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Janne Klöpper kenne ich seit zwei oder drei Jahren, ganz genau kann ich es nicht mehr sagen – irgendwann war sie einfach in meinem Leben. Was ich aber sicher weiß: Von Anfang an ist mir ihre klare Ausstrahlung verbunden mit Herzenswärme und echter Freundlichkeit aufgefallen. Sie ist sehr interessiert an Menschen, hört genau hin. Janne ist jemand, der im Gedächtnis bleibt.

Und sie ist eine Frau, die mich zuversichtlich stimmt, dass die (drohende) 50 vielleicht doch nicht ganz so schlimm ist. ;-) Ein Vorbild? Ja, ein bisschen schon. Während es andere mit 50plus langsam ein wenig ruhiger angehen lassen, hat sie ihr Leben in den letzten Jahren noch mal ganz neu aufgemischt und sich mit 53 aus einer festen Referentenstelle im Öffentlichen Dienst als Texterin, Moderatorin und Dozentin selbstständig gemacht: „Ich kann heute sagen: Es war genau die richtige Entscheidung. Ich mag die Vielfalt und Abwechslung, die meine Selbstständigkeit mit sich bringt, und ich mag die Freiräume, die ich dadurch habe.“ Ja, und als wäre das nicht genug, studiert sie, die diplomierte Sozialwissenschaftlerin, zusätzlich noch berufsbegleitend Arbeitswissenschaften an der Universität Hannover.

Janne Klöpper. Texterin, Moderatorin, Dozentin. Foto: Sandra Wille.

Janne Klöpper, 55. (Foto: Sandra Wille)


Da sage ich: Chapeau! Ich freue mich sehr, dass ich Janne für diese Reihe hier gewinnen konnte.

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

In der Oberstufe haben wir uns in Gemeinschaftskunde mal ein halbes Jahr lang mit dem Thema „Mode und soziale Identität“ beschäftigt. Das war 1976. Ich muss dazu sagen, dass ich auf einem recht fortschrittlichen Mädchengymnasium war. In dem Kurs ging es um Fragen wie: Tragen Mädchen, die eine Lehre machen, andere Kleidung als Mädchen, die zum Gymnasium gehen? Wenn du mit 16, 17 tagsüber einen Blaumann, einen Kittel oder eine Schwesterntracht tragen musst, hat Mode dann für dich eine andere Bedeutung, als wenn du immer tragen kannst, was dir gefällt? Inwiefern trägt Mode dazu bei, zu einer Gruppe dazuzugehören oder sich bewusst abzugrenzen? Kannst du mit Kleidung deine politische Überzeugung ausdrücken, zum Beispiel mit einem Palästinensertuch oder einer lila Latzhose? Wie ist es mit Menschen, die sich nichts Modisches leisten können? Wer bestimmt überhaupt, was modern ist? Und wie kommt es, dass viele Menschen kritiklos jede Mode mitmachen? Wie entwickelt sich ein eigener Geschmack?


Janne Klöpper. Texterin, Moderatorin, Dozentin.

Sprach-Camp im Schweden (1982): Janne liebt Skandinavien ...

Dieser Kurs hat meine Einstellung zu Mode sehr geprägt. Seitdem bin ich den kritischen Blick nicht mehr losgeworden. Heute betrifft der vor allem die Modeindustrie: Sie ist für mich das Gegenteil von sozial und nachhaltig. Die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in den asiatischen Fabriken, der umweltzerstörende Anbau von Baumwolle, die auf den Feldern und in der Fertigung eingesetzten Chemikalien, die mageren Models, die massenhafte Billig-Mode … All das kann und will ich nicht ausblenden, wenn es um Mode geht.

Janne Klöpper. Texterin, Moderatorin, Dozentin. Foto: Sandra Wille.

... und skandinavisches Design! (2015; Bluse: Two Danes; Foto: Sandra Wille)

Dabei mag ich Stoffe und Schnitte und Textildesign total gerne. Deshalb habe ich auch immer viel genäht. Vor allem mag ich langlebige und praktische Kleidung, die ich gut miteinander kombinieren kann. Ich habe mir wirklich selten etwas gekauft, nur weil es gerade modern war. Natürlich kaufe ich modische Sachen, wenn sie mir gefallen. Da muss aber schon „Janne“ draufstehen und ich muss sicher sein, dass ich sie länger als eine Saison gut finde.

Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert? Hattest du modische Vorbilder?

