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Corinna Fuchs-Laubach ist eine langjährige Kollegin von mir. Seit 1995 arbeitet sie als freiberufliche Texterin und Journalistin, war lange Korrespondentin bei einer Nachrichtenagentur, schrieb für eine lokale Redaktion der WELT und war als Selbstständige dann viel im Bereich Unternehmens- und Gründerporträts unterwegs.

Bis Herbst 2015. Als sie die Brustkrebs-Diagnose erhielt. „Amputation, Chemo, Bestrahlung und Antikörpertherapie haben meine Eitelkeit als auch das weibliche Selbstbild auf den Prüfstand gestellt. Ich hatte immer lange Haare, der kürzeste Schnitt war ein Bob, keine oder gar kurze Haare zu haben, konnte ich mir nicht vorstellen. Noch schlimmer war allerdings der Verlust von Wimpern und Augenbrauen …“ Geholfen hat Corinna damals das Schminkseminar DKMS Life Look good – feel better. „Die Tricks und Kniffe waren goldwert.“

Corinna Fuchs-Laubach hatte Brustkrebs und gilt heute als gesund. Lies ihr Interview!

Corinna Fuchs-Laubach, 43.


Nach knapp eineinhalb Jahren Dauerbehandlung gilt Corinna seit Februar 2017 als gesund. Die Haare sind wieder nachgewachsen und Corinna ist wieder in ihr „normales” Leben zurückgekehrt. „Natürlich war der Tumor ein unglaublicher Einschnitt in meinem Leben. Aber ich habe durchaus auch Positives daraus gezogen: etwa die Erkenntnis wie wertvoll das eigene Leben ist.”

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Ich denke, ungezwungen trifft es am ehesten. Ich interessiere mich durchaus für Mode, blättere auch immer wieder durch Magazine, bin aber kein Fashion Vitcim. Noch nie gewesen, wenn ich darüber nachdenke. Kurzfristige Trends haben mich schon als Teenager nicht begeistern können. Klar hab ich mich da auch modisch versucht zu finden, aber ich würde sagen, ich war schon immer eher klassisch orientiert. Mit Freundinnen haben wir seinerzeit viel selber genäht, ich erinnere mich an asymmetrische Röcke oder Blusen mit neuem Einsatz. Alles relativ brav und sicherlich keine Moderevolution.

Insgesamt gesehen soll Kleidung für mich im Wesentlichen den eigenen Typ unterstreichen.

Was ist für dich Stil? Und was ist dein Stil? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert?

Stil ist für mich ein Bekenntnis zum Ich. Das Bild muss stimmig sein. Wenn sich alles harmonisch zusammenfügt und jemand nicht verkleidet aussieht, dann spricht das für mich für Stilsicherheit. Das kann ebenso ein „preppy look“ oder etwas rundum Extravagantes sein. Wenn es passt, dann hat es Stil. Ich halte es da mit Coco Chanel „Mode ist vergänglich, Stil niemals“. Was sich so leicht sagt, ist natürlich eine große Herausforderung. Wir identifizieren uns über Mode, wollen bestenfalls unsere Persönlichkeit unterstreichen und gut aussehen. Ich habe für mich beim Suchen nach geeigneten Fotos für dieses Interview durchaus mit Erstaunen festgestellt, dass mein Stil schon mit 18/19 Jahren meinem heutigen recht nahe war.

Corinna Fuchs-Laubach hatte Brustkrebs und gilt heute als gesund. Lies ihr Interview!

2016

Ich bin eher der klassische Typ. Schlichte Schnitte, schöne Stoffe. Gerne Blusen, Röcke und Kleider. Aber es darf durchaus ein Augenzwinkern dabei sein. Ein raffinierter Ausschnitt, Farbakzente – scheinbar hab ich doch ein unbewusstes Faible für Rot angesichts der Bilder, wobei ich lustigerweise Rot nicht als Lieblingsfarbe nennen würde (hier eher Grau, Dunkelblau und Lila), ein gemustertes Stück.

