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Britta Janzen kenne ich quasi, seitdem ich das Internet kenne. Also ziiiiemlich lange. Wir waren schon gemeinsam bei den Webgrrls (wo ich andächtig staunend ihren Erzählungen vom fulminanten Mitarbeiterfrühstück lauschte, das ihr damaliger Arbeitgeber, ein angesagtes Internet-Startup, allmorgendlich anliefern ließ) und sind dann ebenso gemeinsam in den Texttreff hinübergeschwappt. Seit jeher schätze ich ihre unnachahmliche Mischung aus Professionalität und Herzenswärme, plus ihr umfangreiches Wissen, was Beauty-Trends und -Produkte angeht. Logisch, dass ich sie - Gott sei dank gerade rechtzeitig 40 geworden - bei meiner Interview-Serie dabei haben wollte. Auch wenn ich jetzt erfahren musste, dass sie privat mit Schönheitspflege gar nicht so viel am Hut hat! :-)

Ein bisschen typisch für die „magischen 40” ist es sicher, dass sich in den letzten Jahren bei ihr so viel verändert hat: Nicht nur wurde ihr zweites Kind geboren, nicht nur ist sie mit Mann und Maus und zwei kleinen Kindern von Hamburg nach Kiel gezogen – nein, zu all dem Trubel hat sich Britta nach fast 20 Jahren als angestellte Redakteurin bei (Frauen-)Zeitschriften und kurzen Abstechern bei Film, Funk und Internet auch noch als Texterin, Journalistin und Beraterin selbstständig gemacht. Wow, was für ein Energiebündel!

Ich freue mich, dass sie sich Zeit für meine Fragen genommen hat - denn ich weiß, wie wenig Zeit man als berufsstätige Mutter kleiner Kinder hat!


Britta und „Fire Salamander”.

Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert? Welche Stilrichtung bevorzugst du?

Ich bin seit der Teeniezeit schon immer mehr als andere und trage das, was man früher Übergrößen nannte und heute „Plus Size” – und zwar sowohl bei Kleidung als auch bei Schuhen (Größe 43) und bei Unterwäsche. Klar wäre ich gern ein bisschen dünner, aber deshalb muss ich ja nicht wie ein Trauerkloß durchs Leben gehen. Aber als Jugendliche war es ganz schön hart. Es hat gedauert, bis ich selbstbewusst und zufrieden mit meinem Körper umgehen konnte. 
Shoppen war früher eine Qual: Meistens habe ich einfach das gekauft, in das ich hineinpasste. Das war nicht gerade viel und sehr oft schwarz.

Zum Glück hat sich in den letzten Jahren viel getan für Frauen, die in Sachen Figur nicht durchschnittlich sind. Viele Labels sind auf Plus Size spezialisiert, vor allem in England und den USA kann man fantastische Mode bestellen, die nichts zu tun hat mit wallenden Gewändern, Riesenknöpfen und schrillen Clownsfarben. Es gibt verschiedene Designerlabels, die nur ab Größe 42 schneidern. Es gibt immer mehr Schuhhersteller, die Damenschuhe bis Größe 45 produzieren – früher trug ich oft Herrenschuhe oder Unisex-Slipper, die es von Größe 30 bis 50 gab. Heute habe ich also die Möglichkeit, überhaupt einen Stil aussuchen zu können!

Wenig aufregend ist der, in erster Linie klassisch-zeitlos. Ich trage noch immer gern schwarz, kombiniere das aber mit kräftigen Kontrastfarben wie den derzeit angesagten Juwelentönen oder mit Mustern, gern in schwarz-weiß.  Zum Outfit gehört für mich immer ein Blazer, ein Gehrock, eine Strickjacke oder eine offene Hemdbluse über einem Shirt. Dazu trage ich meistens eine schmale Hose und Ballerinas. Röcke und Kleider sind nicht so meins. Ich bin modisch nicht übermäßig mutig – mit meiner Größe und meiner Art bin ich auffällig genug, da muss ich nicht auch noch mit gewagten Outfits Aufsehen erregen. Wobei ich auch das manchmal bewusst mache: etwa, wenn ich bei einer Veranstaltung, bei der 95 % der Teilnehmer Männer in dunklen Anzügen sind, meine heißgeliebte pinkfarbene Wildlederjacke trage.

Hast du ein Lieblingskleidungsstück? Wenn ja, welches? Und warum?

Meine Lieblingsstücke wechseln eigentlich jedes Jahr. Und zum Teil sogar jeden Tag – ich brauche nämlich eine bestimmte Grundstimmung, um bestimmte Teile tragen zu mögen. Knallrot etwa geht nicht immer, dazu muss ich mich zumindest ein wenig dynamisch-aktiv fühlen, ein bisschen nach „Tschakkah!“. Trifft man mich in braun, schwarz oder oliv, ist es ein Tag, an dem von „Tschakkah“  garantiert keine Spur zu finden ist.