Als Teenie habe ich mich an älteren Mitschülerinnen orientiert, die ich toll fand. Ich trug Miniröcke und Schlaghosen, Hippie-Kleider und Jesuslatschen. Und Clogs aus Dänemark, das ganze Jahr über – im Winter dann eben mit selbstgestrickten Socken. Meine Eltern waren da sehr liberal. Sie fanden nicht alles schön, was mir gefiel, haben mir aber auch nichts verboten. Allerdings war zu Hause nie viel Geld da, so dass alles, was ich mir vom Babysitter-Lohn gekauft habe, sehr wertvoll war für mich, ob das Bücher, Kassetten oder Klamotten waren. Dementsprechend lange habe ich die Sachen gehabt. Ich erinnere mich an ein langes buntes Kleid aus einem Indien-Laden. Das habe ich mir mit 16 gekauft und mehrere Jahre getragen.


Janne Klöpper. Texterin, Moderatorin, Dozentin.

„Bevor meine Haare grau wurden, hatte ich Locken!” (1984)


In den 1980er-Jahren habe ich in Berlin gelebt. Der Bruder meines damaligen Freundes hatte in der Oranienstraße einen Laden mit Second-Hand-Klamotten aus Brüssel. Dort gab es auch selbstgenähte Sachen: Kleider und Röcke aus wild gemusterten Fünfziger-Jahre-Gardinenstoffen und Jacken aus Herren-Bademänteln oder bunten Wolldecken. Das war eine sehr eigenwillige Kreuzberger Mischung, und ich habe dort viel gekauft. Bis auf meine geliebten hautengen grau-schwarz oder rot-schwarz gestreiften Jeans: die gab es auf dem Flohmarkt als Direktimport aus England. Kombiniert habe ich sie mit schwarzen T-Shirts und Kapuzenjacke. Ein bisschen Punk musste einfach sein. Danach kam dann die Henna-Phase mit Blümchenkleidern, selbstgestrickten Pullovern und der unverzichtbaren Jeansjacke. Die typische Achtziger-Jahre-Mode mit Karottenhosen und Seidenblousons, Dauerwelle und Schulterpolstern ist zum Glück komplett an mir vorübergegangen.

Janne Klöpper. Texterin, Moderatorin, Dozentin. Foto: Sandra Wille.

Lieblingskleidungsstück in Eisprinzessinnenblau! (2015; Foto: Sandra Wille)

Heute trage ich immer noch, was mir gefällt und worin ich mich wohl fühle – Mode hin oder her. Seit vielen Jahren bin ich häufiger in Kopenhagen, um Freunde zu besuchen. Dann laufe ich gerne durch Østerbro und stöbere in den kleinen Läden. Ich mag nämlich das skandinavische Design ganz gerne: Two Danes, Jackpot, Henriette Steffensen. Aber auch die Sachen von Marimekko aus Finnland, People Tree aus Großbritannien und von Deerberg. Und ich bin froh, wenn ich Kleidung finde, die unter einigermaßen fairen Bedingungen produziert und gehandelt wird.

Mittlerweile gebe ich mehr Geld aus für Kleidung als früher. Das liegt einfach an meiner Arbeit: Als Moderatorin fühle ich mich sicherer, wenn ich etwas trage, worin ich mich absolut wohl fühle, und zwar von Kopf bis Fuß. Hosenanzug, Kostüm und Pumps gehören für mich definitiv nicht dazu. Ich kann mich einfach nicht verkleiden. Dafür habe schon häufiger von Teilnehmerinnen und Teilnehmern Komplimente für meinen Stil bekommen.

Hast du ein Lieblingskleidungsstück?

Die Kapuzenjacke von Mufflon mit der Kängurutasche. Sie ist aus gewalkter Schurwolle und perfekt für lange Herbst- und Winterspaziergänge, weil auch Hände und Kopf schön warm bleiben. Außerdem finde ich dieses leuchtende Blau klasse. Stell dir das mal in einer verschneiten sonnigen Landschaft vor. Eisprinzessinnenmäßig genial, oder?

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Früher habe ich mir darüber nicht so viele Gedanken gemacht. Heute ist das anders. Wenn ich auf der Bühne stehe, um eine Tagung zu moderieren oder wenn ich einen Workshop leite, überlege ich genau, was ich anziehe und wie ich wirken möchte. Noch wichtiger ist natürlich, dass ich inhaltlich gut vorbereitet bin, mich auf die Situation und die Menschen einlassen kann, schlagfertig bin und gut improvisieren kann.

Janne Klöpper. Texterin, Moderatorin, Dozentin.

