Texterella liebt Mode.
Meine neue Weiblichkeit: Bin ich auf dem Weg zur Tradwife?
Um Himmels willen. Hat die Retrowelle jetzt auch mich erfasst? Ich, die ich doch erst vor kurzem über die politisch-feministische Seite von Mode schrieb, stelle fest, dass mich weit schwingende Midiröcke geradezu magisch anziehen. Ich, die ich jahrzehntelang praktisch nur Hosen trug, finde mich jetzt mit der klassisch weiblichen Silhouette unserer Mütter wieder: weiter Rock, schmale Taille (soweit die Wechseljahre das zulassen …;-)), weiße Bluse. Schuhe mit Absatz!
Was ist nur los mit mir? Bin ich womöglich auf dem Weg zur Tradwife – und werde euch bald mit Beiträgen übers Brotbacken und Blumenbinden beglücken? Und in einem weißen Spitzenschürzchen meinen Mann mit einer Tasse frisch gebrühten Kaffee nach einem Arbeitstag begrüßen (momentan ist es ja andersherum: Momentan kocht mein Mann mir den Kaffee! ;-)), während ich den Tag mit Couchkissen aufschütteln und Kochrezepte studieren verbracht habe …

Los ging’s ja bereits im letzten Jahr, als ich bei einem meiner seltenen Stadtbummel in Freising einen wunderschönen Rock der Marke Lunatica Milano im Schaufenster sah. Größe 44. Na gut, ein bisschen knapp. Aber wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg (und eine Sicherheitsnadel). Es war, als hätte ich eine Lawine losgetreten, denn plötzlich waren sie überall: Röcke mit tiefen Kellerfalten, die durch ihre Midi-Länge meine Besenreiser auf perfekte Weise überspielten. Und mir trotz schwindender Taille geradezu eine Sanduhr-Silhouette zauberten (zumindest von vorne, von der Seite sieht es nicht mehr ganz so schmeichelhaft aus! ;-)) Aber so sehr mir der Look gefiel, ein wenig seltsam fühlte ich mich doch – mit dieser neuen Weiblichkeit. Förderte ich damit womöglich den Backlash der Fünfzigerjahre, den ich auf der anderen Seite anprangerte?
Zumal ich feststelle, dass mir diese Looks durchaus eine neue Sichtbarkeit verleihen. Als würden Menschen – Frauen wie Männer – ihre Augen in dieser wirren, irren, durchgeknallten Zeit gerne auf Outfits ausruhen lassen, die sie ein wenig an eine „gute alte Zeit“ erinnern, wo die Welt (vermeintlich!) noch in Ordnung war.
Aber von nostalgischen Seufzereien mal abgesehen, treibt mich die Frage um: Dürfen Frauen von heute mit einer feministischen Grundhaltung ihre Weiblichkeit betonen? Oder müssen wir uns zumindest neutral kleiden, dabei weder unseren Busen noch unsere Taille betonen, um ernst genommen zu werden – und natürlich schon gar nicht die Fußnägel lackieren?
Tatsächlich bin ich mit meinen Überlegungen zu diesem Thema noch nicht fertig. Aber so viel ist sicher: Ich trage Röcke nicht um weiblicher zu wirken, sondern ich trage sie, weil ich weiblich bin. Und weil sie mir gefallen. Ich mag es, wenn das Material so luftig schwingt und meine Beine umschmeichelt. Ich mag die aufrechtere Haltung, zu der mich der Absatz geradezu zwingt. Und ja, ich mag es auch, wieder eine Taille zu sehen, die ich durch drei Schwangerschaften und die Wechseljahre schon fast verloren geglaubt hatte.





Vielleicht ist genau das der Punkt: Feminismus war nie dafür da, Frauen in ein neues Korsett zu zwingen. Nicht in das der Fünfzigerjahre – aber auch nicht in das einer androgynen Uniform, in der Weiblichkeit schon wieder verdächtig wirkt. Ich jedenfalls werde weiterhin tragen, was mir gefällt: mal Hose, mal Midirock, mal Lippenstift, mal ganz etwas anderes. Nicht um jemandes Ideal zu bedienen, sondern weil ich mir selbst gefallen will. Und vielleicht ist genau das am Ende die freieste Form von Weiblichkeit und die ehrlichste Art von Feminismus.
Was denkst du: Kann man auch mit Wespentaille Feminstin sein? Ich bin gespannt auf deine Meinung!
