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Älterwerden ist nichts für Feiglinge. Diesen Spruch habe ich hier auf Texterella schon häufiger zitiert. Weil er wahr ist. Meistens passen bei mir die körperliche Hülle von 50 Jahren und das Herz von maximal 35 noch ganz gut zusammen – aber manchmal auch gar nicht. Dann fühle ich mich tatsächlich so alt wie ich bin.

Ich weiß, dass es vielen Frauen so geht. Nicht jede liebt ihre Falten, auch wenn sie natürlich vom gelebten Leben zeugen. Sicher, man kann cremen cremen cremen und hoffen, dass die Produkte ein bisschen von dem halten, was sie versprechen. Und ja, manche tun das sogar.

Oder man kann zu intensiveren Methoden greifen. Die ästhetische Dermatologie mit ihren Möglichkeiten ist ein Thema, das viele Frauen sehr interessiert. Mich auch. Nein, nicht um die Lippen zu Schlauchbooten aufzuplustern oder ein regloses, wenn auch glattes Gesicht zu bekommen. Sondern um die Zeichen der Zeit maßvoll aufzuhalten. Damit Hülle und Herz auch optisch zusammenpassen.

Im Gespräch: Dr. Juliane Habig, ästethische Dermatologin aus München.

Im Gespräch: Dr. Juliane Habig


Heute habe ich eine Spezialistin zu diesem Thema bei mir zu Gast: Dr. Juliane Habig aus München. Sie ist ästhetische Dermatologin mit eigener Praxis – und hat sich sehr viel Zeit genommen, um meine Fragen ausführlich, ehrlich und kritisch zu beantworten. Liebe Frau Dr. Habig, ganz herzlichen Dank dafür!

Wie sieht Ihr ganz persönliches Schönheitsideal aus?

Da würde ich gerne differenzieren in rein visuelle und holistische Schönheit. Visuelle Schönheit – das betrifft Menschen, mit denen ich nicht interagiere und beim Betrachten nur die sichtbaren Schönheitskriterien abrufe. Ich will hier nicht mit dem „goldenen Schnitt“ argumentieren, denn letztendlich gibt es viele Menschen, die diesem nicht entsprechen und trotzdem als schön wahrgenommen werden. Für mich gehören zur visuellen Schönheit vor allem miteinander harmonisierende Gesichts- wie auch Körperproportionen, schöne, sichtbar gepflegte Haut, Zähne und Nägel. Dabei müssen Fältchen oder Muttermale nicht stören, auch nicht ein paar Pfunde mehr oder weniger, solange alles miteinander harmoniert.

Holistische Schönheit umfasst mehr als das – wenn wir mit einer Person direkt interagieren und sie sich nicht nur über ein Foto präsentiert. Dann kann die rein visuelle Schönheit verblassen oder sich verstärken oder jemand, der rein visuell nicht schön ist, kann plötzlich im Ganzen viel schöner wahrgenommen werden. Für mich gehören zu diesen verschönernden Attributen unter anderem Intelligenz, freundliche Ausstrahlung, eine schöne Stimme und Sprache, passende Mimik und Gestik.

Schönheit statt Medizin? Was hat Sie als Ärztin bewogen, sich auf ästhetische Dermatologie zu spezialisieren?

Es geht nicht um „entweder – oder”, sondern um beides, Medizin und Schönheit, zusammen. Ich finde, dass die Facharztausbildung Dermatologie die richtige Basis zum Verständnis der Haut und damit die Grundlage für ästhetische Behandlungen zur Verbesserung des Hautzustands bildet. Ich habe mich immer ganz besonders für das Organ Haut interessiert und dafür, wie man es erhalten und seinen Zustand optimieren und verschönern kann. Mir war schon während des Studiums klar, in welche fachliche Richtung ich gehen wollte, so wie ich bereits als Kind immer Ärztin werden wollte. Während des Studiums hatte ich in meinen Jobs viel mit der Auslegung des Begriffs Schönheit und ihren individuellen Varianten zu tun, das hat meine visuellen Erfahrungen mit dem Thema sicher ein bisschen mit geprägt, aber nicht vornehmlich.