Sommer in Schweden! Mit Hennafarbe in den Haaren! (1989)


Ich finde es völlig okay, dass man mir mein Alter ansieht. Meine Haare sind ziemlich früh grau geworden. Irgendwann musste ich mich entscheiden, ob ich sie zukünftig jede Woche mit Henna färben will. Was ich nämlich gar nicht mag, sind graue Haaransätze durch rausgewachsene Farbe. Also habe ich mir mit Ende 30 die Haare mal wieder raspelkurz schneiden lassen und dem Henna Adieu gesagt. Seitdem habe ich sie nicht mehr gefärbt. Ich finde meine grauen Haare schön und bin gespannt, wann ich ganz weiß bin.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Wasser und Seife – schon immer. Dazu Hautpflege und Kosmetik ohne tierische Substanzen und mit möglichst wenig Chemie. Ich habe Neurodermitis und eine extrem empfindliche Haut. Deshalb benutze ich zum Beispiel überhaupt kein Make-up. Da kribbelt die Haut schon, wenn ich nur daran denke.

Janne Klöpper. Texterin, Moderatorin, Dozentin.

Urlaub in Holland. Weil Meer glücklich macht, und schön. (2006)

Durch meine Arbeit im Hamburger Landeslabor, wo auch Pflegeprodukte und Kosmetik amtlich untersucht werden, habe ich viel über Inhaltsstoffe, Unverträglichkeiten und geschickte Werbe-Aussagen gelernt. Seitdem glaube ich an die Wirksamkeit von Marketing und die Macht der Psychologie. Wer 120 Euro für ein Tiegelchen Anti-Falten-Creme mit „luxury skin feeling“ ausgibt, würde wahrscheinlich nicht zugeben, dass das Geld faltenmäßig zum Fenster rausgeschmissen ist. Denn das „luxury skin feeling“ ist vermutlich sogar spürbar bei dem Preis. Ich würde die 120 Euro lieber in Wasser investieren, nämlich in eine Jahreskarte fürs Schwimmbad. Oder in einen Yogakurs.

Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei (Kosmetik-)Produkte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein?

Weil meine Haut so trocken ist, brauche ich immer eine Feuchtigkeitscreme, zum Beispiel von Lavera oder Alterra. Das Balsam-Deo von sebamed muss auch sein, und Wimperntusche.

Würdest du dich für die Schönheit unters Messer legen? Oder Botox, Filler etc. nutzen?

Ich finde es enorm bewundernswert, was die plastische Chirurgie alles leisten kann. Als ich während des Studiums mal im Krankenhaus gejobbt habe, durfte ich bei einer Operation zugucken. Dort wurden einem jungen Mann Jochbein und Kiefer wieder zusammengesetzt, nachdem er durch die Autoscheibe geflogen war. Der wäre ohne die Kunst der Gesichtschirurgen echt entstellt gewesen. Das hat mich sehr beeindruckt.

Aber nur für die Schönheit unters Messer? Nein. Ich würde mir auch nie freiwillig ein Nervengift spritzen lassen – das ist Botox nämlich. Filler ... sagt mir gar nichts. Ich mache noch nicht mal Diät, nur weil ich ein paar Kilo zugelegt habe, seitdem ich in den Wechseljahren bin.

Janne Klöpper. Texterin, Moderatorin, Dozentin

Wahre Worte: „Inneres Strahlen braucht kein Rouge.” (2009)

Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Draußen sein, bei Wind und Wetter. Möglichst keine direkte Sonne. Spazierengehen, Radfahren, Schwimmen. Yoga. Haltung. Zufriedenheit. Liebe. Weil: Inneres Strahlen braucht kein Rouge.

Was ist für dich die größte Herausforderung am Älterwerden? Und die schönste Überraschung?

Meine Augen werden schlechter. Das macht mir wirklich zu schaffen. Lesen und schreiben und nähen und Gemüse schnibbeln ... ohne Brille geht das gar nicht mehr. Hmpf.

Die schönste Überraschung ist, dass ich immer noch große Lust habe, etwas Neues auszuprobieren und mir die Ideen nicht ausgehen. Die Neugier auf das Leben lässt nicht nach, und das ist richtig schön.

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Sei widerspenstig, konstruktiv und phantasievoll.

Liebe Janne, danke fürs Dabeisein, für deine klugen Worte und dafür, dass du mir (und anderen sicher auch!) zeigst, dass 50 tatsächlich nur eine Zahl ist! :-*

***

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Susanne Ackstaller, Montag, 14. Dezember 2015, 06:00 Uhr
Kommentare: 13 | Aufrufe: 2819 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: texterinmontagsinterviewmoderatorinjanne klöpperinterviewfrauen ab 50dozentin
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