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Bärbel Klein war unter den ersten Ü40-Bloggerinnen, die mir im weltweiten Web über den Weg liefen. Von Anfang an mochte ich ihren zurückhaltenden und dennoch bunten Blog farbenfreundin, in dem es (wie bei texterella) um viele unterschiedliche Themen ging: ein bisschen Mode, ein bisschen Beauty und Kosmetik – und dazu ganz viel Leben und Leben lassen.

Ebenso farbenfroh wie ihr Blog ist auch ihr Leben. Aufgewachsen in den Achtzigern in einer bieder-katholischen Kleinstadt trieb es Bärbel hinaus in die weite Welt, wo sie wachsen und frei sein konnte, und zu dem verändern, was ihr wirklich wichtig war: glücklich und zufrieden sein, und vor allem Spaß am Leben haben. „Veränderung gehört zu meinem Leben wie die Jahreszeiten. Deshalb liebe ich auch die Mode, denn sie ist genauso wechselhaft wie ich“, sagt sie – und ich finde, diese Liebe zur Veränderung sieht man auch bei ihren Fotos: Selbst die aktuellen sind komplett unterschiedlich.



Bärbel Klein, 46.


Auch beruflich hat Bärbel viel ausprobiert und in den unterschiedlichsten Branchen gearbeitet: Innenarchitektur, Photographie, Gartenbau, sogar Gastronomie. „Ich wusste nie so recht, was ich beruflich wirklich machen wollte. Also habe ich viel probiert, studiert, gelernt und dann wieder sein lassen.” Aber auch hier hat sie ihren Weg gefunden und schafft mit ihrem Job als Sekretärin heute die perfekte Balance zwischen wirtschaftlicher Sicherheit und der Möglichkeit, privat Spannendes auszuprobieren. Und sich auch hier immer wieder zu verändern und neues zu erleben.


Wie würdest du deine Einstellung zu Mode bezeichnen oder beschreiben? Hat sie sich im Laufe deines Lebens verändert?

Rückblickend erkenne ich, dass Kleidung für mich immer schon mehr war als Mode. Es war auch eine Art „Kostümierung für den Alltag”. Im Job bevorzuge ich deshalb den sachlichen Hosenanzug, privat hingegen durchaus auch mal Nieten und gefährliche (weil hohe und spitze) Stiefeletten. Zugleich sind Klamotten auch eine Art zweiter Haut, eine Schutzschicht, die mein Innerstes schützt und mich etwas von der Umwelt abschottet. Dass sie außerdem auch eine Art Kommunikationsmittel sind, damit habe ich mich ganz intensiv in meiner Ausbildung zur Stilberaterin beschäftigt.



Die Existenzialistin (19xx).


Als Teenager stand mein Stil, meine Mode für Avantgarde und Provokation: Kaum Farbe, viel Schwarz, vielleicht ein bisschen Weiß. Aber immer viele Nieten, Metall und Leder. Schminken? So ein Quatsch! Außer: roter Lippenstift. Ach, was sage ich: Grell roter Lippenstift. Hauptsache „Anti“.

Die Haare trug ich als Igel und damit die Haarpracht oben blieb, verwendete ich keinen klassischen Festiger aus der Drogerie, sondern – stilgerecht – Bier. Meine Haare waren kurz und zwischendurch auch mal schneeweiß – Billy Idol lässt grüßen. Manchmal experimentierte ich mit rasierten Mustern, sogenannten „Hair Tattoos“ oder mit pinken oder roten Dreiecken. In den Achtzigern war das neu – und sehr Avantgarde.



Rebel yell! (1987)


Spaß an weiblichem Chi-Chi entdeckte ich erst im Ausland, als ich mit 20 den Sommer über in einem Hotel in Südfrankreich arbeitete. Französinnen sind sehr selbstbewusst weiblich und kleiden sich gerne feminin. Sie zelebrieren ihre Weiblichkeit geradezu – und das gefiel mir! Französische Männer und Frauen spielen mit ihren Gegensätzen und haben einen Heidenspaß daran. Auch mir machte das Flirten unter der provenzalischen Sonne viel Spaß. Und ich entdeckte zugleich die Macht der Weiblichkeit.

Zurück in Berlin verlor sich das allerdings schnell wieder. Ende der Achtziger war „Savoir vivre“ dort nicht wirklich angesagt. Ich holte also die schwarzen Klamotten, die Rollkragen-Pullover und schweren Stiefel wieder aus dem Koffer – und damit auch meine harte Schale. Wobei ich in der Retrospektive nie so ganz in diese Szene passte. Mit meinen damals recht runden Körperformen und Körbchengröße DD war ich schlichtweg zu üppig und sinnlich, wo doch eher der androgyne und assexuelle „Heroin Chic“ angesagt war.

Heute genieße ich Abwechslung: Uneitle Tage, an denen ich in unförmigen (Jungs-)Klamotten rumzulaufen, ohne Schminke, Haare unter einem Haarband gebändigt, ohne das ganze Chi-Chi. Dann wieder das glatte Gegenteil: Aufgebrezelt mit Make-up, Geklimper, zarte Stoffe um die Hüften, nach Magnolien und Jasmin duftend.

