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Anna Luz de Léon. Wäre Anna nicht so ein herzlicher Mensch, so eine fabelhafte Bloggerin und mitreißende Schreiberin – ich müsste sie allein schon für ihren klangvollen Namen interviewen! (Den sie übrigens von ihrem aus El Salvador stammenden Vater hat.)

Aufgewachsen ist Anna in Koblenz, studiert hat sie Germanstik und Kunstgeschichte in Bonn, seit elf Jahren lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern (11, 6, 5) in Berlin. Von dort bloggt sie sehr erfolgreich als „BerlinMitteMom“ über ihr Leben als Passionate Mom. Ihre Leidenschaft für Familie und Kinder spürt man bei jedem einzelnen ihrer Blogposts – ohne dass es dabei „zu Mutti“ wird. Anna schreibt mit Witz und Charme und Klugheit übers Mutter sein und Kinder haben (und erziehen), dass selbst Frauen wie ich, die es – trotz dreier eigener Kinder – mit „Mama-Blogs“ nicht so haben, gerne reinlesen und zustimmend nicken (zum Beispiel zu diesem Artikel hier oder besonders auch bei diesem, hihi.) Derzeit arbeitet Anna neben ihrem Blog an einem Roman. Für Kinder, versteht sich. Mehr wird nicht verraten. (Ich. Bin. Gespannt!)


Anne Luz de Léon, 40.

Kennen gelernt habe ich Anna übrigens auf der Blogst13 in Essen. Da war sie mir erstmal wegen ihrer wunderschönen taillenlangen Haare aufgefallen, und ihrer besonderen Ausstrahlung! Anna ist keine Frau, die man übersieht. Und dann war sie fabelhafterweise auch gerade schon über 40!

Na dann! :-)


Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Als Kind war ich ein Modemuffel. Meine Mutter, selbst ein Fashionjunkie, wie man heutzutage sagen würde, hat mich gerne schön angezogen und fuhr mit mir und meinen Geschwistern lieber in kleine Kinderboutiquen oder coole Secondhand-Läden, als dass wir Mode von C&A getragen hätten. Aber zumindest bei mir fiel das auf keinen fruchtbaren Boden. Ich war eher so ein Jeans-Typ und hatte es lieber bequem. Hübsche Kleidchen trug ich höchstens an Geburtstagen und an Weihnachten. Oder wenn es sonntags zur Omma ging.

Mit dem Wechsel aufs Gymnasium änderte sich das nur wenig. Ich hasste von jeher diesen uniformen Look, der alle in die gleiche Schablone zwang. Heute ist das durch Globalisierung und Vernetzung noch krasser. In den 80ern bedeutete das längsgestreifte Röhrenjeans, Oversize-Strickpullis und hohe Turnschuhe von Adidas. Selbst wenn mir das gefallen hätte, hätte ich das nicht tragen wollen. Ich wollte aussehen wie ICH. Also ging ich mit etwa 14 in einem abenteuerlichen Aufzug aus selbstbemalten und zerlöcherten Jeans (PUNKSNOTDEAD!), einem weißen Herrenhemd, einem abgelegten Trenchcoat meiner Mutter und mit Hut in die Schule. Meine langen Haare waren mein liebstes Accessoire, auch wenn ich da wenig variierte. Ich mochte mich, glaube ich, zu dieser Zeit ganz gerne, auf eine trotzige Art und Weise.


Anna und der Herrenhut (1993).

Später wurde das alles zahmer und ich trug sogar ab und zu mal Röcke und Kleider – etwas, das ich heutzutage fast aufgegeben habe. Ich hasse Strumpfhosen, überhaupt Strümpfe, und vermeide sie, wenn es geht. Also trage ich Röcke, sehr zum Leidwesen meiner modebewussten jüngsten Tochter, höchstens im Sommer. Insgesamt bin ich irgendwann Ende der Achziger wieder hauptsächlich bei den Jeans gelandet.


Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert?

Mein Look ist ziemlich berechenbar und irgendwo zwischen klassisch und bequem. Ich liebe Jeans in allen Varianten, außerdem trage ich fast am liebsten Schwarz. Ich mag es gerade und schnörkellos, zumindest an mir selbst. Bunt sind höchstens meine Tücher und Schals, manchmal auch die Schuhe. Sehr gerne trage ich Stiefel, allerdings fast nie mehr mit den hohen Absätzen meiner jüngeren Jahre, sondern eher Bikerboots oder Schaftstiefel. Selten Sneakers und wenn, dann im Retrolook von Adidas. Sobald es warm genug ist, trage ich Ballerinas und im Sommer am liebsten Zehensandalen.

