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Welche Alte möchte ich mal sein?

Ich war viel mit der Bahn unterwegs in den letzten drei Wochen. Entsprechend viel Zeit hatte ich, in SARA, einer neuen Zeitschrift für Frauen 50plus, zu blättern und zu lesen. Ein Beitrag hat mich dabei besonders gekriegt: „Welche Alte will ich mal sein?“ titelt der etwas provokant, schließlich sind wir für unser drittes Lebensdrittel ja eher Ausweichvokabeln wie „Best Agerin“ oder „Silver Agerin“ gewohnt. Das Wort „Alte“ löst erstmal eine etwas betretene Abwehrhaltung aus. Alt werden oder irgendwann sein? Wo wir uns doch alle so jung fühlen? Nein, das kann nicht sein. Das darf nicht sein.

Und doch ist es unausweichlich. (Selbst meine Mutter, die sich mit 83 keinesfalls alt, bestenfalls nicht mehr ganz jung fand, stellt jetzt, mit 87, gelegentlich fest: „Doch, ich bin alt geworden“.) Auch ich erschrecke manchmal bei dem Gedanken, nur 20 Jahren von der 80 entfernt zu sein. Oweia, so bald schon? Dann denke ich über ein barrierefreies Bad nach, überlege wie viel wohl der Einbau eines Lifts im Treppenhaus kostet und blättere in meinen letzten Rentenbescheiden. Ich rufe die Website meines Fitness-Studios auf (in dem ich seit vielen Jahren mehr passives als aktives Mitglied bin) und studiere den Stundenplan, kaufe Brokkoli und Mangold (weil die besonders anti-aging sind) und trinke zwei Tage lang grünen Tee statt Kaffee zum Frühstück. (Und dann ist doch wieder alles wie immer.)

Und es stimmt ja durchaus: Geld und Gesundheit sind wichtig und natürlich müssen wir rechtzeitig Vorsorge betreiben. Aber reicht das? Ich glaube nicht. Ich glaube, wir müssen uns bereits mit 50 oder 60 Vorbilder suchen: Frauen, die mit 80 oder 90 so leben und sind, wie wir es für uns selbst wünschen. Für mich wären das Frauen wie Iris Apfel, Vivienne Westwood, Margot Friedländer oder die frisch gekürte Friedensnobelpreisträgerin Navanethem „Navi“ Pillay, die ich alle vier für ihre unerschrockene Sichtbarkeit, ihren Mut und ihre Tatkraft im hohen Alter bewundere. Und meine fast 87-jährige Mutter, die mir mit ihrer Lebensfreude und Unternehmungslust ein Vorbild ist (auch wenn ihre Herzschwäche sie manchmal etwas ausbremst.)

Natürlich wird aus mir keine Iris Apfel mehr werden (da fehlt mir allein schon das Apartment in Manhattan … ;-)), aber ein bisschen was von ihrer bunten, verrückten Sichtbarkeit wünsche ich mir für mein 80- bis 90-jähriges Ich. Ebenso möchte ich eine mutige Alte werden, die ihre Stimme auch in 20 oder 30 Jahren noch erhebt, nie gleichgültig wird und (gesellschafts-)politisch aktiv bleibt. Ich möchte neugierig und interessiert bleiben, offen für neue Entwicklungen, tolerant, humorvoll und ein stets offenes Haus für Kinder, Enkelkinder, FreundInnen und andere Gäste haben. Jeden Geburtstag will ich mit einer großen Party feiern und zu Dancing Queen von ABBA tanzen. Ich will als ein bisschen verrückt gelten und mich hoffentlich nie „altersgerecht“ kleiden. Und mit etwas Glück werde ich auch dann noch mein Blog schreiben (wenn es das Internet, so wie wir es kennen, überhaupt noch gibt).

Was ich ganz sicher nicht sein möchte: eine verbitterte „Früher war alles besser“-Alte, die als einziges Thema ihre Gesundheit kennt. Und ich will auch keine violette Blumenkohldauerwelle tragen.

Ich bin tatsächlich froh, dass mich SARA auf dieses Thema gestoßen hat und ich gebe es gerne an dich weiter. Wie sieht es bei dir aus – was für eine Alte möchtest du sein? Welche Vorbilder hast du?

Foto: Martina Klein

Angaben zur Transparenz: Das Frauenmagazin SARA wurde mir im Rahmen einer Instagram-Kooperation zur Verfügung gestellt. Der Blogbeitrag ist davon jedoch unberührt. 

Und sonst so?

→ Wer die Mode vermisst, schaut hier. Dort findest du auch die ersten Herbstlooks und hier ein paar richtig schöne Kombinationen mit dem angesagten Dunkelbraun (dass die einzelnen Beiträge mehrere Slides haben, kann man leider nur auf dem Handy sehen … ) Und: Boden hat in diesem Herbst besonders viele schöne Kleidungsstücke, finde ich. 

→ Am nächsten Freitag, 16. Oktober, lese ich in Duttweiler (Nähe Neustadt an der Weinstraße)  im Weingut Rösch. Vielleicht wohnt die eine oder andere Texterella-Leserin in der Nähe und kommt vorbei? MIch würde das unendlich freuen.. Hier geht es zur Anmeldung. 

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83 0 Texterella persönlich., 50+ Lifestyle 11.10.2026   alter, älterwerden

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