Trotzdem, Hosen überwiegen in meinem Kleiderschrank, ebenso T-Shirts und sportliche Oberteile und flache Schuhe. Auch eine unkomplizierte Frisur ist mir enorm wichtig.


Mutig kombiniert, hehe! ;-) (1995)

Der Umgang mit Farben fiel mir über lange Jahre sehr schwer. Ich entschied immer sehr aus dem Bauch heraus und war in Sachen Eigenwahrnehmung ungeübt. Das Ergebnis war hin und wieder zu bunt und vielleicht auch unvorteilhaft. Mit Dreißig machte ich eine Ausbildung zur Farb- und Stilberaterin, das half mir sehr, die fürs Outfit optimalen Farben herauszufinden. Heute liebe ich Farben und das Spiel damit und gebe meine Erfahrungen gerne weiter. Mode inspiriert!


Welche Stilrichtung bevorzugst du? Wie hat sich dein Geschmack im Laufe deines Lebens verändert – und warum?

Ich mag es casual. Bequemer Schick „mit dem gewissen Etwas“ könnte man es vielleicht nennen. Auch wenn ich inzwischen Röcke und Kleider trage, Hosen haben den Vorrang. Selbst die eleganteste Hose ist immer noch praktischer als jeder Rock – und Hosen müssen ja nicht unweiblich sein.



„Ich mag meine weibliche Seite!” – zurecht! (2010)


Die größte Veränderung über die Jahre ist für mich, dass ich sehr viel Spaß daran habe, meine Weiblichkeit zu zeigen, mein Dekolleté zu betonen und mit meinem „Frau-sein“ zu spielen. Wie gerne wäre ich früher ein Junge gewesen! Heute hingegen fühle ich mich frei und liebe meine weibliche Seite.


Hattest du modische Vorbilder? Personen oder Persönlichkeiten, die deinen Stil geprägt haben – oder eine modische Ära?

Modische Vorbilder hatte ich keine. Mode ist aber immer auch Ausdruck der Persönlichkeit und da beeindruckten mich die starken, polarisierenden Frauen aus dem Musik-Business, allen voran Madonna. Sie ist für mich bis heute eine sehr beeindruckende Frau. Ebenso Pink oder Lady Gaga. Auch wenn ich die Musik nicht immer mag, bewundere ich das Selbstbewusstsein dieser Frauen. Sie zeigen der Welt, was alles möglich ist, und machen damit Mut.


Hast oder hattest du ein Lieblingskleidungsstück?

Jacken sind mir sehr wichtig. Eine Jacke gibt mir Sicherheit und komplettiert jedes Outfit. Außerdem kann man zur Not die Handtasche weglassen (weil der Autoschlüssel in eine der kleinen Taschen passt).

Früher gab es immer eine obligatorische Jeansjacke. Meine letzte wurde mir allerdings bei einem Überfall im Urlaub abgenommen und damit hatte sich das Thema irgendwie erledigt. Seither mag ich keine Jeansjacke mehr haben. An ihre Stelle ist nun der Blouson getreten. Im Job trage ich gerne einen Sakko, mal leger in Leinen oder Jeansstoff.


Wie hat sich deine Einstellung zu Schönheit und Aussehen in den letzten Jahren verändert? Inwieweit hat das Älterwerden damit zu tun?

Oja, meine Einstellung hat sich sehr verändert. Wie fremd habe ich mich immer in meinem pummeligen Mädchenkörper gefühlt! Es hat Jahrzehnte gedauert, bis ich mit meinem Körper und meinem Aussehen Frieden geschlossen habe. Geholfen hat mir vor allem Sport. Das propagiere ich auch heute immer wieder: Sport ist eine wunderbare Seelenmedizin.



Wunderschön! (2010)


Das hört sich jetzt vielleicht an, als sei ich ein Fitness-Guru. Nein, das bin ich nicht. Es geht um Bewegung, die im Atem-Rhythmus passiert. Es reichen regelmäßige Spaziergänge, leichte Gymnastik, Schwimmen. Der Körper reagiert dankbar, wenn man sich um ihn kümmert und ihn hegt und pflegt. Das gibt eine gute Haltung und ein gutes Körpergefühl. Ich wünschte, das hätte ich mit Zwanzig schon gewusst.

Klar sehe ich meine Falten, die grauen Haare, die mehr werden. Dann die Lesebrille zusätzlich zur Autofahr-Brille … ein Drama. Das nervt schon sehr.

Würde ich mein Lebensglück als Kurvendiagramm darstellen, dann wäre es aber dennoch eine stetig ansteigende Kurve. Was können mir da ein paar Alterserscheinungen antun? Ich spüre ganz viel Leben in mir und das ist die Hauptsache. Und so lange ich begehrt werde und begehre, ist mir alles andere egal.


Zur Kosmetik: Bist du eher der Wasser-und-Seife-Typ oder glaubst du an die Möglichkeiten moderner Produkte?