Das Thema ist so vielschichtig und die dermatologischen Möglichkeiten sind so interessant und anwendungstechnisch komplex, dass ich es als Herausforderung begreife, mich ständig zu verbessern, meinen Patienten zu helfen, sich gut und auch glücklich in ihrer Haut zu fühlen. Ich gebe zu, dass ich hohe Anforderungen habe. Das macht es mir selber nicht leicht, aber ich liebe es einfach, das Beste herauszuarbeiten, mögliche Defizite zu mildern und dabei die Natürlichkeit zu bewahren.

Wenn Sie einen Menschen kennenlernen – überlegen Sie dann gleich, wie er jünger oder schöner aussehen könnte bzw. wie Sie ihn behandeln würden? Oder sind Sie ganz unbefangen?

Außerhalb meiner Arbeit versuche ich so etwas zu vermeiden und bin meistens unbefangen, aber immer gelingt es mir nicht! Der Prozess des Analysierens läuft dann schon mal unterbewusst an. Aber nur kurz, denn dann werde ich mir dessen bewusst und stelle es ab. Gelegentlich aber wundere ich mich, warum manche Menschen sich so wenig um sich kümmern, ihre Gesundheit, ihre Haut, den Körper nicht pflegen und erhalten. Gesundheit und Schönheit sind ja kein Recht, sondern ein Geschenk und auch Ergebnis der Lebensweise.

Gibt es Patienten, die Sie wieder nach Hause schicken? Was machen Sie mit Patienten, die übersteigerte Wünsche und Vorstellungen haben? Erfüllen Sie jeden Behandlungswunsch?

Ich habe überhaupt kein Problem damit, Behandlungen abzulehnen. Allerdings begründe ich das genau, denn ich möchte diese Patienten davor bewahren, Fehler zu machen.

Manche Patienten empfinden sich selbst als hässlich oder sehen „Makel”, wo es objektiv gar keinen Grund gibt. Das kann von einfacher Besorgnis bis zur so genannten „Dysmorphophobie“ reichen. Dabei handelt es sich um eine seltene Störung der eigenen Wahrnehmung, die mit einer wahnhaften Überzeugung einhergeht, von einem äußerlichen „Defekt” betroffen zu sein. Ich sehe es auch als meine Aufgabe als Ärztin, das zu erkennen und diesen Patienten anderweitige Hilfe (zum Beispiel psychologische Betreuung) anzuraten. Sie können sich vorstellen, wie schwierig das ist, denn vor der Einsicht in die eigene Psyche haben viele Angst. Hier kann ich nur Wege aufzeigen, die Therapie selbst ist nicht meine Fachrichtung. Glücklicherweise kommt diese Störung selten vor. Die meisten meiner Patienten sind sehr vernünftig und haben realistische und sinnvolle Vorstellungen.

Meine Leserinnen möchten natürlich gerne jung bleiben – oftmals aber ohne Botox und Filler. Gibt es andere Behandlungsmethode, die die Haut nachhaltig verjüngen?

Das kommt immer auf die individuellen Voraussetzungen und Hautzustände der Patienten an. Beispiele für weitere Behandlungsmethoden sind vielfältige medizinische Peelingtechniken, Laser-, Licht-, Radiofrequenz- oder Ultraschallverfahren, Fadenlifting, Injektionslipolyse, Mesotherapie, Skinbooster, Eigenfettinjektionen, PRP (plättchenreiches Plasma),  Medical Microneedling und Stammzellen aus Fettgewebe. Nicht zu vergessen ist die passende Hautpflege.

Es gibt nicht das eine Allheilmittel, meistens liegt der Erfolg in einer sinnvollen, sensibel zurückhaltenden, gegebenenfalls kontinuierlichen Kombination verschiedener Verfahren zur Hautverschönerung. Ich selber wende diverse Techniken mit unterschiedlicher Gewichtung an. Wenn ich eine Methode für ineffektiv halte, arbeite ich nicht damit, auch wenn sie noch so beworben wird. Für mich zählt das Ergebnis. Patienten sollten sich nicht von unrealistischen Werbeversprechen einfangen lassen und im Hinterkopf behalten, dass die Hersteller technischer Devices oder Materialien zur Hautverschönerung unter hohem Druck stehen, ihre Geräte zu verkaufen. Da werden gerne mal etablierte Verfahren in neue Worte gekleidet, um den Schein des Innovativen zu wahren. Das Beste ist immer noch, sich von einer vertrauenswürdigen, sehr erfahrenen Dermatologin oder einem Dermatologen, die oder der nicht unter finanziellem Druck steht, beraten zu lassen.