Mein Stil ist – erwachsen. Ich möchte nicht wie eine verkleidete Mutti aussehen, die sich in den neuesten Trend gewickelt am Türsteher vorbeischummeln will. Das erscheint mir bei den meisten modischen Trends allerdings unmöglich, ich finde, das können gerne diese schönen jungen Menschen tragen. Ich muss das nicht. Mein einziger modischer Tick sind wahrscheinlich meine vielen Tücher und Schals in allen Varianten. Die liebe ich und ohne die gehe ich nicht raus, nicht mal im Sommer.


Wunderschön. (2001)


Wahrscheinlich sehe ich so schon ziemlich lange aus wie heute, sicherlich 15 oder sogar 20 Jahre, mit wenigen Abweichungen. Vielleicht ist das langweilig? Ich nenne es klassisch.


Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Eigentlich nicht. Ich habe oft bestimmte Menschen bewundert wegen ihres Stils, aber das hatte dann nichts mit mir zu tun. Ich mochte beispielsweise immer wahnsinnig gerne den Style von Jil Sander, diesen klassisch-gerade Look und die edlen Stoffe. Überhaupt diesen androgynen Look, wie ihn Annie Lennox in den Achzigern getragen hat. Obwohl das eher das Gegenteil ist von dem, wie ich aussehe oder je ausgesehen habe.


Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück?

Es gibt so etwas wie meine Dauerbrenner, die ich immer wieder nachkaufe und in verschiedenen Varianten schon seit Jahren trage: schwarze Blazer und Trenchcoats, sowohl helle als auch schwarze. Das sind meine Allrounder, die ich dann mit verschiedenen Tüchern kombiniere. Dann fühle ich mich angezogen. Und irgendwie sicher. Ich weiß dann, wie ich aussehe. Das mag ich, dann bin ich „in control“.


Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Anders als früher beschäftige ich mich heute nicht mehr so sehr mit diesem Thema. Das zeigt sich schon an den Zeitschriften, die ich alle nicht mehr lese. In meinem Leben haben heute ganz andere Dinge Priorität und das ist vollkommen in Ordnung so. Ich werde gerne älter, das heißt nämlich, dass ich noch lebe und mein Leben gestalten kann. Die Zeit, die ich habe, möchte ich nicht damit verbringen, anderen Frauen hinterher zu seufzen, weil sie jünger, schöner, schlanker, besser angezogen etc. sind als ich. Das sind viele von ihnen. Na und?

Das heißt jetzt nicht, dass ich mich durchgängig toll finde, das wäre gelogen. Ich finde mich zu dick und zu unsportlich und ich mag meine Beine nicht und ich hasse es, dass ich nicht mehr gerne Highheels trage, obwohl ich das früher geliebt habe, einfach weil sie mir zu unbequem sind. Aber das ist doch das Übliche, nichts Außergewöhnliches. Es gibt nämlich auch viele Dinge, die ich heute noch genauso an mir mag wie vor 20 Jahren. Ich finde meine Augen schön, ich mag meinen Mund, ich habe ein schönes Lachen, ich schaue mir gerne meine Hände und Fingernägel an. Und ich liebe meine Haare, immer noch, obwohl sie am Ansatz grau werden.


Studentenleben! (1997)


Was ich sagen will: Ich sehe gerne schöne Menschen, schöne Frauen mit tollen Klamotten und sexy Figuren und perfekter Haut. Aber ich muss das nicht (mehr) sein. Das ist okay so. Kommt das vom Älterwerden? Ist das schon diese Altersgelassenheit? Wenn ja, dann mag ich sie!


Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Ich bin ein Kosmetik-Junkie! Ob ich nun daran glaube, dass das was bringt, ist dabei eher sekundär, aber ich liebe es einfach, Produkte auszuprobieren, neue Cremes und Fluids (allein das Wort!) zu kaufen, schöne Tiegel und Döschen aufzustellen und das Gefühl zu haben, ich würde mich damit verwöhnen. Tatsächlich habe ich eine Zeitlang für Kosmetik erstaunlich viel Geld ausgegeben und ein Besuch in den Galeries Lafayette hier in Berlin hätte leicht meinen Ruin bedeuten können. Das hab ich in der Zwischenzeit im Griff, aber Kosmetikprodukte können mich nach wie vor in Verzückung versetzen. Also nein, Wasser und Seife reichen mir nicht aus.


