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Soll ich dir was verraten? Ich hätte mich fast gar nicht getraut, Isabel Bogdan um ein Montagsinterview zu bitten. Weil sie so tolle Sachen macht. Weil sie ohnehin so viel beschäftigt ist. Und weil ... ach, was weiß ich. Es gibt ja immer tausend Gründe, irgend etwas nicht zu tun. Aber dann habe ich an ihr Buch gedacht: Sachen machen. In dem es genau darum geht: sich trauen. Neue Dinge tun. Neugierig bleiben.

Und dann habe ich mich doch getraut.

Isabel Bogdan also. Eigentlich ist sie Literaturübersetzerin. Uneigentlich schreibt sie selbst. Ein Buch – das oben erwähnte „Sachen machen” – ist 2012 erschienen, 2016 kommt ihr erster Roman, in dem es um einen verrücktgewordenen Pfau in Schottland geht. Alles klar? ;-) Dann ist Isabel auch noch Bloggerin. Überhaupt ist das Internet für sie ein großer Impulsgeber. Zusammen mit Maximilian Buddenbohm (ja, der von Herzdamengeschichten) erzählt sie auf wasmachendieda.de von Menschen, die was machen.


Isabel Bogdan porträtiert von Maximilian Buddenbohm
Isabel Bogdan, 46. Foto: Maximilian Buddenbohm. (Ich liebe dieses Bild!)


Und weil das noch nicht reicht, ist sie ein klein wenig auch Model. Für zwei kleine Hamburger Labels – garment und Annette Rufeger –, die nicht nur wunderbare Mode machen, sondern sie auch noch regional fertigen, hat sie sich vor die Kamera gestellt (dazu weiter unten mehr!). Das ist insoweit ziemlich lustig, weil sie bis Anfang 30 mit Mode ziemlich wenig am Hut hatte ...


Wie würdest du deine Einstellung zu Mode beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Ich habe als Kind keine Mode „gelernt“. Man zog halt etwas an. Viel Geerbtes von irgendwoher, der Rest kam von C&A. Als Jugendliche war mir ziemlich klar, dass ich nicht cool oder schick aussah – aber nicht, was ich dagegen hätte tun können.



Hochzeitsgast 1997: Die brave Bluse. Mit Blümchen!


Als Studentin habe ich ausgerechnet in einem Bekleidungshaus als Verkäuferin gejobbt, Abteilung „Damenoberbekleidung“, wo die Sachen, vorsichtig ausgedrückt, eher brav waren. Nach dem Studium sah ich immer noch aus wie immer: ordentlich, nichts dran auszusetzen, aber eben langweilig und brav. Jeans und Pulli.


Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert?

Ich habe es gerne schlicht und edel. Schlicht schon immer, für „edel“ musste ich erst ein Gefühl entwickeln, das kam immerhin über den Studentenjob. Für das Gefühl, wo etwas Schlichtes einfach nur langweilig ist, und welche Details es zu etwas Besonderem machen, habe ich etwas länger gebraucht.



Hochzeitsgast 2010: knallrot und mit Hut!


Vor neun Jahren zogen wir nach Hamburg, und ich entdeckte die kleinen Designerinnen, allen voran garment, dann Annette Rufeger. Als ich das erste Mal bei garment reinkam, hat es irgendwie „klick“ gemacht: Das war es, was ich wollte und was ich bis heute will. Sehr schlicht, gleichzeitig sehr besonders, sehr edel und cool. Ich trage heute oft Röcke oder Kleider, kaum noch Jeans und Pullis. Ich bin immer gern eine Winzigkeit overdressed und bekomme Komplimente. Ich! Komplimente für meine Kleidung! Völlig neues Lebensgefühl. Jetzt muss ich nur noch ein bisschen mutiger werden.



Hanseatenlook! (2010) Foto: Stefan Groenveld.


Eine weitere große Veränderung kam daher, dass ich angefangen habe, mich mit den Produktionsbedingungen von Kleidung zu beschäftigen. Was in der Bekleidungsindustrie in Fernost geschieht, ist indiskutabel und unwürdig. Und das betrifft nicht nur die Billigmode, sondern die allermeisten Kleidungsstücke, die es hier in den Fußgängerzonen zu kaufen gibt. Ich kaufe nichts mehr, wo „Made in Bangladesh“ oder „Made in China“ drinsteht, ich gehe nicht mal mehr in Geschäfte, wo diese Dinge verkauft werden.