Apropos Botox: Viele meiner Leserinnen haben Vorbehalte. Können Sie diese nachvollziehen? Oder anders ausgedrückt: Gibt es Risiken – und welche?

Botulinumtoxin – „Botox” ist der geschützte Name des gleichnamigen verordnungspflichtigen Medikaments und hat sich im Laufe der Zeit als Schlagwort etabliert – ist ja nichts Neues, sondern schon lange erprobt. 1980 wurde es erstmals gezielt einem Menschen als Medikament injiziert. 1989 wurde dann das erste Medikament, das Botulinumtoxin A enthielt, in Amerika zugelassen, nach der Erprobung zur Behandlung von Strabismus (Schielen), Blepharospasmus (krankhaftem Lidkrampf) und anderen Muskelerkrankungen. Dabei liegen die verabreichten Dosen übrigens viel höher als bei ästhetischen Indikationen. Der amerikanische Augenarzt Dr. Alan Scott hatte bereits das Verstreichen von Gesichtsfalten nach der Behandlung des Lidkrampfes als „Nebenwirkung” beobachtet. Seine Mitarbeiterin Dr. Jean Carruthers und ihr Mann Dr. Alistair Carruthers erforschten seit 1988 als erste die Möglichkeiten zur Faltenkorrektur mit Botulinumtoxin A. Die erste Publikation dazu erschien 1990, und ab 1995 nahm die Anwendung von Botox zur Behandlung von Mimikfalten exponenziell zu.


Vorbehalte gegen Botulinum werden nicht nur aus gesunder Skepsis, sondern auch aus Unwissen, falschen Informationen, reißerischen Berichten und Negativbeispielen genährt. Natürlich kann ich die Vorbehalte verstehen, aber wenn man sich etwas näher mit dem Thema beschäftigt, relativieren sie sich schnell. Ich will nichts verharmlosen, aber in erfahrenen Händen sind Komplikationen kaum zu erwarten, kleine Blutergüsse oder Schwellungen verschwinden schnell wieder, über extrem seltene spezifische Nebenwirkungen werden Patienten immer aufgeklärt. Mehr Besorgnis erwecken wohl eher die vereinzelten Negativbeispiele, auch in der Presse, wie hängende Augenlider oder Mundwinkel. Ich kann diese Bedenken gut nachvollziehen, aber solche Nebenwirkungen sind in sicheren Händen äußerst selten. Erfahrene Ärzte erkennen Gefahren, die etwa in der individuellen Anatomie begründet sein können, und behandeln vorsichtig.

Aber natürlich gibt es bestimmte Voraussetzungen, bei denen nicht mit Botulinumtoxin therapiert werden sollte, etwa bei akuten Hautkrankheiten oder Entzündungen, bei bekannter Unverträglichkeit, generalisierten Nerven- und Muskelerkrankungen, Immunstörungen, Schluckstörungen, Schwangerschaft und Stillzeit sowie Einnahme von bestimmten Antibiotika, Anästhetika oder Muskelrelaxantien.

In geübten Händen bietet Botulinumtoxin eine große Vielfalt sehr zufriedenstellender Therapiemöglichkeiten: Zum Beispiel können Zornesfalten, Stirnfalten, Lachfalten, Augenfältchen, „Krähenfüße”, Plisséfältchen der Oberlippe, Fältchen am Nasenrücken sowie senkrechte Falten am Hals geglättet oder Augenbrauen, dauerhaft herunter gezogene Mundwinkel, eine leicht verstrichene Kinnlinie oder die Nasenspitze angehoben werden. Aber auch andere Beschwerden wie übermäßiges Schwitzen können mit Botulinum sehr gut therapiert werden.