Ich mochte und mag Mode von Jil Sander oder Marc Jacobs, kann sie mir aber nicht leisten. ;) Stattdessen kaufe ich gern vom kleinen holländischen Label „Tante Betsy“ oder bei den Briten von „Boden“, ich mag französische Marken wie „Noa Noa“ oder „Promod“ und gern auch mal ein verrücktes Teil von „Desigual“. Im Laufe der Jahre, und das mag durchaus auch an dem Aspekt Landleben und kleine Kinder liegen, ist mein Stil etwas sportiver geworden. Sneaker beispielsweise hätte ich früher nie getragen. Aber in Jogginghosen wird man mich außerhalb des Fitnessstudios nicht erleben. Die können noch so modisch sein, aber da halte ich es mit Lagerfeld. ;)

Hast du ein Lieblingskleidungsstück?

Ich habe einige wunderbare Wickelkleider aus Jersey und Seide. Die liebe ich, denn mit einem Kleid ist man zu jeder Gelegenheit gut angezogen, finde ich. Aber leider kann ich sie nicht mehr tragen oder nur, wenn ich ein hochgeschlossenes T-Shirt drunterziehe, was ich dann wiederum nicht schön finde. Die Epithesen-Wäsche ist zwar wirklich schön und ermöglicht einiges, aber mit Prothese lässt sich kein gewohntes Dekolletee formen. Wirklich weggeben mag ich die Kleider noch nicht. Vielleicht ist es mir irgendwann gleichgültiger, ob die Optik stimmt …


Corinna Fuchs-Laubach hatte Brustkrebs und gilt heute als gesund. Lies ihr Interview!

2015.

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Ich würde sagen, im Grunde bin ich ein uneitler Mensch bin. Ich trug und trage fast nie Make-Up. Vielleicht zahlt sich heute sogar aus, dass ich als Teenie damit nicht begonnen habe. In den 80er Jahren waren die Texturen ja noch andere als heute und die Haut fühlte sich irgendwie immer zugekleistert an.

Ich muss auch nicht picobello gestylt im Supermarkt stehen und gehe durchaus ungekämmt zum Briefkasten (okay, die Besiedlungsdichte ist hier auch karg ;)). Wichtig ist mir aber, gut angezogen im Büro zu sitzen, auch wenn das ein Home Office ist. Also, nicht im Pyjamalotterlook ans MacBook. Das ist für mich ein NoGo. So gesehen bin ich vielleicht doch eitel. Es hat aber vielmehr etwas mit einer Haltung zu tun. Und ich habe mal einleuchtend gelesen, dass das Gegenüber am Telefon spüren könne, wenn man im Bademantel dasäße. Man würde dann lässiger, anders sprechen.

Schönheit heißt für mich in erster Linie gute Pflege – für Körper und Geist. Gutes Essen, viel trinken, Bewegung, Auszeiten für die Seele. Und da war ich in den letzten Jahren bekennenderweise nicht sehr gut zu mir selber. Viel Stress, viel Belastung, kein Raum für mich. Meine Erkrankung hat da eine Kehrtwende eingeläutet und nochmal ganz vieles auf den Prüfstand gestellt. Ich hoffe, ich bleibe am Ball und bin weiterhin gut zu mir. Denn für mich ist das (neben einigermaßen guten Genen) das Schlüsselrezept für frisches Aussehen. Und da sage ich jetzt bewusst nicht jugendliches Aussehen, aber vielleicht hab ich da noch gut reden? Ich hoffe jedenfalls, dass ich weiterhin entspannt auf die 50 zugehe.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Sowohl als auch. Allerdings glaube ich, dass man sich nicht mit Schönheits- und Pflegeprodukten überladen sollte. Ein Zuviel ist für die Haut nicht gut. Zumindest für meine nicht. Durch die Krebserkrankung habe ich meine Kosmetik und Cremes noch einmal genauer unter die Lupe genommen und rigoros auf Naturkosmetik umgestellt. Ich bin nicht nur überzeugt, dass weniger Chemie gut für die Haut und den gesamten Organismus ist, sondern auch, dass pflanzliche Stoffe, Extrakte und Seren hocheffektiv sein können.

Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei (Kosmetik-)Produkte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein?

Da meine Haut im Gesicht ohne eine Feuchtigkeitspflege extrem spannt, brauche ich natürlich meine Tagespflege (Lavera, Alverde oder Hildegard Brauckmann, was sie gerade da hätten in Hotelnähe ;)) Eine Mascara würde ich auch kaufen, mein einziges Schminkutensil seit Jugendzeiten, das ich immer auflege. Hier nehme ich auch gern eine Volumenmascara von Alverde. Und wenn noch eine Apotheke um die Ecke wäre, dann würde ich schauen, ob die Benecos-Produkte führen und mir einen schönen Lippenstift kaufen. Zu Hause trage ich keinen, aber wenn ich zu Terminen gehe, dann gern. Am liebsten warme Rottöne.

Corinna Fuchs-Laubach hatte Brustkrebs und gilt heute als gesund. Lies ihr Interview!

2004.

Würdest du dich für die Schönheit unters Messer legen? Oder Botox, Filler etc. nutzen?

Definitiv nicht. Botox finde ich furchtbar und was das Nervengift aus Gesichtern macht, kann man an zahllosen Beispielen ja leider sehen. Puppenhafte Mimik, kein Ausdruck, dann lieber ein paar ehrlich verdiente Falten. Allerdings: Ich habe bisher so gut wie keine und deswegen vielleicht auch gut reden. Dennoch kann ich mir nicht vorstellen, dass ich meine Meinung dazu ändere, wenn ich älter werde. Ähnliches gilt für Schönheits-OPs. Wichtiger finde ich es, ein gesundes Frauenbild zu vermitteln und weg von der Kleidergrößen-Gläubigkeit zu kommen.

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Eigentlich nicht. Ich denke, es ist der Mix, den ich oben schon angeführt habe. Gut für sich und seinen Körper sorgen, Ruhezeiten, Stress mindern. Und wahrscheinlich würde mehr Wasser trinken zudem wirklich helfen, der Haut noch mehr Straffheit zu geben. Ich schaffe aber einfach niemals die empfohlenen zwei Liter am Tag. Ausreichender Schlaf ist ganz sicherlich etwas, das man nicht unterschätzen sollte. Nachdem ich jahrelang kaum mehr als vier Stunden pro Nacht hatte (dank nicht durchschlafender Kinder), weiß ich das jetzt wieder sehr zu schätzen – und geh dann auch mal bewusst um Neun ins Bett. Ach, und geraucht habe ich auch nie. Alkohol war auch nie ein großes Thema, mittlerweile vertrage ich durch den Medikamentencocktail auch nichts mehr und ein Glas Wein reicht für mehr als einen Abend. Gegen einen guten Prosecco ab und an habe ich aber nichts ;)

Was ist für dich die größte Herausforderung am Älterwerden? Und die schönste Überraschung?

Hm, bislang läuft es ganz gut, würde ich sagen. Ich bin weder zum 30. noch zum 40. Geburtstag in Panik verfallen. Ich fühle mich relativ emanzipiert vom Modediktat. Jedenfalls stehe ich nicht mehr verzweifelt in der Umkleidekabine, wenn mir eine 36/38 nicht passt. ;) Für mich persönlich ist die Herausforderung eher, mich mit meinem durch meine Krankheit veränderten Aussehen anzufreunden. Allerdings bin ich schon ganz dankbar, dass meine Haare nicht in Grau nachgewachsen sind.

Corinna Fuchs-Laubach hatte Brustkrebs und gilt heute als gesund. Lies ihr Interview!

