfolgs- und Glückscoaching entstanden ist.

„Ich bin die Frau im Wandel und ich habe noch sehr viel vor.” Bei einem so bunten Lebenslauf glaube ich das gerne, liebe Claudia ...

Claudia Münster im Montagsinterview auf Texterella

Claudia Münster, 51.

 

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Mode ist für mich immer situativ. Sofern nicht irgendwelche Business-Gründe dagegen sprechen, ziehe ich mich passend zu meiner jeweiligen Stimmung an. Und das kann an einem Tag der Bleistiftrock mit High Heels und am anderen Tag die Jeans mit kuscheligem Hoody sein. Ich möchte, dass zwischen dem, was außen ankommt und dem, wie ich mich fühle, Harmonie besteht.

Dabei folge ich keinen Modediktat. Zwar verliebe ich mich regelmäßig in irgendwelche aktuellen Trends. Aber ich greife immer nur das eine oder andere Stück auf und mische das Teil mit meinen Klamotten, so dass das Bild immer stimmig für mich bleibt.

Meine Lust shoppen zu gehen, ist im Laufe der Jahre deutlich weniger geworden ist. Im Grunde bin ich davon gelangweilt. Wenn ich in den Läden die Klamotten hängen oder gestapelt sehe, vergeht mir die Lust das Passende auszusuchen. Am liebsten wäre es mir, wenn neue Stücke, die perfekt zu mir passen,  einfach da wären. Wenn es jemanden gäbe, der genau wüsste, was ich von den aktuellen Sachen mag und der mir die Aufgabe des Auswählens und Kaufens abnimmt.  Also einen Stylisten. Nun bin ich in der glücklichen Lage, dass ich einen Mann habe, der liebend gern shoppen und aussuchen geht. Und das Wichtigste: Er weiß genau, was ich mag. Das macht mir vieles einfacher.

Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert?

Tendenziell ist mein Stil feminin und figurbetont. Und gerne auch ein bisschen anders. Ich mag zum Beispiel sehr gerne Häkelkleider und zwar in jeder Kombination, ob mit derben Boots oder Heels. Und ich liebe glitzernde Kleidung. Mir gefällt es, Kombinationen und Dinge auszuprobieren sowohl beim Outfit als auch bei den Haaren. Es gab deshalb Phasen mit blonden Haaren, mit kurzen Haaren, mit Locken und im Sleek Look. Diese spielerische Einstellung zu Mode hatte ich eigentlich schon immer.

Mal blond, mal braun: „Meine Einstellung war immer schon spielerisch!” (1996)


Mit Mitte 20 habe ich viel genäht, da kamen dann tatsächlich Klamotten raus, die schon sehr seltsam waren, was sicher auch an meinen mangelhaften näherischen Fähigkeiten lag. Aber insgesamt hat sich mein Stil nicht extrem verändert im Laufe der Jahre. Als Halbitalienerin habe ich glücklicherweise die für italienische Frauen typische Attitüde, dass für die Auswahl der Klamotten das Alter keine Rolle spielt. Das heißt, wenn ich den Minirock anziehen möchte, dann mache ich es. Ich bin sehr glücklich keine Altersschere im Kopf zu haben.

Hast du ein Lieblingskleidungsstück?

Ohne jeden Zweifel immer die aktuelle Lieblingsjeans. Darauf könnte ich nie verzichten. Neben der Jeans gibt es immer ein paar Sachen, in denen ich mich wirklich sehr wohl fühle und das sind regelmäßig die Klamotten, die neu zu mir gekommen sind. Deshalb gibt es nicht DAS Lieblingsstück.

Es gibt allerdings ein kleines Sommerkleidchen, dass mich schon sehr lange begleitet. Es ist wirklich schon uralt, aber ich würde es nie aussortieren, weil es für mich mittlerweile der Inbegriff von Sommer und Strand und Leichtigkeit ist.



Im Lieblingssommerkleid. (1993)

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Diese Frage ist nicht sehr einfach zu beantworten. Ich habe lange darüber nachgedacht und meine Antwort irritiert mich etwas. Aber tatsächlich hat sich meine Einstellung zu Schönheit und Aussehen nicht gravierend verändert. Natürlich erkenne ich makellose Schönheit an. Es gibt sie, diese wunderschönen, fast unwirklichen Wesen, bei denen die Symmetrie und alles andere stimmt.  Menschen, die den herrschenden Idealen entsprechen, und somit auch dem aktuellen Schönheitsstandard.

Aber mich spricht tatsächlich eine andere Form von Schönheit an, das kann bei dem einem Menschen eine besonders positive Ausstrahlung sein. Oder ein ganz spezielles Lächeln, bei dem die Augen auch strahlen. Schöne Haut mag ich auch sehr gerne. Und ich stehe auf schöne Haare und schöne Hände.