Ich möchte aber noch einen ethischen Aspekt ansprechen, der vielen nicht bewusst ist: In der Herstellung von Botulinumtoxin-Präparaten spielen die Untersuchungen zur Chargenfreigabe eine wichtige Rolle. Über Tierversuche und andere Methoden müssen die Produktsicherheit und Wirkstärke jeder einzelnen Charge nachgewiesen werden. Dies ist eine Auflage der Gesundheitsbehörden für Arzneimittelhersteller. Für die Überprüfung von Botulinumtoxin-Präparaten galt dabei bis 2011 ein Test an Mäusen als Standard. Erfreulicherweise ist es zwei der führenden Hersteller für Botulinumtoxinpräparate, nämlich zuerst Allergan und nun auch Merz, gelungen, ein Testverfahren zur Chargenfreigabe zu entwickeln, bei dem Zellkulturen verwendet und Versuchstiere nicht mehr benötigt werden. Die Testzulassungen erfolgten für die USA durch die Behörde FDA und für Deutschland durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Ich kann nicht nachvollziehen, dass es immer noch Ärzte gibt, die weiterhin Präparate anwenden, bei denen unnötige und unmoralische Tierversuche durchgeführt werden, wenn es doch Alternativen gibt. Ich rate Patientinnen und Patienten, denen dies am Herzen liegt, ihre behandelnden Ärztinnen oder Ärzte ganz konkret danach zu fragen.

Sind Filler eine gute Alternative zu Botox?

Hier kann man nicht von Alternative sprechen, da die Indikationen unterschiedlich sind. Botulinumtoxin wirkt gegen mimisch bedingte Falten, während Filler ein Volumendefizit behandeln. Der Therapieansatz ist jeweils ein anderer. Wenn allerdings beide Indikationen vorliegen, können auch beide Stoffe ergänzend eingesetzt werden.

Wie findet man einen guten ästhetischen Dermatologen? Worauf sollte man achten?

Tatsächlich gibt es ein paar einfache Regeln:

1. Schauen Sie sich im Lebenslauf an, wo die Dermatologin oder der Dermatologe ihre oder seine dermatologische Ausbildung gemacht hat.

Nach dem Studium erfolgt die Ausbildung bestenfalls an dermatologischen Universitäts- oder anderen weiterbildungsberechtigten dermatologischen Kliniken. Die Hälfte der Ausbildungszeit darf auch im ambulant-niedergelassenen Bereich erfolgen. Wer jedoch die Chance hat, an einer oder mehreren renommierten Kliniken seine komplette Facharztausbildung zu absolvieren, wird dies auch tun und die Klinik nicht vorzeitig verlassen. Auch wenn manche das nicht gerne hören: Der Wechsel in den niedergelassenen Bereich während der Facharztausbildungszeit erfolgt häufig notgedrungen (zum Beispiel weil man keine Vertragsverlängerung bekommt oder aus familiären Gründen etwa einfacherer Kinderversorgung) oder aus finanziellen Interessen. Meine Erfahrung ist, dass die fünfjährige dermatologische und gegebenenfalls 1,5-jährige allergologische Ausbildung an einer Universitäts- oder anderen renommierten Klinik die besten Voraussetzungen bietet, das gesamte, schwierige Feld der Dermatologie zu erlernen und zu begreifen. Auch wenn man später hauptsächlich ästhetisch-dermatologisch tätig sein möchte, sollte man dieses Wissen haben, um krankheitsbedingte Zustände erkennen und behandeln zu können. Mittlerweile gibt es auch an vielen renommierten Kliniken ästhetisch-dermatologische Abteilungen, die eine fundierte Grundlage für weitere Tätigkeiten in diesem Bereich legen.


2. Beachten Sie, ob die/der Dermatologin/e nach der Facharztausbildung noch einige Jahre vor der eigenen Niederlassung bei anderen renommierten, ästhetisch tätigen Dermatologen oder plastischen Chirurgen (in Kliniken oder Praxen) gearbeitet oder hospitiert hat.

Gerade im ästhetischen Bereich sind die Erfahrung und Anleitung verschiedener guter Lehrer wichtig, um sich ein umfassendes Bild zu machen und sich nicht zu überschätzen. Wenn man genug Erfahrung gesammelt hat und sich erst dann niederlässt, agiert man in der eigenen Praxis sicherer und zuverlässiger.

3. Führt sie/er einen Doktortitel? Eine Doktorarbeit ist zwar nicht ausschlaggebend für den Erfolg als ästhetische/r Dermatologin/e, lässt aber wissenschaftliches, strukturelles und lösungsorientiertes Denken erkennen.

