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Kolumnisiert: Barfuß in Bushwick.

Ja, ich bin spät dran: Denn während ich gerade noch in Sandalen in Lissabon unterwegs bin, ist letzte Woche meine Kolumne "Barfuß in Bushwick" in der WELT erschienen. Man möge mir mein Rumgeschlampere hier ein wenig nachsehen - aber ich war auf Reisen. Dafür habe ich viele Fotos gemacht: Guckst du!

Aber hier sie nun, meine Kolumne: Barfuß in Bushwick.

Kürzlich in New York fand ich mich um Mitternacht barfuß auf einer Straße in Brooklyn wieder. Der Boden war eiskalt. Ich umkurvte Hundehäufchen, balancierte über Glassplitter. Das alles nur, weil ich reinrassige Sitzschuhe (Schwarzer Satin! Kitten Heels!) für einen winzigen Fußmarsch am Broadway angezogen hatte. Und während ich auf der Couch dann meine geschundenen Füße bemitleidete, hörte ich die komfortablen Berkemanns aus dem Schuhschrank hämisch kichern. Tja, selbst schuld. Das Leben könnte so viel schmerzfreier sein. Zehen- und fersenschonender. Blasenfreier. Mit bequemen Schuhen.

Und dennoch können wir Frauen nicht davon lassen: von 10-Zentimeter-Plateaus, schwindelerregenden Riemchen-Sandaletten oder hochhackigen Stiefeln. Wir stacksen und stöckeln, bemühen uns um Eleganz und Haltung. Kopfsteinpflaster? Der kurze Sprint zur U-Bahn? Egal, bloß nicht fallen! Wir brauchen stützende Arme, Begleiter zum Einhaken ... und einen Orthopäden für die Spätschäden.

Schuld an den hohen Hacken ist aber keineswegs die Eitelkeit. Es ist die Evolution, die uns dazu treibt. Der Absatz ist Teil des weiblichen Balzverhaltens, das haben Wissenschaftlerinnen nachgewiesen. Denn High Heels verändern unsere Körpersilhouette, so die Studie, rücken Beine, Busen und Po zurecht. Und ins männliche Blickfeld.

Unsere Urinstinkte sind also schuld: an unserem Hohlkreuz. An unseren Spreizfüßen. An vollen Schuhschränken und leeren Bankkonten. Wir sind hochbehackte Opfer der Evolution. Genetisch programmiert zwängen wir unsere Füße nur aus einem einzigen Grund in Folterinstrumente: Es ist die Suche nach dem perfekten Erzeuger.

Damit wäre dann auch die Ursache für den demografischen Wandel in Deutschland ausgemacht: Unsere germanische Bequemschuh-Vorliebe lässt die Geburtenzahlen schrumpfen. Die politische Lösung wäre einfach: Statt Kita-Plätze lieber Stöckelschuhe subventionieren. Ich bin dafür!

Die Kolumne erschient print und online in der Welt Kompakt.

6383 0 Column 29.05.2013

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