„Meine Haare sind mein liebstes Accessoire.” (1988)

Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Welche drei (Kosmetik-)Produkte kaufst du sofort?

Da jedes gute Hotel Zahnpasta und Duschgel vorrätig hat, verlasse ich mich darauf und kaufe meine Lieblingscreme von Dior, die sündhaft teure Capture Totale. Außerdem eine gute Handcreme, vielleicht die Deep Comfort Hand von Clinique, die ist toll. Und mein drittes Produkt wäre ein guter Augen-Makeup-Entferner, wahrscheinlich Take the Day off, ebenfalls von Clinique. Zum Glück habe ich mein Make-up immer in einer Extratasche und meist im Handgepäck! Sonst würden mir drei Produkte nicht reichen, die ich sofort nachkaufen müsste.


Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Ein Geheimnis ist das sicher nicht, aber ich benutze so gut wie immer flüssiges Make-up. Ich bin einfach aus dem Alter raus, in dem Kompaktmakeup noch gut aussieht oder man ungeschminkt aus dem Haus gehen würde. Außerdem habe ich gerne mal hysterische Haut – da überlasse ich nichts dem Zufall. Also muss es für mich immer ein gutes, feuchtigkeitsspendendes Make-up sein, das lange hält. (derzeit: Perfect Match von L’Oréal – mein jahrelanges Lieblingsprodukt von LeClerc gibt es leider nicht mehr ...) Zusätzlich unverzichtbar für mich: Concealer für Hautrötungen und Augenringe. Da habe ich inzwischen so meine Schätzchen entdeckt – zurzeit ist es der Smoothing Concealer von Clinique –, die ich immer dabei habe.

Andere Rituale wie ausreichend Schlaf (kicher!) und viel Wasser trinken oder grüne Smoothies saufen und was Models sonst noch immer so sagen, was sie alles täten, habe ich nicht. Jedenfalls keine, die ich konsequent durchhalten würde. Also gilt das wohl nicht, oder?


Urlaub in der Provence (1998).


Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Zwei. Ein Mama-Mantra: „Es sind GUTE Kinder. Es sind GUTE Kinder. Es sind GUTE Kinder!“ Funktioniert aber vor allem in Verbindung mit innerlichen Ommms. Und manchmal auch gar nicht.

Ansonsten: „Alles wird gut. Love is the answer.“ Das ist fast sowas wie ein Glaubenssatz. Und ich glaube es tatsächlich: Liebe ist die einzige Antwort auf alle Fragen im Leben. Ohne Liebe sind wir nichts.


Danke, liebe Anna, fürs Dabeisein! Ich liebe deine Haare übrigens auch! :-) Und diesen Satz: „Ich möchte meine Zeit nicht damit verbringen, Frauen hinterher zu seufzen, weil sie jünger, schöner und schlanker sind.”

***
Mehr spannende Interview mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick!

 
Susanne Ackstaller, Montag, 28. April 2014, 09:00 Uhr
Kommentare: 3 | Aufrufe: 7784 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: montagsinterviewinterviewfrauen ab 40bloggerinberlinmittemomanna luz de léon
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Kommentare

  • Das „GUTE-Kinder-Mantra” fand ich auch ganz klasse ... :-)))

    Susi
    am Dienstag, 29. April 2014 um 14:27 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Was für ein schönes Interview! Darin erkenne auch ich mich in Teilen wieder, z.B. was die Haare betrifft - auch wenn meine nie so lang waren.

    „Love is the answer.” Genau. Danke für’s präzise Auf-den-Punkt-Bringen. Das ist tatsächlich genau das, womit ich mich auch durch die schwierigen Momente hangele und ich merke immer wieder: Es stimmt!

    Und das Mantra „Es sind GUTE Kinder!” wird es garantiert daneben in mein gedankliches Repertoire schaffen, vor allem morgens vor der Schule… Danke dafür! :-)

    Katja
    am Dienstag, 29. April 2014 um 10:42 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Sehr nett. Ich erkenn mich in Teilen wieder, das ist schön zu lesen und weckt Erinnerungen an enger genähte Jeans und die alte Wildlederjacke von meinem Dad, die ich zusammen mit dem Hut vom Großvater trug.
    Liebe Grüße aus der Pfalz
    Susanne (die nicht gedacht hätte, dass Anna schon über 40 ist)

    Susanne
    am Montag, 28. April 2014 um 11:03 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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