Look:
Rock: Bonprix
Bluse: Woolrich (schön älter und nicht mehr verfügbar. Diese hier von Seidensticker ist eine Alternative. Oder diese hier.)
Gürtel: Marina Rinaldi (Second Hand gekauft … und ich habe leider tatsächlich keinen vergleichbaren gefunden. Außerdem diesem hier – die Luxusvariante. ;-)
Pantoletten: Bonprix (ich kann übrigens nicht finden, dass der Schuh eng ausfällt ...)
Seidentuch: Bonprix
Mehr Mode gibt es wie immer hier und da. Die Röcke aus den Collagen (und noch ein paar mehr) habe ich euch der Einfachkeit halber hier gesammelt verlinkt.
Lippenstift: LONI BAUR (Ruby Red)
Fotos: Martina Klein
Angaben zur Transparenz: Die Produktlinks im Beitrag sind überwiegend Affiliate-Links, d.h. wenn du über diesen Link einkaufst erhalte ich eine kleine (!) Provision. Die setze ich dann zumeist in Kleidung um, die ich euch dann wieder im Blog zeige. Das muss diese Kreislaufwirtschaft sein, von daher immer die Rede ist. ;-))
Und sonst so?
→ Es gibt neue Workshop-Termine! Am 7. und 8. Oktober 2026 kommen wir mit „Unfotogen? Gibt’s nicht!“ (wieder) ins Orpheum nach Nürnberg. Wer Lust hat, dabei zu sein, schreibt mir eine kurze Mail, dann schicke ich dir (ganz unverbindlich) weitere Informationen.
Für alle, die zufällig in diesen Beitrag reingestolpert sind und nun gar nicht wissen, um was es geht: Fotografin Martina Klein und ich sind davon überzeugt, dass jede Frau jeden Alters und mit jeder Kleidergröße auf Fotos gut und attraktiv aussehen kann! In unseren Workshops „Unfotogen? Gibt’s nicht!“ geht es genau darum: Frauen in einem geschützten Raum mit maximal vier Teilnehmerinnen ihre Unsicherheit vor der Kamera zu nehmen, sie zum Strahlen zu bringen und sie (nicht nur vor Martinas Fotolinse) in ihrem Selbstbewusstsein zu bestärken. Und sie nach diesem Tag mit wunderschönen Bildern nach Hause zu schicken! Wenn auch du Fotos von dir möchtest, auf denen du dich wohlfühlst und zu denen du einfach nur “Wow!” sagst, dann laden wir dich ein zu einem Tag, der besonders werden wird. Lass dir gerne unsere Workshop-Broschüre schicken oder dich auf unseren Newsletter setzen, auf dem wir neue Termine und Locations bekanntgeben. Mail an mich genügt!
2 Kommentare
am Sonntag, 19. April 2026 um 08:34 Uhr
Oh, diese Schubladen!!!
Guten Morgen, liebe Susi,
toll siehst Du aus mit diesem Rock! Und dieser Unsinn vonwegen Tradewifes samt der Frage, DÜRFEN wir in diesen Zeiten . . ja WAS denn, ja wo simma denn?
Wir dürfen alles, was uns gefällt und uns gut tut. Wer wollte es uns verbieten, uns tollen, tüchtigen, schicken Frauen, die wir allesamt sind.
So, das musste jetzt dringend aus mir raus und ich bin nur froh, dass ich in Deinem Artikel mal wieder die feine Ironie . . oder wars schon Sarkasmus . .gefunden habe, die ich an Dir so mag.
Allen hier einen schönen Sonntag und Dir besonders.
Liebe Grüße von Kerstin (die jetzt 83 ist und sich gerade so einen schwingenden, bunten Rock in diversen Türkis-Abstufungen gekauft hat.)
am Sonntag, 19. April 2026 um 08:42 Uhr
Liebe Susi,
Bedeutet Feminismus denn nicht ,die Freiheit zu tragen was uns gefällt? Uns nicht in vorgepreßte Dpgmen zwängen zu lassen und zu entscheiden - heute ist mir nach Rock oder Kleid und morgen nach Hosenanzug. Ich würde mich da nicht irritieren lassen, Du bist doch sonst ganz klar, in dem was Du willst und was nicht. Absatzschuhe sind für mich allerdings nach zwei Hüft-Ops mittlerweile passè. Wir haben ungeahnte Möglichkeiten, nutzen wir sie doch!
Einen schönen Sonntag wünsche ich Allen.