Die schönen Sachen kommen von den kleinen Designerinnen (ja, das ist nicht ganz billig, aber dafür hält es auch ewig – physisch ebenso wie modisch), und die Basics dazu kommen von Bio- und Fair-Herstellern. Das sieht heute nicht mehr zwangsläufig schlimm ökomäßig aus, es gibt ganz tolle Sachen, und sie sind auch nicht mehr furchtbar teuer. (Hier eine Grüne Ladenliste.)


Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Meine Freundin Gesine sieht immer toll aus. Eine Zeitlang habe ich mich beim Shoppen gefragt, ob Gesine das tragen würde. Das hat manchmal geholfen. Neulich sagte sie, sie möchte jetzt auch gern garment tragen. Ha! Meine Lieblingssachen haben oft einen Hauch Sixties drin, das mag ich sehr.


Isabel Bogdan modelt für garment
Isabel modelling for garment (2014). Foto: Maximilian Buddenbohm.


Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück?

Immer gerade das aktuell Neuste. Ich liebe neue Kleider. Und ich liebe vor allem Kleider. Und meinen roten Mantel.


Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Ich bin besser gekleidet als früher, und ich merke, dass Kleider Leute machen. Ich habe auch ein besseres Selbstbewusstsein als früher. Aber: Keine Ahnung, was Ursache und was Wirkung ist. Ob ich das Gefühl habe, besser dazustehen, weil ich schöne Sachen trage, oder ob ich mich in den schönen Sachen wohlfühle, weil ich mich im Leben wohlfühle, ist schwer zu sagen. Vielleicht von beidem ein bisschen.

Manchmal denke ich, ich könnte ein paar Kilo weniger vertragen, aber mein Kopf weiß, dass das Quatsch ist. Wenn es nicht so furchtbar blöd klingen würde, würde ich fast sagen: So schön wie jetzt war ich noch nie.

Älterwerden? Wenn das so weitergeht, immer her damit.


Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Eindeutig eher der Wasser- und Seife-Typ. Ich glaube an den Profit von Chemieunternehmen durch moderne Produkte, und ich glaube, dass Frauen viel zu sehr erzählt wird, sie wären nicht schön genug und müssten etwas daran ändern.



„Ich liebe Kleider!” (2009)


Du bist auf Reisen und hast deinen Waschbeutel vergessen. Zahnpasta und Seife gibt es im Hotel. Auf welche drei Kosmetikprodukte kannst du keinesfalls verzichten und kaufst sie sofort ein?

Deo (Weleda Zitrus), Gesichtscreme (Eucerin für trockene Haut), Wimperntusche (da bin noch auf der Suche nach dem ultimativen Bioprodukt).


Wenn du dir ein (noch nicht existierendes) Produkt von der Kosmetikbranche wünschen dürftest: Welches wäre das?

Ich glaube, es gibt schon viel zu viele Kosmetikprodukte, und bin wunschlos.


Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Nein, ich habe keine Geheimnisse, möchte aber gern eine Plattitüde absondern: Schönheit kommt von innen. Ich glaube, dass genügend Schlaf und gute Laune schön machen. Wer immer schlecht drauf und grantig ist, dem steht das irgendwann ins Gesicht geschrieben.


Isabel Bogdan modelt für Annette Rufeger
Isabel modelling for Annette Rufeger (2013). Foto: Maximilian Buddenbohm.


Die allermeisten Menschen werden schön, wenn man mit ihnen spricht; am schönsten sind sie, wenn sie von etwas sprechen, das sie begeistert.



Lässig lehnend *g*: Türkei-Urlaub im Jahr 2000.


Und: Esst mehr Obst! Das macht nämlich auch glücklich. Und glücklich macht schön, alte Regel.


Was würdest du in Sachen Schönheit gerne mal ausprobieren?

Ich sollte endlich lernen, mit meinen langen Haaren umzugehen. Es gibt so tolle Frisuren, geflochten oder hochgesteckt oder sonstwas, aber ich hatte nie den Ehrgeiz, mich damit zu beschäftigen und Dinge auszuprobieren und zu üben. Also mache ich ein Gummi rein, und zu besonderen Anlässen lasse ich sie mal offen. (Bis es Essen gibt, dann nervt es mich, und zack! ist wieder ein Gummi drin.) Das ist eigentlich schade.


Isabel Bogdan turnt Rhönrad
Isabel macht gerne mal Sachen: Rhönrad turnen, zum Beispiel. (2011)


Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Lockermachen.

