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Ich habe gerade nachgezählt: Die Bundestagswahl am nächsten Sonntag ist meine neunte. Ich habe – seitdem ich 1984 volljährig wurde – an jeder Wahl teilgenommen. Nicht nur an jeder Bundestagswahl, sondern auch an jeder Landtagswahl und jeder Kommunalwahl. Zur Wahlurne zu gehen ist für mich selbstverständlich. Und dabei ist es genau das eigentlich nicht: Wählen zu können ist ein großes Privileg. Nur knapp 12 Prozent aller Staaten werden vollständig demokratisch regiert, weitere 34 Prozent unvollständig demokratisch geführt. Weltweite Demokratie-Tendenz: abnehmend!

Mach dein Kreuz! Warum unsere Demokratie dich braucht.

Illustration: Ulrike Haseloff.

Es ist und bleibt für mich daher rätselhaft, warum deutsche Bürger auf dieses Recht und auf ihr Privileg verzichten. Für mich ist das leichtfertig, verantwortungslos und überhaupt nicht nachzuvollziehen. Ja, auch nicht zu rechtfertigen.

Diese Bundestagswahl ist eine Schicksalswahl.

Die nächste Bundestagswahl ist für mich eine Schicksalswahl. Denn erstmals seit über 70 Jahren werden wieder Nazis in unserem Parlament sitzen – wenn kein Wunder geschieht, wovon ich ehrlich gesagt nicht ausgehe. Das bedrückt mich außerordentlich, scheint es mir doch so, als hätte man aus unserer entsetzlichen Geschichte nichts gelernt. Gar nichts. Das, was ich niemals für denkbar hielt, wird höchstwahrscheinlich passieren: Braunes Gedankengut wird in den Bundestag einziehen. Das ist so ekelhaft, so widerwärtig, ich schäme mich jetzt schon bei dieser Vorstellung. Und anders als 1933 haben wir nicht mal die „Entschuldigung“ einer Weltwirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit und allgemeinem Elends – nein, es geht uns Deutschen gut wie nie!!

Ich will hier keine Wahlempfehlung geben, das steht mir nicht zu. Es ist deine Gewissensentscheidung. Um was ich dich aber bitten möchte: Geh zur Wahl. Was für eine Texterella-Leserin vermutlich ohnehin selbstverständlich ist! Aber vielleicht sind ja noch ein paar unentschlossen, haben das Gefühl, Wählen mache keinen Sinn.Ja, ich weiß, viele meinen, keine Partei sei wirklich wählbar. Keine würde richtig „passen“. Dann empfehle ich dir den Wahl-o-mat oder auch Dein Wal. Das sind sehr hilfreiche Tool zur Entscheidungsfindung.

Wer nicht wählt, wählt rechts.

Wichtig ist aber, dass du überhaupt wählst. Denn erstens profitieren vom Nichtwählen in erster Linie die Rechten. Ihre Wähler sind leichter zu mobilisieren als andere Wähler, fehlende Stimmen kommen den Rechten besonders zugute. Im Grunde ist es so: Wer nicht wählt, wählt rechts. Zweitens ist Demokratie kein Selbstläufer. Und schon gar nicht ist sie so selbstverständlich, wie wir glauben, weil wir nichts anderes kennen. Demokratie muss gepflegt und geschützt werden. Und ausgeübt.

Falls du, so wie ich, am Wahltag nicht in deiner Wohnsitzgemeinde bist oder es aus anderen Gründen nicht ins Wahllokal schaffst, kannst du Briefwahl beantragen. Es ist noch nicht zu spät und du brauchst auch keine Begründung. Hier findest du die Infos zur Briefwahl.

Geh zur Wahl. Jede Stimme ist wichtig.

PS: Wer übrigens die Partei, deren Namen ich nicht nenne, weil ich sie überhaupt nicht auf meinem Blog haben und ihr hier auch keine Plattform geben will, für eine wählbare Alternative hält, den möchte ich diese zwei Links ans Herz legen:

- Eine hysterische Bewegung.
- Programm und Realität: Was wäre wenn ...

Ich wünsche uns allen eine gute Wahl – im wahrsten Sinne des Wortes. Auf dass im nächsten Bundestag nicht Hass, Hetze, Ausgrenzung und Intoleranz regieren, sondern Gerechtigkeit, Solidarität und Frieden. Das Schöne ist: Mit einem kleinen Kreuz kann dieser Wunsch wirklich werden. Es ist so einfach. Mach dein Kreuz.

***

Ich diskutiere gerne mit euch, andere Meinungen sind natürlich erlaubt und willkommen. Beleidigende und hetzerische Kommentare lösche ich aber kommentarlos.

 
Susanne Ackstaller, Dienstag, 19. September 2017, 06:00 Uhr
Kommentare: 5 | Aufrufe: 3349 | Kategorie: Meinungen, Gedanken,
 

Kommentare

  • Hallo,

    ich bin auf euren interessanten Artikel gestoßen. Finde ihn sehr hilfreich. Vor allem aber eure Erläuterungen dazu warum man auf jeden Fall wählen sollte, finde ich mehr als gelungen und sehr empfehlenswert. Danke dafür. Hat mich echt inspiriert.

    Timo

    Timo
    am Donnerstag, 21. September 2017 um 17:32 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Texterella, hin und wieder hatte ich den Impuls, einen Artikel auf diesem Blog hier (positiv) zu kommentieren und meistens (oder immer?) hab ich es dann doch nicht getan ... Aber diesmal muss ich doch sagen, dass ich genau wegen solcher Artikel regelmäßig und gern hier reinschaue. Mode und Schnick und Schnuck sind nett - das kann man machen oder auch lassen. Aber dazu angeregt zu werden, sich Gedanken zu machen, auf neue Informationen gestoßen zu werden (der Link zu Ruanda!) und das ‘ehrlich’, ohne Manipulation, ohne dass Betroffenheit, Empörung oder Besserwisserei im Vordergrund steht ... (und das ist auch ein Grund, warum ich eigentlich nicht kommentiere: Ich finde keine passenden, wenige Worte) - das find ich gut :-) Ich freu ich immer, wenn es mehr Inhalt als Verpackung gibt, auch wenn ich mich an hübscher Verpackung durchaus freue.

    Franziska
    am Dienstag, 19. September 2017 um 14:54 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Liebe Franziska, dein Kommentar freut mich außerordentlich - denn für genau solche Leser, wie ich, schreibe ich dieses Blog. :-)

      Nur Mode, Beauty und Zeugs wäre mir echt zu ... dünn. Das sind feine Sachen, aber vor lauter schönen Dingen darf man die wirklich wichtigen Dinge nicht vergessen. Finde ich.

      Liebe Grüße!

      Susi
      am Dienstag, 19. September 2017 um 22:08 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

  • Liebe Susanne,
    Dieser Text ist so wichtig und richtig! Danke dafür.

    Für mein Verständnis enthält er aber im ersten Absatz ein Missverständnis; die Tendenz der Staaten mit schwindendem Denokratieverständnis und -verhalten ist ZUNHEHMEND!

    Liebe Grüße und einen schönen Tag Christine

    Christine
    am Dienstag, 19. September 2017 um 08:31 Uhr

    Auf diesen Kommentar antworten

    • Liebe Christine,

      danke für deinen Kommentar. Ich meinte es andersherum: Dass die Demokratien weniger werden. Deshalb abnehmend. Ich ergänze jetzt noch „Demokratie-Tendenz”, dann wird es vielleicht klarer.

      Liebe Grüße!

      Susi
      am Dienstag, 19. September 2017 um 12:10 Uhr

      Auf diesen Kommentar antworten

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