Im Moment liebe ich eine orangerote Tunika von Triangle by S. Oliver, die ich neulich entdeckt habe. Der Hersteller nennt die Farbe „Fire Salamander“ - in ihr fühle ich mich nach sonnigem Oktobertag, auch wenn draußen Sturm und Regen herrschen. Mein Lieblingsschnäppchen ist die pinkfarbene Wildlederjacke, die ursprünglich unfassbare 500 Euro kosten sollte. Ich bin wochenlang immer wieder in den Laden nahe meiner Redaktion gegangen und habe das gute Stück besucht, konnte mich aber nicht entscheiden. Dann wurde sie herabgesetzt – auf 300 Euro. Immer noch recht viel. Und dann kam der Tag, an dem sie nur noch 180 Euro kosten sollte und es zusätzlich noch 30 % Rabatt auf jedes reduzierte Stück gab. Seitdem gehört sie mir!


2004 im typischen Von-oben-bis-unten-schwarz-Look.

Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert?

Nicht nur, was Äußerlichkeiten betrifft, auch in vielen andere Bereichen des Lebens merke ich, dass mir die Meinung anderer mit zunehmendem Alter immer gleichgültiger wird. Nicht, was meine Familie oder gute Freunde angeht - aber Lästereien oder dumme Sprüche anderer beeinflussen mich mittlerweile überhaupt nicht mehr. Natürlich freue ich mich, wenn ich ein Kompliment bekomme! Und ich spreche auch mir völlig Unbekannte an, wenn mir zum Beispiel das Kleid ausnehmend gut gefällt oder mir ein besonders schönes Shirt ins Auge sticht. Nach dem ersten Schreck freuen die meisten sich sehr darüber – vor allem Frauen, die in meiner Figurklasse spielen.


2003. Fotoproduktion für eine Frauenzeitschrift.

Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte? Hast du eine Lieblingsmarke?

Jahrelang platze mein Badezimmerschrank aus allen Nähten, weil man als Mitarbeiterin einer Frauenzeitschrift ja sozusagen an der Quelle sitzt, was Beautyprodukte angeht. Verwendet habe ich letztendlich aber kaum etwas, und heute ist meine Ausstattung beinahe karg. Ich benutze eine Gesichtscreme – derzeit von Eucerin – und die noch nicht einmal täglich. Auch Hand- und Fußcreme oder Bodylotion sind vorhanden, kommen aber ehrlich gesagt nur an hohen Feiertagen zum Einsatz ... Das einzige, was ich wirklich jeden Tag benutze, ist Wimperntusche – ohne sehe ich einfach müde und fade aus.


Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Viel lachen! Das Leben genießen, mit offenen Augen durch den Tag gehen und anderen Menschen mit einem Lächeln begegnen. Mit Make-up und Kleidung kann man zwar viel erreichen, aber um wirklich umwerfend zu wirken, braucht man Ausstrahlung. Und die hat nur, wer authentisch wirkt, sich nicht verstellt oder verbiegt.

Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Inspirierend fand ich den Titel eines Buches, das ich mal gelesen habe: „Warte nicht auf schlanke Zeiten“. Was mich glücklich macht, das will ich jetzt – egal, ob ich in Größe 38 passe oder in 48. Schön hat es auch Pearl S. Buck formuliert: „Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das Große vergebens warten.“

Danke für deine Zeit und für dieses spannende Interview, liebe Britta!

Mehr spannende Interview mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hier: Klick and enjoy!

 
Susanne Ackstaller, Montag, 29. Oktober 2012, 09:00 Uhr
Kommentare: 5 | Aufrufe: 4496 | Kategorie: Frauen ab 40/50/60, Interviews,
 

Kommentare

  • Oh, mensch, wie konnte ich denn dieses schöne Interview nur verpassen?? Von Britta habe ich übrigens gelernt, wie man sich schminkt :)

    antje
    am Montag, 05. November 2012 um 14:01 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Ich hatte das Vergnügen, am Samstag 1,5 Stunden mit ihr zu plaudern - eine tolle Frau! Bleib, wie du bist, liebe Britta ;o))

    Christa Goede
    am Montag, 29. Oktober 2012 um 10:35 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Hach, Britta, ich kann genau hören, wie du das alles erzählst! Wie schön, dich hier zu sehen :)) Ich weiß noch genau, wie du mich mal im Wendland zur Seite zogst und sagtest: „Zieh bloß nie wieder das Weiße an!” Du hattest sooo recht! ;))

    Britta
    am Montag, 29. Oktober 2012 um 10:30 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Sehr entspannend, das zu lesen! Ich bin ganz Brittas Meinung: Lachen ist besser als jedes Cremchen :-)

    Daniela
    am Montag, 29. Oktober 2012 um 10:11 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Gelassenes Lachen oder lachende Gelassenheit - das Britta das gut tut, sieht man, auch wenn man ihr live begegnet.

    Birgit
    am Montag, 29. Oktober 2012 um 09:10 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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