Vielen Dank, liebe Isabel, fürs Dabeisein, deine spannenden Antworten und besonders für den Satz „Älterwerden? Wenn das so weitergeht, immer her damit.” Großartig! Auf den verrückten Pfau in Schottland bin ich übrigens sehr gespannt!

***

Mehr spannende Interviews mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick!

 
Susanne Ackstaller, Montag, 06. Oktober 2014, 07:00 Uhr
Kommentare: 9 | Aufrufe: 8525 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews, | Tags: sachen machenmodeliteraturübersetzerinisabel bogdanfrauen ab 40beautyautorinanti-agingälterwerden
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Kommentare

  • Sehr schönes Interview mit _sehr_ sympathischer Isabel Bogdan - danke schön! Antje (eingefleischter Garment-Fan ;))

    Antje
    am Dienstag, 07. Oktober 2014 um 23:21 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susi,
    das ist wieder ein tolles Interview mit einer tollen Frau. Sachen machen finde ich schon so genial… jetzt möchte ich noch das Buch dazu lesen. :-)
    Und Frau Bogdan hat recht… da sie selbst ihre Schönheitstipps bestimmt befolgt, kann man sehen, dass es wirkt. Sie ist wirklich eine wunderschöne Frau… ich habe gerade einen Blick auf die Bilder auf ihrem Blog geworfen und bin gleich noch mehr begeistert…
    Eine schöne Woche wünsche ich, lieber Gruß - Conny

    Conny
    am Montag, 06. Oktober 2014 um 20:15 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Tolle Frau, tolles Interview. Wow!

    Liebe Grüße
    Christina

    PS: ich hätte genau die gleichen Kosmetikartikel gekauft, musste daher echt lachen! :-)

    Christina
    am Montag, 06. Oktober 2014 um 16:07 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Wieder ein tolles Interview, Susi.
    Ich finde die Einstellung klasse - besonders die Aussage „Ich glaube, es gibt schon viel zu viele Kosmetikprodukte” gefällt mir sehr.
    Und auch ich liebe Kleider ganz besonders, nur leider ist das Kleid „Senta” bei Garment doch furchtbar teuer…

    LG
    Annette | Lady of Style

    Annette
    am Montag, 06. Oktober 2014 um 14:56 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • »Die allermeisten Menschen …« Ja, das hat mir auch besonders gut gefallen.

    Isabel Bogdan habe ich bei Facebook »kennengelernt«, weil mir einigen Menschen dort und im wahren Leben befreundet ist, die ich sehr schätze. Seither bewundere ich ihre Kreativität und ihre Konsequenz.

    »Sachen machen«, ist ein zauberhaftes Buch. Auf den verrückt gewordenen Pfau in Highlander Tracht freue ich schon sehr.

    Jeanine Krock
    am Montag, 06. Oktober 2014 um 12:53 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • „Die allermeisten Menschen werden schön, wenn man mit ihnen spricht; am schönsten sind sie, wenn sie von etwas sprechen, das sie begeistert.”

    Das ist ja wohl das Schönste, was ich seit Langem gelesen habe. Danke!

    Katja Heimann-Kiefer
    am Montag, 06. Oktober 2014 um 11:44 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • „Die allermeisten Menschen werden schön, wenn man mit ihnen spricht; am schönsten sind sie, wenn sie von etwas sprechen, das sie begeistert.”

    Das ist so unendlich wahr. Wie schön ist das, Isabel im Montagsinterview zu lesen. Und wie dankbar bin ich dem Internet wieder einmal für diese Begegnungen, sei es die mit Susi oder die mit Isa. Und in absehbarer Zeit dann sogar auch mal jenseits des Bildschirms :).

    Wibke Ladwig
    am Montag, 06. Oktober 2014 um 10:24 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • „Sachen machen” ist ein wunderbares Buch - es liegt, nachdem ich es gelesen habe, immer im Gästezimmer und hat schon viele Übernachtungsfreunde begeistert.

    Liebe Susanne, wieder mal ein wunderbares Interview, hat mir grad große Freude bereitet, es zu lesen.

    Isabel, Dein Stil und Deine Antworten gefallen mir sehr, danke für die Einblicke! Und die Fotos sind großartig - Garment hat ja wirklich zauberhafte Teile!

    DANKE Euch beiden,
    herzlichst, Bettina

    Bettina Stackelberg
    am Montag, 06. Oktober 2014 um 10:03 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Immer her damit - genau!

    Uschi aus Aachen
    am Montag, 06. Oktober 2014 um 09:35 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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