1996


Ansonsten bin ich durchaus neugierig, wie ich in zehn, 20 oder 30 Jahren aussehen werde. Und was mir dann wichtig ist. Ist die schönste Überraschung nicht, dass man irgendwann schlichtweg einfach so sein kann, wie man will? Und das vollkommen gut und genügend findet!?

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Wenn man so will: mein ungebremster Lebenswille und ein ganz großes „Ja“ zum Leben und all den schönen Facetten. Sich immer wieder bewusst zu werden, was man in den Händen hat, das ist unendlich wertvoll. Im funktionierenden Alltag ist dies Gefühl oft verschüttet und ich musste die Lektion auch erst mit der Holzhammermethode durch meinen Tumor lernen. Den Blick auf das Gute, Schöne, Kraftgebende zu lenkende, das öffnet so viele Möglichkeiten für das eigene Leben – man muss es nur wollen. Und da ich weder geduldig bin, noch ständige Veränderungen mag, ist das durchaus immer wieder ein Ansporn. Nichts ist selbstverständlich und alles kann ganz schnell vorbei sein.

Danke fürs Dabei sein, liebe Corinna - und für deinen Impuls zu mehr Achtsamkeit mit sich selbst! Und übrigens: Ich finde, die kurzen Haare stehen dir ausgezeichnet!

***

Hier gibt es noch mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen über 40, 50, 60 und über 70.

 
Susanne Ackstaller, Montag, 27. März 2017, 06:00 Uhr
Kommentare: 2 | Aufrufe: 2592 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: montagsinterviewmodeinterviewfrauen ab 40corinna fuchs-laubachbrustkrebsanti-agingälter werden
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Kommentare

  • Liebe Susi, liebe Corinna, gerade in den ersten Absätzen habe ich mich sehr wieder gefunden. Ich finde es auch heute nach fast sechs Jahren nach meiner Diagnose sehr spannend, dass das Thema Haare, das eigentlich bei einer Krebserkrankung so unwichtig ist, gerade bei Freuen so eine große Rolle spielt. Ich hatte damals im Sommer 2011 sehr lange Haare und bei der Erwähnung Chemo war meine sofortige Reaktion, die Angst meine Haare verlieren zu können. Bei Cisplatin ist das nicht der Fall, das bringt dafür dauerhaft Schäden mit sich, die man bei der Diagnose ausblendet. Ich habe dafür im Nacken eine fesche kahle Stelle, die mir die Bestrahlung beschert hat. Lässt sich aber gut verstecken. Alles Gute weiterhin, liebe Grüße, Claudia

    Claudia Braunstein
    am Dienstag, 28. März 2017 um 08:49 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Liebe Claudia, ich danke Dir für Deine Worte und wünsche Dir weiterhin alles Gute! Ja, es ist schon absurd, wie man an Äußerlichkeiten wie Haaren hängen kann. Ich denke, es ist vielfach auch die Angst vor dem Unbekannten - und die Brandmarkung nach außen, dass man krank ist.

      Und ehrlich, die Vorstellung haarlos zu sein war schlimmer als die Realität. In der ersten Panik bin natürlich auch ich in ein Perückenstudio gerannt - teures Geld, das ich mir hätte sparen können. Getragen hab ich sie einmal.

      Im Laufe des Tages fiel mir gestern noch ein, dass ich interessanterweise zu Susis Frage zu Schönheit-OPs nicht eine Sekunde über einen Brustaufbau nachgedacht habe. Da mir die OP zu groß und aufwendig ist und mir eine riesige Narbe reicht, werde ich diesen Schritt wohl auch nicht gehen. Aber solche Eingriffe wären eigentlich die einzigen Schönheits-Operationen, die ich verstehen und gutheißen kann.

      Alles Gute, Corinna

      Corinna
      am Dienstag, 28. März 2017 um 09:52 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

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