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„Leben. Lieben. Kunst machen“, antwortete Sarah Ines Struck auf meine Frage, was ihr wichtig ist. Und genauso lebt und arbeitet sie auch: In ihrem Brotjob ist Sarah »dieTextorin« für Social Media und PR. Ihre Berufung aber ist die Kunst.

Die poetische Gabe wurde ihr als Tochter der Schriftstellerin Karin Struck wohl mit in die Wiege gelegt, und schon als Teenager schrieb sie erste Verse und Erzählungen. Seit 2002 hat sie als Sarah Ines bei verschiedenen Verlagen Lyrik und Prosa veröffentlicht. Sie beschränkt sich aber nicht nur auf die Poesie des Wortes, sondern beteiligte sich 2003 an Augusta Laars Mailartprojekt „Madonna sagt ...“ und an dem Crossartprojekt „Die Bibliothek der Aphrodite“ der zyprisch-britischen Künstlerin Mary Plant. Derzeit experimentiert sie mit Spoken-Word-Remixes. Als Verlegerin des Storia Verlags publiziert sie auch Bücher von Autorenkollegen. Und sie ist Mitveranstalterin des Schamrock-Festivals der Dichterinnen, das im Herbst 2014 zum zweiten Mal in München und Wien stattfinden wird.

„Ich war schon immer etwas anders als die meisten anderen“, sagt Sarah von sich selbst. „Schon von der schüchternen Schülerin hieß es: ‘tanzt aus der Reihe’. Positiv konnte ich das aber erst als Studentin sehen und dann erst tatsächlich aus der Reihe tanzen.“


Sarah Ines Struck, 43. (Foto: Robert Haas)

Ihre Kindheit hat sie emanzipativ geprägt: „Als Tochter einer alleinerziehenden 68er-frauenbewegten, aber nichtsdestotrotz autoritären Mutter und Schwester von drei jüngeren Brüdern hatte ich wenig Gelegenheit, übliche Weibchen-, Rollen- und Intrigenspielchen zu lernen und goutiere diese auch heute noch nicht, weder im Beruf noch im Privaten.“

Kurz: Eine spannende Frau, durch und durch – und im Übrigen kein bisschen so ernst und distanziert, wie es von den Fotos scheinen mag. Sondern warmherzig, lustig und unkonventionell. Ihr „mögliches Mantra” finde ich persönlich ganz wunderbar und merkenswert. Aber stopp! – nicht ‘runterscrollen bis zum Ende! Sonst verpasst du was!


Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben?

Was ist Mode? Ein Fashion Victim war ich nie. An „offiziellen” Trends habe ich mich nie orientiert. Mode- und Frauenmagazine langweilen mich. Warum soll ich mir Kleider anschauen, die ich mir nie werde kaufen können. Mich inspirieren Menschen und Bilder und Geschichten, auf der Straße, im Leben, in der Kunst, und eben auch bei Klamotten.


Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum?

Als junges pummliges Mädchen habe ich Kleider mit viel Stoff getragen, aber auch schon mal zwei verschiedenfarbige Strümpfe, schwarz und rosa. Das sportliche Jeansmädchen war ich nie. Eher unbeabsichtigt Hippiemädchen. Als Studentin kam dann ein Style hinzu, den man heute Vintage nennen würde.


Auch mit 20 schon ganz „Sarah”.

Später habe ich den eher klassisch-eleganten Stil entdeckt, aber immer mit konterkarienden Details. Ein sexy Strumpf zum Kostüm zum Beispiel. Oder lieber ein Top in Knallrot statt einer langweiligen Bluse. In den letzten Jahren werde ich klamottenmäßig aber eher wieder ein bisschen verrückter. Besonders ungewöhnliche Strümpfe liebe ich. Und Sexiness sowieso. Warum soll frau sich langweilig anziehen, es gibt schon genug Routine im Leben.


Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Nein, modische Vorbilder oder überhaupt Vorbilder im eigentlichen Sinne hatte ich nie. Einflüsse gab es natürlich, ob von meiner Ma oder auch von Künstlerinnen oder Schlüsselfiguren meines Lebens oder Frauen auf der Straße. Oder einfach etwas, das ich im realen oder digitalen Schaufenster sehe und das mich visuell anspricht. Inspirierend finde ich Ären wie den Bohème- oder Pinup-Style oder auch die klassische Eleganz aus den Zwanzigern oder Vintage aus den Siebzigern oder Riot Grrrls und Gothic-Punkladies der Neunziger.



Ein bisschen Bohème: Magister-Feier 1998.


Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück? Wenn ja, welches?

Nein, das wechselt. Es sind eher die Farben, die ich favorisiere, viel Rot und Schwarz. Oder dann auch mal episodisch Military-Farben oder Leopard oder im Sommer Jeansoptik, Türkis oder Orange.


Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Laut Coco Chanel kann eine Frau „mit 19 entzückend, mit 29 hinreißend sein, aber erst mit 39 ist sie absolut unwiderstehlich. Und älter als 39 wird keine Frau, die einmal unwiderstehlich war!“ Natürlich denkt eine Frau, wenn sie vierzig wird, darüber danach, was war und was noch kommt und ob sie vielleicht Falten kriegt. Das habe ich auch getan, insbesondere in der Zeit, wo ich privat nicht mehr begehrt wurde. Aber meiner Meinung nach wird zu viel über das Alter geredet. Irgendetwas Unperfektes gibt es immer an einem Körper. Wenn frau jung ist, glaubt sie, sie habe zu kleine Brüste und später sind es halt Fältchen.


„Warum soll frau sich langweilig anziehen, es gibt schon genug Routine im Leben.” (Pressefoto Schamrock-Festival 2012).

Begehren und begehrt werden hat aber sehr wenig mit dem Aussehen oder Alter zu tun, das ist jedenfalls meine Erfahrung, auch in der letzten Zeit wieder verstärkt, sondern es geht darum, wie frau sich selber fühlt und was sie vom Leben begehrt und was sie aus sich macht. Das erzeugt eine Ausstrahlung, die mit Kleidung oder dem Aussehen nichts zu tun hat. Insofern hat sich meine Einstellung zu Schönheit und Aussehen nicht verändert.


Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Von Anti-Age-Cremes halte ich nichts, davon bekomme ich nur Pickel, aber viel Feuchtigkeit braucht meine Haut definitiv, und zwar jeden Tag.


Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Welche drei (Kosmetik-)Produkte kaufst du sofort?

Gesichtswasser von Garnier zum Reinigen, Creme von Oil of Olaz fürs Gesicht und eine Bodylotion von Lavera.


Lesung im Schamrock-Salon der Dichterinnen. (2010)


Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Ob das Schönheitsgeheimnisse sind? Sich wenigstens einmal die Woche Zeit für eine ausgiebigere Körperwellness nehmen. Gut und einigermaßen ausgewogen mit Genuss essen. Kleidung wie eine zweite Haut betrachten, über die ich nur intensiv in dem Moment nachdenke, in dem ich sie anziehe. Viel Sex mit Herz haben. Etwas vom Leben begehren. Sich selbst respektieren.


Lieblingsfarben: rot und schwarz.


Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Ein Mantra meines Lebens könnte sein:

„In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“ (Augustinus)

Danke, liebe Sarah, für deine spannenden Antworten! Ein wenig vermisst habe ich aber einen Satz zum Thema Lippenstift! Denn ich kenne wirklich keine andere Frau, die ihre Lippen so konsequent und akkurat nachzieht wie du! :-D

***
Mehr spannende Interview mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick!

 
Susanne Ackstaller, Montag, 10. März 2014, 08:00 Uhr
Kommentare: 5 | Aufrufe: 7163 | Kategorie: Beauty, Mode, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: schönheitsarah ines struckmontagsinterviewmodekunstinterviewfrauen ab 40
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Kommentare

  • SARAH,

    Du bist und bleibst die Beste!

    Frank

    Frank Hartmann
    am Dienstag, 29. April 2014 um 17:40 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • das Interview ist Spitze, Sarah und vor allem Du selbst!!!!!!!!!!!!!!!
    Es grüsst herzlichst, Annegret

    Annegret Soltau
    am Freitag, 21. März 2014 um 22:07 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wirklich unwiderstehlich, Sarah!
    Ich werde öfter versuchen, das Augustinus-Mantra und das „etwas-vom-Leben-Begehren” zusammenzupacken. ;-)

    Martina
    am Montag, 10. März 2014 um 17:37 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Auch heute wieder ein großes Dankeschön für dieses wunderbare Portrait! Oh ja, Begehren ist so wichtig. Gut, dass einmal schwarz auf weiss zu lesen. Lustig war, dass ich wirklich direkt versucht war, das Mantra zu lesen, ohne den Text dazwischen. Aber ich hab mich dann doch zurückhalten können.

    Tolle Frauen hat das Land!

    Farbenfreundin
    am Montag, 10. März 2014 um 11:55 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Was für eine überaus spannende Frau!

    Zumal eine, die so „brennen” kann, dass sie für ihr jeweiliges Thema erkennbar gelebte Leidenschaft ist.
    Und bereichernde Gesellschaft in jeder Runde allemal!

    Danke für das Interview, Susi, und Sarah dank für ihre knackigen Statements!

    Michaela
    am Montag, 10. März 2014 um 10:35 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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