4. Empfehlungen zufriedener Patienten helfen auch weiter.

5. Beim Beratungsgespräch sollten Sie folgende Fragen mit „ja” beantworten:

*  Erklärt die Ärztin/der Arzt verständlich? Wenn nicht, dann zumindest beim Nachfragen?
*  Kennt sie/er sich mit verschiedenen Herangehensweisen an das Problem aus? Erklärt sie/er Ihnen, welche Behandlungsverfahren für Sie passen und welche nicht?
*  Spüren Sie, dass sie/er die Anatomie Ihres Gesichts/Körpers versteht?
*  Geht sie/er auf Sie ein? Bietet beispielsweise an, erst mal mit sanfteren Methoden zu beginnen und in kleinen Schritten vorzugehen, falls Sie ängstlich sind?
*  Besucht sie/er regelmäßig Fortbildungen?
*  Gibt sie/er zu, wenn etwas nicht in den eigenen Fachbereich fällt oder sie/er in einem Bereich nicht spezialisiert ist? Denn wie in einem guten Restaurant, in dem die Speisekarte nicht zu riesig ausfällt, kann auch ein Arzt nicht in allem gut sein und sollte sich spezialisieren. Alles machen und können zu wollen, führt bestenfalls in die Mittelmäßigkeit.
*  Kooperiert sie/er mit anderen Fachrichtungen, falls nötig?
*  Herrscht ein freundlicher Umgangston mit den Mitarbeitern?
*  Achtet sie/er auf sich selber und hat eine gepflegte Erscheinung?
*  Arbeitet sie/er nur mit zertifizierten Originalpräparaten?


Diese Fragen sollten Sie mit „nein“ beantworten:

*  Haben Sie den Eindruck, sie/er versteht nicht, was Sie meinen?
*  Redet sie/er schlecht über andere Ärzte?
*  Bietet sie/er Dumping-Preise an? Denn: Erfahrung, Professionalität, das Quäntchen besser sein als andere, ausreichend Zeit, hochqualitatives Material haben ihren Preis. Dieser sollte nicht übertrieben sein, aber Qualität ist eben auch nicht billigst zu haben.
*  Macht sie/er den Eindruck, unter starkem wirtschaftlichen Druck zu stehen?

Was tun Sie selbst in Sachen Anti-Aging? Haben Sie ein paar Tipps für uns?

Fangen wir mal mit der Ernährung an, die einen erheblichen Beitrag dazu leistet. Ich esse recht antioxidantienreich (viel Gemüse und Obst) und eiweißreich (nicht-tierisch, zum Beispiel Quark, Hüttenkäse, Sojaprodukte). Low Carb ist allerdings Nichts für mich, ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kohlenhydrate (von Weizenmehl abgesehen) für meine Leistungsfähigkeit erforderlich sind, ebenso wie Kaffee. Ich finde, man muss auf seinen Körper hören, und Schokolade in Maßen erlaube ich mir auch. Fleisch kommt nur noch sehr sehr selten auf den Tisch und wenn, dann nur Biofleisch von Bauern, von denen ich weiß, dass sie ihre Tiere artgerecht und gut behandeln. Ich kann gut ohne Fleisch leben.

Auch bei der Hautpflege sind mir Antioxidantien wichtig, ebenso wie eine perfekte Komposition der weiteren Wirk- und Inhaltsstoffe. Dabei sollten die Reinigungs- und Pflegeprodukte auf den leicht sauren ph-Wert der Haut abgestimmt und bestens verträglich sein. Ich lege Wert auf Grundlagen aus hochwertigen Pflanzenölen (im Gegensatz zu Mineral- oder Silikonölen), da sie sich in die natürlichen Lipidschichten der Haut integrieren können. Eine perfekte Mischung aus High-Tech und Natur ist hier der Schlüssel zum Pflegeerfolg.

Viele Wirkstoffe mit Anti-Aging-Anspruch geben blumig hohe Versprechen und halten wenig oder nichts davon. Inflationär jagt ein Werbeversprechen das nächste und ein „neuer“ Wirkstoff den anderen, leider häufig irreführend und ohne Wirksamkeit. Da aber insbesondere Großproduzenten in rasender Geschwindigkeit fließbandartig neue Produkte auf den Markt werfen, fällt es kaum auf, wenn das Vorgängerprodukt nichts gebracht hat, denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Ich setze auf Wirkstoffe, für die in der dermatologisch-pharmazeutischen Fachwelt empirische bzw. evidenzbasierte Effektivitätsnachweise bestehen. Das erfordert ständige Beschäftigung mit dem Thema und der aktuellsten Literatur, um immer auf dem neuesten Stand zu sein, aber das ist ja auch mein Job. Durch die Entwicklung meiner eigenen Pflegeserie beschäftige ich mich fast schon exzessiv mit dem Thema der perfekten Kosmetik und arbeite daran nicht selten nachts oder an Wochenenden durch, wenn mich etwas fesselt. Von Anwenderinnen bzw. Anwendern kann man das natürlich nicht in dem Maß erwarten. Wer dennoch mal ein bisschen hineinschnuppern möchte, dem kann ich die gut verdauliche Leitlinie der Gesellschaft für Dermopharmazie „Dermokosmetika gegen Hautalterung“ empfehlen. Sie ist zwar nicht jahresaktuell, aber immer noch relevant.