Was ich auch sehr schön finde, ist ein gesunder Körper. Ein Körper, dem man ansieht, dass er genug in der frischen Luft ist und gutes, gesundes Essen bekommt.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Ich liebe Kosmetik, Cremes, Döschen und Tiegel. Außerdem bin ich das ideale Werbeopfer: Wenn ich eine gut gemachte Werbung für ein neues Produkt sehe, entsteht in mir sofort der Wunsch nach genau diesem genialen Glücksmacher. Aber gleichzeitig glaube ich nicht wirklich an die Wirkung. Einer Creme für 200 Euro, die mir verspricht, dass ich nach regelmäßiger Anwendung wie Mitte 20 aussehe, widerstehe ich deshalb sehr leicht. Ich mag eher das spielerische Ritual des sich Zeit nehmens, Eincremens und Wohlfühlens.

So italienisch! (1996)

Du bist auf Reisen und hast deinen Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei (Kosmetik-)Produkte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein?

Meine Auswahl ist wenig kreativ: eine Mascara, eine Creme mit super viel Feuchtigkeit und einen knallroten Liftstift.

Würdest du dich für die Schönheit unters Messer legen? Oder Botox, Filler etc. nutzen?

Ich habe da eine entspannte und wenig dogmatische Haltung. Wenn ich einen konkreten Wunsch hätte, hätte ich keine grundsätzlichen Bedenken mich operieren zu lassen. Ich habe da keinen verklärten Ansatz, dass jede Falte Ausdruck meines Lebens ist und zu mir gehört.  Und tatsächlich gibt es Tage, da würde ich am liebsten unverzüglich zur Generalüberholung in eine Klinik fahren. Aber das sind lediglich Impulse, die zum Glück rasch vorübergehen. Wenn ich real über eine Schönheit-OP nachdenke, entscheide ich mich doch dagegen. Und zwar aus den unterschiedlichsten Gründen: Wo sollte ich anfangen und wo aufhören? Was ist, wenn etwas schief läuft? Aber ich mag es, dass ich mir die gedankliche Erlaubnis zu einer OP gebe.

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Ist das nicht die Frage, auf die ich antworten muss, dass ich gute Gene habe? Alternativ wäre auch die Antwort, dass ich darauf achte, täglich drei Liter Wasser am Tag zu trinken und ausreichend zu schlafen sehr schön.

Nein, ich habe kein Schönheitsgeheimnis. Tatsächlich schlage ich mich, wie die meisten anderen Frauen, damit herum, mich zu akzeptieren und mich zu mögen. Das ist nicht mein primäres Thema, das mich täglich umtreibt, aber mir ist schon bewusst, dass es für die Menschen in unserer Gesellschaft schwierig ist, zu sagen: Ich bin schön. Gerne greifen wir darauf zurück zu sagen, ich mag meine Augen oder meinen Busen oder mein Lächeln. Das muss dann in der Regel reichen. Mehr Selbstliebe irritiert uns und andere.

Für mich persönlich ist es so, dass ich es sehr genieße, wenn ich einen dieser großartigen Tage habe, an denen ich spüre, wie ein Strahlen aus mir herauskommt, wo einfach alles passt, das Äußere zum Inneren. Und wo ich die eigene Schönheit spüre und zwar jenseits von Falten, Idealen oder anderen äußeren Kriterien. Also vielleicht doch ein Schönheitsgeheimnis? Einfach mal glücklich und ausgelassen sein. 

Was ist für dich die größte Herausforderung am Älterwerden? Und die schönste Überraschung?

Die größte Herausforderung am Älterwerden ist das Älterwerden. Und damit meine ich das Älterwerden des Körpers. Natürlich fand ich mein früheres, faltenfreies Gesicht schöner. Aber ich versuche mir darüber nicht allzu viele Gedanken zu machen.


„Alter ist mir egal!” (2012)


Die größte Überraschung ist, dass ich gefühlsmäßig keinerlei Probleme mit dem Älterwerden habe. Tatsächlich ist es überhaupt kein Thema für mich. Alter ist mir egal.

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

„Glück ist eine bewusste Entscheidung”. Dass uns schlimme Dinge passieren, können wir nicht verhindern. Aber es ist unsere Entscheidung, wie wir damit umgehen. Und ich habe mich bewusst für das Glücklichsein entschieden. Klappt nicht immer; aber meistens.

Liebe Claudia, danke für deine spannenden Antworten und deine wunderbare Einstellung zum Thema Glück!

***

Mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick.

 
Susanne Ackstaller, Montag, 29. Februar 2016, 06:00 Uhr
Kommentare: 4 | Aufrufe: 2686 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: schönheitmontagsinterviewmodeinterviewfrauen ab 50claudia münsteranti-agingälterwerden
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