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Das Leben in Herbstfarben

Auf unserem Grundstück stehen eine alte Kastanie und eine noch ältere Eiche (nebst diversen anderen Bäumen hinterm Haus). Als wir das Stückchen Land vor einem halben Leben besichtigten, schlug der Makler vor, die beiden Bäume zu fällen – der verstellte Blick ins Tal, das herabfallende Laub, die verstopfte Regenrinne, überhaupt der ganze Dreck, ihr wisst schon! Mein Mann und ich müssen ziemlich entgeistert dreingeschaut haben (denn die Bäume waren ja einer der Gründe, warum wir das Grundstück überhaupt haben wollten …), danach hat der Makler das Thema kein zweites Mal angeschnitten. 

Wobei: Natürlich hatte er Recht! Wir könnten jedes Jahr zehn Säcke (mindestens!) mit Laub entsorgen (was wir nicht tun, Insekten, Igel und andere Kleintiere wollen ja auch irgendwie überwintern) und eine verstopfte Regenrinne hatten wir in den letzten fast 25 Jahren, die wir hier wohnen, nicht nur einmal. Und, ja, Dreck macht das Laub durchaus – vom Lärm, mit dem die Eicheln ab Ende September auf unseren Holzbalkon poltern, ganz abgesehen. Nach dem Mittagessen draußen einen Kaffee trinken? Vergiss es, außer man möchte von einer sehr harten Baumfrucht getroffen werden, und ich kann aus Erfahrung sagen: Das macht keinen Spaß! 

Trotzdem liebe ich all das von Herzen. Das Konzept „Laubbläser“ ist mir völlig fremd, denn das, was andere von ihrem Rasen blasen oder von den gepflasterten Wegen rechen, das macht den Herbst in meinen Augen doch erst richtig schön. Das Rascheln der Blätter, das Klackern der Eicheln, der Geruch von feuchtem Laub. Das Knacksen der Äste im Wind. Und die Farben, die natürlich auch! Im Herbst werde ich wieder zum Kind. Wie früher sammle ich die schönsten Kastanien auf und stecke sie in die Jackentasche (und vergesse sie dort, bis ich sie irgendwann Monate später wiederfinde), greife mit den Händen ins Laub und werfe es hoch, binde aus farbenfrohen Blättern einen kleinen Strauß. 

Am vergangenen Dienstag war’s stürmisch, kalt und besonders schön: Vom Schreibtisch aus sah ich, wie der Wind die Blätter über die Wiese gegenüber wirbelte. Die Bäume rauschten. Und wenn man vor die Tür trat, nahm die Kälte einem fast den Atem. (Keine Übertreibung, es war sehr, sehr kalt – und ratet mal, wessen Heizung mal wieder muckt … genau.) Kurz: die perfekte Kulisse für Fotos von meinem neuen Herbstoutfit. (Martina ließ sich leider auf die Schnelle nicht herbeamen, daher mussten Stativ und mein Handy reichen … na ja, und das sieht man natürlich auch.)

Als ich nach einer Stunde mit gefühlt hundert Fotos und drei Dutzend Videos wieder ins Haus kam, hatte ich klamme Finger, eine eiskalte Nase und rote Wangen. Und fühlte mich, als wäre ich – wie vor über 50 Jahren – durch den Garten getobt (und gleich würde es in der Küche heiße Schokolade und ein paar Kekse geben). 

 

Heiße Schokolade gab es dann zwar keine. Aber einen heißen Tee und das letzte Stück Kürbiskuchen vom Wochenende. Und wie ich so aus dem Fenster blickte, musste ich an den Makler denken. Recht hatte er ja, mit dem Dreck, dem Laub, der Regenrinne. Eine Kleinigkeit hatte er allerdings vergessen: dass man unter so einer alten Eiche jeden Herbst wieder ein bisschen Kind sein darf. Nicht auszudenken, wir hätten uns damals gegen die Bäume entschieden. 

Was den Herbst noch schön macht:

→ Mein neues Outfit von Seasalt Cornwall, einem britischem Label, das mir bis vor kurzem unbekannt war. Manches im Sortiment finde ich ein bisschen trutschig, aber der Rock (oder hier bei Next) ist wirklich wunderschön (leichte, aber dennoch standfeste Bio-Baumwolle, fast wie Taft) und der Wollpullover trägt sich wunderbar angenehm. (Den Rock gibt es auch in Bunt – sieht toll aus.) Mehr Mode findest du wie immer hier (die drei Gift Guides, die ich im Rahmen einer Ralph-Lauren-Challenge erstellt habe, finde ich besonders schön ...)

→ Budapest im Herbst. „Aber du warst doch erst …?“ Stimmt, aber wenn der Filius nun mal seine „Weißkittel-Zeremonie“ feiert, dann reisen die guten Eltern selbstverständlich noch mal an. Wenn du diesen Beitrag am Sonntagmorgen liest, sitze ich beim Frühstücken und freue mich auf ein paar letzte Stunden, hier in dieser wunderbaren Stadt. 

→ Wollpullis tragen. Vorbei die Zeit der baumwollenen Streifenshirts, endlich darf man sich wieder einkuscheln! Ein paar meiner Favoriten (teils mit wunderschönen Strickmustern) habe ich dir hier zusammengestellt. 

→ Endlich wieder Maroni essen, beim Freisinger Maroni-Mann, logisch. 

→ Die Feuerschale im Garten anzünden, mit Freunden, Decken und Glühwein. Überhaupt mehr Freunde treffen!

→ Soulfood kochen. Keine Jahreszeit passt dazu besser.

→ Pläne fürs nächste Jahr schmieden (aber nicht zu viele! Man will ja auch noch Zeit zum Durchatmen und Genießen haben. Ich spreche aus Erfahrung.) 

→ Sich auf Weihnachten vorfreuen! Ja, jetzt schon! Trotz Kitsch und Konsumstress hat diese Zeit für mich ihren Zauber nie verloren. Für Texterella ist mir etwas besonders Nettes eingefallen (finde ich!), mal schauen, ob das klappt!

 

Fotos: Susanne Ackstaller

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47 0 Texterella liebt Mode., 50+ Lifestyle, Beauty & Fashion 08.11.2026

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