Weiterhin unterscheide ich nicht in Tages- und Nachtpflege, denn ich halte eine dogmatische Einteilung in leichtere Produkte für den Tag und reichhaltigere für die Nacht für falsch. Die Pflege sollte prinzipiell auf den Hauttyp abgestimmt und damit leichter oder reichhaltiger in Bezug auf die Hautbeschaffenheit sein. Ich nehme sowohl tagsüber als auch abends ein in der Konsistenz leichtes, aber an Wirkstoffen hochdosiertes Produkt und trage bei trockenerem Hautzustand (etwa im Winter) darüber einen in der Konsistenz reichhaltigeren Vitamin-Booster auf. Diese beiden Produkte enthalten alles, was meine Haut braucht. Ein Lichtschutz kommt tagsüber noch extra darüber, gegebenenfalls auch im Make-up.

Ich halte es für essenziell, sich abends immer und ohne Ausnahme abzuschminken sowie nicht ohne gründliche Gesichts- und Körperreinigung und anschließende -pflege ins Bett zu gehen. So dusche ich auch zu spätester Nachtstunde noch. Konkret verwende ich für Gesicht, Hals und Dekolleté meine eigene Pflegeserie „Sensapur”, insbesondere das Sensapur Perfect Age-Defense Serum und die Sensapur Perfect Age Defense Booster Cream.

Und noch ein Tipp: Verwenden Sie Masken mal morgens direkt nach der Reinigung, wenn es die Zeit erlaubt. Es lohnt sich, dafür etwas früher aufzustehen, Sie werden merken, wie gut Ihrer Haut ab und zu eine Morgenmaske tut, vor allem nach kurzen Nächten.

Darüber hinaus gibt es noch Anti-Aging-Maßnahmen, die Nichts mit Ernährung und Kosmetika zu tun haben, die mir aber häufig bei jung gebliebenen Patientinnen und Patienten auffallen: Gutes tun, möglichst viel Zeit mit liebevollen und geliebten Menschen verbringen, Interessen pflegen und nie mit dem Lernen aufhören.


Vielen Dank, liebe Frau Dr. Habig, für das Gespräch!

***

Wer Frau Dr. Habig in ihrer Praxis besuchen will, findet sie in München am Promenadenplatz 12. Die Kontaktdaten finden sich auf ihrer Website.

 
Susanne Ackstaller, Freitag, 02. Dezember 2016, 06:00 Uhr
Kommentare: 1 | Aufrufe: 3786 | Kategorie: Beauty, Hautpflege, | Tags: schönheitinvasive methodenfillerdr. juliane habigbotoxbeautyästhetische dermatologin
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Kommentare

  • Danke für dieses ausgesprochen informative und ausführliche Interview.

    Die Unterscheidung zwischen visueller und holistischer Schönheit war mir (intuitiv) zwar schon lange klar - aber ohne den passenden Begriff dafür zu kennen ;-)
    Denn es gibt wirklich Menschen, die bei einem persönlichen Kontakt und im Gespräch bis zu einem gewissen Grad kleinere optische „Mängel” komplett vergessen lassen.

    Was ich ausgesprochen gut finde, sind einerseits die Checkliste, um einen guten Arzt zu erkennen, vor allem aber der Hinweis darauf, dass es durchaus Verfahren gibt, um Produkte ohne Tierversuche zu testen.

    Kurzum: Ich habe viel gelernt durch dieses Interview.
    Jetzt muss ich es nur noch umsetzen (angefangen mit den eher auf den Hauttyp als auf die Tageszeit abgestimmten Cremes ;-)

    Michaela
    am Freitag, 02. Dezember 2016 um 22:15 Uhr

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