Als Teenager hatte ich Neurodermitis und so bin ich bei der Naturkosmetik gelandet. Ihr bin ich bis heute treu geblieben. Ohnehin schenke ich den Botschaften der Kosmetikindustrie wenig Glauben und habe deshalb nicht ganz so viele Tiegelchen im Schrank.


Mal sportlich-leger ... (2014)

Ja, ich bin eher ein Wasser-und-Seife-Typ. Ich habe erst sehr spät angefangen mich zu schminken und genieße es auch heute noch, hin und wieder einfach mal komplett ungeschminkt ‘rumzulaufen. Lange verwendete ich nur Lippenstift, doch inzwischen mag ich es, mit ein bisschen Make-Up um die Augen gleich einen Tick mehr Ausstrahlung und Präsenz zu haben.


Du bist auf Reisen und hast deine Waschbeutel vergessen. Welche drei (Kosmetik-)Produkte kaufst du sofort?

Die Sole-Zahncreme von Weleda, ohne die bin ich echt aufgeschmissen. Dazu noch irgendeine Creme für meine extrem trockene Haut, am liebsten Annemarie Börlind und dazu einen Lippenstift. Alles andere kann ich improvisieren.


Hast du ein Schönheitsgeheimnis?

Viel Schlafen. Mittagsschlaf, Vormittagsschlaf, Vor-Mitternacht-Schlaf ... Das klappt zwar nicht immer, aber ich nutze jede Gelegenheit für eine kurze Entspannung.

Und einmal die Woche ziehe ich mich zu einem ausgiebigen Pflege- und Reinigungsritual ins Bad zurück.

Klar: Yoga, Sport und Bewegung. Ohne Bewegung rosten und verwelken wir. Seit neuestem mache ich auch manchmal Gesichtsgymnastik nach Canienica – das tut gut und hilft mir auch gegen meine Kiefer- und Nackenverspannungen.



... mal business-elegant (2014).


Gibt es ein Mantra, das dich durch dein Leben begleitet?

Das wechselt immer mal wieder, je nach Priorität. Ich mache mir leider oft zu viele Gedanken und hadere. Früher war es deshalb „Just do it!“, denn das gab mir den nötigen Antrieb und Schwung. Heute helfen mir eher ein lässiges Achselzucken und ein „F***-it” – also einfach mal alle Fünfe gerade sein lassen.


Danke fürs Dabei sein, liebe Bärbel. Übrigens: Den Satz (aus dem Vorgespräch) „Mit 46 fühle mich doch eher als ‘Thirtysomething’” unterschreibe ich sofort!

***

Mehr spannende Interview mit spannenden Frauen jenseits der 40 gibt es übrigens hinter diesem Klick!

 
Susanne Ackstaller, Montag, 23. Juni 2014, 09:00 Uhr
Kommentare: 6 | Aufrufe: 4464 | Kategorie: Meinungen, Frauen ab 40/50/60, Interviews,
 

Kommentare

  • Hach, longtime ago… dieses Interview ist ja auch schon fast aus dem letzten Jahrhundert. Hat trotzdem viel Spaß gemacht und schön, es drei Jahre später noch einmal zu lesen. Danke, dass es noch online ist!

    Farbenfreundin
    am Sonntag, 12. März 2017 um 08:53 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Liebe Bärbel,

      NATÜRLICH! Ist es noch online ... :D Ich lösch das doch nicht!

      Liebe Grüße,

      Susi.

      Susi
      am Sonntag, 12. März 2017 um 08:54 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Ist schon interessant, welche modischen Phasen wir so durchlaufen ;-)Du bist ja auch wirklich unglaublich vielseitig, Bärbel - beruflich als auch optisch und ich denke, Du hast Deinen Stil gefunden, wenn ich das erste Foto anschaue!

    Von der Wunder-Zahnpasta habe ich noch nie gehört, die werde ich mir, genauso wie Deinen Blog jetzt gleich anschauen.

    LG
    Annette | Lady of Style

    Annette
    am Mittwoch, 25. Juni 2014 um 20:09 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Das muss ich mal ausprobieren! Wobei ich Gott sei dank von Mückenstichen nicht so geplagt bin ...

    Susi
    am Mittwoch, 25. Juni 2014 um 09:06 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Alice, danke für den Kommentar und besonders für den Mückenstich-Tipp. Ja, auch bei mir steckt die Mutti dahinter… und nun komm ich nicht mehr los von dem Zeug :-) Wenn’s halt auch so gut ist.

    Farbenfreundin
    am Dienstag, 24. Juni 2014 um 12:30 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • „Weleda-Sole-Zahncreme und Börlind-Kosmetik”, das weckt Kindheitserinnerungen. Meine Mutter hat lange im Reformhaus gearbeitet und auch eines geleitet. Bis vor einigen Jahren gab es diese Produkte nur in Neuform-Reformhäusern. Auch Dr. Hauschka kenne ich von damals.

    Die Sole-Zahncreme wird bei uns auch noch anders angewandt: Als Hausmittel gegen Mückenstiche.

    Liebe Grüße vom Neckar
    Alice

    Alice Scheerer
    am Montag, 23. Juni 2014 um 13:15 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

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